Es geschehen noch kleine Wunder?
Am 29.07.2011 war ich zu einem Treffen im Haus des VDH mit Prof.Dr. Peter Friedrich, Präsident des VDH, und Bernhard Meyer, Hauptgeschäftsführer des VDH, eingeladen. Neben dem "Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht" war die Lage der Zucht und die notwendigen Maßnahmen zur Gesundung des Bulldogs das eigentliche Hauptthema.
- Es bestand Einvernehmen, dass es dringend zu einer Wende in der Zucht der Englischen Bulldogge kommen muss.
- Es bestand Einvernehmen, dass unter bestimmten Bedingungen eine Gesundung des Bulldogs ermöglicht werden kann.
Kritische Unterstützung zum Wohl der Hunde
Friedrich und Meyer fragten mich, ob ich diesen Weg begleiten wolle, was ich gerne bejahte. Was soll einem besorgten Hundefreund Besseres passieren, als dass der wichtigste Verband der Hundezucht genau die Dinge in Angriff nimmt, die man seit Jahren fordert? Klar, die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit - da wird sich der VDH erst beweisen müssen. Und so wurde auch vereinbart, dass dieses Programm transparent, offen, überprüfbar stattfinden soll. Ich habe den Eindruck mit nach Hause genommen, dass es die Herren ernst meinen.

Nachdem ich von diesem Gespräch in der Szene berichtet hatte, traf diese Nachricht auf ein überraschend negatives Echo unter so manchen Hundeleuten. Da sei ein Haken dran, der VDH würde es nicht ernst meinen, habe doch selbst genug Fehler gemacht, sagten mir auch besorgte Hundefreunde. Klar, aber warum soll denn gleich alles wieder negativ zerredet werden? Nichtzuletzt im geradezu vitalen Interesse der Hunde ist es zumindest einen ernsthaften Versuch wert, den man konstruktiv begleiten sollte. Das Wohl der Hunde hat überhaupt nichts von destruktivem Dauerstreit. Es ist mindestens 5 vor 12! Der Bulldog braucht dringend ein Gesundzuchtprogramm, um nicht in Qualzucht zu ersticken. Da heißt es, jede ernsthafte Chance zur Rettung dieser wunderbaren, einmaligen Hunderasse zu ergreifen. Sollte man allerdings feststellen, dass der VDH es nicht wirklich ernst meint, so wird man es schon erkennen und auch öffentlich anprangern können und müssen. Das wäre aber auch das Ende des Bulldogs
Kritik am VDH als Marketingstrategie
Mit dem negativen Echo von einer anderen Seite hatte ich allerdings gerechnet und es kam ebenfalls mit voller Wucht. Die miserable Situation der Bulldog-Zucht unter dem Dach des VDH hat eine Menge Profiteure. Die ganzen Schwarzzüchter, Vermehrer und Hundehändler konnten ihr Geschäft wunderbar mit dem Verweis auf die Unfähigkeit des ACEB über Jahre hinweg ausbauen (es gibt auch ganz vereinzelt seriöse Bulldog-Züchter außerhalb des VDHs). Dem Welpenkäufer wurde und wird regelmäßig suggeriert, man züchte deshalb nicht im VDH, weil dort die Gesundheit der Hunde missachtet würde. Man selbst sei hingegen der Zwinger, der sich der Gesundzucht verschrieben habe. Von dieser Marketingbehauptung lassen sich leider allzu leicht und vielleicht auch allzu gerne viele Welpenkäufer beeindrucken. So konnten Vermehrer und Hundehändler geschätzte 90% des Markvolumens erobern. Ein äußerst lukrativer Markt. Man kann mit Bulldog-Welpen ohne FCI-Papiere problemlos 1.000 bis 1.500 Euro erlösen. Mit FCI-Papieren sogar noch mehr. So hat sich beispielsweise eine Mafia etabliert, die in Deutschland gezüchtete oder per Hundehandel in Osteuropa dazugekaufte Bulldog-Welpen mit ungarischen, griechischen oder anderen ausländischen FCI-Papieren ausstattet und so in Deutschland mit hohen Gewinnen vermarktet - bar jeder züchterischen Kontrolle. All diesen Geschäftemachern auf Kosten der Hunde drohen nun empfindliche Einbußen ihrer schmutzigen Profite.
Durch das positive Beispiel eines Gesundzuchtprogamms wird der verlogenen Propaganda von wegen, "man züchte - im Gegensatz zum VDH - den gesunden Bulldog", die Grundlage entzogen. Deshalb wurde und wird über diverse Internetseiten und Foren eine geradezu aggressive Kampagne gegen meine Person, den VDH und seine Schritte in Richtung Gesundung des Bulldogs losgetreten. Leider scheinen sich auch manche Medien hiervon beeindrucken zu lassen.
Der Bulldog hat noch ein Chance.
Friedrich und Meyer zeigten sich fest entschlossen, eine solche Wende herbeizuführen. Sie wird als Chance für einen Neubeginn und einen neuen Aufschwung der Zucht des Bulldogs und des Vereinslebens um den Bulldog unter dem Dach des VDH gesehen. Der Bulldog hat noch ein Chance. Sollten die so hoffnungsvollen Zeichen auch tatsächlich zu konkreten und vor allem, nachhaltigen Handlungen des VDH führen und damit den Rahmen für die Wende in der Zucht setzen können, so wäre das die Rettung des Bulldogs! Ich kann das Misstrauen gegenüber den Absichtserklärungen des VDH voll verstehen. Aber man sollte nach vorne schauen und Chancen im Sinne der Hunde beim Schopfe packen. Jeder Hundefreund sollte eine solche Entwicklung - wird sie dann Realität - aus vollem Herzen begrüßen und unterstützen. Und vielleicht ist der Bulldog nur ein Anfang für die vom Dortmunder Appell geforderte Wende in der Hundezucht zum Wohle der Hunde. Denn der Bulldog steht in seiner züchterischen Misere nicht allein. Etliche Hunderassen stehen kaum besser dar, meist nur nicht so deutlich nach außen sichtbar. Denn Epilepsie, Herzschwäche, Glaukome und viele andere durch die Zucht verbreitete Erbkrankheiten kann man nicht so leicht sehen. Hier im Blog habe ich vielfach berichtet und werde auch weiter berichten - müssen.


5 Kommentare:
Hallo Christoph, danke für dein Statement!
Als ich diesen Film gesehen habe, war ich nur begeistert von der Offenheit des Filmes - endlich wird gezeigt, dass viele Verbände unter dem VDH nichts unternehmen wollen und der VDH viel zulange zusieht.
Die Kehrseite der Medaille habe ich nicht betrachtet.
Tatsächlich kann dem Laien vermittelt werden, dass Vermehrerhunde genau so gut/schlecht sind wie VDH Hunde und das Mischlinge gesund sein sollen ist Augenwischerei.
Doch der potentielle "Käufer" wird hoffentlich sensibel gemacht sich seinen Züchter genauestens anzuschauen. Und zwar völlig egal bei welchem Verband dieser züchtet.
Obwohl der PSK für meine Rasse nichts unternimmt und ich diesen verlassen habe, empfehle ich heute noch besser Hunde vom VDH zu kaufen als irgendwo anders.
Als letzte und wichtigste Instanz ( denn hier geht es um das Geld) hat jeder Welpenkäufer die Pflicht sich seinen Züchter genauestens persönlich anzusehen.
Ich hoffe sehr, dass die Wende in der Hundezucht im Interesse des Hundes stattfinden wird
So sehr es zu begrüßen ist, dass bei der Rasse "Franz. Bulldogs" eventuell eine Änderung des Zuchtgeschehens durch den VDH veranlaßt wird. Dies ist eine kleine, für das Zucht-und Showgeschehen des VDH relativ unwichtige Rasse, so sehr sie auch Herrn Jung am Herzen liegen mag.
In der MusterZuchtordnung des VDH, die für alle ihm angegliederten RasseZuchtVereine verbindlich ist, steht der Passus "der Verein ist verpflichtet,Erbkrankheiten systemmatisch zu erfassen und zu bekämpfen".Würde man den VDH dazu bringen, notfalls mit rechtlichen Schritten, diese verbindliche Verpflichtung bei den Vereinen wirklich durchzusetzen,wäre eine "Wende in der Hundezucht" erreicht. Mit Einzelschritten wie jetzt, werden höchstens profilierte Kritiker für die Zeit der Kooperation "gezähmt", ohne dass sich grundlegend an den organisierten Mißständen der Rassehundzucht im VDH etwas zum positiven ändert !
Englische Bulldogs natürlich...die Franzosen kommen später :)
Hallo Ulla,
dein Hinweis ist sicherlich berechtigt. Da muss man wirklich aufpassen. Andererseits: Ich bin PRO Rassehund und da kann man nur mit den Züchtern was zum Positiven wenden. Wenn das bei einer Hunderasse gelingt, warum soll das nicht auch bei anderen klappen?! Eben wenn. Und wenn ich merke, dass sich nicht wirklich was bewegt, werde ich das auch laut sagen. Ich sehe dazu keine Alternative.
Insgesamt kann eine Wende nur durch den Gesetzgeber erreicht werden. Die 70-80% den Markt beherrschenden Vermehrer, Hundehändler und deren Billig-Welpenkäufer kann der VDH auch beim besten Willen nicht kontrollieren. Aber da hält die Lobby der Nahrungs- und Agrarindustrie ihren Finger drauf (Fleischproduktion). Das wird noch ein harter politischer Kampf und die so genannte Tierschutz-Bewegung scheint das nicht zu interessieren.
Grüße
Christoph
Hallo,
es geht hier um die im VDH betriebene RasseHundZucht. Diese ist in den zugrundeliegenden Satzungen, die ja rechtlich verbindlich sind für die angeschlossenen Zuchtvereine,eigentlich bereits gut geregelt. "Sytemmatische Erfassung und Bekämpfung von Erbkrankheiten"......nur hält sich keiner der Vereine an diese Vorgaben und der VDH setzt diese auch nicht durch.Das heißt, es liegt ein klarer Etikettenschwindel vor, da bei externer Kritik ständig mit den auf dem Papier stehenden Anforderungen argumentiert wird. Das Problem ist schlicht die Umsetzung bereits seit langem bestehender Vorschriften !!! Da müßte es eigentlich auch eine rechtliche Handhabe geben.....
Hundekäufer sind überfordert, wenn es um die Beurteilung von Züchtern geht. Die zunehmend professionelle Vermarktung der Tiere, Selbstdarstellung der Züchter im Internet, das alles in Verbindung mit dem "Qualitätsargument" VDH, leider gibt es beim "Produkt Hund"keine wirklich unabhängige Institution, die die Interessen der Käufer vertritt....von den Interessen der Hunde ganz zu schweigen !
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