Donnerstag, 10. Oktober 2013

Tierschutz - Ohne Worte

Was in Deutschland alles unter "Tierschutz" läuft; Hundehandel und Hundeproduktion - Profitmacherei getarnt als Tierschutz oder "Zucht" gesunder Hunde. Die Realität im Land der selbsternannten Weltobertierschützer; eine Pressemitteilung der Stadt Düsseldorf:

Amt für Verbraucherschutz warnt vor illegaler Einfuhr von Haustieren

Übergabe von 38 Hunden wurde gestoppt / Tiere litten unter schlechten Transportbedingungen

Die Zahl der Tiertransporte aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland unter angeblich tierschützerischen Aspekten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Oftmals erfolgen diese Transporte jedoch unter Missachtung tierschutz- und tierseuchenrechtlicher Vorgaben. In vielen Fällen spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. Der jüngste Fall: Ende September stoppte das Amt für Verbraucherschutz gemeinsam mit dem städtischen Ordnungs- und Servicedienst auf einem Parkplatz an der Oerschbachstraße einen von verschiedenen Tierschutzorganisationen beauftragten Hundetransport aus Bukarest/Rumänien.

In Düsseldorf sollte ein Teil der Hunde an zukünftige Halter und so genannte Pflegestellen übergeben werden. Den Hinweis auf diesen Transport erhielt das Amt für Verbraucherschutz von einem Zeugen, der einen ähnlichen Transport bereits einige Wochen zuvor beobachtet hatte. Bei der amtstierärztlichen Überprüfung des Tiertransportes wurden so schwerwiegende tierschutz- und tierseuchenrechtliche Mängel festgestellt, dass alle 38 mitgeführten Hunde sichergestellt und vorübergehend anderweitig in Pflege gegeben werden mussten. Bei den transportierten Hunden handelte es sich überwiegend um erst wenige Monate alte Welpen, welche über das Internet gegen so genannte "Schutzgebühren" an ihre neuen Halter vermittelt worden waren.

Die verantwortliche rumänische Transportunternehmerin verfügte nicht über die in der EU vorgeschriebene Zulassung für Tiertransporte. Die Transportbedingungen für die Hunde in dem kleinen Transporter waren katastrophal. Die Tiere saßen bei der Ankunft in Düsseldorf teilweise in schwer verunreinigten Käfigen. Zahlreiche Hunde waren zudem in viel zu kleinen Boxen eingesperrt, einige der Tiere waren offensichtlich krank. Die Tiere zeigten sich insgesamt verängstigt, gestresst und teilweise apathisch.

Aus den mitgeführten Dokumenten war ersichtlich, dass die Hunde bereits seit über 46 Stunden unter diesen Bedingungen transportiert worden waren. Aus Bukarest war der Transport gestartet und zunächst über Wien, Berlin, Hamburg und Hannover nach Düsseldorf gelangt, von dort aus hätten anschließend weitere Hunde in Frankfurt, Kaiserslautern, Stuttgart und München ausgeliefert werden sollen.

Auffällig war insbesondere, dass sich auf dem Transport überwiegend Welpen und Junghunde befanden, die sich in Deutschland leicht vermitteln lassen. Die Art des Transportes stellt einen Verstoß gegen das europäische Tierschutz- und Tierseuchenrecht dar. Neben den tierschutzrechtlichen Aspekten hätten beispielsweise nicht gültig gegen Tollwut geimpfte Welpen überhaupt nicht nach Deutschland transportiert werden dürfen. Des Weiteren fehlten bei allen Hunden die für derartige Transporte in der EU erforderlichen amtstierärztlichen Gesundheitsbescheinigungen.

Ein Teil der Hunde konnte zwischenzeitlich an die künftigen Tierhalter herausgegeben werden. Die ungeimpften Welpen, erkrankte Tiere sowie einige Hunde, bei denen keine gültige Impfung nachgewiesen werden konnte, müssen jedoch weiterhin in Quarantäne bleiben, bis sie gesund und gültig gegen Tollwut geimpft sind. Die anfallenden Kosten in teils beträchtlicher Höhe sind durch die verantwortlichen Tierhalter oder Organisationen zu tragen.

Die Organisation, die den schwer erkrankten Welpen und seine Geschwister nach Deutschland hat transportieren lassen, hat sich seit der Sicherstellung der Welpen übrigens nicht ein einziges Mal nach den Tieren erkundigt.

Düsseldorf, 7.10.2013

Herausgegeben vom
Amt für Kommunikation der Stadt Düsseldorf
www.duesseldorf.de/presse
(Hervorhebung Christoph Jung)


Montag, 16. September 2013

EU Tierschutz Realität beim Hund

Auf Petwatch wurde des öfteren darauf hingewiesen, dass es in der EU keinerlei Richtlinie zur Hundezucht gibt. Es ist maßgeblich die überaus mächtige Lobby der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie in Brüssel und Berlin, die solche Richtlinien seit Jahren verhindert. Gesetzliche Mindeststandards für die Zucht würden den Konsumartikel Hund nur verteuern, das heißt tendenziell rein zahlenmäßg weniger werden lassen, und damit insbesondere die Zahl der Abnehmer für die Petfood-Produkte selbiger Industrie. Darüber hinaus untergraben gesunde Hunde den lukrativen Markt der Veterinär- und VetPharma-Branche. Gesetzliche Mindeststandards für die Zucht bei Hund oder Katze bergen zudem die Gefahr, dass solche auch für den Bereich der industriellen Massenproduktion von Tieren eingefordert werden könnten.

Die Journalistin Karin Burger hat nun darauf hingewiesen, dass die EU auch die Verabschiedung von Leitlinien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE Terrestrial Animal Health Standards Commission: Summary analysis of methods for the euthanasia of dogs) aktiv befördert hat, Leitlinien, die einen brutalen und aus Sicht des Autors tierschutzwidrigen und ethisch nicht vertretbaren Katalog an Tötungsmaßnahmen für Hunde (hier ausdrücklich Straßenhunde) beinhaltet.

EU: Tötung von Straßenhunden "nicht das einzige Verfahren"...
... aber eben Eines!

Die EU-Komission erklärt hierzu am 28. Juni 2011: "Die EU hat die Verabschiedung der internationalen Leitlinien der Weltorganisation für Tiergesundheit für die Populationskontrolle bei herrenlosen Hunden aktiv gefördert. In diesen Leitlinien wird empfohlen, dass die Tötung der Tiere nicht das einzige Verfahren zur Kontrolle der Hundebevölkerung sein sollte und etwaige Tötungen in jedem Fall auf humane Weise durchgeführt werden sollten." (Hervorgebung CJ)

In dem von der EU "aktiv geförderten" Katalog sind aber auch ausdrücklich Maßnahmen wie Erschießen oder Ausbluten gelistet, die hier definitiv nicht als human bezeichnet werden können. Ferner wird eine Erklärung für den Verzicht auf Barbiturate zur Betäubung der zu euthanisierenden Hunde von der EU geliefert: Es könnten in den Kadavern Barbituratreste vorhanden sein und diese könnten damit als Futter andere Tiere gefährden (S.323 s.o.). Damit wird eingeräumt, dass selbst die wirtschaftlich profitable Verwertung der Hundekörper von der EU einkalkuliert wird.

Es wird dem Leser empfohlen, sich anhand der OIS-Leitlinien-Papiers weiter zu informieren. Die Tötungsmethoden werden ab S.322 (Seitenzahl im Dokument) aufgelistet. Zugleich wird ein starkes Nervenkostüm für die Lektüre dieser "Partitur des Grauens" (so Karin Burger) angeraten. Insbesondere wird der Artikel von Karin Burger hierzu empfohlen.

Warum dieser Umgang der EU mit Hunden?

Einige Fragen stellen sich dem Beobachter:
  • Welche Konzerne und Verbände verhindern in Brüssel und Berlin seit Jahren ein praktisch wirksames Tierschutzgesetz zur Hundezucht? 
  • Wer und welche Interessen lassen die EU-Kommission solche Leitlinien zur Massentötung von Hunden aktiv fördern
  • Welche Konzerne stecken hinter dem Hundefutter, das bei Aldi, Fressnapf oder dem Tierarzt voller Liebe zum Hund und voller Sorge um dessen Wohl und Gesundheit angeboten wird? 
  • ... und welche Politiker repräsentierten dieses Verhalten der EU wie auch der deutschen Bundesregierung?
  • ... und was ist mit dem so hohen Tierschutzbewusstsein, das manche Deutsche sich zum "Weltobertierschützer" aufschwingen lässt?


Sonntag, 8. September 2013

Schluss mit dem heutigen System der Ausstellungen!

Das Ausstellungswesen ist eine der tragenden Säulen der modernen Rassehundezucht. Diese entstand vor etwa 150 Jahren. Im Zuge der Industriealisierung hatten nach 1800 fast alle Arbeitshunderassen ihre Arbeit verloren. Der Metzger brauchte sie nicht mehr als Zughunde, um den Karren mit Schweinehälften zu ziehen, der Schmied hatte nun Maschinen, um die Blasebälge der Schmiedefeuer anzutreiben, die Rinderherden wurden vom Stacheldraht "gehütet" und per Eisenbahn "getrieben". Schließlich wurden die in England über Jahrhunderte so beliebten Hundekämpfe endlich verboten. Nur wenige Hunde-Spezialisten, eben Hunderassen, behielten ihre Arbeit, Jagdhunde etwa. Zugleich wuchs in den rasant wachsenden Städten ein breiter Bedarf an Hunden als Begleiter. So entstand die moderne Rassehundezucht.

Ausstellungen statt Arbeit als Kriterium der Qualität eines Hundes

Man wollte die alten Arbeitshunde vom Typ erhalten. Doch die Leistung bei der Arbeit als unbestechlicher Richter über einen guten, typischen Rassehund war weggefallen. So schuf man "künstliche" Instrumente, um die Qualität eines Hundes zu beurteilen. Neben Rassebeschreibungen, den Standards, und künstlich isolierten Genpools per Ahnentafeln, wurde der Ring auf Ausstellungen zum entscheidenden Maßstab. Einzelne Richter beurteilen nun seit über 140 Jahren die Hunde im Wesentlichen nach ihrem äußeren Erscheinungsbild. Eine kurze Beschau, ein, zwei Runden im Ring - so werden bei den meisten Hunderassen auch heute noch Bewertungen und Championate vergeben. Das Wesen, die körperliche und mentale Gesundheit spielen hier kaum eine Rolle. Ja, durch darüber hinaus isolierte Genpools und Inzucht wurde die ursprünglich extrem robuste Gesundheit der Hunde systematisch demontiert. Äußerlichkeiten - und diese zumeist ins Extreme ausgebildet - sind das Kriterium. Das sind die Konstruktionsfehler der modernen Rassehundezucht, längst bekannt aber unbeirrt weiter praktiziert!
Deformierter Kopf ohne Nase - hier ein Japan Chin
auf der VDH Ausstellung Leipzig 2013 (Foto: Christoph Jung)
Konstruktionsfehler der modernen Rassehundezucht

Das Ausstellungswesen ist einer der wesentlichen Konstruktionsfehler der modernen Rassehundezucht. Es bedarf schleunigst einer grundlegenden Reform, um die Rassehundezucht zu retten und von Menschen systematisch erzeugtes Tierleid zu beenden. Das ist keine Übertreibung, denn die Rassehundezucht krankt im wahrsten Sinne des Wortes. Allein hier auf Petwatch haben wir Dutzende Hunderassen vorgestellt, die an schwersten, oft tödlichen, jedoch allein durch den Menschen gemachten oder/und verbreiteten Krankheiten leiden (Beispiel Dobermann, Lundehund, Bulldog, Cavalier King Charles Spaniel). Doch wenden sich die Hundezuchtverbände bereits gegen die kleinsten Reformen wie beispielsweise eine unabhängige tierärztliche Kontrolle auf den Ausstellungen zur Verhinderung der ärgsten, evidenden Auswüchse (siehe Bulldog, VDH Leipzig 2013).
Dieser Bulldog wurde im August 2013 Champion bei der VDH Ausstellung in Leipzig trotz evidentem Verstoß gegen den geltenden Standard, der Nasenfalten explizit als schweren Fehler verbietet
(Foto: Christoph Jung)
Namhafte Tiermediziner, Genetiker, Kynologen stellen dem heutigen Ausstellungswesen ein vernichtendes Zeugnis aus. Und das nicht erst seit ein paar Jahren. Trotzdem ändert sich rein garnichts zum Wohle der Hunde. Denn es gibt mächtige Kräfte, die am Erhalt des Status Quo im Hundemarkt interessiert sind: Ein Wirtschaftszweig im Volumen von mehr als 5 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland. Verdient wird an der schieren Masse der Hunde und besonders gut am kranken Hund, wie es der Autor bereits 2009 in "Schwarzbuch Hund" nachgewiesen hat.

Es gibt gewichtige Kräfte, die ein Interesse am Erhalt des heutigen Zucht- und Ausstellungssystems haben. Hier wurde bereits mehrfach über das Interesse der Zuchtverbände berichtet. So erwirtschaftet der VDH den Löwenanteil seiner Einnahmen durch Ausstellungen. Auch die Mehrheit der Züchter hat ein Interesse am Erhalt des heutigen Ausstellungssystems, sichert es doch den Wert des prämierten Zwingers und das Ansehen in der Szene. Mit einem Champion in der Ahnentafel lassen sich Welpen teurer vermarkten und steigen die Decktaxen der Rüden. Im Hintergrund aber halten mächtige Industriekonzerne die Fäden in der Hand. Sie konnten bisher erfolgreich durchsetzen, dass es in der EU keinerlei Vorschriften zur Hundezucht und kein Verbot des Hundehandels gibt.
Es gibt leider nur wenige Tierärzte wie Dirk Schrader, der hier eine Franz. Bulldogge operiert, die das Hundezuchtsystem offen kritisieren. Foto aus 3-Sat Wissenschaftsdoku "Mensch, Hund! Der Rasse-Wahn und seine Folgen", die am Donnerstag, 12.9.13 um 20.15h gesendet wird.

Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne beherrschen das Hundegeschäft

Der wohl mächtigste Player ist ein Zuckerriegel-Produzent aus Virginia, USA. Mars mit seiner Heimtiersparte Mars Petcare ist seit Jahrzehnten der größte Lobbiist der Hundebranche sei es in Brüssel oder Berlin, in Veterinär-Universitäten oder eben in der Hundezucht. Kaum eine Ausstellung in Deutschland oder Europa findet ohne Mars als Hauptsponsor statt. Mars-Marken wie Pedigree oder Royal Canin dominieren die Werbung auf den Hundeausstellungen, im Hundezuchtwesen und der gesamten Hundeszene. Mars-Werbung dominiert TV-Sendungen wie Hundkatzemaus und praktisch alle Print-Magazine. Neben Mars beherrschen weitere Big-Player die Hunde-Branche. Fast alle sind Sparten der großen internationalen Nahrungs- und Agrarkonzerne, jene Konzerne, die auch die industrielle Massentierproduktion zu verantworten haben. Sie mutieren beim Heimtierfutter zum Tierfreund.
Die meisten Hundefutter-Produzenten und Vetpharma-Konzerne zeigen in Brüssel und Berlin keinerlei Interesse an einer Verbesserung der Lage in Hundezucht und Hundehandel. Sie verdienen hervorragend an jedem Hund im konsumstarken Deutschland. Je mehr Hunde in Deutschland desto mehr, je höher die Mindeststandards in der Zucht desto weniger Profit. Wenn europaweit billigst und unter elenden Bedingungen produzierte Hunde den deutschen Markt bedienen, so ist es auch recht. Danach fragt keine Kasse bei Aldi oder Fressnapf. Ein kritisches Bewusstsein der Welpenkäufer und Hundehalter hinsichtlich der realen Tierschutz-Zustände in Deutschland, der Zuchtstandards, Herkunft der Welpen oder Ernährung stört diesen Markt nur. Gesetzliche Mindeststandards bei Hundezucht oder Hundeausstellungen stören nur das hoch profitable Geschäft mit dem Hund. So wurde bei der Novellierung des Tierschutzgesetzes 2013 selbst die Vorschrift gestrichen, die ein explizites Ausstellungsverbot für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen vorsah.

Warum gibt es keine gesetzlichen Mindeststandards?

Es ist schon bemerkenswert, dass es in der EU zu jeder Banane und jeder Gurke seitenweise penible Vorschriften gibt, aber keine einzige zur Hundezucht. Jeder Angler, der eine Rotauge aus dem Tümpel holen will, braucht einen Angelschein und zusätzlich eine konkrete Erlaubnis. Wer Hunde züchten will braucht hiervon nichts. Zwielichtige "Tierschutz"organisationen importieren massenweise Hunde nach Deutschland. Selbst einen Hundezuchtverein kann jeder gründen ohne den geringsten Nachweis der Fachkunde und dann ganz legal "Papiere" ausstellen und auf Ausstellungen Champions küren. Und so ändert sich auch nichts am Ausstellungswesen trotz der teils skurrilen und evident tierschutzwidrigen Auswüchse.

Es gibt mächtige Interessen am Erhalt des "kranken" Ausstellungswesens. Das funktioniert aber nur solange wir Hundefreunde still und leider oft genug unkritisch mitmachen. Für eine Zukunft der einmaligen, besonderen Partnerschaft Mensch - Hund bedarf es einer grundlegenden Reform des Zuchtwesens. Heute ist der kritische, bewusst agierende Hundefreund gefragt, der sich nicht vom seichtem Tierliebe-Geschwafel in Werbung und Medien sedieren lässt. Hunde brauchen keine selbstgerechten Konsumenten vielmehr nüchtern denkende Anwälte ihrer Interessen. Es liegt auch an uns als "Verbraucher", als Hunde- und Tierfreund, diesem System die Rote Karte zu zeigen - "Stell dir vor es ist Hundeausstellung und keiner geht hin."

(ein Artikel von Christoph Jung)






Dienstag, 27. August 2013

Viel Rasse, volle Kasse - Das Geschäft mit der Hundezucht

Unter dem Titel "Viel Rasse, volle Kasse - Das Geschäft mit der Hundezucht" zeigte der WDR einen sehr sehenswerten Beitrag zum Thema. Im Gegensatz zur ersten "die story"-Reportage von Philipp Hampl, die hier vor genau zwei Jahren auf Kritik stieß, wurden nun Lösungen aus der Misere genannt. Tierarzt Dr. Unna fordert u.a. ein Umdenken der Verbraucher, wie er die Welpenkäufer in diesem Zusammenhang nennt. Er fordert uns Welpenkäufer auf, mehr auf die Gesundheit, hinsichtlich Zucht, Standard, Haltung und Sozialisation der Hunde zu achten.
Screenshot aus der Sendung des WDR
"Viel Rasse, volle Kasse - Das Geschäft mit der Hundezucht" 26.8.2013
Und das ist wirklich so. Gäbe es nicht die vielen "Hundefreunde", die Welpen aus Inzucht und Qualzucht (sei es die sichtbare wie bei Mops oder Japan Chin oder die unsichtbare wie bei Cavalier King Charles Spaniel oder Dobermann) kaufen würden, und gäbe es keine "Hundefreunde", die beim Hundehändler oder auf dem Markt ihren Hund kaufen würden - den Hunden würde sehr viel Elend erspart.

... und alle reden von Tierschutz und Liebe zum Hund

Dieser Bulldog wurde auf der VDH-Ausstellung in Leipzig am 25.8.13 auf den ersten Platz gestellt.
Man achte auf die Nasenfalte.
Im geltenden Standard heißt es:
"schwere Nasenfalten sind unerwünscht und sollten schwer bestraft werden." *
(Foto: Christoph Jung)

... und der VDH-Vorstand redet besonders gerne von Tierschutz.

In der o.a. ersten WDR-Sendung stand der Bulldog im Mittelpunkt. Damals redete sich der VDH damit heraus, dass er den Bulldog Zuchtverein ACEB aus dem VDH ausgeschlossen hatte und sich ab sofort selbst um die Gesundung dieser Rasse kümmern werde. Die Realität auf den Ausstellungen und in manchen Zuchtvereinen sieht diametral anders aus. Selbst der geltende Standard, der 2009 ausdrücklich zur Gesundung des Bulldogs geändert wurde, wird regelmäßig auf den VDH-Ausstellungen ignoriert (und nicht nur dort). Und der VDH ist seit 2011 direkt und unmittelbar für die Zucht des Bulldogs wie auch die Einladung und Instruktion der Ausstellungsrichter verantwortlich!

VDH Realität 2013
Siegerbulldog des VDH - widerspricht evident dem geltenden Standard*
(Foto: Christoph Jung)

Wir tragen die Verantwortung für das alltägliche Hundeelend mitten in Deutschland. 

Auch die einzelnen Züchter, die Zuchtverbände, das Zuchtsystem, die Tierärzteschaft, die machtvollen Sponsoren aus der Futter- und Pharma-Industrie, die dieses System erst am Laufen hält, die Hunde-Medien und schließlich auch der Gesetzgeber, alle tragen Verantwortung - WIR!!!



Christoph Jung


* Auszug aus dem gültigen FCI Standard vom 23. 03. 2011 / DE

FCI - Standard Nr. 149 BULLDOG


 "... die Haut auf dem Kopf und um ihn herum etwas lose mit feinen nicht übertriebenen Falten, die weder abstehen noch das Gesicht überlappen dürfen."

"... schwere Nasenfalten sind unerwünscht und sollten schwer bestraft werden."

Sonntag, 4. August 2013

Genanalyse bestätigt: Hunde gabs vor 33.000 Jahren

Es ist unstrittig und landläufig bekannt, dass der Hund das erste und älteste Haustier ist. Und es ist heute unter Wissenschaftlern ebenso unstrittig, dass der Hund allein vom Wolf (Canis Lupus) abstammt. Man weiß aber immer noch kaum etwas darüber, wann genau diese besondere und einzigartige Partnerschaft entstand. Und man weiß noch viel weniger darüber, wie es dazu kam, dass ausgerechnet aus dem für Menschen potenziell gefährlichen Beutegreifer und Nahrungskonkurrenten, dem Wolf, das erste Haustier und der "beste Freund" entstand.
Wolf (Canis Lupus)
(Foto: Christoph Jung)
Wie alt ist die Partnerschaft Mensch - Hund?

Seit gut 10 Jahren interessieren sich die Wissenschaften, in erster Linie Genetiker, Zoologen und Archäologen, ernsthaft für die Entstehung des Hundes. Seither wird der Beginn der Hundwerdung immer weiter nach hinten verschoben. 2011 veröffentlichten russische Wissenschaftler um Nikolai Ovodov eine Untersuchung von Fossilien aus der Razboinichya Höhle im Altai-Gebirge Süd-Sibiriens. Die Vermessungen von 3 erhaltenen Schädeln sowie Unterkiefern ließen die Forscher zu der Überzeugung kommen, dass es sich hier eindeutig um frühe Hunde handeln müsse. Diese kräftigen Hunde seien vom Körperbau her ähnlich heutiger Grönlandhunde vorzustellen. Die eigentliche Sensation war das Alter dieser Hunde-Fossilien, das anhand bewährter Standardmethoden wie Radiocarbon-Messungen auf 33.000 Jahre datiert wurde.
Grönlandhund
(Foto: Wikipedia)
DNA-Analyse bestätigt 33.000 Jahre alte Hunde

Im März 2013 veröffentlichte ein weiteres Forscherteam aus Novosibirsk um Anna Drushkova von der russischen Akademie der Wissenschaften eine Untersuchung der DNA. Es gelang, aus den Fossilien DNA-Stränge zu isolieren und zu analysieren. Auch hier waren die Ergebnisse recht eindeutig. Die DNA gleicht heutigen Hunden signifikant und zwar um den Faktor 4 mehr als anderen damaligen Caniden oder heutigen Wölfen. Somit ist auf recht sicherer Grundlage der Nachweis erbracht, dass bereits in der Altsteinzeit und noch vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit (LGM vor 26.500 - 19.000 Jahren) erste Hunde den Menschen begleiteten.

Die Forscher weisen darauf hin, dass dieses Ergebnis noch nicht heiße, dass diese Hunde bereits direkte Vorfahren unserer heutigen Hunde gewesen sein müssen. Vielmehr sei es durchaus möglich, dass diese Population wieder erloschen sei, etwa die Hochphase der letzten Eiszeit, das LGM, nicht überstanden haben könnte. Ein ähnliches Schicksal könnte den Hund ähnlichen Alters ereilt haben, der 2008 von Mietje Germonpré von der Belgischen Akademie der Wissenschaften gefunden wurde.
Hundeschädel von Goyet (Belgien) - auf 31.000 Jahre datiert
(Foto und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Mietje Germonpré)
Die Hinweise der Wissenschaft verdichten sich, dass die Partnerschaft mit dem Hund ein sehr alter Teil der Menschheitsgeschichte ist. Unsere Vorfahren wurden bereits vor mehr als 30.000 Jahren zumindest phasenweise und seit 15.000 oder vielleicht sogar noch sehr viel mehr Jahren durchgängig von Hunden begleitet. Zahlreiche Befunde belegen das Zeitfenster von 15 - 20.000 Jahren der Hundehaltung, also nach dem LGM. Vieles deutet auch darauf hin, dass die Hundwerdung zu unterschiedlichen Epochen und an unterschiedlichen Orten mehrfach und unabhängig voneinander stattgefunden hat.

Was wäre aus den Menschen geworden ohne den Partner Hund?

Es ist ein spannendes Stück Forschung, das noch vor uns liegt. Und es geht dabei nicht nur um den Hund. Denn die Geschichte des Hundes ist zugleich Teil der Menschheitsgeschichte. Unsere Geschichte ist seit 30.000 Jahen viel enger mit dem Hund verwoben als wir landläufig annehmen. Und ich neige zu der Ansicht, dass erst die Partnerschaft mit dem Hund uns Menschen manchen Sprung möglich machte wie etwa den Beginn der Viehhaltung vor 12.000 Jahren oder die Erschließung der nördlichen Lebensräume. Aber auch für die Herausbildung der hervorragenden intellektuellen und sozialen Leistungsfähigkeit unserer Vorfahren, der Cro Magnon, kann die Partnerschaft zum Hund ein entscheidender Katalysator gewesen sein. Wir sind wahrscheinlich psychisch und neurobiologisch viel enger mit dem Hund verbunden, als uns bisher bewusst und manchen Weltanschauungen oder Religionen lieb ist.


Ein Beitrag von Christoph Jung


 
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