in persönlicher, parteiergreifender Bericht von Christoph Jung
Der Leipziger Tierärztekongress gilt inzwischen als der größte seiner Art in Europa. Da ist es schon bemerkenswert, wenn das Thema der Auftaktveranstaltung lautet:
Vor etwa 1000 Zuhörern sprachen wissenschaftliche Schwergewichte auf dem Gebiet der Kleintiermedizin und Genetik wie Prof.Dr. Oechtering und Prof.Dr. Distl und der VDH-Präsident Prof.Dr. Friedrich.
Prof.Oechtering zeigte eindringlich, in welche mießliche Lage der Mensch - und alleine der Mensch - gerade die Plattnasen, die brachyzephalen Hunde- und Katzenrassen gebracht hat. Besonders Mops und Französische Bulldogge leiden an chronischer Atemnot. Da aber die Nase des Hundes das wesentliche Organ der Thermoregulation ist, leiden brachyzephale Hunde besonders bei warmer Umgebung zudem an Überhitzung. Bei Möpsen kollabiert darüber hinaus nicht selten die Luftröhre. Untersuchungen haben ergeben, dass 29% dieser Hunde im Sitzen schlafen, weil sie im Liegen keine ausreichende Luft mehr bekommen, um nur ein Beispiel dieses vom Menschen ohne Not und unter der nicht selten verlogenen Flagge des "Tierschutzes" oder der "Liebe zum Hund" wissentlich erzeugten Elends zu nennen. Wir haben hierzu im Petwatch-Blog schon häufig berichtet.
Hunde Shows küren Qualzucht-Champions
Trotzdem werden insbesondere im Ausstellungswesen evident Qualzucht-relevante Hunde zu Champions gekürt, wie der Jahrhundertsieger beim Mops. Der VDH-Präsident versuchte dies in der nachfolgenden Podiumsdiskussion als eine Fehlentscheidung eines einzelnen Richters darzustellen, was ihm weder das Podium noch das Publikum so recht glauben wollte.
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| FCI Jahrhundertsieger 2011 und Best of Breed (BOB) Tangetoppen's Wild Card - Screenshot von http://www.tangetoppen.org/mops.php?dog=632&sex=f gemacht am 12.06.2011 12h |
Auch die Ausführungen Prof. Distls belegen, dass es nicht um einzelne Fehlentwicklungen, vielmehr um einen grundlegend falschen Weg in der Rassezucht geht. Er mahnte insbesondere die genetische Verarmung durch Inzucht und zu häufige Verwendung einzelner Deckrüden an. Inzwischen sei kaum eine Hunderasse frei von durch solche Fehlleistungen der Zucht verbreiteten Erbkrankheiten. Er sprach von mindestens 5 verschiedenen züchterisch verbreiteten Erbkrankheiten bei jeder einzelnen Hunderassen, beim Cavalier King Charles Spaniel seien es gar 20. Aber er zeigt auch begründetes Vertrauen in das - noch - vorhandene genetische Potenzial des Rassehundes. In den Rassehunde-Populationen zusammengenommen, sei auch heute noch der fast vollständige genetische Reichtum des Stammvaters Wolf erhalten. Er zeigte sich auch zuversichtlich, dass selbst bei so krank gezüchteten Hunderassen wie den Plattnasen genug genetisches Material für eine Gesundung vorhanden sei.
"Der genetische Reichtum des Wolfes ist in den Hunderassen in toto noch heute erhalten."
(Prof. Dr. Ottmar Distl, Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung, Stiftung Tierärztliche
Hochschule Hannover, Hannover)
Überhaupt gaben Referate und nachfolgende Podiumsdiskussion einem zuweilen genervten und fast schon resignierenden Mahner der Hundezucht etwas Hoffnung und gar Zuversicht. Immerhin wurde ganz offiziell und weder vom VDH-Präsidenten noch von der Vertreterin des Bundesministeriums bestritten oder relativiert, dass es ein relevantes Qualzuchtproblem in der Hundezucht gibt und dass es des Handelns dringend bedarf.
Wirksames Tierschutzgesetz vor der Tür?
Dr. Katharina Kluge vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellte den Gesetz-Entwurf der Bundesregierung vor, der die Qualzuchtbestimmungen des Tierschutzgesetzes (§11) ausdrücklich praxisrelevanter machen soll. Es soll in Zukunft viel leichter sein, etwa Qualzucht verdächtige Hunde und Katzen von Ausstellungen auszuschließen. Ob das eher halbherzig geänderte Gesetz wirklich den Zweck erfüllen wird, muss abgewartet werden; der Autor hat hieran so seine Zweifel (auch wenn man an die mächtige Lobby der Agrar- und Nahrungsindustrie denkt). Aber immerhin, der Handlungsbedarf ist anerkannt.
Ohne wirksame Kontrolle der Hundezucht geht es nicht!
In der Podiumsdiskussion nahm der Ruf nach einer wirksamen und zwar unabhängigen Kontrolle der Rassezucht einen hervorragenden Platz ein. Es bedarf einer wirksamen Kontrolle über die Hundezucht als Ganzes und gerade auch gegenüber den so genannten Hobby-Züchtern. Die Verweise des VDH-Präsidenten auf die eingeschränkten Möglichkeiten des VDH als Dachverband konnten nicht überzeugen. Der Vorschlag einer "Ampel" für Hunderassen und Züchter fand viel Zustimmung, ebenso der Vorschlag eines Screenings wie einer Berichtspflicht durch die Tierärzteschaft. Der Autor dieser Zeilen forderte zudem gesetzliche Mindeststandards für eine Zulassung zur Zucht und die Zucht selber. Gegen Entgelt dürften nur zugelassene Züchter Welpen veräußern sowie Tierheime. Jede Salatgurke beim Discounter hat mehr Kontrolle, staatliche Fürsorge und Aufsicht als die "Produktion" des angeblich besten Freund des Menschen.
Der Vorsitzende einer Tierärzteorganisation fragte nach dem Sinn von Verboten bzw. Kastrationen bei "Qualzuchtrassen". Das Verbot von Hunderassen schafft keine einzige Lösung. Die Hunderassen sind nicht von selber so krank geworden, das hat alleine der Mensch zu verantworten (der heutige Mensch in Deutschland, der so selbstgerecht sein vermeintlich hohes Tierschutzverständnis in alle Welt exportiert und vierbeinig importiert). Wenn sich im Denken und Handeln der Menschen nichts ändert, wird sich auch in der Zucht nichts zum Guten wenden, gleich ob man einzelne Rassen verbietet oder nicht. Und wo fängt man an, wo hört man auf, was sind die Kriterien? Eine positive Lösung ist mit Rasseverboten allemal nicht zu erreichen. Der Autor wies darauf hin, dass schon einiges gewonnen wäre, wenn Tierärzte ihre Dienste etwa für terminierte Kaiserschnitte oder instrumentelle Besamung bei selbst zur Fortpflanzung unfähigen Hunden verweigerten, ein Appell, den Prof. Friedrich ausdrücklich unterstützte.
Der Rassehund ist zeitgemäß.
Schließlich wurde gefragt, ob der Rassehund als solches noch zeitgemäß sei. Dies wurde einhellig bejaht. Auch Tierethiker Prof.Dr. Grimm pflichtete dem bei unter Verweis auf die so wesentlich bessere Chance, dass passende Hund-Mensch-Paare zusammenfinden. Man stimmte überein, es gelte die Vielfalt und unterschiedlichen rassetypischen Charaktere zu erhalten. Nicht der Rassehund sei das Problem, vielmehr bedürfe es einer grundlegenden Neuorientierung in der Zucht und auch eines anderen Verantwortungsbewusstseins der Halter. Ohne Halter, die bei windigen Hobby-Züchtern, Vermehrern und Hundehändlern kaufen, würde schon viel Elend vermieden. Schließlich wurde immer wieder an die große Verantwortung der Tierärzteschaft appelliert. Der Moderator der Diskussion, Thomas Bille vom Mitteldeutschen Rundfunk, konnte dem VDH Präsidenten Prof. Peter Friedrich schließlich ein Bekenntnis zum Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht entlocken, den dieser in vielen Punkten unterstütze.
| Charakter, Leistung und Schönheit (Foto Elisabeth Naumann) |
"Das Konzept der Hundeschauen muss grundlegend überdacht werden. Das Konzept der vergangenen hundert Jahre hat offensichtlich nicht funktioniert und folgenschwere Fehlentwicklungen ermöglicht. Viele der (Schönheits-) Richter und diejenigen, die diese Richter auswählen, haben in der Vergangenheit keine gute Arbeit geleistet. Völlig widersinnige Überbetonung äußerer Merkmale wurde und wird noch immer von vielen Richtern belohnt und so die Ausrichtung der Zucht stark beeinflusst. Beispielsweise hat noch heute ein Mops oder eine Bulldogge "mit sichtbarer Nase" bei einer Schönheitsschau kaum eine Aussicht, zu gewinnen.
Die in Zuchtvereinen organisierten Züchter haben eine Vorreiter- und Vorbild-Funktion, die sogenannte "Private Zucht" außerhalb organisierter Vereine – die bei manchen Rassen über dreiviertel der Population ausmacht – muss aber zwingend nach den gleichen Qualitätskriterien beurteilt werden. Möglicherweise müssten Tierzüchter auch nach dem Vorbild anderer Länder länger für erblich bedingte Erkrankungen bei von ihnen verkauften Tieren finanzielle Verantwortung übernehmen.
Die Behörden von Bund und Ländern müssen erkennen, dass die aktuelle Gesetzgebung bisher nicht ausreicht, um durch eine klare Interpretation vor Gericht züchterische Eitelkeiten zu stoppen.
Man wird sogar überlegen müssen, ob es nach den Erfahrungen der Vergangenheit noch zeitgemäß ist, dass Hunde ohne den Nachweis einer Befähigung gezüchtet und veräußert werden dürfen."
Professor Dr. Gerhard Oechtering, Direktor der Klinik für Kleintiere, Universität Leipzig, "Leipziger Blaue Hefte" 2012, Bd1 (Hervorhebungen CJ)





14 Kommentare:
Danke für deine Info.
Ich hoffe, dass dies vielleicht der Anfang der Wende sein wird.
Der VDH muss mehr in die Pflicht genommen werden und den Zuchtvereinen "zuchtrelevante Maßnahmen" vorschreiben.
VG
Nicole Kamphausen
Guten Tag,
ich möchte Dir dafür danken, das Du uns mit Deinem Blog, so kompetent auf dem Laufenden hälst.
Viele Grüße
Cathrin
Vielen Dank für die Zusammenfassung!!
Ich konnte leider nicht selber daran teilnehmen, aber es ist gut zu wissen, einen Blog zu haben, der einen kompetent auf dem Laufenden hält!
Auch ich möchte Dir für den ausführlichen und auch hoffnungsvoll stimmenden Bericht herzlich danken!
Drei Verständnisfragen zu Deinem Artikel:
Was ist mit "Ampel" für die Zucht gemeint?
Bedeutet "Screening" ein "rassespezifisches" Untersuchungsprogramm auch für Liebhaberhunde, das beim normalen Tierarztbesuch "abgearbeitet" wird und dessen Ergebnisse weitergeleitet, von einer "zentralen Stelle" erfasst und statistisch ausgewertet werden?
Was bedeutet in diesem Zusammenhang "Berichtspflicht" für Tierärzte?
Es wäre ein Fortschritt, wenn die Erfahrung der Tierärzte zu bestimmten Auffälligkeiten bei den einzelnen Rassen "gesammelt" und dokumentiert würden. Derzeit hören Hundehalter von Tierärzten, dass dieses oder jenes eine "typische Erkrankung" für die jeweilige Rasse wäre oder dass das Untersuchungsergebnis für einen Hund dieser Rasse "eben normal" sei.
Wirklich "greifbare" Zahlen gibt es außerhalb gezielter und aufwändiger Studien und Forschungen derzeit nicht.
Beispiel:
Erstmals wirklich aufmerksam wurde man auf das Herzproblem "meiner Hunderasse", der Cavaliere, durch Statistiken, die eine Tierkrankenversicherung in Schweden vor vielen Jahren veröffentlicht hatte.
Heute heißt es häufig von Züchterseite, dass sich die Herzsituation in den letzten Jahren in Deutschland eindeutig verbessert habe. Beim Besuch des Kardiologen hören Liebhaber jedoch eine andere Einschätzung. Hier würde eine Datenbank aufklären.
Ich finde den Bericht sehr interessant und es klingt tatsächlich nach einem Umdenken und dem Beginn einer Wende in der Hundezucht!
Viele Grüße
Elke Grabhorn
Prof. Friedrich, bekommt ganz schön den Kopf gewaschen für Dinge die nicht unter seiner Ägide passiert sind. Was die Herren Journalisten und Wissenschaftler glauben? Der VDH-Präsident als Hundezucht-Kaiser, ach was, lieber Gott? Er kann nicht einfach die Rassenstandards verändern. Da wird ihm die FCI und die nationalen Heimat-Verbände der einzelnen Rassen aber was erzählen. Auch die Richter sind an die FCI-Standards gebunden. An vielen Stellen reicht eben nicht, die Standards nur ein wenig anders auszulegen.
Der DFB kann ja auch nicht andere Regeln als die FIFA einführen. Oder die UEFA im Alleingang umstrukturieren.
Aber auch innerhalb des VDH´s müssen die einzelnen deutschen Rasseverbände mitgenommen werden. Mit einer Basta-Politik von oben kommt man da nicht weit. So funktioniert das Hundewesen in Deutschland nicht. Wenn der VDH im Zuchtwesen etwas beschließt, was nicht FCI konform ist, dann kann jeder einzelne Züchter oder sein Rasseverband zur FCI gehen und diese Reglung kassieren lassen.
Nein, man muss schon was für den Tierschutz tuen. Aber das kann in erster Linie nur der Gesetzgeber. Der VDH ist da alleine völlig überfordert, weil er in ein internationales System eingebunden ist. Nur der Gesetzgeber kann an der FCI vorbei Gesetze erlassen. Und ich bin mir noch nicht mal so sicher, ob man bestimmte Rassezucht-Fehlentwicklungen innerhalb der EU mit einem nationalen Gesetz stoppen kann. Denn da ist auch der deutsche Gesetzgeber in europäisches Recht eingebunden.
So schön eine Revolution von oben klingt, sie wird nicht so einfach funktionieren. Man muss schon die Hundekäufer in die Pflicht nehmen. Ohne ein verantwortungsvolles Verhalten dieser Menschen, werden noch viele Tiere leiden müssen.
Der Mops, zum Beispiel, war schon ein Sorgenkind bevor er wieder zur Moderasse wurde. Auf die Idee diese Rasse wieder in großer Stückzahl nachzufragen, kam unsere Gesellschaft ganz von selbst. Da kann der VDH nichts dafür.
Es gibt FCI-Standard-Hunderassen, die sind erblich gesund, langlebig und robust. Nur die Mensch fragen sie nicht nach. Sie sitzen halt nicht bei Lagerfeld auf dem Arm und werden nicht in den Medien gepusht. Und da könnten sich dann die Journalisten an die eigene Nase fassen. Aber ausgerechnet mit Herrn Prof. Friedrich einen Buh-Mann aufbauen ist einfacher. Man muss sich nicht lange mit Recherche aufhalten. Und ein Bösewicht bringt Auflage und Quoten.
Es hilft nur keinem Tier.
Robert Morgenstern
Sehr geehrter Herr Morgenstern,
Prof. Friedrich ist seit langem der erste VDH-Präsident, der sich der kritischen Diskussion stellt. Als Präsident des VDH vertritt er diesen nun einmal. Ich denke, dass es jedem, der ernsthaft an einer Gesundung der Rassehundzucht interessiert ist, fern liegt Prof. Friedrich "den Kopf zu wachsen". Ich habe den Eindruck, dass Friedrich ernsthaft was zum Positiven bewegen will. Das findet meinen Respekt. Und ich bin davon überzeugt, dass Friedrich auch mit kritischen Anmerkungen sehr gut umgehen kann.
Viele Grüße
Christoph Jung
Genau so habe ich Herrn Prof. Friedrich auch kennen gelernt. Man muss ihm Zeit geben, um dicke Bretter zu bohren. Es gibt durchaus Widerstände in der deutschen Hundeszene gegen Veränderungen. Natürlich hilft Druck von außen. Aber nur bis einem gewissen Punkt. Aber da schwächt sie die Person Friedrich.
Er repräsentiert den VDH. Er ist aber nicht der VDH.
Als Verbandspräsident beherrscht man nicht seinen Verband. Man sitzt an einer guten Stelle, um Dinge im Verband zu bewegen. Man kann Dinge anstoßen. Aber der VDH ist mehr eine Dachorganisation. Man regiert von dort aus nicht einfach in die angeschlossenen Verbände und Vereine hinein. Die haben ein gehöriges Eigenleben und können sehr mächtig sein. Das wird vielfach unterschätzt. Der Hundebereich geht vom Schoß-und Familienhund, Rassen mit großen Umsätzen und einer ganzen Industrie hintendran, über die Schutzhunde, Verbände mit nennenswertem Einfluss auch außerhalb des VDH, bis hin zu den Jagdhunden, die ein Thema für sich sind und eine Macht im VDH darstellen.
Aber selbst wenn der VDH irgendwann da ankommt, wo wir ihn haben wollen. Ist das Problem der Qualzuchten nicht gelöst. Solange es Menschen gibt, die einem Tierbild ohne Würde anhängen, wird es Züchter geben, die den Bedarf befriedigen. Egal, ob mit FCI/VDH-Papieren oder ohne.
Robert Morgenstern
@ Robert Morgenstern
einverstanden
Denke aber, dass das Podium beim TA-Kongress ebenfalls in diesem Sinne vorgegangen ist. Es war ja das beeindruckende, dass man sich einig war, dass es einer Wende bedarf!
Man muss auch immer im Hinterkopf haben, dass mehr als 70% der Hunde>>produktion<< außerhalb des VDHs abgewickelt wird. Und - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - ist dort das Niveau wesentlich niedriger. Deshalb auch die Forderung nach gesetzlichen Mindeststandards. Das sollte in meinem Artikel auch herausgekommen sein - hoffe ich.
Trotzdem muss man auch bei der so genannten "kontrollierten Zucht" des VDH die real vorhandenen Missständen ansprechen wie hier z.B. beim Cavalier King Charles Spaniel, dem Lundehunde, dem Mops, Leonberger etc.pp.
CJ
Guten Morgen,
Altes Thema neuer Versuch ;)
als alte und langjährige Züchterin (Whippet und Azawakh) weiß ich, daß die FCI- Landesverbände sehr wohl was gegen alle Mißstände bei Rassehunden machen könnten: die Richter und Körverantwortlichen besser und strenger ausbilden, denn nur mit den entsprechenden Beurteilungen kann man innerhalb der FCI züchten. Die Reglemente sind immer schwammiger geworden, es werden bei weitem zu viele Hunde mit Gesundheits- oder Charakterproblemern auf Ausstellungen nach vorne gestellt.
Aber das wüprde bedeuten, daß weniger Leute mit derartigen Hunden ihr gutes Geld für Shows "spenden", daher macht die FCI da nichts. Daher gehören erst mal die FCI/AKC/BKC streng in die Pflicht genommen.
Der Ansatz, die Qualzuchten (dazu gehören nicht nur Möpse und King Charles) über allgemeine Tierschutzverordnungen in den Griff zu bekommen scheitert an den oft dümmlich-sentimentalen Einwänden von selbsternannten Tierschützern und auch den "Qualzuchtrassevertretern".
mfg Iris Jacobs, Wuthring Heights
@ Elke Grabhorn
Was ist mit "Ampel" für die Zucht gemeint?
Das war in den Raum geworfen worden, um den gesundheitlichen Stand einer Hunderasse und eines Züchters einfach erkennbar zu machen.
Rot = Qualzucht, Inzucht, viele Erbkrankheiten etc ...
Grün = unbedenklich ...
Sehe den Vorschlag als Symbol für die gewünschte Aufklärung und (echte) Kontrolle.
Screening und Berichtspflicht der Tierärzte
Tierärzte selbst artikulierten ihr Unverständnis dafür, dass es in D keinerlei Berichtspflicht gibt. Man war sich einig, dass es sinnvoll wäre, wenn TAs (anonym) über bestimmte Merkmale melden müssten oder z.B. ein paar Eckdaten melden müssten, warum ein Hund eingeschläfert werden musste. Für mich bemerkenswert, dass eine solche Forderung aus der Tierärzteschaft selbst kam.
In der Grundrichtung stimmen hier alle überein. Frau Jakobs hat natürlich recht, wenn sie sagt, man muss die FCI und den britischen und amerikanischen Kennel Club mehr in die Pflicht nehmen. Nur, das ist von Deutschland aus gesprochen wohlfeil. Keine deutsche Behörde kann den o.g. Organisationen Vorschriften machen. Man kann maximal über EU-Recht an die FCI und den BKC herankommen. Aber die Politiker in Europa haben zur Zeit andere Probleme fürchte ich.
Ein Screening wäre eine tolle Sache, nur wer soll die Daten sammeln, aus- und bewerten und die Ergebnisse veröffentlichen. Das muss ja zentral geschehen. Eine Bundesbehörde? Vielleicht im Einflussbereich von Frau Aigner? Na, dann...
Es stimmt mich immer ein wenig misstrauisch,wenn eine Berufsgruppe auf andere zeigt. Die deutschen Tierärzte täten gut daran, sich z.B. nicht an der Fütterung von Masttieren mit Antibiotika zu beteiligen. Und der Pharmaindustrie ihr schmutziges Spiel zu erleichtern. Oder in den Schlachthäusern in unserem Land immer wieder weg zu sehen und dort unglaubliches Tierleid mit zu verursachen.
Und Herr Jung, ich bin mal so frei mich an die eigene Nase zu fassen. Wir Biologen haben schon in unsrem Studium Tiere verbraucht. Nur um z.B. mal zu gucken, wie die Ratte von innen ausschaut. Tierphys 1, sie erinnern sich bestimmt. Und damit war das Studium noch lange nicht rum. Nach dem Studium sollen Kommilitonen in die Industrie gegangen sein um dort Tierversuche zu machen. Für gutes Geld. Denn, es wird ja nicht aus jedem Diplom-Biologen ein Ökologe beim Umweltministerium oder ein Forscher in MPI Seewiesen, nicht wahr? Es könnte sein, dass unsere Industrie-Biologen im Tierversuchslabor, zwischen Ratten, Hunden und Affen, so manchen Veterinärmediziner treffen. Die, so sagt man sich, helfen nämlich nicht nur gerne den Bauern in der Hähnchengroßmastanlage sondern sonder auch z.B. der Pharma- oder Kosmetikindustrie.
Und das wissen die Herren auf dem Podium. Aber geredet wird lieber über die schmutzige Wäsche anderer.
In der Hundezucht muss sich vieles bewegen. Keine Frage. Und unsere Kleintierärzte bekommen so manches zu sehen. Und sie sie können durch ihre Kompetenz den Finger auf die Wunde legen. Aber am glaubwürdigsten wirken sie, wenn sie vor der eigenen Tür anfangen. Solange sie aber einen großen Eigennutz aus der verfehlten Tierschutzpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums ziehen, können sie nicht besonders wirksam sein.
Guten Morgen,
ich verweise auf meinen ersten Absatz. VDH, ÖKV, ENCI etc (die FCI-Landesverbände) können sehr wohl ihre Richter darauf hinweisen, besonders gefährdete Qualzuchtrassen wesentlich strenger nach gesundheutlichen Kriterien zu richten, dazu gehören auch zu stark zurückgezüchtete Nasen wie beim erbarmungswürdigen Mops-WS.
Und da viele europäische Richter inzwischen auch in den USA und GB richten, könnten sie - sie sie zu einem Umdenken bereit sind - dort genauso richten. In beiden Ländern regt sich genauso wie in der FCI seit einiger Zeit der Widerstand und die Proteste gegen krankgezüchtete Rassehunde.
So war meine Anregung gemeint, diese Kynologischen Vereine in die Pflicht zu nehmen: ihr System nach und nach zu "unterwandern".
Zuerst muss ich mich bei Ihnen entschuldigen, Frau Jacobs. Man schreibt ihren Namen mit c und nicht mit k. Ist mir durchgegangen, soll aber nicht mehr vorkommen.
Sie schreiben, die Verbände können ihre Richter auf bestimmte Bewertungsmaßstäbe hinweisen. Ganz richtig, hinweisen, aber leider nicht anweisen. Die Richter sind da recht unabhängig. Die bemängelte Praxis im Ring, hat zumindest in Deutschland, mehr mit den Voraussetzungen zur Richterlaufbahn zu tun, als mit einer schlechten Ausbildung. Ein eigener Kennel und mindestens drei Würfe (Voraussetzung) macht den angehenden Richter zu einem Bestandteil des Systems bevor er überhaupt mit der Richter-Ausbildung anfangen kann.
Die Vereine/Veranstalter laden sich nun mal gerne Richter ein, die Aussteller locken. Und das sind gewiss nicht die, die Zuchtziele in Frage stellen. Dabei kann aber der Verband dem veranstaltenden Verein keine Vorschriften machen, welche Richter sie sich einladen.
Der Gang durch Instanzen ist gewiss eine Möglichkeit etwas zu verändern. Aber es ist keine Lösung, die eine schnelle Besserung verspricht. Und es stellt sich immer die Frage, warum sie, Frau Jacobs, nicht Richterin geworden sind. Die Grundvoraussetzungen des ÖKWZR zur Richterausbildung dürften sie ja erfüllen. Dann dann wäre es ihnen gewiss auch möglich die Fehlentwicklungen beim Azawakh tätig anzugehen. Meine Unterstützung hätten sie.
Robert Morgenstern
Guten Morgen,
scharfsinnig erkannt und gefragt, warum ich nicht Richterin wurde, auch wenn ich über alle Windhunderassen mehr weiß als die meisten amtierenden Richter: weil ich zu streng wäre. Das "Zugrunderichten" der Rassen umfaßt ja leider auch ein penetrantes "Am- Standard-vorbei-Richten", nur damit manche öft und öfter zum Richten genommen werden.
Ich selbst wurde wegen meiner Kritik aus dem ÖKWZ unter einem nichtigen und unwahren Vorwand ausgeschlossen; wegen der dort herrschenen Korruption und anderer trauriger Zustände trotz mehrmaliger Einladung nicht mehr eingetreten und so züchte ich eben in einem anderen ÖKV-Verein und zahle für meine Welpen die doppelten Eintragungsgebühren.
Es ist für mich eine Ehre, nicht mit solcher Plebs auf einer Bank zu sitzen.
Und ich mache auf meinem Blog und in Foren auf Qualzuchten und Mißstände aufmerksam. Auch über die Fehlentwicklung der Azawakhs schreibe ich immer wieder, aber das führt hier zu weit, vielleicht haben Sie Lust, darüber per Email oder skype - em13ma zu sprechen?
Ich darf sie dazu auch an Frau Prof Stuhr verweisen, der es zu danken ist, daß es in Österreich nicht ganz so extreme Formen der Qualzuchthunde gibt.
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