Sonntag, 29. August 2021

Bruno 2007 - 2021

Mein alter Freund ist nun über die Regenbogenbrücke gegangen. Er war mein treuer Gefährte, Streichler meiner Seele, ein sturer Kontrapart, der mich immer wieder Schmunzeln ließ. 

Bruno gab mir Hoffnung, dass Rassezucht nicht auf Kosten des Wohls unserer Begleiter gehen muss. Selbst nicht beim Bulldog, einer der am meisten von uns Menschen geschundenen Rassen. Ich liebe deren Charakter. Aber Bruno war mein letzter Bulldog. Weil er eine seltene Ausnahme war: Er war mental und körperlich fit, musste so gut wie nie zum Tierarzt. Bis auf seine letzten drei oder vier Monate. Und schließlich wurde er wohl doppelt so alt wie die meisten Bulldogs heute.

Bruno war ein Kämpfer, überraschte mich immer wieder mit seiner Willensstärke. Vor drei Tagen änderte sich das. Ich merkte es sofort. Sein Blick, seine Haltung, seine Mimik waren andere geworden. Er hatte beschlossen, von uns zu gehen. Nach und nach stellte er Laufen, Fressen, Trinken ein - schlief fast nur noch, jedoch ohne ein Zeichen von Schmerz oder Leid; aber mit vielen Gesten der tiefen emotionalen Verbundenheit.

Bruno, ich vermisse Dich! 

Bruno by Rosa Virginia Cuello Alvarado

Bruno in der Süddeutschen Zeitung vom 13.08.2021

Bruno mit seiner besten Freundin Mary

Bruno 2010

Bruno April 2021

Bruno im Spiegel 2017

Bruno by Nidia Cuello 



Freitag, 18. Juni 2021

Wasabi the Pekingese, Winner at Westminster - Show of Cruelty (Qualzucht)

W

asabi the Pekingese won Best at Westminster Dog Show 2021. The Pekingese can’t really walk and even stand up for its own award ceremony. It must be cooled in the highly air condishend hall. This poor dog is a demonstration of cruelty in breeding (Qualzucht). Below I will demonstrate the real, healthy Pekingese.

Wasabi the Pekingese

Wasabi, ein Pekinese wurde zum Gesamtsieger der Westminster Dog Show 2021 gekürt. Der arme Hund kann weder richtig laufen, noch richtig atmen. Bei der Siegerehrung musste er extra gekühlt werden (in einer klimatisieren Halle). Er konnte dabei nicht mal richtig stehen. Dieser Sieg ist eine weitere Demonstration menschlicher Grausamkeit und ein trauriger Höhepunkt von Qualzucht. Unten demonstriere ich den echten, gesunden Pekinesen - bevor er noch in Vergessenheit gerät:

Athur Ward 1900

Frederik Thomas Daws

Friedrich_Wilhelm_Keyl_-_Looty_1861

Henry Crouther-1919

Harry Rountree

Lilian Cheviot

Maud Earl 1910

Maud Earl 1910

Maud Earl-1920

Gorny 1956

Humpal- CSSR -1942

van Bylandt 1899

van Bylandt 1899

van Bylandt 1899

von Hagen 1932

William Walls


Sonntag, 13. Juni 2021

Die verkannten Leistungen der Tiere

M

enschwerdung und die Dankbarkeit, die wir Hunden, Katzen, Pferden schulden. So lautet der Titel meines neuen Buchs, das gerade erschienen ist. Etwa 15 Millionen Hunde, Katzen, Pferde leben mitten unter uns. Manche als absolute Leistungsträger. Blindenführhunde zum Beispiel oder Rückpferde im naturnahen Forst. Die allermeisten jedoch als Heimtier. Deren wichtigste, oft einzige Aufgabe ist, unsere Seele zu streicheln. Die Nähe zu Tieren tut uns gut. Und wenn wir unseren Hund oder unsere Katze streicheln, spielen die Hormone verrückt - wissenschaftlich bestätigt. Bei Mensch wie nicht-menschlichem Tier werden dieselben Gefühle geweckt. Es ist wie wenn wir einen geliebten Menschen streicheln. Ja, es lässt sich sogar vergleichen mit dem Tanz der Hormone, wenn eine Mutter auf ihr Baby schaut. Kaum zu toppen, die Intensität solcher - positiver - Emotionen.

Woher kommt es, dass uns Vierbeiner so nahe stehen können? 

Lebewesen, deren Entwicklungslinien bereits vor zig Millionen Jahren von unsren getrennt wurden. Wir haben Hände und Füße, sie Hufe und Pfoten. Trotzdem kann sich eine Bindung entwickeln, die manche Menschen gar als Liebe empfinden. Einbildung, schlicht Suche nach Geborgenheit, die man unter Menschen nicht mehr findet, gar Ausdruck westlicher Dekadenz?

In den Jahren meines Einsatzes für eine Wende in der Hundezucht habe ich zwiespältige Erfahrungen gemacht. Es ist längst nicht so, dass alle Katzen- und Hundefreunde gegen Qualzucht aufbegehren. Der Marktanteil betroffener Rassen hat sogar zugenommen. Trotz allgegenwärtiger Warnungen im Netz. So entstand mein Eindruck: Das Wohl unserer Freunde ist ein Lippenbekenntnis. Oberflächlich gesehen; denn - und das ist das eigentlich Spannende: Die Liebe zum eigenen Hund, zur eigenen Katze ist ebenso real. Woher dieser Zwiespalt? Bei Menschen, die sich aktiv für Tiere in Not engagieren, beobachte ich zugleich eine Sicht auf unsere Freunde einzig als Opfer. So gut es auch gemeint sein mag.

Die verkannten Leistungen der Tiere

In diesem Buch liefere ich Argumente, mit denen es uns leichter fallen wird, eine sich Beziehung als Partner und Gefährte zu entwickeln. 

Ich denke, der Respekt, die Achtung vor der großartigen Leistung, vor den unverzichtbaren Fähigkeiten der Tiere - vornedran Hund, Katze, Pferd - sollte im Mittelpunkt stehen. An solchem Wissen mangelt es fundamental. So kommt es, dass wir unser Haustier auf den geliebten Begleiter reduzieren, es vielleicht sogar als im Grunde überflüssig, lediglich sinnerhaltend in  seiner Rolle als Seelenstreichler oder Opfer definieren. Wir erheben uns über das nicht-menschliche Tier, ob als Samariter oder als Sinnreduzierer. Wir tun damit unseren Freunden noch uns selber einen Gefallen.

Als ich zusammen mit Daniela Pörtl vor ein paar Jahren das Buch "Tierisch beste Freunde: Mensch und Hund - von Stress, Streicheln und Oxytocin" veröffentlichte, sagte mir der Verleger und Psychotherapeut Dr. Wulf Bertram nach dem Studium des Manuskriptes, dass er jetzt seinen Labrador Retriever mit ganz anderen Augen sehen würde: Mit Respekt und Achtung vor den großen Leistungen, zu denen seine Spezies imstande ist. Für mich war es das größte Lob.

Wenn wir ehrlich wären: Geschichte muss neu geschrieben werden - Würdigung der Leistungen der Tiere

Ich möchte mit diesem Buch noch einen Schritt weitergehen. Ich werde mal soeben unsere Geschichte neu schreiben. Klar, nicht die übliche Geschichte männlicher Helden, wie sie noch vor weniger als hundert Jahren üblich war. Wir haben in den letzten Jahrzehnten der Emanzipation aus männlich-weißer Dominanz lediglich Fortschritte im Rahmen unserer eigenen Selbstherrlichkeit gemacht. Das so genannte Narrativ lautet immer noch: Allein wir Menschen haben die Geschichte geschrieben. Bestenfalls mit einem Helfer, im Auftrag des Allmächtigen. Ich werde zeigen, dass so eine Sicht nur altes, arrogantes Denken hervorbringt. Dass wir mit Faustkeilen in kleinen Familienverbänden heute noch und auf dem Niveau der Altsteinzeit verharren würden - eben ohne die Hilfe unsere nicht-menschlichen Helfer.

Das trifft hart ins Mark unseres Selbstverständnisses. Sorry. Wir sind eben nicht die alleinigen Helden unserer hochgelobten Errungenschaften, selbst wenn E-Auto, Windräder und Veganismus dazu genommen werden. Nicht mal das, was wir gemeinhin als „Zivilisation“ auf die Beine gebracht haben, steht auf nur zweien. Neben den Göttern waren es ganz bescheidene Kreaturen, solche, die wir uns laut Bibel untertan zu machen hatten, ebensolche waren nicht nur hilfreich, vielmehr spielentscheidend. Das werde ich hier zeigen. Ganz bescheiden, behaupte ich, dass meine Argumente Hand und Fuß haben. Nur eben nicht ganz kompatibel zum etablierten Denken und Handeln - ich erinnere uns nur an das tägliche Schlachten von so genanntem Vieh.

Selbstherrlichkeit - Nicht wir retten die Natur.

Von dem Umdenken, das ich hier anrege, im tiefsten Inneren einfordere, werden wir nur profitieren können. Nicht wir retten die Natur. Die Natur braucht uns nicht einmal. Ganz im Gegenteil, kommt sie ganz gut ohne uns zurecht. Das hat sie Milliarden Jahre auf einer Erde ohne die Spezies Homo sapiens bewiesen. Wir sind nur eine kleine Anekdote, gegenüber unserem Aufblasen lächerlich. Und spätestens 10.000 Jahre nach dem Aussterben unserer Spezies wird die Natur erneut beweisen, dass wir vollkommen entbehrlich sind. Keine einzige Kreatur auf diesem Planeten (und kein Gott) würde uns auch nur eine Träne nachweinen.

EINE Zukunft: Gemeinsam

Die Meriten unserer Evolution teilen zu müssen, heißt zugleich, Partner zu haben. Partner, die uns wohl gesonnen waren - und es vielleicht noch heute sind. Ich werde sie dazu erst einmal in die Welt unserer Vorfahren in der Altsteinzeit entführen. Und das ist zugleich die Welt der Wölfe. Wenn wir die Leistungen der Tiere verstehen wollen, müssen wir beim Wolf anfangen. (nach dem Prolog im Buch)


Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Wolfgang M. Schleidt

Langjähriger Mitarbeiter von Konrad Lorenz, Mitbegründer der Verhaltensforschung und Nobelpreisträger. Begründer des  Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen. Wikipedia notiert: "Schleidts Kritik der vorherrschenden Theorie betreffend die Domestikation der Hunde und sein Hinweis auf die Möglichkeit einer Koevolution von Menschen und Wölfen fand 2003 ein erstaunlich weites Echo."

Sonntag, 28. Februar 2021

Corona mahnt Mindeststandards für Hunde an

Die Tierärztekammer Berlin erhebt aktiv ihre Stimme gegen Missstände in der Hundezucht. Und das nicht erst seit heute. Bereits 2018 startete sie die Kampagne Qualzucht "umdenken-tierzuliebe". Es folgte "Das ist doch krank" und aktuell läuft die dritte Kampagne unter dem Motto "Schön sinnlos!" Die Mahnungen der Tierärzte sind dringend notwendig. Leider bleiben es Mahnungen. 

Ein Motto der aktuellen Kampagne der Berliner Tierärztekammer

Denn der Staat, EU und Bundesregierung, hören aktiv weg. Der EU-weite Hundemarkt ist der wohl einzige, der keinerlei Kontrollen und Regulierung unterworfen ist (außer Mindestalter für internationalen Handel, Erstimpfung, Mindestgröße der Transportboxen).


Berlin und Brüssel machen die 3 Affen bei Tierquälerei und Organisierter Kriminalität


Im Interesse von Tier- und Verbraucherschutz sowie im Interesse der seriösen Züchter und Tierschutzorganisationen wären Mindeststandards dringend geboten. Wir sprechen von einem  - offiziell - mehr als 20 Milliarden Markt in der EU. Real ist das Marktvolumen wohl mehr als doppelt so groß. Dieser Markt wird inzwischen von international agierenden, kriminellen Banden kontrolliert. Nach Drogen-, Waffen- und Menschenhandel ist der mit Hunden zum größten Geschäft der Organisierten Kriminalität geworden. Möglich ist das alleine wegen der Untätigkeit von Berlin und Brüssel. Bereits einfachste Standards wie eine Zertifizierung, fälschungssichere Identifizierung und Rückverfolgungsoption würden dem Großteil dieses kriminellen Treibens zulasten der Hunde ein Ende bereiten.


"TÜV" für die Hundezucht und -handel notwendig


Schon 2008 habe ich diese Missstände aufgedeckt und einen "TÜV" für die Hundezucht vorgeschlagen (der auch seriösen Tierschutz schützen würde). Als Berater der Fraktion der Grünen im Bundestag habe ich zur Novellierung einfache, praktikable Vorschläge in diese Richtung vorgelegt. Rein Garnichts im Interesse der Heimtiere wurde ins Gesetz übernommen. Der Einfluss von Argarindustrielobby und Nahrungsmittelmultis ist zu groß. Und genau letztere argumentieren dann bei ihren Hundefuttermarken - von Royal Canin bis Purina - mit dem Wohl der Tiere. Heuchelei kennt keine Ethik.


Corona mahnt


Dagegen lässt der Heimtierboom durch die Corona-Restriktionen das Geschäft derzeit blühen. Umso notwendiger wären gerade jetzt der Schutz unserer Hunde und Katzen vor der Profitgier der Konzerne und Kriminellen.


Ein Kommentar von Christoph Jung




Donnerstag, 22. Oktober 2020

Fastdog - Online bestellt frei Haus - Wie kaufen wir unseren Hund?

Hundehaltung erlebt derzeit einen Boom. Corona lässt die Nachfrage nach oben schnellen. Zugleich sinkt das Angebot an Welpen und Auslandshunden. Die Grenzen sind nicht mehr so durchlässig. Das erschwert den internationalen Hundehandel, den legalen wie den illegalen.

Die Tierärztin Rowena Packer untersucht seit einigen Jahren das Kaufverhalten in diesem Markt. Die Professorin am Royal Veterinary College der University of London kommt zu keinem schmeichelhaften Ergebnis. Käufer von unter Qualzucht leidenden Rassen verdrängen aktiv das Leiden ihrer Hunde. Das Verhalten beim Kauf von Welpen oder Auslandshunden gleicht sich darüber hinaus dem Verhalten beim Kauf von Konsumartikeln an. Eine dänische Studie bestätigt diese Beobachtung (Prof. Peter Sandøe).

Die 4 "Sünden" beim Hundekauf

1. Kauf von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen

In den letzten Jahren boomen Mops, Französischer Bully und Bulldog - Plattnasen. Dabei kann man die Hinweise auf das Leid durch die Fehlentwicklungen der Zucht nicht übersehen. Atemnot ist nur eines der Schicksale. Tatsächlich werden (nicht nur) diese Hunde immer extremer gezüchtet. Warum? Weil "Hundefreunde" sie so kaufen. Ähnliches gilt für exklusive Farben wie Merle oder Delute, für Verzwergung (Toys, Minis) oder Gigantismus. Die Liste der Gräuel, die wir unseren Hunden antun, ließe sich lange fortführen.

2. Kauf per Internet

Wie Packer und Sandøe belegen, werden immer mehr Hunde (Welpen oder Tierschutzhunde) direkt per Mausklick gekauft. Vom Sofa aus. Kein Besuch vor Ort beim Züchter oder im Tierheim. Kein Warten auf den Wurf. Bestellt wie ein DVD-Player. Lieferung möglichst sofort. Je jünger die Käufer, desto größer ist der Anteil solcher Fastdog-Konsumenten.

3. Kauf bei zwielichtigen Anbietern

Man "vertraut" den vollmundigen Versprechungen der Anbieter. Bequem. Verzichtet auf Besuche vor Ort, Besichtigung des Wurfs. So genannte Tierschutzorganisationen werden nicht hinterfragt, auf organisatorische und finanzielle Transparenz verzichtet. Man akzeptiert Züchter mit Handynummer und Lieferung vor Ort. Oder mit Verweigerung eines Besuchs beim Wurf. Auf solcher "Vertrauens"-grundlage würden diese "Hundefreunde" nicht mal eine Waschmaschine kaufen. Da wird verglichen, Testberichte gelesen, Bewertungen angeschaut.

4. Kauf auf Basis Emotion

Welpen sind immer niedlich. Das zählt zur Natur aller Säugetiere. Denn sie sind nach der Geburt von den Eltern vollkommen abhängig. Es ist tief in unseren Instinkten verankert, auf Welpen abzufahren, Hunde, Katzen, Ponys, Babys. Ähnlich mit dem Hund in Not. Anbieter, die auf Gefühle abstellen, sind unseriös (niedliche Welpen oder der Hund auf der Tötungsstation oder mit zig Handicaps). Gefühle spielen immer eine Rolle. Doch gerade bei so etwas Wichtigem wie einem Hund, einem neuen Freund, dem wir für 10 und mehr Jahre ein artgerechtes, schönes Leben bereiten wollen, sollte der Verstand eingeschaltet werden.

Verantwortung für das Wohl der Hunde übernehmen

Meint ein verantwortungsbewusstes Verhalten als Käufer.
WIR ermuntern Vermehrer und Qualzucht.
WIR lassen in diesem Milliardenmarkt den internationalen Hundehandel erblühen. 
WIR lassen mafiöse Strukturen auf Kosten des Wohls der Tiere zu.
WIR finanzieren dieses Leid. 

Hin- statt wegschauen

Kritisch hinschauen, was sich hinter vollmundigen Bekundungen von der angeblichen Liebe zu einer Rasse, dem selbstlosen Aufopfern für vermeintliche Nothunde steckt. Wir sollten Tranzparenz und Kontrolle einfordern - unserem Freund zu Liebe. Wir sollten das Tier real wertschätzen. Meint, dass man sich die Mühe macht, sich bereits lange vor einem Kauf kundig zu machen, zum Züchter zu fahren, sich die Tierschutzorganisation, das Tierheim vor Ort anzuschauen. Und ggfs auch ein paar Monate auf seinen Hund zu warten. Kein Hund hat es verdient, bei der Anschaffung wie ein Küchenmixer oder ein DVD Player oder eine Geburtstagsüberraschung behandelt zu werden. 

Ein Beitrag von Christoph Jung


Literatur

  • Bartels, T. & Wegner, W. (1998). Fehlentwicklungen in der Haustierzucht. Stuttgart: Enke 
  • Bartels, T. et al. (1999). Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qual-Züchtungen). Berlin: BMVEL 
  • Hauser, M. (2018). Zuchtkrank – Hunde im Modewahn. Ludwigsburg: Filmakademie Baden-Württemberg
  • Jung C., Pörtl D. (2019). Qualzucht - warum wir unsere Lieblinge quälen. TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung 01/2019 
  • Jung, C. & Pörtl, D. (2015). Tierisch beste Freunde: Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin. Stuttgart: Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften.
  • Jung, C. (2018). Schwarzbuch Hund: Qualzucht, Hundehandel, Futterschwindel Norderstedt: BoD.  
  • Jung, C. (2019). Qualzucht - warum wir unsere Lieblinge quälen https://petwatch.blogspot.com/2019/05/qualzucht-warum-wir-unsere-lieblinge.html
  • Packer, R. M. A., Murphy, D., Farnworth, M. J. (2017). Purchasing popular purebreds: Investigating the influence of breed-
  • Rowena M. A. Packer, Dan G. O’Neill, Francesca Fletcher, Mark J. Farnworth (2020) Come for the looks, stay for the personality? A mixed methods investigation of reacquisition and owner recommendation of Bulldogs, French Bulldogs and Pugs. PLOS ONE 15(8): e0237276.
  • Sandøe, P. et al. (2017). Why do people buy dogs with potential welfare problems related to extreme conformation and inherited disease? A representative study of Danish owners of four small dog breeds PLoSONE 12(2):e0172091. 







Freitag, 7. August 2020

Hunde erschnüffeln Covid-19 - zuverlässiger als jeder Test

S

chon sehr früh gab es ernst zunehmende Hinweise, dass Hunde das Virus Covid-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) erschnüffeln können. Inzwischen liegen zwei wissenschaftliche Studien vor (s.u.), die das belegen. Und zwar sehr eindrucksvoll: Eine Studie aus Paris und eine aus Hannover. Sie belegen, dass Hunde das Virus mit extrem hoher Präzision und Sicherheit in der Region um 90% erkennen können. 

Das sind weit bessere Werte als die industriellen Tests. Zudem sind sie wesentlich billiger und schneller. 

Fragt sich, warum sie nicht massiv eingesetzt werden? Doch kommen wir erst einmal zu den Ergebnissen. "Ein Forscherteam unter der Leitung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) veröffentlichte heute in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Fachmagazin BMC Infectious Diseases eine Studie über Hunde, die mit dem SARS-CoV-2-Virus infizierte Menschen erschnüffeln können. Die Hunde mussten lediglich eine Woche trainiert werden, um zwischen Proben von SARS-CoV-2-infizierten Patienten und nicht infizierten Kontrollen zu unterscheiden. Die Methode könnte in öffentlichen Bereichen wie Flughäfen, bei Sportveranstaltungen, an Grenzen oder anderen Massenveranstaltungen als Ergänzung zu Laboruntersuchungen eingesetzt werden, um eine weitere Verbreitung des Virus oder Ausbrüche zu verhindern." So heißt es in der Erklärung der TiHo Hannover vom 27.Juli 2020

Besser als jeder Test der Pharmakonzerne: Sensitivität von 83% und Spezifität von 96%

Extrem beachtlich ist die Präzision, mit der exakt das SARS-CoV-2-Virus identifiziert wurde. Die Hunde konnten zwischen Proben infizierter (positiver) und nicht infizierter (negativer) Individuen mit einer durchschnittlichen Sensitivität von 83 Prozent und einer Spezifität von 96 Prozent unterscheiden. Die Sensitivität benennt die Erkennung positiver Proben. Die Spezifität die Erkennung der negativen Kontrollproben. So wird weiter berichtet. In den Test kamen über 1000 Proben.

Covid-19-Spürhund; Foto TiHo Hannover
Covid-19 Spürhund - Foto: TiHo Hannover
Nach nur einer Woche Training

Sicher, die Hunde, die in der Studie eingesetzt wurden, waren bereits ausgebildete Spürhunde. Doch finde ich es höchst eindrucksvoll, dass die Hunde nach nur einer Woche soweit kamen. Sie sind dann schon einsatzbereit. Und das mit der hohen Leistungsfähigkeit.

Warum werden Hunde nicht breit eingesetzt?

Bemerkenswert ist auch, dass Massenmedien, Behörden und Regierungen dieses Angebot der Hunde weitgehend ignorieren. Ginge es schlicht um den Schutz der Bevölkerung vor dem Virus, müssten doch schnellstens soviele Hunde wie möglich zum Einsatz kommen. Gerade an Plätzen wie den Flughäfen und Grenzen, jetzt in der Urlaubszeit, könnten diese Hunde - wie von den Wissenschaftler vorgeschlagen - breit zum Einsatz können und eine Verbreitung des Virus wirkungsvoll verhindern helfen. Oder solche Hunde im Altenheim. Ein Besuch am Tag und ein zuverlässiges Frühwarnsystem wäre installiert, das diesen Menschen ein menschenwürdiges Leben zurück geben könnte. Und das sind nur zwei oder drei Beispiele.

Ein Kommentar von Christoph Jung


Die 2 Studien:

Dominique Grandjean et al. Scent dog identification of samples from COVID-19 patients – a pilot study, 2020 doi: https://doi.org/10.1101/2020.06.03.132134
https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.03.132134v1

Jendrny et al. (2020): Scent dog identification of samples from COVID-19 patients – a pilotstudy, BMC Infectious Diseases, https://doi.org/10.1186/s12879-020-05281-3
https://bmcinfectdis.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12879-020-05281-3





Dienstag, 14. Juli 2020

Hundejahre - Menschenjahre. Wie alt ist Dein Hund?

Lange Zeit war es die unumstrittene Faustformel: 7 Hundejahre entsprechen 1 Menschenjahr. Das heißt ein Hund mit 10 Jahren ist einem 70-jährigen Menschen vergleichbar was das Alter angeht. Das haut grob hin.

7 Hundejahre = 1 Menschenjahr

Wenn man genauer hinschaut, fielen schon immer Ungereimtheiten ins Auge. Während kleine Hunde wie ein Yorkshire Terrier oder ein Zwergschnauzer mit 10 in aller Regel noch top fit daher kommen, sind große Hunde wie ein Berner Sennen oder gar eine Deutsche Dogge im selben Alter bereits Methusalems - sollten sie es überhaupt erreichen. Auch unter den Rassen gibt es riesige Unterschiede.

Update: Die Formel der Tierärzte

Der US-Tierärzteverband (American Veterinary Medical Association) hat diese Formel verfeinert. Als allgemeine Richtlinie empfiehlt er folgende Rechnung:
  • das erste Jahr eines mittelgroßen Hundes entspricht einem Menschenalter von 15 Jahren
  • das zweite Jahr dann 9 Menschenjahren
  • die weiteren danach jeweils 5 Menschenjahren.
Dabei wurden die Erkenntnisse aus einer Studie aus Göttingen von 2013 zu der unterschiedlichen Lebenserwartung großer und kleiner Hunde einberechnet. So entstand folgende Tabelle:
Alterstabelle der US-Tierärzte (Quelle AKC)
Bemerkenswert ist das Thema Größe und Alter bei Hunden schon. Denn in der Natur läuft es normalerweise genau anders herum. Große werden älter als kleine. Der Elefant zum Beispiel und die Maus.

Die epigentische Uhr des Alterns

Bei Säugetieren hat man seit einigen Jahren eine innere Uhr des Alterns entdeckt und weiter erforscht. Sie wird aus der Methylierung der DNA abgeleitet. Der Hintergrund: Unser Erbgut ist keineswegs so starr, wie es die Biologen noch vor wenigen Jahren beschrieben (und einige noch heute so sehen, Thema Mutation und Selektion). Das Genom ist ein hoch aktives Element unseres Körpers. Es passt sich ständig den Umweltbedingungen an. Es verändert sich durch unser Denken, Fühlen und Handeln. Das wird durch An- und Abschalten der Informationen auf dem Genom reguliert. Ein Mechanismus der diese Regelung wiederum ermöglicht, wird als Methylierung bezeichnet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aktivität der Methylierung ab. Das geschieht so zuverlässig, dass sich hieraus eine Uhr des Alterns ableiten lässt. Beim Menschen wurde sie umfassend untersucht auf der Suche nach dem Jungbrunnen des Lebens. Diese Uhr läuft bei allen Säugetieren nach gleichem Muster.

Die epigentische Uhr beim Hund

Genetiker aus Kalifornien untersuchten diese Uhr erstmals beim Hund. Die Studie wurde 2019 vorab und jetzt offiziell veröffentlicht. Dazu schauen sie sich die Methylierung der DNA von 104 Labrador Retrievern über eine Spanne von 16 Jahren an. Hieraus entwickelten sie eine Formel zum Vergleich mit der Methylierung beim Menschen: Die Kurve entspricht einem natürlichen Logarithmus, dem 31 hinzugerechnet werden. Hier ein Online-Rechner dazu. So entstand folgende Grafik:
Studie mit 104 Labrador Retrievern über 16 Lebensjahre (Grafik aus dieser Studie)
Interessant aber nicht der Weisheit letzter Schluss

Die Studie gibt wichtige Einblicke in die Alterungsprozesse beim Hund. Es wurde aber nur eine einzige Hunderasse angeschaut. Wie oben schon erwähnt, gibt es große Unterschiede unter den Hunden. Selbst bei gleicher Größe sind sie erheblich. Eine Englische Bulldogge ist mit 8 Jahren (leider, der Qualzucht sei Dank) schon sehr alt, während ein Pudel mit demselben Gewicht gerade ins beste Alter gekommen ist. Meint, solche Rechnungen sind durchaus nützlich, aber auch nur dann, wenn sie mit Verstand angewendet werden.

Ein Beitrag von Christoph Jung.


Freitag, 3. Juli 2020

Der beste und der älteste Freund des Menschen

Vor drei Jahren Jahren fanden sibirische Wissenschaftler auf einer Insel im Polarmeer - Schochow genannt - einen Schlitten und direkt daneben die Überreste von 11 Hunden. Das Erstaunliche: 10 dieser 11 Hunde konnten einem sehr einheitlichen Typ zugeordnet werden. Es war der Typ eines Schlittenhundes ähnlich dem heutigen Siberian Husky oder Malamute. Der elfte war ein schwerer Typ, deutlich zu unterscheiden. Mit den Methoden der Archäologen wurden die Fossilien schließlich auf ein Alter von 9.500 Jahren geschätzt. Die Wissenschaftler um Wladimir Pitulko und Aleksej Kasparow kamen zu dem Schluss, dass „man annehmen kann, dass Schlittenhundeteams in Sibirien bereits vor 15.000 Jahren aktiv gewesen sein könnten.“ Es gilt als der bis dahin älteste Nachweis von spezialisierten Hunden, so etwas wie erste Hunderassen. Es dokumentiert eine Kultur der Zusammenarbeit von Mensch und Hund bereits in der Altsteinzeit.
Hundeschädel von der Schochow-Insel (Foto: Elena Pawlowa)
Die Spur der Gene

In diesen Tagen erhält diese Untersuchung eine große Bestätigung. Einer internationalen Forschergruppe um Mikkel-Holder Sinding von der Universität Kopenhagen gelang es, das komplette Genom dieser Hunde zu sequenzieren. So kann man ungeahnte Einblicke in die frühe Vergangenheit gewinnen. Diese Hunde sind tatsächlich ganz eng verwandt mit den heutigen Schlittenhunden, am meisten noch mit den heutigen Grönlandhunden. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass es in der ganzen langen Zeit keine Kreuzungen mit Wölfen gegeben hat. Zwar gab es Flaschenhälse und einiges hin- und her über die tausenden von Jahren hinweg, doch es besteht eine direkte Linie der heutigen Schlittenhunde zu denen aus der Altsteinzeit.

Wie entstand der Hund?

Das wirft ein weiteres Licht auf die Frage, wie der Hund entstanden ist. War er ein Schmarotzer auf den ersten Müllkippen der Menschheit - wie es Wissenschaftler aus den USA um Coppinger oder Österreich um Range und Marshall-Pescini beschreiben und gerne auch den Medien verbreitet wird? Bereits 2008 in der ersten Auflage von „Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund“ habe ich begründet, weshalb ich dieses Modell ablehne und eine Kultur der Zusammenarbeit als Triebkraft der Domestikation des Wolfes hin zum Hund annehme. Mit „Tierisch beste Freunde - Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin“ habe ich 2014 zusammen mit der Neurologin und Psychiaterin Daniela Pörtl diese Annahme umfassend und allseitig begründet und das Modell der „Aktiven sozialen Domestikation des Hundes“ vorgeschlagen. Schließlich veröffentlichten wir den Artikel "How old are (Pet) Dog Breeds?", wo wir der Entstehung der Hunderassen genauer nachgehen.
Partnerschaft baut Stress ab

Der Hund ist tatsächlich nicht nur der beste, vielmehr auch der älteste Freund des Menschen. Man jagte zusammen, man wachte gemeinsam über das Lager, Welpen und Kinder spielten miteinander, man wärmte sich gegenseitig in den kalten Nächten. Durch diese Partnerschaft entstand nicht nur der Hund. Auch die Evolution des Menschen wurde maßgeblich vorangetrieben. Schließlich konnte das Leben durch diese interspezifische Partnerschaft für beide Seiten entspannter angegangen werden. Das Stressniveau konnte gesenkt werden. Das wiederum ist eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung sozialer Toleranz. So wurde in unserer Psyche die Grundlage für die modernen Gesellschaften vorbereitet.

Unsere Denkweise - in der Praxis ohne Respekt vor den Tieren

Es ist kein Zufall, dass das Modell vom Hund als Schmarotzer im Müll eine so große Verbreitung findet, obgleich es hierzu keinerlei direkte Beweise gibt, ja alle Grundannahme infrage gestellt werden können. Es gab damals nicht einmal die zu Grunde gelegten Müllkippen. Der Mensch der Altsteinzeit verwertete alles. Und wenn Müll trotzdem mal anfiel, wurde dieser nicht gleich am Lager deponiert, eben um keine Beutegreifer anzulocken. Das Modell vom Hund als Schmarotzer passt allerdings hervorragend in unsere heutige Denkweise, die real von einer Missachtung gegenüber den Tieren geprägt ist. Eine Denkweise, die das Vegetieren von Milliarden Leben in der Massentierhaltung zulässt, die ein ungekanntes Artensterben verursacht. Für die Zukunft unserer eigenen Spezies täte es nur gut, die Leistung der Tiere mit Respekt anzuerkennen.

Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir ohne die Hilfe von Hund, Katze, Pferd noch in der Steinzeit verharren würden. Wir haben ihnen viel zu verdanken und es gibt nur eine Zukunft: gemeinsam.

Artikel in wissenschaftlichen Journals von uns zu diesem Thema:

  • Pörtl D., Jung C. (2019) Physiological pathways to rapid prosocial evolution - Hier wird die Rolle der Epigenetik und der sozialen Interaktivität bei der Domestikation des Hundes diskutiert. Biologia Futura Vol 70, Issue 2 (publ. 30.07.2019; open access; Editor-in-Chief: Adam Miklosi)
  • Jung C. (2019) Why cod don't like to sunbathe: Quantity and quality in the animal kingdom. Animal Sentience 23(49) Kommentar zu "Why do we want to think humans are different?"
  • Jung C., Pörtl D. (2019) How old are (Pet) Dog Breeds? Pet Behaviour Science No 7 2019 open access
  • Jung C., Pörtl D. (2019) Qualzucht - warum wir unsere Lieblinge quälen. TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung 01/2019 - Hier ein Bericht dazu in der Zeitschrift "Mensch-Heimtier
  • Jung C., Pörtl D. (2018) Scavenging Hypothesis: Lack of evidence for Dog Domestication on the Waste Dump. Dog Behavior Vol 4, No 2 2018 DOI: https://doi.org/10.4454/db.v4i2.73
    Hier wird das Modell von einer Domestikation des Hundes auf der Müllkippe und die Modelle vom Wesen des Hundes als Aasfresser grundlegend und allseitig widerlegt. Das Modell der "Aktiven sozialen Domestikation des Hundes" wird als konstruktive Lösung vorgestellt. open access / kostenloser Download

Ein Artikel von Christoph Jung

Dienstag, 16. Juni 2020

Bullys und Bulldogs

Unser neues Buch ist herausgekommen: Bullys und Bulldogs: Eine Liebeserklärung an starke Typen. Bulldoggen sind etwas ganz besonderes. Das ist nicht nur so dahingesagt. Bullys und Bulldogs haben nicht nur ein markantes Aussehen. Sie betören durch ihren einzigartigen Charme und Charakter. So gibt es keine andere Hunderasse, die so oft als Symbol verwendet wird. Aber leider gibt es auch eine sehr dunkle Schattenseite.

Wir erzählen mit vielen Geschichten aus ihrem Zusammenleben mit Bully und Bulldog. Wir geben Tipps für eine glückliche gemeinsame Zeit. Dazu starten wir beim Welpenkauf, gehen zu Erziehung und Sauberkeit, der Gewöhnung an Donner und Knallerei, der Ernährung und schließlich zum Leben mit dem alten, grau gewordenen Freund.

Wir berichten von unserem Engagement gegen Qualzucht und markieren den Weg zu gesunden Bulldoggen.

Alles ist in kleine, unterhaltsame Artikel gefasst. Mehr als 100 Fotos untermalen lebendig diese so wunderschöne Verbindung von Menschen mit ihren Fell tragenden Kindern.

Bei buch.de:
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID148391613.html

Bei Lehmanns:
https://www.lehmanns.de/shop/sachbuch-ratgeber/53826226-9783751929844-bullys-und-bulldogs

Bei buecher.de
https://www.buecher.de/shop/buecher/bullys-und-bulldogs/fuhrmann-claudia-jung-christoph/products_products/detail/prod_id/59445324/

Bei Amazon:
https://tinyurl.com/y9nxesg6




Sonntag, 7. Juni 2020

FCI verharmlost Qualzucht

Der wichtigste Dachverband der Hundezucht weltweit, die Fédération Cynologique International (FCI) verbreitet dieser Tage auf Youtube ein Video unter dem Titel "Save Our Brachy Breeds - #becausewecare". Es richtet sich gegen die Maßnahmen der Niederlande, die die Zucht extremer Kurznasen verboten haben.

Das Video lässt erfolgreiche Züchter der FCI-Ausstellungsszene zu Wort kommen. Züchter von Französischer Bulldogge, Mops, Bulldog, Boston Terrier, Boxer, Shih-Tzu, Griffon und anderen, die mit World-Champion- und anderen Titeln nur so überhäuft sind. Sozusagen die Crème de la Crème der Ausstellungsszene.

Diese Züchter verbindet eine weitere Gemeinsamkeit: Sie leugnen allesamt die gesundheitlichen Probleme der brachyzephalen Hunderassen. So auch - als Beispiel - Tierarzt und Züchter Constantinos Andreou aus Zypern, der schlicht in die Kamera behauptet, die Hunde seien gesund, es gäbe keine Probleme.
Screenshot aus dem FCI-Video Save Our Brachy Breeds
Für mich am krassesten der Zynismus der zwei Bulldog-Züchter/innen.

So Elizabeth Hugo Milam aus den USA, die sich mit einem Welpen mit extremer Nasenfalte filmen lässt. So eine Nasenfalte schnürt die Atemfähigkeit der eh schon gebeutelten Hunde nur noch weiter ein. Zudem sind solche Falten ein Herd für Keime und Entzündungen. Sie jucken ein Leben lang. Das ist Qualzucht, Tierquälerei! Im übrigen sind solche Nasenfalten im offiziellen Standard der FCI  wie des Kennel Clubs selber glasklar und ausdrücklich verboten. "Schwere Nasenfalten sind unerwünscht sollen schwer bestraft werden" - bestimmt der Standard wörtlich (FCI-Standard 149 für den Bulldog, S.4). Eine solche, klare Bestimmung wird von diesen Tierquälern und deren Kunden schlicht ignoriert.

Dasselbe gilt bei Stefan Sinko aus Slovenien. Er behauptet ganz frech, seine Hunde seien gesund, während die beiden völlig übertypisierten Bulldogs an seiner Leine unüberhörbar keuchen - im Stehen bei kühlen Temperaturen* wohlgemerkt (*wie aus Jahreszeit und Kleidung von S.Sinko zu schließen ist). Auch bei diesen Bulldogs liegt die Annahme manifestierter Qualzucht nahe. Für die FCI ist es Werbung.
Screenshot aus dem FCI-Video Save Our Brachy Breeds
Für mich persönlich schießt allerdings eine Mops-Züchterin aus Norwegen den Vogel ab. Es ist die Züchterin des Mopses, der 2011 in Dortmund zum Jahrhundertsieger gekürt wurde. Ein armes Tier mit kugelrundem Kopf, das von Professor Oechtering und mir auf dem Leipziger Tierärztekongress öffentlich und gut begründet als Musterbeispiel für Qualzucht vorgestellt worden war. Übrigens damals im Beisein von Prof. Friedrich, dem Präsidenten des VDH, der nicht widersprach.
Prof.Dr. Oechtering bei der OP einer laut FCI-Video nicht vorhandenen Behinderung und Podiumsdiskussion auf dem Tierärztekongress (Scan aus Wuff)
Die Züchterin des Jahrhundertsieger-Qualzucht-Mopses, Elisabeth Juverud (damals Olsen) mit ihrem Zwinger Tangetoppen, bedankte sich bei mir seinerzeit, indem sie eine zweifelhafte Figur per Email ausdrücklich beauftragte, mich mundtot zu machen - wie vor Gericht aktenkundig wurde.

Es ist aus menschlicher und aus Sicht des Tierschutzes eine Schande, welche Figuren die FCI da in ihrem Namen sprechen lässt.

Ein Kommentar von 
Christoph Jung




Dienstag, 28. April 2020

Suizid: Wie viele Menschen töten zuerst ihre Haustiere? COVID-19 wird zu mehr Suiziden führen. Wie wird sich das auf Haustiere auswirken?

Ein Beitrag von Professor Harold Herzog:
Am Morgen des 26. Dezembers 2019 wurde die Polizei in Bellingham, US-Staat Washington, nach Meldungen über Schüsse in die Wohnung von Kevin und Lynn Heimsoth gerufen. Sie fanden Lynn Heimsoth, die Direktorin der örtlichen Grundschule, tot vor. Nachdem er seine Frau getötet hatte, erschoss sich Mr. Heimsoth, aber er starb nicht. Die Polizei fand auch die Leichen von Sukha, dem Therapiehund, den Frau Heimsoth immer für die Kinder mit in die Schule genommen hatte, sowie die Katze der Familie. Kevin Heimsoth wurde wegen Mordes und Tierquälerei angeklagt.

Laut Thomas Joiner, Psychologe an der Florida State University, ereignen sich in den USA jede Woche zwischen 11 und 17 Mord-Suizide. Was die Schießerei in Bellingham so ungewöhnlich machte, war, dass darüber hinaus zwei der Opfer Tiere waren. Nachrichten über Menschen, die ihre Haustiere töten, bevor sie sich selbst das Leben nehmen, sind selten.

Eine von mir durchgeführte Analyse legt jedoch nahe, dass diese Vorfälle erheblich häufiger auftreten als bekannt ist. Und sie werfen wichtige Fragen auf. Erhöhen sich beispielsweise die Zahlen aufgrund von COVID-19? Und warum beinhalten so viele dieser Fälle sowohl einen Mord als auch einen Suizid?

"Erweiterter Suizid mit Haustieren"

Es wird manchmal behauptet, dass Haustiere Suizide verhindern. Aber, wie ich kürzlich ausgeführt habe, gibt es kaum Belege für diese Annahme. In einem kürzlich in der Zeitschrift Anthrozoos veröffentlichten Artikel stellte ein Team australischer Forscher unter Leitung von Dr. Janette Young fest, dass viele ältere Menschen meinen, dass ihnen ihre Haustiere Sinn im Leben schenken. Sie befragten sie zu ihren Beziehungen zu ihren Haustieren. Überraschend berichtete ein Drittel der Tierhalter spontan, ihre Haustiere hätten dazu beigetragen, dass sie keinen Suizid begingen. Die Forscher wiesen allerdings ebenso auf die Schattenseiten der Verbindung zwischen Haustier und Suizid hin, etwa wenn Menschen ihre Haustiere töten, bevor sie sich selbst das Leben nehmen.

Dieses Phänomen wurde lediglich in zwei kleinen Studien angeschaut. Im ersten Artikel aus dem Jahr 2013 beschreibt Dr. Brian Cooke sieben Fälle aus den amerikanischen Medien, in denen Menschen ihre Hunde und dann sich selbst töteten. Cooke nennt diese Fälle "erweiterte Suizide mit Haustier". Einige Jahre später berichteten der Anthrozoologe James Oxley und seine Kollegen über drei weitere Fälle in Großbritannien.
Wir streicheln und wir essen sie: Unser paradoxes Verhältnis zu Tieren (auf Deutsch im Hanser Verlag erschienen)
Muster erweiterter Suizide mit Haustieren

Das Durchkämmen von Medienberichten ist die einzige Methode, mit der solche Suizide unter Beteiligung von Haustieren bisher untersucht wurden. Mithilfe von Internet-Suchmaschinen habe ich 30 Artikel in amerikanischen Zeitungen gefunden, die zwischen 2010 und 2020 veröffentlicht wurden und von erweiterten Suiziden mit Hunden oder Katzen berichteten. Die sieben von Cooke gemeldeten Vorfällen dazu genommen, enthielt meine Datenbank schließlich 37 Suizide mit Haustieren in den Vereinigten Staaten. Bei einer so großen Stichprobe entstanden einige Muster.

Die tragischen Statistiken sprechen für sich:

Die Zahlen. Insgesamt starben in den 37 Fällen 81 Menschen. Dazu zählten 28 Männer, 33 Frauen und 20 Kinder. Darüber hinaus wurden 74 Hunde und drei Katzen getötet.

Die Opfer. Unerwarteterweise waren 80 Prozent der Fälle Mord-Suizide. In all diesen Fällen handelte es sich bei den menschlichen Opfern um Familienmitglieder oder langjährige Partner. Bei 85 Prozent der Mord-Suizide zählte zu den Opfern ein Ehepartner oder eine Freundin. In 11 Fällen wurden zudem ein oder mehrere Kinder ermordet. Zwei Männer wurden von ihren Frauen getötet, ein Mann von seiner Schwester und zwei Mütter von ihren erwachsenen Kindern.

Haustierarten. In allen 37 Fällen starb ein Hund. In drei Fällen wurde dazu die Familienkatze getötet. Der extremste Vorfall betraf eine Tierschutzbeauftragte aus Ohio, die ein Tierheim betrieb. Sie tötete sich selbst und 32 kleine Hunde, indem sie den Motor ihres Auto in einer geschlossenen Garage laufen ließ. Ein Hund überlebte.

Geschlecht und Alter der Täter. Siebzig Prozent der Mordfälle wurden männlichen Tätern und 15 Prozent Frauen zugeschrieben. In den anderen 15 Prozent wurde die Person, die der Täter war, im Medienbericht nicht genannt. Das Durchschnittsalter der Täter betrug 47 Jahre. Die jüngste war eine 32-jährige Mutter, die an einer Wochenbett Depression litt. Sie tötete ihren Mann, ihr drei Monate altes Kind und den Familienhund, bevor sie die Waffe auf sich selbst richtete. Die ältesten Opfer waren ein Ehepaar. Sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau waren zum Zeitpunkt der Schießerei 83 Jahre alt. Sie haben auch ihren Hund mit in de Tod genommen.

Methoden. Waffen wurden bei allen Mord-Suiziden mit einer Ausnahme eingesetzt. Ausnahme war ein von Cooke (2013) beschriebener Fall, in dem ein Mann sich selbst, seine 16-jährige Tochter und ihren Hund in einem Minivan per Kohlenmonoxidvergiftung tötete. Waffen wurden jedoch nur in zwei der sieben Fälle von erweiterten Suiziden mit einem Haustier eingesetzt, in denen jedoch kein Mord begangen wurde. Die Methoden ohne Waffen waren das Springen von einer Brücke, das Fahren des Autos in einen See, eine Überdosierung von Tabletten, das Werfen vor einen Zug sowie eine Kohlenmonoxidvergiftung.

Motive. Die Medienberichte geben wenig Aufschluss darüber, warum Einzelpersonen ihre Haustiere und Familienmitglieder töteten, bevor sie sich selbst töteten. Zwei der Opfer wurden als depressiv gemeldet. In nur zwei Fällen, wo an beiden ältere Paare beteiligt waren, schien es, dass der Tod das Ergebnis eines Suizidpaktes gewesen sein könnte.

Fehlgeschlagene Versuche. In vier Fällen wurde der Suizid verpfuscht. In drei Fällen starben die Haustiere, nicht jedoch die suizidale Person. Der andere Fall betraf einen Suizid mit Kohlenmonoxid (Auto), bei dem der Mitbewohner des Verstorbenen und sein Hund offenbar aus Versehen mit starben.

Was können wir aus diesen Fällen lernen?

Erweiterte Suizide mit Haustieren spiegeln ein allgemeines Muster wider: Laut einem kürzlich veröffentlichten Beitrag des Bloggers Joni Johnston von Psychology Today, sind die Täter von Mord-Suiziden in der Regel Männer und die Opfer in der Regel Frauen. In jedem vierten Fall gibt es mehrere Opfer, von denen etwa 10 Prozent Kinder unter 16 Jahren betreffen.

Die Fälle, in denen ich Haustiere gefunden habe, passen genau zu diesem Muster. Darüber hinaus haben Täter von Mord-Suiziden in der Regel psychische Probleme, es finden sich familiäre Gewalt und unerwünschte Erlebnisse. Aber im großen Ganzen gaben die Medienberichte, die ich fand, wenig Einblick in den psychologischen Zustand der Täter.

Menschen betrachten ihre Hunde wirklich als „Familienmitglieder“. Zwischen 70 und 90 Prozent der Amerikaner fühlen so. In ungefähr 39 Prozent der Haushalte in den USA leben Hunde, in 25 Prozent Katzen. Aber warum waren 95 Prozent der Tiere in den hie beschriebenen Fällen Hunde im Vergleich zu nur drei mit Katzen? Außerdem wurde in keinem Fall eine Katze getötet, ohne dass auch der Familienhund starb. Das stark verzerrte Verhältnis von Hunden zu Katzen, die von Suizidalen getötet wurden, legt nahe, dass Hunde, jedoch nicht Katzen, als Familienmitglieder angesehen werden, wenn es um erweiterte Suizide geht.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Im vergangenen Jahr starben etwa 48.000 Amerikaner durch Suizid. Davon sind lediglich 0,5 Prozent Mord-Suizide. Dies wirft die Frage auf, warum 80 Prozent der Suizide, bei denen ein Haustier getötet wurde, auch mit einem Mord verbunden sind. Der Grund für diese enorme Schräglage ist die selektive Berichterstattung in den Medien. Die ganz überwiegende Mehrzahl der Suizide in den USA erhält keine Schlagzeilen; Mord-Suizide dagegen schon. Sogar manche der acht Fälle, in denen nur der Halter und ein Haustier starben, hatten darüber hinausgehendes News-Potenzial. So handelte es sich bei einem um einen bekannten Country-Musikstar, bei einem wetieren um den Tod vor einem Zug. Und im letzten Fall setzte der Tierhalter auch noch sein Haus in Brand, nachdem er seinen Hund erschossen hatte.

Kurz zusammengefasst:
Die Statistiken über Suizide mit Beteiligung eines Haustieres basieren auf Presseberichten. Schlussfolgerung ist, dass diese Fälle lediglich die Spitze eines großen Eisbergs widerspiegeln können. Wenn ich richtig liege, werden wahrscheinlich jedes Jahr Hunderte, vielleicht Tausende von Haustieren bei Suiziden getötet, die eben nicht für Schlagzeilen sorgen und daher in keiner Statistik auftauchen.

Schließlich sagen die Forscher in einem kürzlich erschienenen Artikel in JAMA Psychiatry einen starken Anstieg der Suizide aufgrund der COVID-19-Pandemie voraus. In der Tat sagen sie, dass das derzeitige Zusammentreffen von sozialer Isolation, wirtschaftlichem Stress, eingeschränktem Zugang zu gemeinschaftlicher und religiöser Begleitung und Hindernissen hinsichtlich psychosozialer Dienste, ein perfekter Sturm“ für Suizid ist. Die Frage ist, wie vielen Haustieren als Kollateralschaden dabei Leid zugefügt werden wird.

(Seit Anfang dieses Jahres gab es in den USA fünf Presseberichte über Suizide mit Haustieren. Sie führten zum Tod von vier Männern, fünf Frauen, sieben Kindern, zehn Hunden und einer Katze.)


*  von Hal (Harold) Herzog Ph.D.
Professor Emeritus
Department of Psychology
Western Carolina University (USA)

Hal ist einer der führenden Wissenschaftler zur Mensch-Heimtier-Beziehung. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und einige populäre Bestseller veröffentlicht.

Dieser Artikel erschien am 27.04.2020 im Original als:

"SUICIDE - How Many People Who Die By Suicide First Kill Their Pets?
COVID-19 will result in more suicides. What will the impact be on pets?"


Veröffentlichung auf Petwatch und Übersetzung ins Deutsche mit freundlicher Genehmigung von Hal Herzog  - besorgt durch Christoph Jung





 
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