Mittwoch, 24. Dezember 2008

2009 - Wende in der Zucht auch in Deutschland?

Nun ist das erste Jahr dieses Blogs bald zu Ende. Seit November 2007 sind 33 Artikel erschienen, die jeweils im Durchschnitt von 315 Besuchern gelesen wurden.

Ob es was gebracht hat?


"Aus Sorge um das Wohl und die Gesundheit unserer Hunde" - was haben wir für Alternativen, wenn wir dieses Motto des Blogs ernst nehmen? Schweigen, Ignorieren, 3-Affen-spielen? Wir müssen das Wort erheben, eben aus Sorge um das Wohl und die Gesundheit unserer Hunde.
Ich kann jedenfalls nicht zuschauen, wie eine in weiten Teilen verantwortungslose Zucht kranke Rassehunde produziert. Hunde, die ich ins Herz geschlossen habe.

Wie meinen Bulldog Willi, den ich Anfang des Jahres verlor. Willi wurde 11 Jahre, für eine Englische Bulldogge bereits ein hohes Alter und immerhin noch 4 Jahre mehr als die heute durchschnittliche Lebenserwartung eines Rassehundes. Ein trauriger Wert. Trotz riesigen Angebotes an hochwertigem (?) Futter und moderner Tiermedizin - die Lebenserwartung eines Rassehundes ist nur halb so hoch wie die seines wilden Vorfahren.

Ja Willi, ein Bulldog mit einem herrlichen, liebeswürdigen Charakter. Er bindet sich eng an seinen Menschen, er liebt es geliebt zu werden. Willi und ich verstanden uns "blind". Ein Blick genügte. Doch gerade auch die Bulldogs sind eines der prominentesten Opfer verantwortungsloser Züchter. Es ist schon was besonderes, wenn er auch noch freiatmend ist! Ja, eine Grundfunktion des Lebens ist für unsere Plattnasen noch nicht einmal selbstverständlich.
Erst gestern erhielt ich einen Brief vom Frauchen der französischen Bulldogge Spocky. Das arme Kerlchen hat mit 3 Jahren schon eine so dicke Krankenakte, die selbst für ein ganzes Menschenleben reichen würde. Erst Prof. Öchtering in Leipzig ermöglichte ihm das normale Atmen - nach 7-stündiger OP.
Und Spocky ist leider keine Ausnahme. Und es triff längst nicht nur die Plattnasen. Schäferhund, Husky, Spaniel - etliche Hunderassen sind im Grunde in weiten Teilen zur Qualzucht verkommen.

Sicher gibt es innerhalb und ausserhalb des VDH ernstzunehmende, engagierte Zuchtvereine, die alles dafür tun, dass gesunde und vitale Hunde bei ihnen gezüchtet werden. Aber es sind derzeit noch lobenswerte Einzelinitiativen und es gibt keinerlei verbindliche Ethik für eine Zucht in diesem Sinne.

Ein Pudelzüchter entgegnete mir einmal, "besser wir basteln an der Frisur der Hunde herum, als an deren Körper" - da ist leider was Wahres dran.

Kennel Club leitet Wende ein.

Da ist es schon eine Sensation von unschätzbarem Wert, wenn der britische "The Kennel Club" Besserung schwört. Freilich nicht freiwillig, der Druck der Öffentlichkeit bis hin zur BBC wurde zu groß und auch das Geschäft mit dem (kaputtgezüchteten) Rassehund droht einzubrechen; Designer-Dogs kommen in Mode.
Immerhin - die älteste und grösste Hundeorganisation der Welt erklärt offiziell, wofür man in Deutschland wüste und unflätige Beschimpfungen und Bedrohungen von Züchtern erntet. Nein, ich meine hier nicht Hinterhofzüchter fragwürdiger "Hunde-Weltverbände"; "seriöse" Züchter innerhalb und ausserhalb des VDHs.
Tja, interessant, was Liebhaberei für Blüten treibt.

Kommodor (VDH) - wo ist nochmal vorne?

Es ist wirklich bemerkenswert, wie wenig das Elend der Rassehundezucht in Deutschland Beachtung findet. Weder von amtlicher Seite noch aus den Reihen der zahlreichen Hundefreunde, Hundekenner, Hundeprofis.
Mehrmals die Woche sorgt sich eine prominete Hunde-Schickeria medienwirksam um Straßenhunde auf Mallorca oder anderswo in der Welt. Ob diese Hunde immer glücklich im angeleinten und eingezeunten Deutschland sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber der Import von vermeindlich armen Hunden aus Rumänien, Spanien oder gar Afrika ist zur Mode geworden. Das Elend der Rassehunde mitten unter uns interessiert nicht.

Seit der Erklärung des Kennel Club im Oktober kann keiner dieser Hundefreunde mehr behaupten, man hätte nichts gewusst. Der Kennel Club hat das Elend beim Namen genannt und einen ganzen Katalog von Maßnahmen zur Gesundung der Rassehunde gepackt. Hoffen wir, dass den Worten auch nachhaltig die entsprechenden Taten folgen werden. Hoffen wir, dass dieses Beispiel auch in Deutschland Schule machen wir.
Ich werde mich auch 2009 weiterhin diesem Ziel verschreiben. Unsere Hunde haben es verdient.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern schöne Feierage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2009!

Boxer und mein Bulldog Bruno - nach langem Suchen einen Prachtkerl gefunden (VDH)

Freitag, 12. Dezember 2008

Kaiserschnitt - normale Zuchtpraxis oder Qualzucht?

Hunde sind sehr fruchtbare Tiere. Die Folgen sind weltweit gegenwärtig in Form von Dorf-, Straßen- oder Pariahunden. Das sind 90% des Bestandes an Hunden überhaupt. Selbstverständlich alle natürlich geboren und das ohne jede menschliche oder gar tierärztliche Hilfe.

Diese natürliche Fähigkeit, von essentieller Bedeutung für den Erhalt einer Art, ist den Hunden unter Obhut des Menschen innerhalb von etwa 40 Jahren in erheblichem Maße verloren gegangen. Es gibt eine Reihe von Rassen, bei denen natürliche Geburten schon die Ausnahme darstellen.

Kaiserschnitt-Geburten können unterschiedliche Ursachen haben; strukturelle aufgrund des Phänotypes der Rasse wie die übergrossen Köpfe bei den Bulldog-Rassen oder spontane wie die zunehmenden Komplikationen bei Geburten als Degenerationserscheinung einer Rasse.

Leider gibt es nur wenige Rassehunde-Vereine die sich dieses Problems ernsthaft annehmen. Die, die es am Nötigsten hätten, tun hier anscheinend noch am wenigsten bzw. garnichts - postive Ausnahmen abgesehen. Es ist allgemeiner Konsens unter seriösen Züchtern, dass spätestens nach dem zweiten Kaiserschnitt, egal aus welchem Grund, eine Hündin aus der Zucht genommen wird.
Das Landseer Magazin schreibt:
"Um das Risiko einer Gesundheitsgefährdung zu mindern, werden Landseerhündinnen nach einem zweiten Kaiserschnitt aus der Zucht genommen wie es die Zuchtordnungen vorschreiben. Glücklicherweise sind aber die meisten Landseer Geburten problemlos und verlaufen völlig normal."

Die erfahrene Bully-Züchterin Gudrun Schäfer, Vorsitzende des vor kurzem gegründeten Französische und Englische Bulldoggen e.V., ist persönlich sogar der Auffassung, dass die Zucht nach Möglichkeit ganz auf natürlich geworfene Elterntiere setzen solle und bestenfalls ein Elternteil per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sein darf.

Aus dem Qualzuchtgutachten der Bundesregierung folgt, dass die Verwendung einer Hündin auch nach einer zweiten Kaiserschnitt-Geburt als Tierquälerei und Qualzucht anzusehen ist. Das Gutachten zu § 11b des Tierschutzgesetzes - Verbot von Qualzüchtungen - führt ausdrücklich an, dass ein "Zuchtausschluss nach dem 2. Kaiserschnitt" erfolgen soll.


Trotzdem, der Anteil der Kaiserschnitt-Geburten nimmt stetig weiter zu. Bei den Französischen Bulldoggen liegt er bei um die 50% und bei den Englischen Bulldoggen liegt erst gar keine Statistik hierzu vor. Es ist davon auszugehen, dass die Quote bei den Bulldogs eher noch höher ist als bei den Bullys.

Im Jahr 2008 wurden drei neue Zuchtordnungen für den Englischen Bulldog in Deutschland veröffentlicht. Was zunächst einmal sehr zu begrüßen ist, verschlägt einem bei näherem Hingucken den Atem.
Lediglich die Zuchtordnung des "Französische und Englische Bulldoggen e.V." legt strenge Maßstäbe im Interesse des Wohls und der Gesundheit der Bulldoggen an. Zum Thema Kaiserschnitt wird ein Zuchtausschluss nach dem 2. Kaiserschnitt ohne Wenn und Aber festgelegt.
Die Zuchtordnung der "Interessengemeinschaft Bulldoggen im MPRV e.V." spart das Thema ganz aus, als sei es bei den Bulldoggen nicht existent.
Der "Club für Englische Bulldogs e.V." allerdings mutet seinen Hündinnen per Zuchtordnung sogar noch mehr Kaiserschnitt-Geburten zu, als das Qualzuchtgutachtem empfiehlt. Es heßt: "Eine Hündin mit 3 Schnittgeburten scheidet aus der Zucht aus, auch wenn sie das 7.Lebensjahr noch nicht erreicht hat." (§ 4.3)

Kaiserschnittboom wegen Zucht aus Liebhaberei ?

Es ist kaum vorstellbar, dass man bei einer Zucht aus Liebhaberei zu den Hunden - vorgebliches Motiv aller Züchter im VDH und den hier genannten Vereinen - einer Hündin und der Rasse soviel Kaiserschnitt zumutet. Es ist ferner zu prüfen, ob die weitere Verwendung einer Hündin für die Zucht auch nach einer zweiten Kaiserschnitt-Geburt bereits als Tierquälerei und Qualzucht anzusehen ist.
Im Interesse
  • des Schutzes der Gesundheit der einzelnen Hündin
  • des Schutzes der Rasse vor weiterer Degeneration durch verantwortungslose Zucht
  • einer neuen Ethik der Zucht, die das Wohl der Hunde vor die Interessen des Kommerz stellt
müssen nachhaltige Maßnahmen zur Förderung der natürlichen Geburten bei unseren Rassehunden ergriffen werden

Im letzten Post über die Wende beim britischen Kennel Club sehr erfreut, sind wir hier wieder in den Tiefen der züchterischen Realität in Deutschland angekommen.