Samstag, 24. September 2011

Zucht aus Liebhaberei und das traurige Ende von Zucht-Hündin Goldi

In den Vereinen der Hundezucht wird das Mantra von einer "Zucht nur aus Liebhaberei zu den Hunden" gepflegt. Es ist gerade bei den Bulldog-Show-Züchtern, - Vermehrern, -Händlern und Ausstellungsrichtern zudem üblich, sich selbst im Marketing als Beförderer der Gesundzucht darzustellen. Doch nur die wenigsten können diese Versprechen einhalten. Das genaue Gegenteil ist leider meist der Fall.

Gerade die Hündinnen werden oft rücksichtslos ausgebeutet. 

Eine Variante des Hundehandels ist der Import bereits belegter Hündinnen, um sie in Deutschland auszuweiden und die Welpen mit deutschen Papieren gewinnbringender vermarkten zu können. Terminierte Kaiserschnitte sind ebenfalls neue Maschen einer möglichst profitbringenden Welpenernte, die gerade bei französischen Bullys und englischen Bulldogs mit Hilfe zweifelhafter Veterinäre Verbreitung findet. Die anstrengende Welpenaufzucht wird zudem nicht selten in Lohnarbeit an Dritte vergeben. Oft müssen ebenso fragwürdige Veterinäre bei der Verpaarung mit künstlicher Besamung aushelfen, da die Hunde nicht einmal mehr in der Lage sind, einen Begattungsakt durchzuführen.
Auch das ist Realität, gesunde Bulldogs mit natürlichen Geburten.
(Züchterin Bettina Selle-Treiber, Smoothpowerpack)
Allerdings kommen solche Methoden der Hundeproduktion nur selten ans Tageslicht, da die Hundezucht hier fließend in international aufgestellte, mafiöse Strukturen übergeht.

Hinter der Fassade der "Zucht aus Liebhaberei" verbirgt sich nicht selten organisierte Tierquälerei.

Da man in Streit um 694,77 € Lohn für die Welpenaufzucht geraten war, wurden solche Praktiken aus dem Oktober 2009 von den Beteiligten selbst dokumentiert. Im Nachfolgenden ein ungekürzter Auszug aus einem Anwaltsschreiben:

"Mit Ihrem Schreiben vom 15.04.2010 fordern Sie von meiner Mandantin die Zahlung des Betrages in Höhe von 694,77 € nebst der bei Ihnen entstandenen Kosten. Dies begründen Sie damit, dass meine Mandantin die von Ihrer Mandantin berechneten Kosten der Aufzucht auszugleichen habe. Meine Mandantin habe zugesagt, die Kosten zu zahlen. Hierzu  ist wie folgt Stellung zu nehmen:

Ihre Mandantin hatte sich seinerzeit angeboten, die Aufzucht der Welpen der Hündin „Goldi“ zu übernehmen bis die Welpen fünf Wochen alt sind. 


Am 09.10.2009 fuhr der Ehemann meiner Mandantin mit der Hündin zu Ihrer Mandantin. Er blieb dann dort bis zum Kaiserschnitt-Termin, der für den 12.10.2009 vorgesehen war. 

In der Nacht zum 10.10.2009 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Hündin dramatisch, sie war so schwach, dass sie vorn immer wieder zusammenbrach. Der Ehemann meiner Mandantin fragte daraufhin Ihre Mandantin, ob es nicht besser sei, mit der Hündin zum Tierarzt zu fahren. Dies verneinte Ihre Mandantin jedoch mit der Bemerkung, dass es normal sei, dass die Hündin zusammenbreche, das sei bei ihrer Hündin auch so gewesen. Obwohl sich der Zustand der Hündin weiterhin verschlechterte unternahm Ihre Mandantin nichts.

Erst am 11.10.2009 gegen 17.00/18.00 Uhr entschloss sich Ihre Mandantin, den Tierarzt Herrn K. aufzusuchen. Bevor sie nun losfuhr, diskutierte sie noch ausgiebig mit ihrem Lebensgefährten darüber, mit welchem Auto man fahren solle. Dies war nicht nur eine überflüssige, sondern auch gerade in Anbetracht des äußerst schlechten Gesundheitszustandes der Hündin eine die Gesundheit der Hündin beeinträchtigende zeitraubende Diskussion. 

Beim Tierarzt endlich angekommen, erlitt die Hündin in den Armen des Ehemannes meiner Mandantin einen Herzstillstand und verstarb. Der Tierarzt nahm sofort einen Kaiserschnitt vor und es wurde 10 Welpen lebend geboren.
" (Hervorhebungen CJ; eine Kopie dieses Schreibens sowie zahlreiche weitere Dokumente samt Namen und Adressen liegen Petwatch vor)

Unfassbar! Doch so geschehen, mitten in Deutschland.


Zwei noch unerfahrene Züchter hatten die angebotene Hilfe einer vermeintlich erfahrenen Bulldog-Züchterin, zudem Lebensgefährtin des damaligen Vorsitzenden des Allgemeinen Clubs für Englische Bulldogs e.V. (ACEB), angenommen - mit katastropahlen Folgen.

Alle 10 Welpen starben. 

Die Welpen waren dann von der vermeintlichen Helferin an eine dritte Person gegeben worden, die gegen Entgelt die Handaufzucht der Welpen bewerkstelligen sollte. Offenbar hatte diese Person zuwenig Kenntnis für diese Aufgabe. Die Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover brachte u.a. eine völlig falsche Ernährung zum Vorschein: "Der Magen war mittel- bis hochgradig gefüllt mit festen, fleischartigen Futterbrocken." ... bei einem 2 Wochen alten Welpen! Jeder einigermaßen kundige Züchter weiß, dass Welpen erst ab der 3. oder 4. Woche nach und nach feste Nahrung erhalten können.*

Was sind das für "Züchter"
  • die Geburt und die ersten 5 Wochen der Aufzucht in Lohnarbeit von Dritten durchführen lassen?
  • die ihre offenbar geschwächte, hochträchtige Hündin 250 km durch die Gegend karren?
  • die das ständige Zusammenbrechen einer hochträchtigen Hündin als normal bezeichnen?
  • dann nicht umgehend einen Tierarzt aufsuchen?
  • die ihre Welpen zur Aufzucht gegen Entgelt an eine andere "Züchterin" weggeben, die diese anstrengende Aufgabe noch einmal in Lohnarbeit an eine weitere Person vergibt?
Erschöpft aber glücklich (Züchterin Bettina Selle-Treiber)
Es ist sehr zu begrüßen, dass der VDH-Vorstand im Juli die Initiative ergriffen und Antrag auf Ausschluss des ACEB aus dem VDH gestellt hat. Zudem hat er erklärt, ein Gesundzuchtprogramm auf den Weg bringen zu wollen. Hieran wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Man wird sehen, ob den hoffnungsvollen Worten des VDH auch die entsprechende Praxis folgen wird.

Es würde der seriösen Hundezucht gut zu Gesicht stehen, sich von o.a. Methoden und "Züchtern" klar zu distanzieren.

Nachtrag 27.09.11:
Die Fütterung von Welpen bereits in der 2. Woche mit Fleischstückchen (z.B. Rinderhack) ist eine in der Show-Bulldog-(Qual-)Zucht durchaus übliche Methode. So soll der Magen geweitet werden, damit die Welpen möglichst schnell massig und angeblich "typvoll" werden. Offenbar gibt es Käufer, die das bezahlen. Insbesondere aber honoriert die breite Mehrheit der Bulldog-Richter auf den FCI-Hundeausstellungen seit Jahrzehnten solche extremen (Qualzucht-)Hunde mit Championaten und V-Bewertungen. Um solche internationale "Show-Quality" zu produzieren, hatte der ACEB-Vorstand unter Antonio Kopp ein Mindestgewicht für die Welpenabnahme von 4KG eingeführt (veröffentlicht in "Unser Rassehund" 10/2009) . Damit sollten zudem die Züchter gesunder Bulldogs klein gehalten werden.


( ein Beitrag von Christoph Jung )

Sonntag, 18. September 2011

Inzucht und Lebenserwartung beim Leonberger

Im Juli 2011 wurde an der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine neue Studie zum Thema Inzucht und Vitalität bei Hunden veröffentlicht. Das Thema der Diplom-Arbeit war die "Assoziation zwischen Inzuchtkoeffizienten und Wurfgröße sowie Situation zur Lebenserwartung" bei der Hunderasse Leonberger. Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung von nicht weniger als 7582 (aus 8537) Leonberger-Würfen zwischen 1932 und 2009. Angeregt wurde diese Untersuchung durch die Initiative Pro Leonberger. Zum Thema Leonberger haben wir hier schon berichtet.

Für den Petwatch-Blog hat die Initiative Pro Leonberger folgende Informationen zur Studie der Uni Wien zusammengestellt, die sicher für alle Hundefreunde von Interesse sind (Hervorhebungen CJ):

Unser Anliegen ist der Leonberger Hund, unsere Intention die Verbesserung seiner Gesundheit, seiner Vitalität. Um unsere Darstellungen zur diesbezüglichen Situation des Leonbergers im Rahmen von Pro Leonberger von fachlicher, neutraler Seite überprüfen zu lassen, baten wir die bekannte Genetikerin, Frau Prof. Dr. Sommerfeld-Stur, Uni Wien, um Mithilfe. Aus ihrer Einwilligung entstand eine Untersuchung in Form einer Diplomarbeit, die unsere Aussagen bestätigt und desweiteren aufzeigt, wo sich die gesundheitlichen Knackpunkte beim Leonberger befinden und wie damit umgegangen werden kann, was sich ebenfalls mit unseren bisherigen Darlegungen deckt.

Hier ein paar Zitate aus dem Ergebnis der wissenschaftlichen Auswertung:

"Eine Assoziation zwischen Lebenserwartung und Inzuchtcoeffizient (p = 0,517) konnte für den Leonberger nicht nachgewiesen werden. (Tabelle 9;Abbildung 5)."  
Seite 46, Punkt 5.2

"Als durchschnittliches Todesalter wurde für den Leonberger ein Alter von 7,55 Jahren ermittelt (Abbildung 6)."  
Seite 46, unten

"Das Ergebnis deckt sich nahezu mit einer amerikanischen Studie zum Gesundheitsstatus des Leonbergers aus dem Jahre 2000, bei der die Hunde ein durchschnittliches Alter von 83 Monaten (knapp 7 Jahre) erreichten (LEONBERGER CLUB OF AMERICA, 2002)."  
Seite 47, oben

"DANCKERT u. KRAFT (1997) berichten bei ihrer Untersuchung der Lebenserwartung an verschiedenen Hunderassen von einem durchschnittlichen Sterbealter von 10,3 Jahren und einer mittleren Lebenserwartung von 8 Jahren für Leonberger."  
Seite 47, Absatz 2

"Bei ihrer Studie mit 15,881 Todesdaten von 165 Hunderassen ermittelten ADAMS et al. (2010) ein durchschnittliches Todesalter von 11 Jahren und 3 Monaten. Explizit für den Leonberger wurde anhand von 47 Datensätzen ein Sterbealter von 7,08 Jahren berechnet."  
Seite 47, Absatz 3

"Vergleicht man den Verlauf des mittleren Todesalters der Leonberger über die Jahre hinweg, wird eine Tendenz zu kürzerer Lebenserwartung deutlich. Erreichten die Hunde die in den Jahren 1957-1989 geboren wurden, durchschnittlich 9,02 Jahre (n=476), so lag das mittlere Alter von Hunden die zwischen 1995-1999 geboren wurden nur noch bei 7,9 Jahren (n=782) (Abbildung 9)."   Seite 47, Absatz 7
"Ähnlich den Ergebnissen anderer Studien, wurden bei der vorliegenden Leonbergerpopulation folgende Gründe als häufigste Todesursache berechnet (Tabelle 10): Tumorerkrankungen (n=571, 21,87%), Herzprobleme (n=279, 10,69%) und "Alter" (n=171, 6,55%). Unter den Tumorerkrankungen ist das Osteosarkom mit 13,10% überrepräsentiert. Als Hauptursache nennt der LEONBERGER CLUB OF AMERICA (2002) Krebs (n=37, 37%), "Alter" (n=12, 12%) und Herzinsuffizienz (n=9, 9%) bzw. plötzlicher Herztod (n=8, 8%).
Die Ergebnisse der aktuellen Studie stimmen auch mit den Untersuchungen von ADAMS et al. (2010) überein,...
Somit zählt der Leonberger in dieser Studie zu den Rassen mit dem verhältnismäßig höchsten Anteil an Tumorerkrankungen
."  Seite 49, ab Absatz 2           

"Auffallend bei der Auswertung der vorliegenden Daten war der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den Todesursachen "Alter" und "andere Todesursachen". Für die Todesursache "Alter" wurde eine mittlere Lebensdauer von 12,07 Jahren ermittelt, hingegen erreichten Hunde, die infolge einer diagnostizierten definierten Krankheit verstarben, durchschnittlich nur 7,24 Jahre (Abbildung 7). Diese Feststellung lässt darauf schließen, dass Leonberger durchaus ein hohes Alter erreichen können sofern sie nicht an einer der in der Rasse häufig auftretenden Erkrankungen frühzeitig sterben. Ganz ähnliche Ergebnisse fand MÄKI (2011) für den Berner Sennenhund. Diese Erkenntnis eröffnet aber auch Möglichkeiten zu einer Selektion auf höhere Lebenserwartung durch Selektion gegen genetisch bedingte Erkrankungen. Zuchtausschluß von Merkmalsträgern sowie von direkten Verwandten von Merkmalsträgern könnte sowohl die Häufigkeit von Erkrankungen in der Population reduzieren als auch die durchschnittliche Lebenserwartung der Rasse anheben."    Seite 49, letzer Absatz + Seite 50, Absatz 1

"In der untersuchten Leonberger-Population hat sich das Inzuchtniveau im Beobachtungszeitraum signifikant verringert, gleichzeitig hat sich die Wurfgröße erhöht. Die züchterischen Bemühungen zur Reduzierung des Inzuchtniveaus haben sich somit auf der Basis einer Assoziation zwischen Inzuchtniveau und Wurfgröße direkt positiv ausgewirkt. Die Zuchtpolitik mit Limitierung des Inzuchtniveaus sollte daher beibehalten werden
Keine Auswirkung hatte die Reduktion des Inzuchtniveaus auf die Lebenserwartung, die im Beobachtungszeitraum sank und auch keine Assoziation mit dem Inzuchtniveau erkennen ließ. Da das Todesalter aber vor allem durch die Todesursache beeinflußt wird und Hunde, die nicht auf Grund einer definierten Erkrankung starben, eine weit höhere Lebensspanne hatten, liegt in der Selektion gegen erbliche Erkrankungen die beste Möglichkeit die Lebenserwartung der Rasse züchterisch zu beeinflussen
."
Seite 50, Punkt 5.3

Interessant für uns ist, daß auch weitere Quellen, die bei dieser Studie zu Grunde gelegt wurden, mit unseren Erkenntnissen und Darlegungen konform gehen.
Auch werden in der Diplomarbeit Krebs- und Herzerkrankungen als genetisch bedingte Erkrankungen deklariert, deren Vorkommen und Häufigkeit in der Leonberger-Population durch Zuchtausschluß von Merkmalsträgern und deren direkten Verwandten reduziert werden kann - was sich ebenfalls mit unserer Ausführungen deckt.

Näheres und die Diplomarbeit in ungekürzter Fassung ist einzusehen unter:
http://pro-leonberger.com/leonberger-studie.htm

Wir hoffen sehr, dass diese Arbeit dazu beiträgt, ein Problembewusstsein zu schaffen, welches sowohl den zuchtbuchführenden Club als auch die Züchter im Einzelnen endlich die notwendigen Maßnahmen ergreifen läßt - zum Wohle des Leonberger Hundes.

Pro Leonberger, September 2011
www.pro-leonberger.com


( ein Beitrag von Christoph Jung ) (Fotos Elfi Hoffstadt)

Sonntag, 11. September 2011

Hellmuth Wachtel - Rezension "Rassehund am Ende?"

Der Autor ist Diplom-Psychologe, bekannt durch den Dortmunder Appell und Petwatch, und befasst sich in diesem Werk mit der Situation und dem Schicksal des Hundes, insbesondere der Schauvariante des Rassehundes. Vor allem in den letzten 50 Jahren, seit immer mehr Hunderassen nicht mehr als Arbeitshunde tätig sind, sind diese zu Gesellschafts- beziehungsweise Familienhunden geworden, und seither ist bei diesen immer mehr von Inzucht, Qualzucht und zunehmenden Erbkrankheiten die Rede.
Dr. Hellmuth Wachtel
Jung hat dieses Gebiet eingehend recherchiert und Konsequenzen, Gegenmaßnahmen und Möglichkeiten der Verbesserung untersucht und besprochen, wie auch die möglichen Alternativen zum Schaurassehund, wie Mischlinge, ungeplante und die Designer Dogs, also geplante Mischlinge, importierte Straßenhunde, Parias und Schensis etc. beurteilt. Ich halte dieses Buch gerade heute für höchst aktuell.

Der Autor enthüllt erschütternde und schockierende Fakten aus allen Bereichen, die mit dem Hund zu tun haben, wie der Zucht, dem Ausstellungswesen, sogar der tierärztlichen Betreuung, dem totalen Versagen aller Instanzen, die mit Qualzucht, anderen züchterischen Problemen, und dem Handel. Er deckt die oft bestürzende Wahrheit auf Gebieten auf, die der Allgemeinheit im Zusammenhang mit des Menschen besten Freund fälschlich als ordentlich und geregelt erscheinen, wie etwa der Fütterung, die heute von der Industrie monopolisiert wird, und dieses leider nicht immer zum Vorteil der Hunde.

Jung verteidigt den heute so vielfach gefährdeten und manchmal gegenüber den möglichen Alternativen unterbewerteten Rassehund, und zweifellos sind seine Bemühungen diesbezüglich wertvoll, klären sie doch Missstände schonungslos auf und können den Hundeliebhabern helfen, sich bei der Auswahl eines tierischen Lebensgefährten vor schlimmen Enttäuschungen zu schützen. Er relativiert so bei aller Objektivität vieles, was häufig als besonderer Vorteil von Not- und Tierheimhunden, Mischlingen - ungeplanten wie die geplanten Designer Dogs - vor dem Rassehund bezeichnet wird, obwohl diese alle auch Vorteile haben.
Rassehund am Ende?
Sind Mischling, Nothund,
Tierheimhund die Alternative?
ISBN: 9783842367364
140 Seiten, 14,80 Euro
Gerade die Rassehunde stellen aber ein zu erhaltendes Kulturgut dar, das nicht länger durch schwere Zuchtfehler und die leider so oft unverständliche Richtpraxis im Ausstellungsring schwer gefährdet werden darf!

Obwohl ich ein paar Details etwas anders sehe, erscheint mir daher, Alles in Allem, dieses Buch gerade heute für so wichtig, dass es in die Hand jedes Hundefreundes gehört.

Dr. Hellmuth Wachtel (c)
September 2011

Mittwoch, 7. September 2011

Künstliche Besamung in der Hundezucht

Instrumentelle Samenübertragung oder künstliche Besamung ist eine Technik, die sich in den letzten Jahren rasant verbreitet hat. Selbst in der Humanmedizin sind diese Eingriffe in elementare Techniken des Lebens zur Routine geworden. In der Agrar-Industrie ist die instrumentelle Samenübertragung längst Standard, um so möglichst profitable Ergebnisse in der Fleisch- oder Milchproduktion zu erhalten - regelmäßig zu Lasten des Wohls der Tiere.

Die Veterinär-Medizin drängt seit Jahren mit Macht in den riesigen Markt der Hundezucht, um diese Technik zu vermarkten. 2007 hat sich die Arbeitsgruppe Reproduktionsmedizin in der Hundezucht (AGRH) gegründet. Praktisch alle Tiermedizin-Unis betreuen inzwischen dieses Feld auch bei Hunden. Überall sind Veterinäre unterwegs, um den Hundezüchtern ihre Dienste einer technisierten Fortpflanzung anzupreisen.

Tatsächlich gibt es einige gute Gründe, diese moderne Technik der Medizin zu nutzen.

Künstliche Besamung kann für das Wohl und die Gesundheit der Hunde sinnvoll sein, zum Beispiel
  • wenn hierdurch eine genetische Verbesserung der Population erzielt werden kann, etwa durch Genmaterial eines hervorragend passenden Rüden, der aber weit entfernt steht.
  • in Verbindung mit Nachzuchtbeurteilungen und Langzeitstudien, die besonders vitale und langlebig gesunde Hunde identifizieren, deren Samen dann in einer Genbank erhalten ist und zur Verbesserung der Population zielgerichtet verwendet werden könnten.
Künstliche Besamung kann aber auch zum Nachteil der Gesundheit der Hunde eingesetzt werden, zum Beispiel
  • wenn sie zur Zuchtverwendung von Hunden führt, die selbst nicht mehr imstande sind, sich natürlich zu vermehren. Das ist in meinen Augen aktive Förderung von Qualzucht!
    Viele Exzesse der Qualzucht der letzten Jahre haben die Veterinäre erst durch die instrumentelle Samenübertragung möglich gemacht. Im WDR wurde im August 2011 der Vorsitzende des AGRH, Dr. Konrad Blendinger, gezeigt, der zwei Bulldogs für die Zucht verpaarte. Diese armen Hunde waren durch Qualzucht nicht in der Lage, sich natürlich fortzupflanzen und zeigten zudem extreme Atemprobleme. In meinen Augen hat sich Dr. Blendinger hier aktiv an Qualzucht beteiligt und gegen §11b Tierschutzgesetz verstoßen. Ohne die aktive Mitwirkung der Veterinäre (auch beim Kaiserschnitt) wären solche krank gezüchteten Hunde einfach ausgestorben.
  • wenn damit bestimmte Champion-Rüden, Popular Sires, massenhaft und über die weltweite Population verteilt für die Zucht verwendet werden, samt ihrer Veranlagungen für Erbkrankheiten und angesichts der hinlänglich bekannten Schäden durch Inzucht und Homogenisierung des Erbgutes. Das ist genetische Qualzucht.
  • wenn sie quasi als Zwangsmaßnahme zur Befruchtung von Hündinnen eingesetzt wird, die von dem gewählten Rüden nicht gedeckt werden wollen. Auch Hündinnen, die aufgrund Degeneration mental nicht mehr zu einem natürlichen Deckakt bereit sind, sollten nicht durch instrumentelle Besamung in der Zucht gehalten werden.
Tierarzt zum Wohl der Tiere?
Dr. Konrad Blendinger samt einen übertypisierten Bulldog ab,
der nicht natürlich decken kann und extrem Atemnot zeigt.
Screenshot vom www.wdr.de/tv/diestory, Sendung vom 22.08.11
In der Praxis sieht es danach aus, dass die letztgenannten Gründe überwiegen und so die Fortschritte der Tiermedizin zum Nachteil der Gesundheit der Hunde eingesetzt werden. Im Interesse des Profits wird zunehmend die ganze Hundeproduktion technisiert, angefangen von der künstlichen Besamung über terminierte Kaiserschnitte bis hin zur Aufzucht der Welpen in Brutkästen und per Sonde. Die erwachsenen Hunde sind dann als Dauerpatienten in den Veterinärkliniken und Kunden diätischer Sonderfuttermittel dankbare Umsatzgaranten. Pecunia non olet.

Aus Tierschutzgründen sollte die künstliche Besamung in der Hundezucht verboten sein, mit Ausnahme der erstgenannten Gründe und weiterer im Interesse gesunder Hundepopulationen.

Berry Spruijt, Professor für Tierschutz an der Universität Utrecht:
"Wo Tiere sich nicht mehr selbst fortpflanzen können und das auch noch einschließlich Paarung und Geburt, sollte man diese Varianten einer Art auch nicht mehr am Leben halten. Es ist mir unbegreiflich, wie so etwas der Ausgangspunkt eines Tierarztes sein kann, der eigentlich die Gesundheit und das Wohl der Tiere befördern soll. Ich verstehe nicht, dass der Berufsverband der Veterinäre sich nicht klar distanziert und seine Mitglieder anweist, solche Dinge nicht zu tun."
(In der niederländischen TV-Dokumentation "Einde van de rashond"  vom 11.12.2010)

( ein Beitrag von Christoph Jung )

Donnerstag, 1. September 2011

Rassehund am Ende? Sind Mischling, Nothund, Tierheimhund die Alternative?

ÜÜberzüchtet und krank, von zweifelhafter Schönheit - so sehen immer mehr Hundefreunde den Rassehund. Angesichts von Erbkrankheiten, Inzucht und Kurzlebigkeit ist das kein Wunder.

Zugleich kommen massenhaft Straßenhunde aus Rumänien oder Spanien als Nothunde zu uns. Auch der Mischling als gesunde Alternative und bewusst kreiert als Designer-Dog ist im Kommen. Andere rufen gar neue Hunderassen ins Leben. Was ist der passende Hunde in unserer heutigen Gesellschaft?
Wo finde ich nur den richtigen Hund für mich?

Hat der Rassehund noch einen Sinn? Sind Nothunde, Mischlinge, Designer-Dogs eine Alternative? Welche Vorteile und Nachteile haben diese Hunde als Begleiter in unser Gesellschaft?

Was ist eigentlich ein Rassehund? Christoph Jung geht der Frage nach, wann und wie die Hunderassen entstanden und warum. Sind Fellfarben und andere Äußerlichkeiten entscheidend, wie es uns die Show-Zucht vormacht? Jung zeigt auf, warum die Show-Zucht unsere Hunde krank macht und die Grundlagen der Partnerschaft Mensch - Hund zerstört. Sind Mischlinge fitter? Sind Hunde aus dem Tierschutz die Alternative zur Hundezucht? Jung entwickelt schließlich Grundzüge für eine neue Chance dieser einmaligen Partnerschaft. 

Rassehund am Ende? Sind Mischling, Nothund, Tierheimhund die Alternative?


Verlag BoD Norderstedt
ISBN: 9783842367364
140 Seiten
14,80 Euro

Im Buchhandel oder z.B. bei Amazon:
http://www.amazon.de/gp/product/3842367368/ref=oss_product

(aus Presseerklärung zum Buch)