Dienstag, 29. September 2009

Do-Khyi - Anschauungsmodell heutiger Zucht

Nachdenkliches von Ruth Reheuser

Solange ich denken kann begleiten mich Hunde durch mein Leben. In der Zwischenzeit sind das fast 45 Jahre. Wir, meine Familie und ich, haben ausgebildet und auch ab und zu ausgestellt, uns engagiert, sowie kurze Zeit gezüchtet. Die Zucht haben wir bald eingestellt. Es lag uns nicht Sporthunde, welche für eine Zwingerhaltung tauglich erklärt werden, abzugeben. Um unserer heutigen Rasse etwas, von dem was wir noch erhalten haben, zurückzugeben hatten wir uns ausführlich auf einen Wurf zum Erhalt einer alten Seitenzuchtlinie vorbereitet. Dieses haben wir inzwischen eingestellt.

Gerade in der Zeitschrift Der Spiegel, Nr.36/31.08.09, gelesen in dem Artikel "Schlechtes Blut" über arrangierte Ehen zwischen Verwandten beim Menschen:
"Laut einer Erhebung aus der Praxis für Pränataldiagnostik von Prof. Dr. Rolf Becker und Prof. Dr. Dieter Wegner in Berlin waren von 500 geborenen Kindern aus Ehen unter Verwandten 35 Kinder schwerstgeschädigt…. Bei Verwandten-Ehen über mehrere Generationen steige das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, im Einzelfall mitunter auf 25%...
Selbst bei "konsanguin" (blutsverwandt) bezeichneten Beziehungen dritten Grades (z.b. Nichte x Neffe), kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Manche leiden an seltenen Erbkrankheiten, an Schwerhörigkeit, Epilepsie oder Muskelschwund, oder die Lebenserwartung sinkt…
"

Seuche Inzucht

Soweit zum Menschen. Es ist ja nicht so, dass keine ausreichenden Kenntnisse über die Auswirkungen von Inzest vorhanden wären!
Vor diesem Hintergrund müssen wir auch unsere Hundezucht betrachten!
Der Do-Khyi

Noch vor 20 Jahren haben mich solche Gedanken nicht beschäftigt. Dann habe ich den Do-Khyi kennen gelernt. Eine ursprüngliche noch gesunde Rasse, so kann man es auch heute immer noch unverändert lesen. Ich liebe diese Hunderasse, deren Wesen, ihre Art sich mit ihrem Halter geistig zu messen …ihn herauszufordern und in Frage zu stellen!

Gesunde Hunde in einen "Standard" gezwängt

Nur: War diese jemals gesund; bei dem Start in Engzuchtpraxis war man sofort bemüht, den Standard auf kürzestem Weg zu erreichen. Der Rasseaufbau ab 1979 in Geschwister- und Eltern zu Kindern-Verbindungen. Früh waren die ersten Champion-Titel erreicht. Mit diesen Linien wurde eng, in Engzucht oft in 2. Generation (Großeltern zu Enkeln), weiter gezüchtet. Darf man es zulassen, dass manche Züchter die Zucht einer Rasse nur als eine Art "kreativen Schöpfungsakt" betrachten? Kreativität im Sinn eines Gemäldes, beschäftigt nur mit gut zu vermarktenden, als schön empfundenen Äußerlichkeiten und Rassebeschreibungen? Schönheit liegt in der Ansicht des Betrachters.

Gigantismus und Übertreibungen

All dessen ungeachtet geht meine Rasse heute den Weg in den Gigantismus, wird die übermäßige Faltenbildung bei tief liegendem Auge, Lefzenbildung, übermäßige Behaarung und mangelnde Winkelung der Hinterhand erzielt, auch wenn der Standard erst vor 3 Jahren etwas "genauer definiert" wurde…
Die Verantwortlichkeit für den Erhalt dieser und vieler Rassen, den Erhalt von Gesundheit und Vitalität jedes gezüchteten Einzeltieres, lediglich von oben bis nach unten zum Züchter durchgereicht? Die Verantwortung für das unversehrte Wohlergehen in Gesundheit und Fähigkeiten der einzelnen Tiere, der Rassehunde allein der "Zulassung durch seinen Züchter" überlassend?
Ein Mehr an Offenheit und Zusammenarbeit beim Mangel derselben ist, vor dem Hintergrund der Einzelschicksale der 25 -50% Hunde aus Verwandtschaftszucht ersten Grades, welche (wie beim Menschen) behindert oder schwerstgeschädigt auch beim Hund geboren werden, zwischen Züchtern nicht immer möglich.

Die Kultur nicht ehrlich und engagiert zusammen an der Lösung von Zuchtproblemen arbeiten zu können liegt wahrscheinlich darin begründet.
Kann das überhaupt funktionieren auf diesem Weg Hunderassen "zu erhalten"?
Darf dieses System der Zucht die Möglichkeiten seiner Züchter - ein Ausweichen ins Ausland nach z.B. Ungarn oder wie im Fall des Do-Khyi nach China - hinnehmen, um nicht zur Zucht taugliche Tiere doch noch in der Zucht zu halten? In und aus Staaten, welche nicht einmal ein Tierschutzgesetz kennen…(?) Deutschland ist in der Hundezucht keine Insel und so wird mit solchen Nachkommen, auch hier bei uns, weiter gezüchtet.
Ruth Reheuser mit Acky, der mit nur 19 Monaten eingeschläfert werden musste - nach über 250 fokalen und generalisierten Epilepsieanfällen alleine innerhalb seiner letzten 10 Lebensmonate


Tierschutz in der Zucht?

Offenes Nennen von Erkrankungen, bei einzelnen Rassevertretern durch deren Halter, als eine Art der Nestbeschmutzung empfindend, fehlt die Einsicht der Verantwortlichen in Notwendigkeiten, offen mit Problemen die in der Zucht auftauchen können umzugehen und eine Lösung, die auf der Höhe der Zeit ist, herbeizuführen. Leider sind einige Züchter nicht immer ehrlich im Umgang mit Schwächen ihrer Rassen und so kommt es, dass wirkliche Bemühungen um Fortschritt, bei der Identifikation, Einschätzung und Erkennung in der Erblichkeit von Krankheiten, von anderen Menschen endlich engagiert vertreten werden müssen!

Lebenslange Pflegefälle


Unserem gesellschaftlichen System auf wirtschaftliches Wachstum entsprechend werden, nach Bedarf, heute für betroffene Hunde künstliche Gelenke, Linsenoperationen und Medikationen angeboten. Ist es noch vertretbar in unserer globalen Gesellschaft, in welcher 20 € für lebenserhaltende Medikamente für Menschen fehlen, auf die doch vorliegenden guten Behandlungsmöglichkeiten, solcher Art vermeidbarer Erkrankungen, beim Hund hinzuweisen?
Es ist nicht dem Rassehundezuchtgedanken in seinem Grundsatz entsprechend, dass Halter nach Kauf eines Rassehundes eine Art Dauerpflege an diesem, als Familienmitglied empfundenen Lebewesen, vornehmen müssen. Der Einsatzzweck, die Lebensfunktionalität des Rassehundes, muss in jedem einzelnen Fall erhalten bleiben.
Wie am Beispiel eines Do-Khyi, welcher an Epilepsie erkrankt war, darf eine Zucht nicht billigend in Kauf nehmen, Hund und Halter im Glauben allein nur an medizinische Möglichkeiten, in der gesamten Lebensgestaltung zu einer Geisel der Erkrankung und des kreativen Schöpfergefühles seiner Zucht werden zu lassen!
Kreativität und Visionen in der Zucht von Hunden müssen einer, dem Tier gerecht werdenden und von der Zucht unabhängigen, Kontrolle zugeführt werden!

Einen weiteren, wichtigen Punkt stellt die Vermarktung und Bewerbung unserer Hunde dar. Diese ist eine der Hauptursachen für die zunehmende Unsicherheit, Angst und Verärgerung gegenüber Hunden und Haltern in der Öffentlichkeit. Hier muss die Sachkunde eines jeden Züchters, Hunde ihrer Art entsprechend, nur in kundig zu machende Hände zu geben, hinterfragt werden. Das nicht nur, sondern auch gerade bei *spezialisierten* und auf Arbeitseigenschaften gezüchteten Rassen! Der Versuch Halter von Rassehunden über Zuchtverbände- oder Vereine in organisierter Sachkunde und Kenntnis ihrer Rasse zu beschulen erreicht, unbesehen vom tatsächlichen Erfolg derselben für die Gesellschaft, nicht einmal annähernd die Masse der Hundehalter.

Unsere Hunde brauchen eine Vertretung ohne absatztechnische Interessenskonflikte! Hundehalter brauchen zutreffende Informationen und Sachkunde über den Hund und dessen grundsätzlichen Bedürfnisse welche ohne Absatzverlustgedanken vermittelt werden!
Aus diesem Grund unterstütze ich auch den Dortmunder Appell und hoffe auf eine grundlegende Wende in der Hundezucht!

Ruth Reheuser

Links

Montag, 21. September 2009

Hundefutter das krank macht

In jedem Supermarkt, bei allen Discountern oder Drogeriemärkten, hat Hundefutter heute seinen festen Platz in den Regalen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass man damit gutes Geld machen kann, selbst gemessen an den Ansprüchen von Konzernen wie Aldi, Lidl oder Rewe. Auch bei den Herstellern, der Nahrungsmitteldindustrie, hat sich längst herumgesprochen, dass die Nahrung auch für Hunde ein sehr profitables Geschäft ist. Nestlé und Mars, weltweit führend bei der Herstellung von Fertigfutter für Menschen, sind mit Pedigree, Royal Canin, Purina &Co, auch die führenden Hersteller von Fastfood für Hunde. Der Erfinder des Schokoriegels Mars ließ es sich allein 1,5 Milliarden US-Dollar kosten, die Marke Royal Canin zu kaufen, die größte Konzerninvestition bis dato. Alleine mit Futter und Zubehör setzt die Branche weltweit mehr als 50 Milliarden Euro um.

Der Hund spült 1,2 Milliarden Euro im Jahr alleine in Deutschland für Fastfood ein, so die göttingener Wirtschaftswissenschaftler Ohr und Zeddies (2006). Weitere 600 Millionen werden aber noch am Fertigfutter vorbei für Hundenahrung ausgegeben, oft relativ naturnahes Futter. Um diesen Topf streiten sich die Fastfood-Hersteller und Discounter erbittert. Um diese noch unerschlossenen Marktanteile zu kontrollieren, wird auch immer wieder das Gerücht gestreut, natürliche Nahrung sei ungesund für unsere Hunde. Den Multis verbundene Tierärzte und Hundeprofis gibt es für solche "fachkundigen" Statements freilich genug, sponsorn doch Mars &Co praktisch jede Veranstaltung der Szene, fast alle Hunde-Magazine und TV-Sendungen wie auch etliche Lehrstühle der Veterinäre.

Mitte September erscheint nun ein Artikel im Spiegel mit dem Titel "Hungeranregendes Haustierfutter - Fett dank Zusatzstoffen". Der Spiegel führt aus: "Dass von denen (den Heimtieren) aber so manches eine ganz und gar artfremde Fressgier entwickelt, liegt womöglich daran, dass viele Tierfutter es locker mit so mancher Menschennahrung aufnehmen können, was die Zusatzstoffe angeht. So will die Tierfutterindustrie neue Zusatzstoffe gefunden haben, mit denen sich der Appetit von Hunden und Katzen künstlich steigern lässt, berichtet der SPIEGEL. Die Enzyme der dänischen Firma Novozymes etwa verdoppeln offenbar den Hunger von Testhunden und Testkatzen auf das ihnen angebotene Fressen. Zum Einsatz kommen Enzyme mit sperrigen Namen wie Protamex oder Novo Pro D."

Und die Realität ist wirklich haarsträubend. Kristina Peter weist darauf hin, dass zahlreiche, auch bedenkliche Inhaltsstoffe laut EU-Verordnung erst gar nicht ausgewiesen werden dürften. Dies wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium damit begründet, dass soviele Zusatzstoffe im Futter sein könnten, dass eine Kennzeichnungspflicht nicht praktikabel sei. Auch Professor Winfried Drochner vom Institut für Tierernährung der Uni Stuttgart-Hohenheim kritisiert die zahlreichen Zusatzstoffe in Futtermitteln. So werde etwa der Geschmacksverstärker Glutamat gezielt eingesetzt, um die Akzeptanz der Hunde zu erhöhen. Damit legen Hunde ganz im Sinne der Hersteller Präferenzen an. Veterinärkritiker Klaus Dieter Kammerer schlussfolgert in "Schwarzbuch Hundefutter": "So schaffen sich die Tierfutterhersteller ganz innovativ selbst den Markt für ihre neuen Produkte und liefern der von ihnen umworbenen Tierärzteschaft auch gleich die Patienten mit."

Die Hersteller bieten zwar regelmäßig ausführliche Tabellen über die im Grunde chemische Zusammensetzung ihrer Produkte, was aber nur ansatzweise etwas zur tatsächlichen Qualität aussagt. Die eigentliche Herkunft der Lebensmittel, deren konkrete Ausgangsprodukte und Herstellungsverfahren sind ebenso regelmäßig intransparent gehalten und werden hinter glatten Marketingfloskeln versteckt. Der meist viel zu hohe Weizenanteil ist den Entsorgungsbedürfnissen der Humansparte geschuldet. Positive Ausnahmen meist kleinerer Hersteller bestätigen die Regel.

Wollten wir uns selbst ein Leben lang nur mit Fastfood ernähren?


Es ist auch die Frage, warum wir bei der Ernährung unseres Hundes auf die Konzerne vertrauen sollen, die uns schon beim Menschen denaturierte, mit Zucker, billigen Fetten und Glutamat vollgepumpte und möglichst auch per Gentechnik oder Imitate "veredelte" industrielle Produkte als gesund verkaufen will. Auch wenn es genug Wissenschaftler gibt, die uns weis machen wollen, Fleisch, Knochen, Innereien seien ungesund für den Hund, so sollte sich doch jeder die Frage stellen, ob er sich selber und seine Kinder ausschließlich und ein Leben lang mit Fastfood aus dem Hause Nestlé, Mars und Co ernähren würde.

Mehr zu diesem Thema in:

Mittwoch, 16. September 2009

Tierheime brauchen die Hilfe des Bundes

Von Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag, erhielt ich heute eine Pressemitteilung samt Dokumenten. Es geht um unsere Tierheime. Die Lage in den Tierheimen spitzt sich als eine Folge der Wirtschaftskrise derzeit dramatisch zu. Einerseits brechen große Teile der Einnahmen weg, da die Leute weniger spenden. Andererseits werden wesentlich mehr Tiere, insbesondere Hunde abgegeben. Leute die in Hartz 4 fallen sehen es oft als einzigen Ausweg an, den Hund abzugeben, da die Hundehaltung nicht in den Sätzen berücksichtigt wird. Immerhin eine Abgabe im Tierheim ist besser als ein Aussetzen oder Erschlagen des treuen Begleiters Hund oder dessen zu Tode Folterung wie auf dem Foto aus Bünde.


Hunde, traurige Opfer der Krise

Undine Kurth bat nun das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, tätig zu werden. Doch Bundesministerin Ilse Aigner lehnt die Idee eines "Runden Tisches Tierheime", an dem Vertreter des Bundes, der Länder und der Kommunen gemeinsam über Lösungen der derzeitigen Notlage der Tierheime beraten sollten, ab. Aigner lehnt finanzielle Hilfen wie überhaupt eine Zuständigkeit ab. Dabei ist ihr Ministerium eindeutig für den Tierschutz in Deutschland zuständig! Ein fader Beigeschmack ob der Ministeriumsworte von wegen "Für das BMELV ist das Wohlergehen der Tiere ein wichtiges Anliegen" entsteht schon angesichts dieser Haltung.

Es ist beschähmend, dass die unschuldigsten Opfer der Krise, die vom Menschen entsorgten Heimtiere, keinerlei Hilfe erhalten, während anderen Ortes unmittelbar Verantwortliche des Desasters mit üppigen Fallschirmen belohnt werden.

Dortmunder Appell und Parteien

Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort zur Wahl und den Parteien. Der Dortmunder Appell wie auch mein Blog sind in keiner Weise parteipolitisch gebunden und überparteilich. Als Sprecher des Dortmunder Appells habe ich u.a. auch alle Tierschutzbeauftragten der im Bundestag vertretenen Parteien SPD, CDU, CSU, Linke, FDP und Grüne mit gleichlautenden Schreiben auf den Appell aufmerksam gemacht. Geantwortet haben die Grünen und die FDP. Undine Kurth hat sofort und ohne Vorbehalt ihre Unterstützung zum Dortmunder Appell erklärt. Darüberhinaus hat sie mich eingeladen, an einer Novelle des Tierschutzgesetzes mitzuwirken. Es kam auch bereits die Rückmeldung, dass Forderungen des Dortmunder Appells für eine Wende in der Hundezucht in das Gesetz aufgenommen werden sollen.

Tierschutz für Hunde, kein Thema für die Parteien?

Es ist sehr zu Bedauern, dass die anderen Fraktionen im Bundestag den Tierschutzgedanken bei unseren Hunden bisher nicht aufgenommen haben, aber das kann sich ja noch ändern. Das Engagement von Undine Kurth ist nicht nur deshalb besonders erfreulich und zu begrüßen; auch wenn in ihrer Partei mit Bärbel Höhn die Politikerin ihre politische Heimat hat, die den Hunden in der Geschichte der Bundesrepublik bisher am meisten Schaden zugefügt hat.

Donnerstag, 10. September 2009

Arme Maus

A
uf die Maus gekommen - ein Kater und zwei Bulldogs.

Arme Maus...


Da ist doch was!


Ich hab sie!


Nein, ich hab sie!


War wohl nichts...
keine arme Maus.

Donnerstag, 3. September 2009

Woher kommt der Hund?

Der bekannte schwedische Molekularbiologe Peter Savolainen und Kollegen aus China veröffentlichten jetzt eine Untersuchung zur Herkunft unserer Hunde. Nach dieser Studie sei der Hund vor 16.000 Jahren südlich des Jangtse-Flusses in China von Menschen aus wilden Wölfen gezüchtet worden. Nach der Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal "Molecular Biology and Evolution" stammt der erste Hundestamm von einigen hundert gezähmten Wölfen dieser Region ab.

Dies haben die Biologen anhand der genetischen Feinanalyse des mitochondrialen Erbmaterials von über 1.500 Hunden in Europa, Afrika und Asien geschlussfolgert. Dieses spezielle Erbmaterial aus den Kraftwerken der Zellen (mtDNA) wird nur von weiblichen Tieren weitergegeben, lässt sich aber über sehr lange Zeiträume gut nachverfolgen.

Savolainen und Kollegen leiten noch eine weitere, noch viel gewagtere These aus ihren Untersuchungen ab: die ersten Wölfe seien von Menschen als Nahrungsquelle und nicht etwa als Begleiter der Jagd oder als Wächter gezüchtet worden.

Der Autor möchte einige Zweifel an den Schussfolgerungen dieser jüngsten Veröffentlichung Savolainens anmelden.

1. Alleine aus einer Untersuchung der Mitochondrien solch weitgehende Schlussfolgerungen abzuleiten, erscheint als sehr gewagt. Mit der gleichen Methode wurde bereits mehrfach versucht, den Zeitraum und Ort der Entstehung des Hundes abzuleiten, auch von Savolainen selbst. Heraus kamen Spannen von vor 135.000 Jahren bis eben vor 16.000 Jahren wie in der vorliegenen Untersuchung.

Gerade erst im Juni 2009 ist eine Untersuchung von Adam Boyko und Heidi Parker, die 2004 die erste genetische Karte der Hunderassen entwickelte, veröffentlicht worden, in der genau das Gegenteil dessen belegt wurde, was Savolainen berichtet. Parker und Kollegen belegen ebenfalls anhand der mtDNA, dass es keinen eindeutigen Hotspot der Entstehung des Hundes gibt. Anhand der genetischen Diversität von Dorfhunden in Afrika und Amerika weisen sie nach, dass sehr viel weitergehende genetische Untersuchungen nötig seien, um die Geschichte der Domestizierung vom Wolf zum Hund exakt nachzuzeichnen. Das betonen sie ausdrücklich - eine etwas bescheidenere Einschätzung zu der auch der Autor neigt.

Hundeschädel von Goyet - auf 31.000 Jahre datiert (mit freundlicher Genehmigung von Mietje Germonpré)

Erst im Oktober 2008 berichtete ein belgisches Archäologen-Team vom Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften um Mietje Germonpré von einem prähistorischen Hundeschädel, der in der Höhle von Goyet in Belgien, also genau am anderen Ende der euroasiatischen Landmasse, gefunden wurde. Nach den Untersuchungen der belgischen Archäologen sei es das weltweit älteste uns bekannte Fossil eines Hundes. Das Alter dieses Hundeschädels wurde anhand sehr viel zuverlässigerer Methoden auf 31.700 Jahre geschätzt.


2. Die These, Menschen hätten vor 16.000 Jahren Wölfe als Nahrungsquelle gezüchtet, und dies aus einer Untersuchung der mtDNA abzuleiten, erscheint uns als äußerst gewagt. Man möge sich dies einmal praktisch vorstellen. Steinzeitmenschen sollen sich gerade Wölfe ausgesucht haben, um sie als Vieh zur Fleischgewinnung zu halten. Es gibt wohl kaum ein Tier, dass schwerer zu halten wäre als ein so intelligentes und wehrhaftes Raubtier wie der Wolf. Zumal auch der rein ökonomische Sinn kaum darstellbar ist. Um die paar Kilo Wolfsfleisch zu erhalten, hätten die Steinzeitmenschen eine Menge tierische Nahrungsreste oder Fleisch ranschaffen müssen, um dann ihre Wölfe zu mästen. Eine extrem unwirtschaftliche und aufwändige Form der Ernährung. Im allgemeinen gelten Schafe und Ziegen als erstes Vieh der Menschheit und diese Viehhaltung wurde vor etwa 10.000 Jahren erst durch die Mithilfe des Hundes möglich.


Man sollte sich auch die immer wieder behauptete, aber nie belegte stillschweigende Unterstellung anschauen, es sei der Mensch gewesen, der aktiv den Wolf gezähmt habe. Gerne wird das Märchen von dem guten Menschen erzählt, der sich eines verlorenen Wolfsbabys erbarmte.
Um Alter und Herkunft des Hundes zu verstehen, reicht eine mtDNA-Bestimmung keineswegs aus. Neben den biologischen und auch den archäologischen Befunden sollte man die Entwicklung der Menschheit verstehen, um die Entwicklung des Hundes verstehen zu können. Doch dazu später mehr.