Mit einem Streiflicht über verschiedene von Fehlern der Zucht gebeutelte Hunderassen zeichnet der Beitrag einen kritischen, aber durchaus realistischen Ausschnitt aus der modernen Rassehundezucht. Neben leicht erkennbaren Zeichen von Qualzucht, wie einem schweratmenden Bully ist die bewusste Zucht mit Erbkrankheiten heute leider viel weiter verbreitet und für das Schicksal der Hunde ebenso fatal. Hier auf Petwatch-Blog und in "Schwarzbuch Hund" habe ich zahlreiche Beispiele dokumentiert, Epilepsie, Glaukome, Gendefekte im Stoffwechsel, Taubheit u.v.m. Der Film wies dankenswerterweise auf inzwischen 500 Erbkrankheiten hin, die durch die Rassehundezucht mit ihrer fatalen Inzucht regelrecht kultiviert werden.
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| WDR-Seite zur Sendung |
1.) Es werden NUR die Missstände gezeigt,
aber mit keinem Bild oder Wort die postiven Beispiele und diejenigen Seiten der Rassehundezucht erwähnt, die gesunde Hunde züchten oder für Gesundzuchtprogramme kämpfen. Beispiel der Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde im VDH: Hier wird eine Zucht von gesunden Begleithunden seit Jahren praktiziert, die kaum einen Wunsch offen lässt: Es geht also!
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| Vom WDR ignorierte Realität: Gesunder Bulldog-Typ aus VDH-Zucht (siehe unten) |
Die Produktionsfirma des WDR-Beitrags Hampl hatte sich schon sehr früh an mich gewandt und zahlreiche Informationen wie auch Bildmaterial von mir erhalten. Interessanterweise zeigte der WDR keinerlei Interesse an positiven Beispielen der Zucht - innerhalb wie außerhalb des VDHs - und ebenso keinerlei Interesse an Initativen für Gesundzuchtprogramme oder eine Wende in der Zucht - wie dem Kampf um den neuen Standard beim Bulldog oder den Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht.
Das machte mich schon sehr früh stutzig.
2.) Ausschließlich der VDH wird ins Visier genommen.
Das ganze Elend der Hunde von Vermehrern, von unseriösen "Züchtern" mit in Ungarn oder Griechenland "besorgten" FCI-Papieren und aus dem Hundehandel bleibt im WDR-Film völlig ausgeblendet. Diese machen aber mit Abstand den Löwenanteil des Hundemarktes aus und einen noch wesentlich höheren Anteil des gezeigten Hundeelends! Der VDH steht für nur etwa ein Viertel der Rassehundezucht. Und relativ gesehen ist der gesundheitliche und mentale Standard dieses Viertels aus der Zucht im VDH wesentlich besser als der von außerhalb - wie gesagt nur "relativ". Die breite Masse des Elendes wird von Hinterhofzüchtern und dem florierenden, legalen EU-weiten Hundehandel produziert. Ein einseitiges Schießen auf den VDH, ohne diese noch viel schlimmere Seite des Welpengeschäfts anzusprechen, suggeriert dem Zuschauer, dass es egal sei, wo man seinen Welpen kaufe. So spielt man dem Geschäft der Vermehrer in die Hände. Natürlich gibt es auch außerhalb des VDHs positive Beispiele für eine seriöse, am Wohl der Hunde orientierte Zucht. Aber an positiven Beispielen waren die Macher des Beitrags auch hier nicht interessiert.
3.) In dankenswerter Offenheit wird der Designer-Dog als vermeintliche Perspektive propagiert.
Zunächst einmal ergeben Kreuzungen aus 2 Vertretern unterschiedlicher Hunderassen, die von ihrer Konstitution zusammenpassen, im Durchschnitt gesündere Nachkommen. Neben dem Heterosis Effekt, der aber nur für die eine Generation wirkt, ist allein die geringere Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens passender Defektgene ein hinreichender Grund für eine solche Annahme.(Danke für den Hinweis an den großen Kynologen unserer Zeit Dr. Hellmuth Wachtel)
Was aber soll durch das Mischen zweier Rassehunde grundsätzlich besser werden? Zwei (angeblich?) kranke Ausgangsrassen ergeben noch lange keinen gesunden Mischling. Der wichtige, tatsächlich vorhandene Vorteil eines heterogenen Genpools bei Mischlingen wird zudem negiert, wenn unpassende Rassen zusammengewürfelt werden. Dann kann das Temperament eines Jack Russel auf die Atmung eines Mopses treffen. Und auch rein organisch und vom Aufbau des Skelettes tragen Mischlinge ein höheres Gesundheitsrisiko, wenn die beiden Ausgangsrassen nicht wirklich gut zusammenpassen.
Und es kommt ein ganz neues, in meinen Augen viel wichtigeres, Problem hinzu: Das Wesen der Nachkommen aus zwei Rassehunden unterschiedlichen Typs etwa wie bei Alexander Däuber einem Retriever, der ein Wasser-Jagdhund ist, und einem Aussie, der ein ausgemachter Hütehund ist, ist NICHT vorhersehbar. Neben den Vorzeigehunden, die die gewünschten Wesensmerkmale der Ausgangsrassen haben, kommen mit sogar höherer Wahrscheinlichkeit ebenso Welpen hervor, die keine gewünschte, ja sogar eine Kombination unerwünschter Eigenschaften haben, etwa ein mit starkem Jagd- kombinierter Hütetrieb. Das sind dann mit Sicherheit keine Familienhunde. Was geschieht mit diesen potenziellen Problemhunden, besonders dann, wenn sie erwachsen geworden sind?
Für mich ist das Wesen eines Hundes wichtiger als sein Exterieur. Und es ist der enorme Vorteil eines Rassehundes, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit voraussehen kann, welches Paket an Wesenszügen aus den immer süßen Welpen einmal herauswachsen wird. Ein Terrier hat nun einmal ein grundsätzlich anderes Wesen als ein Mops und ein Greyhound wiederum hat ein grundsätzlich anderes als ein Schäferhund. Die berechenbaren, typischen Charaktere und Bedürfnisse der verschiedenen Hunderassen sind eine wesentliche Grundlage, dass passende Hunde, passende Halter und passende Rahmenbedingungen zusammenfinden und so eine glückliche Partnerschaft auch langfristig gedeihen kann.
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| Cavalier King Charles Spaniel Die Rasse wurde in 40 Jahren regelrecht kaputt gezüchtet. Gesunde Hunde, wie Tom, sind schon selten. |
Wer kontrolliert die Designer-Dog-"Züchter"?
Niemand! Deregulierung der Hundezucht, die eh schon praktisch keiner unabhängigen Kontrolle unterliegt, kann keine Perspektive im Interesse der Hunde sein.
Ich habe Alexander Däuber auch öffentlich bei seinem Einkreuzungsprojekt unterstützt und würde dies auch jederzeit weiter tun.
Das Thema Inzucht ist eine Überlebensfrage der modernen Rassehundezucht.
Etliche Rassen sind durch jahrzehntelange, ignorante Inzucht sehenden Auges an den Rand des genetischen Ruins gebracht worden. Hier ist dringend eine Wende in der Praxis notwendig. Es muss bei jeder Rasse klare Beschränkungen für Deckrüden geben! Eine Maßnahme, die jeder Zuchtverein und -verband sofort umsetzen könnte!! Weitere Maßnahmen, wie die Öffnung der Zuchtbücher für Registerhunde und andere sind notwendig und auch im Grunde sofort realisierbar! Es wird bei einigen Rassen nicht ohne Auskreuzungs- und Einkreuzungsprogramme gehen. Die meisten Zuchtverbände und auch der VDH zeigen hier in der Praxis eine viel zu rigide Haltung, die die Existenz zahlreicher Hunderassen akut gefährdet!
Ich bin für den Rassehund und den Erhalt der Hunderassen. Ich kämpfe für ihre Gesundung und Erhaltung - solange das noch möglich ist.
Übrigens
"Das Geschäft mit den Rassehunden boomt" - wie auf der Webseite des WDR behauptet wird - NICHT. Der Marktanteil des Rassehundes geht seit Jahren zurück zugunsten von Importhunden aus Süd- und Südosteuropa. Auch der Designer-Dog ist seit Jahren, von den USA ausgehend, ein florierender Geschäftstrend, dem sich bereits die Hundefrabriken in Ungarn und Slovenien angenommen haben. In den USA kann man sich bereits seinen Designer-Dog per Internet wie bei einem Car-Konfigurator selbst zusammenstellen - soll das die Perspektive der Hundezucht sein?
Der VDH hat, wie ich hier schon berichtet habe, eine Wende in der Zucht des Bulldogs und ein Gesundzuchtprogramm angekündigt. Wir sind gespannt, ob diesen so hoffnungsvollen Worten auch die entsprechenden Taten folgen werden. Ohne eine solche Wende, die die Kräfte derjenigen Züchter bündeln, die immer schon auf einen gesunden Bulldog gesetzt haben, und verbreitern muss, wird diese älteste Rasse der modernen Hundezucht keine Zukunft in Deutschland haben.
Zum Bulldog oben:
Das Foto zeigt einen gesunden, vitalen, leicht gebauten Bulldog-Typ aus ACEB-Zucht, der seine Aufgaben als Begleiter problemlos meistern kann - selbstverständlich freiatmend. Es gab im ACEB/VDH immer wieder Züchter, die sich gesunden Bulldogs verschrieben hatten. Diese wurden über mehr als 30 Jahre hinweg regelmäßig gemobbt und mit Rufmordkampagnen kalt gestellt. Die meisten zogen sich dann aus der Hundezucht entnervt zurück. Dem Züchter dieses Hundes auf dem Foto erging es 2008-2010 nicht anders. Um solche leichteren Bulldog-Typen zu verhindern, beschloss die damalige ACEB-Führung zudem extra ein Mindestabnahmegewicht für Welpen von 4 KG (veröffentlicht im VDH-Organ "Unser Rassehund" 10/2009). Genau einen Vertreter dieser ACEB-Führungsriege lässt man in der WDR-Sendung zu Wort kommen.
Eintrag aus dem Gästebuch des WDR zur Sendung:
23.08.2011 07:27 UhrH.J.
So eine Sendung im öffentlich rechtlichen zu zeigen ist der Hammer. Dafür bezahle ich auch noch Beitrag. Leider, leider wird das jetzt den Hinterhofvermehrern noch mehr Auftrieb geben, eine bessere Werbung können die überhaupt nicht haben und wo steht, daß die kranken Hunde, die gezeigt wurden, VdH Hunde waren? Es ist nicht zu fassen. Und nein, ich bin kein Züchter, nur Käufer von ordentlichen Züchtern.




3 Kommentare:
Das ist leider das Gesicht und die Darstellungsweise der führenden öffentlich- rechtlichen und, erst Recht, der privaten TV-Sender, sowie auch der führenden schreibenden Presse .
Die reisserische Aufmachung und ein wenig oberflächliche Kritik , am grössten deutschen Hundeverband lassen sich nun mal besser vermarkten und bringen mehr Zuschauerzahlen als ernsthafte Auseinandersetzungen mit den, zwar kleinen aber immerhin erfolgreichen Zuchtvereinen und Züchtern, die sich die „gesunde Rassehundezucht“ auf die Fahne geschrieben haben -
und vor allem weil man diese (Züchter und Ihre Vereine und Verbände) dann über längeren Zeitraum begleiten müsste, um auch die hervorragenden Ergebnisse ihrer gesundheitsorientierten Rassehundezucht dokumentieren zu können.
Also werden wir auch weiterhin ohne „die grosse Glocke“ unsere wichtige und sinnvolle Arbeit für unsere Rassen vollziehen müssen.
Wolfgang Rieger
1.Vorstand
DKFB e.V.
(Deutscher Klub für Französische Bulldoggen)
www.dkfb.de
Die Kritik von Christoph finde ich sehr differenziert und stimme ihm in vielen Punkten zu. Da merkt man, dass wirklich fundiertes Wissen dahintersteckt. Dennoch bin ich der Meinung, dass es ein Verdienst der WDR-Sendung ist, dass sie eine Öffentlichkeit herstellt und auf die Misere in der Rassezucht aufmerksam macht. Den Vorwurf, man würde indirekt den Hundevermehrern im Ausland zuspielen, kann ich nicht so stehen lassen. Bereits die nächste Sendung befasst sich mit dem Thema, woher unsere Haustiere herkommen und was für ein Handel mit ihnen betrieben wird.
Natürlich ist Hybridproduktion keine Lösung, das ist eben keine Zucht.
@ bens: Ich sehe ja auch das Verdienst des Beitrags in einer recht umfassenden Aufdeckung von Missständen in der Rassehundezucht (Thema Wesen und Sozialisation fehlte aber). Das ist wohl das erste Mal im deutschen TV so umfassende geschehen. Denke, dass deshalb viele Leute von dem Beitrag angetan sind.
Aber warum hat man nicht in 45 Minuten erwähnt, dass der VDH immer noch relativ (!!) gesehen, den am wenigsten schlechten Stand hat?
Warum hat man nicht einen Hundeexperten zu Wort kommen lassen, der auf die Risiken der Designer-Dog-Vermehrung hinweist?
Warum hat Alexander Däuber nicht den - gut passenden - Golden Retriever genommen, der im Film als top gesund dargestellt aber nur wegen Dissidenz nicht genommen werden könne?
Warum wird mit keiner Andeutung auf das extrem hohe Risiko eines problematischen Wesens hingewiesen, wenn man einen Hütehund der US-Südstaaten (trocken) mit einem Wasser-Apportierhund kreuzt?
Als richtig unseriös, unter Blöd-Zeitungsniveau, sehe ich weite Teile der Ausführungen zum Bulldog. Mir ist es unbegreiflich, wie man im ÖRR - trotz Kenntnis der Fakten oder zumindest "begründeter gegenteiliger Infos" - so einen Mist, respektive Fehlinformationen, ausstrahlen kann.
Mit so einem Stil will man wohl Quote reißen aber kaum was Positives für die Hunde.
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