Montag, 15. September 2008

Zucht- und Frisörschauen des VDH

SSeit Jahren nun schon gehe ich auf die "Internationale + Nationale Zuchtschau Leipzig" des VDH. Nicht, dass ich daran Spass hätte. Nein, so ein Besuch ist jedes mal von einem beklemmenden Gefühl begleitet.

Sicher, es ist schon imposant, was man alles auf solch grossen Hundeausstellungen sieht. In Leipzig sollen es laut Katalog alleine 240 Rassen sein. Man kann Hunde erleben, die man sonst kaum einmal zu Gesicht bekommt. Auch die Vielfalt unserer Hunderassen beeindruckt mich immer wieder neu.

Nicht zuletzt lohnt sich immer ein Gang durch die grosse Halle mit den Anbietern von Futter, Zubehör, Schmuck, Büchern und etlichem Nippeskram rund um den Hund. Ein weiterer Höhepunkt sind die Hundesport-Wettkämpfe und -Vorführungen.
Warum nun das etwas bekemmende Gefühl? Weil es um die Hunde geht, gehen soll. Die einzigen, die keinen Spass an der Zuchtschau haben, sind die Schauobjekte selbst. In der grossen Halle mit den Ringen rauscht es wie in jeder grossen, gut besuchten Messehalle. Hunderte Hunde, hunderte, vielleicht tausende Menschen quetschen sich durch die Hallen, zudem eng, laut, wahrscheinlich für den Hund auch noch eine Geruchsbombe, die er stundenlang zu ertragen sind.

Kein Hund würde sich so etwas freiwillig antun.

Der grosse Hundekenner und -freund Gert Haucke sagte den versammelten VDH-Funktionären anläßlich seiner Festrede zur Europa-Schau in Dortmund: "Was meinen Sie, wie viele Hunde gekommen wären, wenn sie selbst die Entscheidung hätten treffen können? Hunde lieben frische Luft, Massenzusammenkünfte sind ihnen ein Gräuel, weil ihre feinen Sinne dem Anturm von Geräuschen und Gerüchen nicht gewachsen sind. Ihnen sind Trophäen das wert, was sie in Wirklichkeit sind: nichts!"

An anderer Stelle bin ich schon oft auf das Bewertungsunwesen der Richter bei vielen Rassen eingegangen, die Übertypisierung nicht nur zulassen, sondern auch noch belohnen. Richter, die sich einen Dreck um das Wohl und die Gesundheit der Hunde scheren, genauso wie deren Züchter und Zuchtverbände auch.

Leistungsschau der Frisöre

Doch in grossen Teilen könnte man auch fast glauben, man sei auf einer Leistungsschau der Frisöre. Bei nicht wenigen Rassen sieht man eifrig und mit angespannter Miene tupierende, scherende Männlein und Weiblein, um ihren Hund tanzend. Es interessiert nicht im geringsten, ob der Hund das gut findet. Ein paar Impressionen.




Donnerstag, 4. September 2008

Schäferhund: Hüftgelenksdysplasie und Ethics beim DSH

Ich möchte heute einen Aufruf des Mitglieds im Schäferhund Verbandes (SV), des größten Hundevereins der Welt, Jan Demeyere dokumentieren. Jan hatte vor kurzem bereits die riesigen Umsätze aufgedeckt, die manche Zwinger im SV allein durch Decktaxen ihrer Rüden erwirtschaften - längst jenseits von "Liebhaberei". Jan ist auch sher engagiert im Kampf gegen die "Seuche" HD. Er und seine Tochter Lisa verloren ihren Schäferhunde Indiana in jungen Jahren wegen HD.

Hier der Aufruf von Jan Demeyere anläßlich der Bundeszuchtsiegerschau 12.-14.09. in Aachen:

"Der SV kommt unter erheblichem Zeitdruck zu stehen. Nur wenige Tage vor der Bundesiegerzuchtschau 2008 in Aachen müssen Entscheidungen getroffen werden. Schwere Entscheidungen vielleicht, aber dringend notwendige.

Das vorliegende Datenmaterial kann nicht einfach unter dem Tisch gekehrt, oder der Allgemeinheit vorenthalten werden. Auf multimedialem Wege wurde bereits Material verbreitet, dass die einfachen Hundesportler, sprich: „die Basis“, sehr beunruhigt. Was wird der Verein damit machen? Was wird man entscheiden?

Wenn auch nur der leiseste Verdacht auf Manipulation, Einflussnahme oder Bereicherung besteht, muss sofort eingegriffen werden.
Bei der grössten kynologischen Veranstaltung des Jahres und der Welt, wo die Hundesportler ihre Hunde - in Vertrauen auf einen ehrlichen Wettbewerb - zwecks Begutachtung, nach intensivsten, monatelangen Vorbereitungen (wobei sie lange Wege in Kauf nehmen) vorstellen, muss eine 100%-ige Ehrlichkeit und Integrität gewährleistet sein.



Nicht „auch wenn es der BSZS betrifft“, sondern „ganz besonders wenn es der BSZS betrifft“, müssen alle Richter über jeden Zweifel erhaben sein. Da gibt es keine Alternativen, keine Möglichkeiten der Vertuschung. “Wir haben es nicht gewusst!” zählt nicht. Es gilt als gesichert, dass der Präsident des SV über die Vorkommnisse ausführlich informiert ist. Ich habe deshalb um eine Stellungnahme gebeten, diese bleibt aus. Wie alle Stellungnahmen beim SV immer ausbleiben. Man schreibt mir: „Da kann man lange warten!“ Die Hundesportler wollen aber nicht warten.

Anno 2008 kann der Verein mit Stillschweigen nicht mehr durchhalten. In diese multimedialen Welt kann nichts mehr im stillen Kämmerlein gehalten, nichts mehr unter dem Tisch gekehrt werden. Die Öffentlichkeit schaut immer mit und versteht es sich schnell zu informieren.

Eine schnelle Entscheidung zwingt sich auf.
Es kann nicht bis nach der Schau gewartet werden.
„Herr Henke! Tun Sie was!“

Jan Demeyere
8570 Vichte
SV-Mitglied LG16 - 12023106"

Links

Montag, 25. August 2008

Behördliche Tierquälerei !?

Es sind gerade einmal 3 Jahre her, da wurde der Schutz des Tieres mit drei Worten in das Grundgesetz aufgenommen. Artikel 20a lautet seither:

"Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung. "

In der Verwaltung der 230.000 Einwohner Stadt Krefeld am Niederrhein scheint dies noch nicht angekommen zu sein. Dort soll der 13-jährige Münsterlander Basco zur Strafe für ein Vergehen, das seinem Herrchen vorgehalten wird, zwangsweise ins Tierheim verbracht werden.

Was ist nun vorgefallen?
Herrchen Holtkamp hat seinen Hund unangeleint in einem öffentlichen Gewässer der Stadt baden lassen. Auf Anraten des behandelnden Tierarztes gab es diese Badeeinlagen für den alten und kranken Basco.
Unangeleint gebadet, wo doch Leinenpflicht besteht; das war der Stadt Krefeld ein Dorn im Auge. Wiederholt wurden Holtkamp und Basco beim unsittlichen Unangeleint-Baden erwischt. Zuerst gabs saftige Strafgelder fürs Herrchen, die aber jedes Mal vom Verwaltungsgericht auf 20 Euro gekappt wurden.

Jetzt lässt die Stadtverwaltung die Muskeln spielen. Aber sie lässt sich am schwächsten Glied der Kette, einem 13-jährigen Hund aus - sehr schwach zumal für eine Verwaltung, die von einer sich christilich nennenden Partei regiert wird.

Basco soll in quasi Beugehaft. Der alte Hund soll vom Staat in Halftung genommen werden für Dinge, die er nicht zu verantworten hat. Um es klar zu stellen; es ist völlig unstrittig, dass Basco einfach nur ein gut erzogener, lieber Hunde-Opa ist.

Aber warum soll dann ER in Haft?


Man muss sich das einmal vorstellen - ein 13-jähriger lieber alter Hund soll seinem Herrchen weggenommen und ins Tierheim gesteckt werden - und das, ohne dass er sich irgendetwas zu Schulden hätte kommen lassen!
Dieses Vorgehen der Stadt Krefeld ist nichts anderes als Tierquälerei, behördlich angeordnete Tierquälerei!
Es verstösst zumal gegen das Grundgesetz, das den Staat zum Schutz der Tiere verpflichtet.


Auf Nachfrage des Autors teilt Bernd Dammert, Sprecher der Stadt Krefeld, mit:
"Sie dürfen aber davon ausgehen, dass die Ordnungsbehörde speziell in diesem Fall bis zuletzt nach einer für alle Seiten akzeptablen Lösung gesucht hat, damit der Hund bei seinem Halter bleiben kann."

Das ist wohl ein schlechter Witz. Was bitte soll dagegen sprechen, dass der Hund bei seinem Halter bleibt?
Wie gesagt, es geht lediglich um wiederholtes Unangeleint-Baden!
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Stadt hier einen Rachefeldzug wegen der bereits verlorenen Prozesse beim Verwaltungsgericht nun auf wirklich üble Weise führt oder/und dass hier Hundehasser am Werke sind.

Der Autor hat demgegenüber Herrn Dammert mitgeteilt, dass derzeit geprüft wird, die Stadt Krefeld wegen Tierquälerei zu verklagen.

Bitte protestieren Sie bei der Stadt Krefeld gegen eine Tierheimverbringung des alten Basco oder der Drohung hiermit.



Montag, 7. Juli 2008

Pitbull-Gesetz fällt

Es ist sehr zu begrüssen, wenn nun endlich das niederländische Pitbull-Gesetz (Regeling Agressieve Dieren) fällt.

Was JEDER Kynologe voraussagen konnte, ist eingetroffen - das Gesetz hat keinerlei Einfluss auf die Zahl der Beissunfälle. Das hat jetzt eine vom Ministerium eingesetzte Kommission (Rapport van de commissie Van Sluijs) bestätigt. Die Ministerin kündigte daraufhin eine Aufhebung dieses Gesetzes an.

Trotzdem - 1056 Hunde wurden auf Grundlage dieses Gesetzes euthanasiert. Getötet einzig und allein weil sie phänotypisch einem Pitbull ähnlich sehen. Von der Strasse weg beschlagnahmt und - wenn der Halter nicht nachweisen konnte, dass es sich nicht um eine sog. Kampfhund-Rasse handelt - getötet.

1056 Hunde getötet ohne jegliche individuelle "Schuld", lediglich augrund einer vermuteten äusserlichen Rassezugehörigkeit.


Mitten in Europa und nicht vor 70 Jahren.

Kein Zweifel - gegen wirklich aggressive Hunde müssen konsequent Massnahmen ergriffen werden, im Extremfall bis zur Tötung.

Aber warum werden Hunde aggressiv? In den meisten Fällen sind es Menschen, die Hunde erst aggressiv auf Menschen manchen. Menschen, die ihre Hunde als Machtsymbol, als Waffe verstehen und einsetzen. Aber gegen solche Menschen werden in aller Regel keinerlei ernsthafte Massnahmen ergriffen. Gegen die Hunde die Todesstrafe.

Da erinnere ich mich. Ende der 90er Jahre hatte ich mich mit anderen für die Schliessung eines Kampfhunde-Zwingers in der Nähe von Bielefeld eingesetzt. Dieser war in der Halbwelt-Szene dafür bekannt und gepriesen, dass man dort die schärfste Hunde erhalten könne. Hunde aggressiv zu machen, war auch damals schon laut Tierschutzgesetz verboten. Doch die damals zuständige Ministerin Bärbel Höhn von den Grünen dachte nicht daran, hier etwas zu unternehmen.
Kurze Zeit später war sie aber eine der Protagonisten dieser unsäglich Progromstimmung gegen Hunde. Und auch der Halter des Hundes, der 2000 in Hamburg den sechsjährigen Volkan tot biss, war bereits einschlägig vorbestraft, konnte seine beiden American Staffordshire aber weiter halten, auf Bewährung und dann wieder auf Bewährung ...

Link:
http://www.hundepolitik.de/

Donnerstag, 15. Mai 2008

Darf man solche Hunde noch kaufen?

Die Plattnasen unter den Hunden gibt es bereits seit mehr als tausend Jahren. Doch waren sie noch nie so platt wie heute. Kommen noch manche Rassen in Mode, so ist es mit der Gesundheit noch schlechter bestellt. Bei Möpsen, Französischen und Englischen Bulldoggen und anderen brachycephalen Rassen produzieren manche Züchter und Vereine regelmäßig Hunde, die nur noch nach operativen Eingriffen einigermaßen überleben können.

Gaumensegelverkürzungen und Augen"korrekturen" sind bereits Routine und in Leipzig hat sich Prof. Dr. Gerhard Oechtering, Direktor der Klinik für Kleintiere, darauf spezialisiert, operativ den Plattnasen das Atmen beizubringen.

Ich habe nun überhaupt nichts dagegen, dass den betroffenen Tieren geholfen wird; aber wäre es nicht eher angebracht, konsequent gegen eine Zucht vorzugehen, die solche kranken Tiere erst hervorbringt?

Der VDH scheint hier machtlos oder gar untätig zu sein und der Staat ist offensichtlich nicht an der Umsetzung der eigenen Gesetze interessiert. Denn es ist laut Tierschutzgesetz seit langem verboten, Tiere zu züchten, deren Leben gesundheitlich eingeschränkt ist. Das interessiert leider nicht; extreme Plattnasen, die kaum Luft zum Atmen bekommen, glubschige Augen, die fast aus den Augenhöhlen fallen, tiefergelegte überschwere Gangwerke, die kaum einen Spaziergang mithalten können - all das wird in Deutschland regelmäßig gezüchtet und zum Kauf angeboten.

Hannibal (rechts), nun 10,5 Jahre, erfreut sich noch bester Gesundheit - weiter so :-)

Und das war nicht immer so. Vor einigen Jahrzehnten hatten unsere Plattnasen noch etwas Nase und Hals und konnten so atmen, funktionierten die Augen, war der Körper noch zum Laufen tauglich. Es ist für mich eigentlich schon ein Skandal, dass man überhaupt darüber reden muss, dass ein Lebewesen frei atmen können soll!

Ich selbst - seit frühester Kindheit Fan der Plattnasen - frage mich heute, ob man es überhaupt noch verantworten kann, sich einen Mops , Bully oder Bulldog zuzulegen. Über die Jahre hinweg habe ich zuviel Leid bei solchen Hunden - und ihren Haltern, nicht selten Kindern - gesehen. Gerade weil diese Hunde einen solch herrlichen Charakter haben und sich aufs engste mit ihren Menschen verbinden können, gerade deshalb schmerzt dieses Leid ganz besonders.

Doch es gibt etwas Hoffnung. Es gibt auch Züchter, freilich noch viel zu wenige, die ein Herz für Hunde haben. Es gibt auch Züchter, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und die gesundheitlichen Probleme ihrer Rasse offen beim Namen zu nennen und - das Entscheidende - praktische Konsequenzen zu ziehen.

Ich habe mich deshalb besonders gefreut, für bulldogge.de ein Interview mit der Bully-Züchterin Gudrun Schäfer führen zu können, die zusammen mit 5 weiteren Bully-Züchtern einen Verein gründet, der sich ernsthaft dem Wohl und der Gesundheit der Hunde annehmen will.

Dazu wünsche ich aus vollem Herzen viel Erfolg!

 
Petwatch Blog