Dienstag, 30. März 2010

Verbandseifer in der Hundezucht

Bei meinen Recherchen für das "Schwarzbuch Hund" stieß ich auch immer wieder auf neue, mir bis dato unbekannte Hundezuchtvereine. Diese aufzulisten wäre allerdings ein fast schon epochales Werk. Ich schätze die Zahl geht in die Tausende, alleine in Deutschland.

Aber selbst wenn man nur die in Deutschland aktiven Dachverbände der Hundezucht - neben dem VDH - anschaut, so werden es um locker 100 und mehr sein. Einige habe ich zur Übersicht hier aufgelistet.

Die Frage ist, warum gibt es diesen Eifer in der Gründung von Dachverbänden. Ob das Interesse an einer zum Wohle der Hunde betriebenen Zucht immer das Hauptmotiv ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Übrigens kann in Deutschland jeder einen (Welt)-Dachverband oder Hundezuchtverein gründen, Papiere ausstellen, Meisterschaften,"nationale" und "internationale" Championate ausrichten und Pokale vergeben oder "Weltsieger" küren. Fachliche Kenntnisse und Erfahrungen werden hierzu nicht benötigt; irgendeine unabhängige Kontrolle gibt es nicht.

Dachverbände in Deutschland mit internationalem Anspruch (Auswahl):
  • Alliance Cynologie International ACI e.V. http://www.aciev.de/
  • Europäischer Rassehunde Zuchtverband e.V. http://www.erz-ev.de/
  • Europäische Kynologische Union http://www.eku-dku.de/
  • Europäische Hundesport Union EHU
  • Federacion Canina Internacional F.C.I. http://www.newsworldfci.com/
  • F C I - D  Federation Cynologique Internationale - Deutschland   http://www.nrcd.eu
  • Internationaler Rassehunde-Züchter und Liebhaber-Verein e.V.
  • Internationaler Dachverband der Hundeclubs e. V.
  • Internationale Kynologische Allianz
  • Internationaler Rasse-Jagd-Gebrauchs-Hundeverband e.V. (IRJGV) http://www.idg-irjgv.de/
  • Internationaler Dachverband Hunde-Bund e.V. http://hunde-bund.de
  • Internationaler Hunderassen Verein e.V.
  • Internationaler Rassehunde - Verband e.V. http://www.irv-loehne.de/
  • Internationaler Gebrauchs- und Rassehunde Zuchtverband e. V. http://www.igrzv.de/
  • Internationaler Allgemeiner Club der Hundefreunde- und Liebhaber e.V. www.ach-l.de
  • Internationale Hunde-Union e.V. IHU
  • Union Canine Internationale – Internationale Hunde-Union e.V. http://www.uci-ihu.org/
  • Union Cynologique Nationale http://www.ucn-ev.de/
  • Union Cynologie International UCI e.V. - Weltverband der Kynologie http://www.uci-ev.de/
  • Union Canine Internationale, Sitz Brüssel
  • Uniona Cynologica International
  • Unite Cynologique Internationale
  • United Kennel Club International (UCI) e.V. Wiesbaden
  • VDHV / UCI Berlin
Dachverbände in Deutschland mit nationalem Anspruch (Auswahl):
  • Allgemeine Rassehunde Union e.V. (ARU)
  • Allgemeiner Club der Rassehunde e.V. (ARC)
  • Allgemeiner Deutscher Rassehund-Klub
  • Allgemeiner Klub für Rassehunde e.V. http://www.akr-hundeklub.de/
  • Allgemeiner Hundeclub Vlotho e.V. http://www.ahc-vlotho.de/
  • Allgemeiner Club der Rassehundefreunde e.V. http://www.acr-ev.de
  • Bayerischer Rassehunde Verband e.V. http://www.hunde-brv.de/maax/index.php
  • Club Rassehunde Hansbach e.V. (CRH)
  • Club allgemeiner Rassehunde Deutschlands e.V. (CARD)
  • Club für alle Rassehunde e.V. http://www.carev.com/
  • Club der Rassehunde e.V. http://www.cdr-ev.de/
  • Dachverband Deutscher Hundeclubs e. V. http://www.ddhc.de/
  • Dansk Deutsche Kennel Club http://www.ddkc.eu/
  • Delegierten Commission http://www.hundeverband-deutschland.de/
  • Deutsche Kynologischen Union e.V.
  • Deutscher Hundeliebhaber-, Zucht- und Sportverband e.V. http://www.eku-dku.de/dhz.htm
  • Deutscher Rassehunde Club e.V. (DRC) http://www.drc-soltau.de/
  • Deutscher Rassehunde Zuchtverband
  • Deutscher Rassehunde Verband
  • Deutsche Hundesport Union e.V. (DHSU) http://www.dhsu.de/
  • Kennel-Club Deutschland, Sitz Nürnberg
  • Korporation Deutscher Hundesportvereinigungen e. V. http://www.kdh-ev.de/
  • Norddeutscher Rassehunde Club e.V. http://www.nrc-ev.de/
  • Nationaler Rassehunde Club - Deutschland  e.V  http://www.nrcd.eu
  • Rassehunde Club Nordwest e.V. (RCN)
  • Rassehunde Club Deutschland e.V. (RCD)
  • Rassehunde Freunde Deutschland e.V. (RFD)
  • Rassehunde-Zuchtverband Deutschland e.V. RVD http://www.rassehunde-zuchtverband.de/
  • Schwäbischer Hundeverein 1982 e. V. http://www.hunde-shv-verein.de/
  • Verein deutscher Rassehunde e.V. (VDR)
  • Verein deutscher Rassehundezüchter e.V. (VDRZ)
  • Verein Deutscher Hundezüchter
  • Verein der Rassehunde-Freunde (VRF) e.V. http://www.vrfev.de/
  • Vereinigte Rassehunde-Züchter e.V. http://www.vrz-dhs.de/
  • Verein der Hundefreunde Hamburg e.V. http://www.hundefreunde-hamburg.de/
  • Verband deutscher Hundezuchtvereine http://members.dokom.net/u.siepmann/
  • Verband Deutscher Rassehunde
  • Verband Deutscher Rassehundefreunde e.V. Köln http://www.vdrev.de/

"Jeder gemeldete Hund erhält min. einen Pokal..."
(Bayerischer Rassehunde Verband e.V.)


Diese Liste der "Verbände" in der Hundezucht wird gelegentlich ergänzt.

Mittwoch, 24. März 2010

Schwarzbuch Hund

Gerade ist die zweite Auflage von "Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund" erschienen. Was hat sich geändert?

Der einzige bisher bekannte inhaltliche Fehler wurde korrigiert. In der ersten Auflage hatte es geheißen, dass beim Chavalier King Charles Spaniel durch die einseitige Selektion nach einem Gentest auf eine Herzkrankheit eine andere Erbkrankheit massiv befördert worden war. Mit dieser Aussage wurde ein bekannter Tiermedizin-Professor in einer seriösen Zeitschrift zititiert, was ich auch korrekt wiedergegeben hatte. Befreundete engagierte CKCS-Halter wiesen mich aber darauf hin, dass ein solcher Herz-Gentest bisher nicht verfügbar sei.

Es gibt zwar - wie zu erwarten war - auch "Kritiker", die vermeindliche inhaltliche Mängel des Schwarzbuches in den Raum werfen, einen konkreten Beleg für ihre Behauptungen aber regelmäßig schuldig blieben. Ansonsten bin ich sehr dankbar für inhaltliche Korrekturen, wenn dann nötig, da es mir nicht darum geht, "schwarz" zu malen. Leider ist die Realität so. Da braucht man nicht zu übertreiben.

Ansonsten habe ich an verschiedenen Stellen weitere Belege eingefügt und insgesamt die Quellenangaben erweitert und verfeinert. So kamen 16 Seiten hinzu, so dass das Schwarzbuch Hund nun auf 296 Seiten kommt.

Insbesondere bin ich mit Hilfe von Ruth Reheuser die ganze Rechtschreibung durchgegangen und hoffe, dass nun die vorhandenen Tippfehler korrigiert sind. Nochmal mein Dank an Frau Reheuser für die Unterstützung.

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem Dortmunder Appell, der Dokumentation hierzu und dem Schwarzbuch Hund ein Beitrag geleistet werden kann, tatsächlich eine Wende in der Hundezucht zum Wohle der Hunde einzuleiten. Unsere Hunde habe es allemal verdient. Erfreulich auch die fast durchweg positive Rückmeldung von Züchtern und Haltern von mittlerweile mehr als 70 Hunderassen. Ich habe den Eindruck, das Thema kommt langsam in der Öffentlichkeit an.

Inzwischen wurde ich zu einer Anhörung zur Novellierung des Tierschutzgesetzes in den deutschen Bundestag nach Berlin eingeladen und soll hierzu mündlich wie schriftlich Stellung nehmen. Diese Möglichkeit werde ich speziell zu den Themen Hundezucht und Hundehandel wahrnehmen. Ich werde hier öffentlich berichten.

Schwarzbuch Hund
Die Menschen und ihr bester Freund.
2. erweiterte Auflage März 2010
Paperback, kartoniert 296 Seiten
ISBN: 3837030636
EAN: 9783837030631
24,90 Euro

bei

Mittwoch, 10. März 2010

Durchbruch für Tierschutz in der Hundezucht?

S
eit Anfang 2008 gilt in Österreich ein neues Tierschutzgesetz. Zu den Zielen dieser Novelle zählt die Ausmerzung der Qualzucht bei Rassehunden sowie ein weitgehendes Verbot des Hundehandels. Beides Ziele, deren Umsetzung ein elementarer Gewinn für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Hunde darstellen würden.

Leider erfährt man aus den Medien, auch nicht aus der österreichischen Fachpresse, kaum einmal etwas zu den Auswirkungen dieses so wichtigen Schrittes in Sachen Tierschutz. Wir haben daher die österreichischen Sennenhunde-Züchterin Grete Stadlbauer, aktive Unterstützerin des Dortmunder Appells für eine Wende in der Hundezucht, ein paar Fragen gestellt:

Grete, welche praktischen Auswirkungen hat das neue Tierschutzgesetz auf die Hundezucht?

Grete Stadlbauer : Das Tierschutzgesetz wurde recht mutig in Angriff genommen und dann verwässert. Positiv ist trotzdem, dass sehr schwere Fälle besser verfolgt werden können. Das Betrifft vor allem das Platzangebot, die Bewegungsfreiheit und die Unterkünfte für Heimtiere. Bei der Qualzucht gibt es erst eine Handhabe wenn "starke Schmerzen" im Spiel sind. Eine genauere Auslegung von Qualzucht gibt es. Einige Rassen wurden genannt, die unter Qualzucht fallen. Züchterische Maßnahmen müssen aber erst bis 2018 umgesetzt werden. Das erste Jahr verging mit dem Ausfüllen von Fragebögen. Viele Züchter und Formwertrichter (in Österreich) sträuben sich, eine Veränderung vom Aussehen in Richtung natürlichere Proportionen und Vitalität zu forcieren. Die Verbesserung kann man bei bestimmten Rassen nur mehr mit Einkeuzungen erreichen, wenn eine Zeitspanne von 10 Jahren einzuhalten ist.

Beispiel: Tierschutzgesetz - 3. § 5 Abs. 2 Z 1 lautet:
k) Fehlbildungen des Gebisses- Rassen mit Nasenverkürzungen haben Gebissfehlstellungen. Das Äußere dieser Rassen muss sich verändern, wenn man die Deformationen zu bekämpfen hat. Bekommt so ein Hund die Zuchtzulassung?

Eine Verpflichtung, einen vernünftigen Standard an Vitalität zu erreichen, kenne ich nicht. Mehr an verpflichtenden Untersuchungen für Zuchthunde wird bei diversen Rassevereinen angestrebt, umgesetzt ist noch wenig. Wenn man bedenkt, jedes Jahr tritt eine neue Erbkrankheit auf, so sind die Gegenmaßnahmen zu langsam. Vereine und Laien können weiterhin nach ihrem Gutdünken verfahren.

Für uns persönlich war vom Tierschutzgesetz nur bemerkbar, dass unser Tierarzt sehr gestresst war. Der arme Mann musste, bevor wichtige Fristen verstrichen wären, noch schnell sämtliche Hunde "Chippen", Chips gingen aus, waren dann kurz nicht lieferbar... Die Strafen für Verspätete wären da übrigens mit 5 000? Euro recht happig. Da unsere Tiere bereits Chipträger sind, kann ich sagen, das Auswirkung eigentlich nicht spürbar waren.

Durch das Gesetz kam die Qualzucht mehr in die Öffentlichkeit und wir erleben immer mehr sehr gut informierte Kunden.

Grete Stadlbauer, Bio-Bäuerin - "Zucht in Balance"

Werden wir nach Ablauf der Frist in Österreich gesunde Rassehunde haben?

Grete Stadlbauer: Das Zuchtgeschehen dominieren Hobbyzüchter und Laien. Es wird wohl versucht, so weiterzumachen wie bisher. Die VetUniversität Wien hat mit dem Österreichischen Kynologenverband Strategien erstellt, die Umsetzung ist den jeweiligen Rasse Vereinen übertragen. Umgesetzt wird unter dem Moto: „Es wird heißer gekocht als gegessen

Ein Beispiel, das ich aus nächster Nähe recht gut erlebt habe: In einem Verein wurde die Lebensdauer von Berner Sennenhunden durch die Zucht nicht verlängert sondern auf zirka 7 Jahre verkürzt. Keine tief greifenden Maßnahmen und kein Kurswechsel wurde bis jetzt in Gang gesetzt. Die gesundheitlichen Überprüfungen orientieren sich noch immer am absoluten Minimum. Die Datenerfassungen sind unvollständig, die Züchter (Hobby) sind meist nur kurzfristig und unerfahren im Zuchtgeschehen. Die Selektion der Zuchttiere wird von Laien betrieben und orientiert sich mehr an persönlichen Ansichten als an Gesundheitsstandards.

Ein weiteres Beispiel: Der Entlebucher Sennenhund wird in Österreich vom FCI Verband als Qualzucht geführt. Nicht einmal dieser enorme Druck führt zu einem Umdenken. Vereins-Mitglieder wurden nicht einmal oder nicht ausreichend über diese Katastrophe informiert! Mit dem Glauben, man muss die Rasse erhalten, wurde/wird mit erbkranken Hunden weitergezüchtet.

Ein Umdenken bemerke ich bei den Käufern von Hunden. Das Thema Qualzucht ist dort besser angekommen. Unter Züchtern ist auch international eine Aufbruchsstimmung und Vernetzung bemerkbar. Immer mehr Züchter machen sich ihre eigenen Gedanken und nehmen ihre Verantwortung wahr und beschreiten neue Wege.

Sich blind auf Vereins organisierte Laien- und Hobbyzucht zu verlassen, bringt auch enorme Risiken, wenn im Vereinsgesetz das Tierschutzgesetz und Zivilrecht nicht mitberücksichtigt sind. Zivilprozesse mit Hundekäufern, die sich nicht mit der Erklärung abtun lassen - "jeder Hund kann Krank werden", können richtig teuer werden.


Was sollte deiner Meinung nach an dem Gesetz noch verbessert werden?

Grete Stadlbauer:
  • Laienzüchter müssen leider vom Gesetzgeber zu ihrem Glück gezwungen werden
  • Gesundheit, Wesen und Langlebigkeit…
  • Richtlinien von Zuchtvereinen, die jetzt schon verboten sind, halte ich für eine Anstiftung zu einer strafbaren Handlung.
  • Eine Definition, wer von vorneherein als Halter eines Tieres nicht in Frage kommt, wäre gut gewesen (§ 12. (2)); zum Beispiel für Personen die wegen Gewaltdelikten oder schwereren Suchtgiftdelikten bestraft wurden. Diese Einschränkung muss aber unbedingt mit Augenmaß geschehen.

Welche Auswirkungen hat das Gesetz auf den Hundehandel?

Grete Stadlbauer: Um den illegalen Welpenhandel in den Griff zu bekommen wurde der Verkauf von Hunden in Zoohandlungen wieder ermöglicht. Das war sicher nicht von Erfolg gekrönt, sondern scheint mir eher nach einem Zugeständnis für den Handel.

Vielen Dank Grete!


Kontakt:

Grete Stadlbauer
Hundehof Stadlbauer
Maierleiten 5
A-4201 Gramastetten
Tel.: +43 7239 8230
neu Gretes Blog: www.sennenhunde.at/blog


Donnerstag, 18. Februar 2010

Der Handel mit Nothunden

Ein slowakischer Kastenwagen mit nicht weniger als 62 Hunden wurde am 16. Februar 2010 in der Nähe von Nürnberg bei den Behörden angezeigt. "Zusammen mit der Polizei machten sich Mitarbeiter des Veterinäramtes und des Tierheimes auf den Weg und wurden fündig: In dem Kastenwagen waren hauptsächlich Rassehunde wie Retriever, Labradore, Möpse oder englische und französische Bulldoggen - zusammengepfercht in Käfigen auf einer Ladefläche von vielleicht acht Quadratmetern." berichtet die Hilpotsheimer Zeitung.
"Die Hunde - Welpen oder wenige Monate alte Jungtiere - konnten sich kaum rühren oder auch nur den Kopf heben, an Umdrehen war gar nicht zu denken", schildert Marcus König, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Nürnberg-Fürth und Umgebung e.V., die Situation.

Der eigentliche Skandal:

die Hunde waren von angeblichen Tierschutzorganisationen importiert worden. Diese wollen die Rassehunde in Deutschland gewinnbringend als Nothunde vermarkten.
Marcus König: "Vermeintliche Tierschutzorganisationen, die ihren Sitz in Deutschland haben, geben vor, diese Welpen aus osteuropäischen Tierheimen gerettet zu haben und verkaufen sie dann an deutsche Interessenten weiter. In Wirklichkeit wird da mit mafiaähnlichen Strukturen gearbeitet. Diese Organisationen bestellen die Jungtiere regelrecht in osteuropäischen Massen-Hundezuchten und verkaufen sie dann in Deutschland." (Hilpotsheimer Zeitung) Nach Angaben von Charitywatch stehen hinter solchen Transporten u.a. der ETN - Europäischer Tier- und Naturschutz e.V. oder Retriever in Not e.V.

Warum Nothunde importieren?

Der Vorfall in Nürnberg wirft ein Schlaglicht auf eine Seite des vermeindlichen Tierschutzes in Deutschland, die gerne ignoriert wird: das Geschäft mit den Nothunden. Nicht nur aus Osteuropa auch aus Südeuropa und den Kanarischen Inseln werden Nothunde in großem Stil nach Deutschland importiert. Für den Laien ist am Ende kaum zu unterscheiden, ob es sich nun um eine seriöse Tierschutzinitiative oder brutale Geschäftemacher handelt. Tatsache ist aber, dass auch große vermeindliche Tierschutzinitiativen den Nothund als Geschäftsmodell entdeckt haben. Dabei handelt es sich keineswegs nur um zwielichtige Vereine, nein es handelt sich auch um bekannte teils international aufgestellte Organisationen, die mit professionell gemachten Websites, offensiven Werbe- und Fundraisingaktivitäten und seriös wirkenden Vertretern daherkommen. Solche Organisationen streiten sich zuweilen regelrecht um die Vermittlung eines teuren Rassehundes, anstatt froh zu sein, dass sich überhaupt jemand darum kümmert. Marcus König schätzt den Gewinn auf 200 Euro pro Import-Hund. Wenn man das auf die 62 bei Nürnberg zusammengepferchten Hunde umrechnet so kommt man auf einen Gewinn von 12.400 Euro alleine mit einem Transport. Und in solchen Beträgen sind die durch Fundraising bzw. Spendensammlungen eingehenden Summen nicht enthalten.

Eine Variante des Hundehandels:
Der Handel mit Nothunden

"Tue Gutes und rede darüber" erscheint oft als Gedanke, wenn dann Promis mit tatsächlichen oder vermeindlichen Nothunden vor die Kameras treten - natürlich immer in landschaftlich sehr reizvoller Umgebung der Kanaren oder Mallorcas oder bei Talkshows. Auch hier muss man wieder die Frage aufwerfen, ob es überhaupt richtig ist, Hunde aus Süd- oder Osteuropa nach Deutschland zu importieren.
  • Zum einen ist die Gefahr groß, dass man letztlich nur den Hundehandel fördert.
  • Zum zweiten kann man nicht das Hundeelend der ganzen Welt am deutschen Wesen genesen lassen.
  • Zum dritten stellt sich die Frage, ob es überhaupt immer im Interesse der Hunde ist, sie ins gegenüber Hunden extrem restriktiven, dicht besiedelten Deutschland zu bringen und zudem dem mit dem Wechsel verbundenen Stress auszusetzen. Auch für die hiesigen Hunde bringt es nicht zuletzt nur eine Belastung mit neuen Krankheiten.
  • Last but not least sind die Tierheime und Notinitiativen in Deutschland selbst übervoll mit Hunden, die sich nichts sehnlicher Wünschen als die Vermittlung in ein neues Heim. Und hier kann man sich in aller Regel auch sicher sein, dass es um das Wohl der Nothunde geht.
"Das Gute liegt so nah."

(Anmerkung 12.03.2010: Natürlich gibt es auch die seriösen, um den Nothund bemühten, Initiativen, die ohne jegliche Profitinteressen aus Liebe zu den Hunden handeln. Und es gibt auch Erfahrungen, die z.B. den Galgo als hervorragenden Familienhund zeigen, der friedlich und anspruchslos auch in unseren Städten glücklich sein kann.)

Will man den Sumpf dieser Geschäftemacherei austrocken, so muss als Allererstes der Handel mit dem Hund als Ware verboten werden. Ein Hund sollte - in der Regel - nur direkt beim Züchter oder eben beim Tierheim gekauft werden dürfen. Desweiteren wäre es sehr sinnvoll, wenn auch die Züchter der Hunde die Verantwortung für ihre Rasse ernst nehmen würden, auch dann, wenn diese als Nothunde irgendwo auftauchen.

Dienstag, 9. Februar 2010

Die Hunde hängt man, die Halter lässt man laufen

Das Amtsgericht Hildesheim verurteilte am 8. Februar 2010 eine Hundebesitzerin zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Das Amtsgericht sprach die 40-Jährige der fahrlässigen Körperverletzung schuldig (dpa).

Im Mai 2009 hatten die beiden Rottweiler der Frau zwei Kleinkinder und deren Mutter schwer verletzt. Die Halterin hatte ihre Hunde unangeleint auf einem Spielplatz laufen lassen, einer hatte nicht einmal ein Geschirr um. Den sieben Monate alten Rüden hatte die Angeklagte erst vier Wochen vor der Beißattacke aufgenommen. Er war ohne jede Erziehung und nicht an Menschen gewöhnt, wie das Gericht feststellte. Soweit zu den Hunden.

Die Hundehalterin war zudem alles andere als ein juristisch unbeschriebenes Blatt. Nicht weniger als 18 Vorstrafen hat die ehemalige Drogendealerin vorzuweisen. Es stellt sich also die Frage, warum eine solche Person zwei so große Hunde halten kann und auch darf.

Die Nähe zu Hunden ist nachweislich vorteilhaft für die Resozialisierung ehemaliger Straffälliger und allgemein gut für ein psychisches Gleichgewicht. Insofern ist nichts gegen eine Hundehaltung durch diese vielfach vorbestrafte 40-Jährige einzuwenden, ganz im Gegenteil. Aber mussten es gerade 2 Rottweiler sein? Es darf gefragt werden, ob überhaupt eine solche Person große Hunde halten dürfen soll, die zudem noch aus einer problematischen Vorhaltung stammen. Aber solchen Fragen gehen weder das Gericht, die Behörden noch die Politik nach.

Bewährung für 18-fach Vorbestrafte - Maulkorb für alle Hunde

Ganz im Gegenteil. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) will anläßlich dieses Vorfalls ein schärferes Hundegesetz. Aber nicht dass einschlägige Halter angegangen werden, Leidtragende sollen wieder einmal die Hunde sein. Der Entwurf für ein verschärftes Hundegesetz sieht unter anderem eine Maulkorb- und Leinenpflicht für ALLE Hunde vor, die schwerer als 20 Kilogramm oder größer als 40 Zentimeter sind.

Das heißt also, wegen o.a. Vorfalls sollen alle Golden Retriever, Labrador, Sennenhunde, Collies, English Bulldogs, Boxer und dutzende weitere Hunderassen büßen, darunter zahlreiche Rassen, die noch nie hinsichtlich eines Beißunfalls aufgefallen sind!

Der politische Wahnsinn treibt seine Blüten

Wenn Hunde ständig außerhalb der Wohnung oder des Grundstücks einen Maulkorb tragen müssen, grenzt das zudem an Tierquälerei. Eine so unterschiedslose Regelung allein aufgrund äußerer körperlicher Merkmale zeugt nicht nur von fachlichem Unverstand vielmehr auch von vollständiger Ignoranz gegenüber den Interessen der Hunde.

Das Ganze ist auch deswegen so widersinnig, als dass solche verantwortungslosen Halter für gewöhnlich die letzten sind, die sich überhaupt um Gebote und Verbote scheren. Jeder einigermaßen normale Hundehalter hätte seine Rottweiler in der Nähe von fremden spielenden Kindern eh angeleint bzw. schon heute anleinen müssen.

Alle Erfahrungen der letzten 20 Jahre haben unisono gezeigt, dass Rasselisten oder phänotypische Pauschalkriterien rein gar nichts bringen. Erst im Oktober hatte die neue Koalition im Nachbarland Schleswig-Holstein ausdrücklich festgestellt, "...wollen die Bürgerinnen und Bürger vor verantwortungslosen Hundehaltern schützen. Die Rasseliste hat sich als nicht geeignet erwiesen und wird daher im Gefahrhundegesetz abgeschafft." (S.48)
Das unsägliche Pitbull-Gesetz der Niederlande wurde aus genau diesem Grunde erst 2008 zu Fall gebracht. Nicht zuletzt weisen Untersuchungen wie in den USA nach, dass Beißunfälle weit überproportional bei kriminell vorbelasteten Hundehaltern festzustellen sind (Ownership of High-Risk (“Vicious”) Dogs as a Marker for Deviant Behaviors, 2006 ).

  • Verantwortungslose Halter in die Verantwortung nehmen!
  • Haltungsverbot für große Rassen für einschlägig Vorbestrafte!
  • Wir brauchen Gesetze zum Schutz der Hunde vor verantwortungslosen Haltern und Züchtern!

Will man Gefahren durch Hundebisse minimieren, so geht der Weg einzig über die Halter sowie Züchter, Vermehrer und den Hundehandel. Davon aber will die niedersächsische CDU offenbar nichts wissen.

Anstatt nun gegen verantwortungslose Hundehalter ernsthaft vorzugehen und z.B. ein generelles Verbot der Haltung von großen Hunden für einschlägig Vorbestrafte auszusprechen, werden erst einmal wieder die Hunde sanktioniert. Die müssen ausbaden, was eine 18-fach Vorbestrafte angerichtet hat. Das Amtsgericht Hildesheim sprach aber auch hier wieder einmal lediglich eine Bewährungsstrafe aus, Vorstrafe Nummer 19 - d.h. ohne jede praktische Konsequenz für die Hauptverantwortliche.

Stattdessen sollen in einem unqualifizierten Rundumschlag alle Hunde und Hundehalter in die Verantwortung genommen werden. Die Hunde sollen ausbaden, was fragwürdige Menschen angerichtet haben. Greifbare Gesetze gegen Hundehandel, verantwortlungslose Hundehalter, Züchter, die ihre Welpen nicht oder nur schlecht sozialisieren sucht mal allerdings weiterhin vergebens.
 
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