Freitag, 23. April 2010

Biohund - der gesunde Rassehund

Bereits im Jahr 2000 schlug der renommierte Kynologe und Genetiker Dr.Hellmuth Wachtel die Orientierung auf einen Biohund oder Bio-Rassehund vor. Wachtel zählt damit neben Prof. Wegener, der in seiner "Kleinen Kynologie" bereits in den 80er Jahren die Fehlentwicklungen der Zucht nachgewiesen hatte, zu den Vorreitern für eine Wende in der Hundezucht zugunsten der Hunde.

Das Konzept des Biohundes zählt zu den wesentlichen Grundlagen des Dortmunder Appells und beweist sich auch heute noch als wegweisend.

Hellmuth Wachtel hat mir nun eine redigierte Fassung des Konzeptes Biohund zukommen lassen, die auf die Entwicklungen in den vergangenen 11 Jahren angepasst ist, mit der Bitte um Veröffentlichung. Wir bedanken uns bei Hellmuth Wachtel für sein so wertvolles Wirken für unsere Hunde.
Foto: Sylvia Bosse

Montag, 19. April 2010

Neues Tierschutzgesetz geplant

Am 16.04.2010 fand im Deutschen Bundestag eine Anhörung zu dem Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes statt. Etwa 45 Vertreter verschiedenster Verbände und Einrichtungen wie Bauernverband, Pharmaindustrie, Tierärzteorganisationen, Zoo- und Zirkusdirektoren, Tierhaltervertretungen, Ethiker und natürlich Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund gaben ihre Statements ab. Darunter auch Christoph Jung, Sprecher des Dortmunder Appells, zum Thema Hundezucht.

Christoph Jung forderte gesetzliche Mindeststandards für die Zucht und eine rechtlich griffigere Definition von Qualzucht. Sein Beitrag stieß inbesondere bei Vertretern von Tierärzteorganisationen auf ausdrückliche Zustimmung. Zwei schriftliche Stellungnahmen zum Thema Hundezucht und Hundehandel wurden darüber hinaus eingereicht.

Es ist das Verdienst von Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion Bündnis90/Grüne* im Bundestag, die auch zu den ersten Unterzeichnerinnen des Dortmunder Appel zählt, dass eine solche Gesetzes-Initiative auf den Weg gebracht wurde.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, begrüßten alle Teilnehmer der Anhörung die Intitiative von Undine Kurth. Natürlich forderten die Vertreter von Tierschutzinitiativen wie auch viele Sprecher aus der Tierärzteschaft eine verbindlichere und weitergehende Regelung zugunsten der Tiere. Auch mir als langjährig im Tierschutz engagierter Mensch, wurde hie und da übel, wenn man teils detailliert die Methoden anhören musste, mit denen Tiere von uns Menschen regelmäßig be- oder besser misshandelt werden - und das systematisch und bisher legal. Dasselbe gilt für das Thema Qualzucht, wo meine Forderung nach einer praxisrelevanten, das heißt auch juristisch wirkungsvollen Definition auf breite Zustimmung stieß. In ihrer Zusammenfassung sprach Frau Kurth auch an, dass das Thema Qualzucht noch einmal besonders vertieft werden solle.

Noch in diesem Jahr soll das neue Gesetz in den Bundestag gebracht werden. Wir werden Frau Kurth weiter unterstützen, die rechtliche Position der Tiere in unserer Gesellschaft zu stärken. Im Idealfall könnten so bereits wesentliche Forderungen des Dortmunder Appells für eine Wende in der Hundezucht realisiert werden.

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*Es ist durchaus berechtigt, wenn Hundefreunde den etablierten Parteien und namentlich auch den Grünen gegenüber Skepzis entgegenbringen, wenn es um das Wohl der Hunde geht. Getan wurde bisher nichts für Hunde. Getan wurde allerdings sehr viel gegen Hunde, namentlich eine Fülle von Restriktionen pauschal gegen Hunde und insbesondere gegen sog. "Kampfhunde". Auch zählten gerade Mandatsträger der Grünen zu denjenigen, die Anfang des letzten Jahrzehnts die Hundehysterie schürten. Manche Politiker auch der Grünen gebärdeten sich in den Kommunen und Ländern geradezu als Hundefeinde. Auch der Fakt, dass immer nur die Hunde bestraft werden, wenn Hunde negativ auffallen, und praktisch nie deren verantwortliche Halter, begründet Skepzis den etablierten Parteien gegenüber.

Fakt ist aber auch, dass ein wirkungsvolles Tierschutzgesetz im Interesse der Hunde nur über die im Bundestag vertretenen Parteien realisiert werden kann. Und es war und ist nun keine andere als Undine Kurth, die hier die notwendige Initiative ergriffen hat.

Dienstag, 13. April 2010

Wölfisch für Hundehalter

Interview mit Günther Bloch zu dem gemeinsam mit Elli H. Radinger geschriebenen Buch "Wölfisch für Hundehalter: Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern"

Günther, warum ist "Wölfisch" für Hundehalter überhaupt interessant?

Günther Bloch: Wir haben uns immer wieder über die Klischees geärgert, die mit angeblich wölfischem Verhalten argumentieren. Wir haben über viele Jahre freilebende Wölfe studiert und können hier einiges zurecht rücken. Ein solches Klischee, das aber nichts mit der Realität zu tun hat, ist zum Beispiel, dass der Alphawolf zuerst fressen soll.

Was sind die größten Unterschiede in "Hündisch" und "Wölfisch"?

Günther Bloch: In Wolfsrudeln werden schwache und kranke Familienmitglieder versorgt. Dieses Verhalten ist bei den Hunden weitestgehend verloren gegangen. Freilebende Wölfe, die vom Menschen in Ruhe gelassen werden, leben über Jahre hinweg monogam in einer festen Partnerschaft. Jeder Hundehalter weiß, dass das bei Hunden ganz anders ist. Große Unterschiede sehen wir auch in der Kommunikation. Die Kommunikation des Hundes ist teilweise auf den Menschen ausgerichtet. Der Wolf hat ein sehr viel ausgeprägteres Minenspiel. Viele Hundehalter kennen noch nicht einmal das vergleichsweise arme Minenspiel ihres eigenen Hundes. Die meisten Hunderassen kommunizieren sehr viel mehr über das Bellen.

Wo ist denn unser Hund noch am meisten Wolf?

Günther Bloch: Natürlich gibt es Unterschiede bei Rassen und Individuen. Aber das Beutefangverhalten des Wolfes ist in unseren Hunden noch sehr lebendig. Wölfe sind wie Hunde Revierverteidiger und auch reviertreu. Auch die Kooperationswilligkeit des Wolfes ist im Hund erhalten geblieben. Schließlich gibt es viele Parallelen im Komfortverhalten. Beispielsweise das Scharren oder die halbe Drehung vor dem Hinlegen. Das ist exakt das gleiche Verhaltensmuster wie beim Wolf. In dem Buch nennen wir viele Beispiele.

Würdest du gerne einen zahmen Wolf praktisch wie einen Hund halten wollen?

Günther Bloch: Man wird sicher den einen oder anderen Wolf zähmen können, wenn man früh genug anfängt, aber man wird nie die tausende Jahre der Domestikation ausgleichen können. Selbst dem zahmesten Wolf wird man das stark ausgeprägte Jagdverhalten nicht abgewöhnen können. Im Alter von 2-3 Jahren prägt sich zudem das Besitzanspruchsdenken bei Wölfen aus. Ich persönlich halte nichts davon, Wölfe oder Wolfsmischlinge zu halten. Man kann der Domestikation kein Schnippchen schlagen. Es gibt 400 Hunderassen. Da ist sicher für jeden Geschmack eine passende Rasse dabei.

Vielen Dank für das Interview. Gerade ist euer Buch angekommen und ich werde in den nächsten Tagen hierüber berichten.


Wölfisch für Hundehalter: Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümer
Günther Bloch und Elli H. Radinger
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Franckh-Kosmos Verlag
ISBN 3440122646
19,95 Euro



Dienstag, 6. April 2010

Pedigree Dogs Exposed in deutsch

Die Dokumentation der BBC zur Hundezucht in Großbritannien warf im Sommer 2008 ein Schlaglicht auf die Missstände der Rassehundezucht. Erbkrankheiten, Inzucht, Qualzucht, Tötung gesunder, aber nicht standardkonformer Welpen waren (und sind?) übliche Praxis bei der Zucht von Rassehunden.

Durch den nun entstandenen Druck der Öffentlichkeit sah sich der Kennel Club gezwingen, eine grundlegende Wende einzuleiden - zum Wohle und der Gesundheit der Hunde. Aber ein großer Teil der Züchter wendet sich weiterhin gegen jede ernsthafte Reform im Interesse der Hunde. So erwägt nun das brititsche Parlament ein Gesetz zum Schutze der Hunde. In Deutschland setzt sich der Dortmunder Appell für eine solche Wende in der Zucht ein. Nach unseren Informationen verhinderte bisher der Druck der Nahrungsmittelindustrie, die auch 3 Mrd. Euro im Jahr an Heimtiernahrung umsetzt und einen mächtigen Faktor in der Werbewirtschaft ausmacht (Hunde- und Katzenfutter alleine zählt zu den Top Ten), eine Ausstrahlung dieser Doku in Deutschland.