Einer mit Durchblick... ein tolles Foto. Zu etwas Durchblick konnten auch die TV-Sendungen in den letzten Wochen verhelfen.
Mit Interesse habe ich den Bericht im WDR verfolgt. Ich war enttäuscht, dass der Cavalier zum „Accessoire“ und „Modehund“ degradiert wurde. Solch ein Etikett haben diese liebenswerten kleinen Hunde nicht verdient, es trifft meiner Meinung nach auch nicht zu.
Es wurde kurz – so wie es in der begrenzten Sendezeit wohl auch nur möglich war – über SM informiert. Der Zuschauer wird dann aber mit der Erkenntnis, dass es diese Krankheit gibt und was Medikamente und womöglich eine Schädeloperation kosten, allein gelassen. Spätestens an diesem Punkt haben sich einige Zuschauer gefragt, was bei der Zucht gegen diese Erbkrankheit unternommen wird. Hier wären Aussagen von Zuchtverantwortlichen des VDH und natürlich Spezialistenmeinungen von Veterinär-Neurologen und Genetikern wünschenswert gewesen. Interessierte möchte ich deshalb an dieser Stelle auf die Internetseite von DER SM-Spezialistin Clare Rusbridge verweisen http://www.veterinary-neurologist.co.uk/part5.htm#52 .
In einem Beitrag von wenigen Minuten kann dieses schwierige Thema sicher nicht umfassend und für den Laien verständlich behandelt werden. Das Fehlen von „Lösungsansätzen“ macht einen Bericht aus meiner Sicht jedoch zu einer größeren Gradwanderung. Wenn Hundehalter und Züchter sich von den Cavalieren abwenden, ist nichts erreicht worden. Wenn aber der Bekämpfung von SM – und natürlich auch MVD – höchste Priorität eingeräumt wird, dann wurde Positives bewirkt.
Der Cavalier als Beispiel für den „kranken Rassehund“ in der SternTV Sendung und nun auch im WDR führt zu lebhaften und sehr emotional ausgetragenen Diskussionen. Etwas haben diese Sendungen also erreicht, im Moment jedenfalls spielen Ausstellungssiege und Championabstimmung die Nebenrolle, die sie meiner Meinung nach ohnehin nur verdienen, im Vordergrund stehen Fragen zur Gesundheit unserer Hunde. Schließlich ist es für einen Hund völlig bedeutungslos, ob er die von Menschen festgelegte Standardschönheit erfüllt. Ein kranker Hund aber leidet und mit ihm seine Menschen.
Hundehalter und -interessenten können jetzt eigentlich nicht mehr behaupten, dass sie von dieser Krankheit nichts wussten. Sie sind in die Pflicht genommen, sich zu informieren und auch unbequeme Fragen zu stellen. Manche Züchter, die vor einiger Zeit in Foren noch bagatellisierend von „Kratzern“ geschrieben haben, werden jetzt wohl etwas differenzierter und sensibler in ihren Äußerungen sein. Die Dokumentation PDE wurde von einigen Züchtern als ein rein "britisches Thema" abgetan. Einige behaupteten, dass die erschreckenden Videos in dem BBC-Film unter fragwürdigen Umständen hergestellt worden seien. Den WDR Redakteuren ist es gelungen - auch ohne Videos von vor Schmerzen schreienden und schwerst(!) SM-erkrankten Cavalieren - die Menschen aufhorchen zu lassen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Diskussionen fortgesetzt werden und gemeinsam etwas für gesundere Cavaliere und gesundere Hunde anderer Rassen unternommen und erreicht wird.
Als Cavalierfreundin danke ich den Menschen, die über ihre betroffenen Hunde in den beiden Sendungen berichtet haben. Ich wünsche den gezeigten Cavalieren und natürlich ihren Familien alles, alles Gute!
Mein ganz besonderer Dank auch an Christoph Jung für sein unermüdliches Engagement. Gleichzeitig auch mein Kompliment und mein Respekt dafür, dass Christoph Jung in seinen TV-Interviews so ruhig und sachlich bleibt. Das wird für ihn als großen Hundefreund angesichts trauriger Erfahrungsberichte, die er sicher von vielen Menschen über Hunde unterschiedlicher Rassen erhält, keine leichte Aufgabe sein ...
Es wurden ja nur 3 Bruchstücke aus dem Interview ausgestrahlt. Hatte dort auch betont, dass der Cavalier ein idealer Hund für die heutige Zeit ist - eben wenn er gesund ist. Die Beliebtheit des Cavaliers ist sicher keine Modeerscheinung. Mir ist es nach wie vor unverständlich, wie Züchter (nicht alle, aber zuviele) angesichts solch lieber Hunde, mit solcher tierquälerischen Ignoranz mit Erbkrankheiten züchten.
Das Gleiche gilt zur Haltung des VDHs. Das war auch abgedreht, samt eines Statements von Udo Kopernik vom VDH mit dem Tenor, es sei alles in bester Ordnung! Das konnte ich dann inhaltlich sehr gut widerlegen.
Die Autoren des Beitrags hatten gutes Material für einen spannenden 30 Minuten Beitrag. Leider waren es nur, wie geplant, 6 Minuten.
Christoph Jung, Diplom-Psychologe und Biologe; studierte Biologie und Psychologie u.a. bei Reinhold Bergler, dem Mentor der deutschen Heimtierforschung. Von frühester Kindheit an mit Hunden und Katzen aufgewachsen. Beschäftigt sich seit vielen Jahren kritisch mit dem Zuchtgeschehen bei Rassehunden.
KONTAKT: jung@petwatch.de
Hunde spielen eine äußerst wichtige Rolle in unserem Leben, in unseren Herzen.
Hunde stellen alleine in Deutschland einen Markt von 5 Mrd. € dar. 120.000 Arbeitsplätze hängen an der Hundehaltung.
Hunde werden auch rücksichtslos produziert; Inzucht, Übertypisierung, Qualzucht, Erbkrankheiten, Hundehandel, eine Lebenserwartung von nur 7-8 Jahren - all das sind menschgemachte Plagen, die unsere Hunde erleiden müssen.
Hunde brauchen das, was es in jedem anderen Bereich der Gesellschaft längst Standard ist - eine "Verbraucher"-Vertretung, eine unabhängige Kontrolle der Anbieter, die nur dem Wohl und der Gesundheit unserer Hunde verpflichtet ist!
Christoph Jung Dorfplatz 7 D-06116 Halle (Saale) jung@petwatch.de
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3 Kommentare:
ggg - sehr niedlich das.
Du bist übrigens gut "rüber gekommen" im WDR.
Schade nur, dass die nicht auch noch den VDH zu einer Stellungnahme bewegen konnten, falls sie es denn versucht haben.
Aber: wir machen weiter.
Manu
Einer mit Durchblick... ein tolles Foto.
Zu etwas Durchblick konnten auch die TV-Sendungen in den letzten Wochen verhelfen.
Mit Interesse habe ich den Bericht im WDR verfolgt. Ich war enttäuscht, dass der Cavalier zum „Accessoire“ und „Modehund“ degradiert wurde. Solch ein Etikett haben diese liebenswerten kleinen Hunde nicht verdient, es trifft meiner Meinung nach auch nicht zu.
Es wurde kurz – so wie es in der begrenzten Sendezeit wohl auch nur möglich war – über SM informiert. Der Zuschauer wird dann aber mit der Erkenntnis, dass es diese Krankheit gibt und was Medikamente und womöglich eine Schädeloperation kosten, allein gelassen. Spätestens an diesem Punkt haben sich einige Zuschauer gefragt, was bei der Zucht gegen diese Erbkrankheit unternommen wird. Hier wären Aussagen von Zuchtverantwortlichen des VDH und natürlich Spezialistenmeinungen von Veterinär-Neurologen und Genetikern wünschenswert gewesen.
Interessierte möchte ich deshalb an dieser Stelle auf die Internetseite von DER SM-Spezialistin Clare Rusbridge verweisen http://www.veterinary-neurologist.co.uk/part5.htm#52 .
In einem Beitrag von wenigen Minuten kann dieses schwierige Thema sicher nicht umfassend und für den Laien verständlich behandelt werden. Das Fehlen von „Lösungsansätzen“ macht einen Bericht aus meiner Sicht jedoch zu einer größeren Gradwanderung. Wenn Hundehalter und Züchter sich von den Cavalieren abwenden, ist nichts erreicht worden. Wenn aber der Bekämpfung von SM – und natürlich auch MVD – höchste Priorität eingeräumt wird, dann wurde Positives bewirkt.
Der Cavalier als Beispiel für den „kranken Rassehund“ in der SternTV Sendung und nun auch im WDR führt zu lebhaften und sehr emotional ausgetragenen Diskussionen. Etwas haben diese Sendungen also erreicht, im Moment jedenfalls spielen Ausstellungssiege und Championabstimmung die Nebenrolle, die sie meiner Meinung nach ohnehin nur verdienen, im Vordergrund stehen Fragen zur Gesundheit unserer Hunde. Schließlich ist es für einen Hund völlig bedeutungslos, ob er die von Menschen festgelegte Standardschönheit erfüllt. Ein kranker Hund aber leidet und mit ihm seine Menschen.
Hundehalter und -interessenten können jetzt eigentlich nicht mehr behaupten, dass sie von dieser Krankheit nichts wussten. Sie sind in die Pflicht genommen, sich zu informieren und auch unbequeme Fragen zu stellen. Manche Züchter, die vor einiger Zeit in Foren noch bagatellisierend von „Kratzern“ geschrieben haben, werden jetzt wohl etwas differenzierter und sensibler in ihren Äußerungen sein. Die Dokumentation PDE wurde von einigen Züchtern als ein rein "britisches Thema" abgetan. Einige behaupteten, dass die erschreckenden Videos in dem BBC-Film unter fragwürdigen Umständen hergestellt worden seien. Den WDR Redakteuren ist es gelungen - auch ohne Videos von vor Schmerzen schreienden und schwerst(!) SM-erkrankten Cavalieren - die Menschen aufhorchen zu lassen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Diskussionen fortgesetzt werden und gemeinsam etwas für gesundere Cavaliere und gesundere Hunde anderer Rassen unternommen und erreicht wird.
Als Cavalierfreundin danke ich den Menschen, die über ihre betroffenen Hunde in den beiden Sendungen berichtet haben. Ich wünsche den gezeigten Cavalieren und natürlich ihren Familien alles, alles Gute!
Mein ganz besonderer Dank auch an Christoph Jung für sein unermüdliches Engagement. Gleichzeitig auch mein Kompliment und mein Respekt dafür, dass Christoph Jung in seinen TV-Interviews so ruhig und sachlich bleibt. Das wird für ihn als großen Hundefreund angesichts trauriger Erfahrungsberichte, die er sicher von vielen Menschen über Hunde unterschiedlicher Rassen erhält, keine leichte Aufgabe sein ...
Elke und Cavalierjungs
http://ckc-spaniel.de
Es wurden ja nur 3 Bruchstücke aus dem Interview ausgestrahlt. Hatte dort auch betont, dass der Cavalier ein idealer Hund für die heutige Zeit ist - eben wenn er gesund ist. Die Beliebtheit des Cavaliers ist sicher keine Modeerscheinung. Mir ist es nach wie vor unverständlich, wie Züchter (nicht alle, aber zuviele) angesichts solch lieber Hunde, mit solcher tierquälerischen Ignoranz mit Erbkrankheiten züchten.
Das Gleiche gilt zur Haltung des VDHs. Das war auch abgedreht, samt eines Statements von Udo Kopernik vom VDH mit dem Tenor, es sei alles in bester Ordnung! Das konnte ich dann inhaltlich sehr gut widerlegen.
Die Autoren des Beitrags hatten gutes Material für einen spannenden 30 Minuten Beitrag. Leider waren es nur, wie geplant, 6 Minuten.
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