Mittwoch, 4. November 2009

A Healthier Future for Pedigree Dogs

Ende 2008 hat das britische Parlament seinen Ausschuss für Tierschutz damit beauftragt, die gesundheitliche Perspektive in der Rassehundezucht zu untersuchen. Anfang November legte dieser nun seinen Bericht vor: A Healthier Future for Pedigree Dogs report.

Die Times schreibt:
"Der Bericht des nach dem Crufts Skandal eingesetzten Ausschusses fordert Gesundheitszeugnisse für Welpen.

Welpen sollen nur mit einer vollständigen medizinischen Anamnese ihrer Vorfahren verkauft werden können, damit neue Eigentümer vor dem Risiko genetisch bedingter Erkrankungen gewarnt werden.

Die Abgeordneten werden empfehlen, dass alle zukünftigen Verkäufe von einem Vertrag begleitet sein müssen, in dem festgehalten wird, dass die Eltern des Hundes vor dem Zuchteinsatz Gesundheitskontrollen unterzogen wurden, um sicher zu stellen, dass die Welpen frei von genetisch bedingten Erkrankungen geboren werden.

Die Mitglieder des parlamentarischen Ausschusses für Tierschutz befürworten, dass die Züchter durch eine tierärztliche Bescheinigung belegen, dass die Eltern des Hundes vor der Verpaarung auf Gesundheitsprobleme untersucht wurden.

Weitere Empfehlungen schließen ein:
  • ein gesetzliches Limit für die Zahl der Deckeinsätze eines Rüden, um Inzucht zu verhindern;
  • stichprobenartige Kontrollen bei Züchtern;
  • Mikrochip-Kennzeichnung aller Rassehunde;
  • Gesundheitstests von Championhunden vor Zuerkennung der Titel;
  • Leitlinien zur Information der Käufer, worauf bei der Suche nach einem gesunden Hund zu achten ist.
Die neuen Regeln sollten für alle Welpen gelten, die als Haustiere verkauft werden, egal ob sie von einem im Kennel Club registrierten Züchter, einem gewerbsmäßigen Züchter oder jemandem stammen, der die Hundezucht als Hobby zu Hause betreibt."

(Danke für den Hinweis und die Übersetzung an Elke Grabhorn.)

Wenn man sich demgegenüber die Praktiken selbst im VDH organisierter Züchter anschaut, so gibt es in dieser Frage in Deutschland noch viel zu tun.

Dienstag, 3. November 2009

Ein Buch, das endlich eine Lücke füllt

Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund - Aktuelle Rezension von Sybilla Wunderlich, Wolf Magazin:

Der Autor Christoph Jung studierte Biologie und Psychologie und hat nach eigenen Angaben 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet. Herausgekommen ist ein Buch, das endlich eine Lücke füllt. Ein hervorragend recherchiertes Buch, das dem Hundeliebhaber die aussagekräftigen Argumente und Fakten liefert, um einem Hundehasser die Augen über das Verhältnis Mensch zum Hund zu öffnen.

Christoph Jung nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt Ross und Reiter! Er durchleuchtet die Beziehung des Menschen zum Hund von seinem Beginn bis heute.

Er prangert die Bedingungen der heutigen Hundezucht an und zeigt auf, dass selbst die Qualität eines Staubsaugers oder MP3-Players schärferen Kontrollen unterliegen, als die Kontrollen und Qualitätsmanagement bei der Zucht und Gesundheit des Rassehundes. Aufklärung zu haarsträubenden Verhaltensweisen bei FCI und VDH folgen.

Er macht dem Leser bewusst, was für riesige Geschäfte mit der Ware "Hund" - nämlich gut fünf Milliarden(!) - getätigt werden von den Nahrungsmittelmultis, Tierärzteschaft, Pharmakonzerne, Züchterlobby etc. Dass das Wohl der Hunde dabei erschreckend oft keine Berücksichtigung findet, erschüttert den Leser. Es gibt keine Institution im Hundemarkt Deutschland, die originär ein vitales Interesse an einem gesunden Hund hat. Der Staat lässt die Akteure gewähren, und die Politiker nehmen den Hund ins Visier, um Reglementierungen, Verordnungen und Gesetze zur Verschärfung der Lebensbedingungen der Hunde zu erlassen.

Es wird die Rolle des Hundes in der heutigen Gesellschaft aufgezeigt, die sich veränderte vom Nutztier des Jägers, Bauern, Händlers und Handwerkers zum Nutztier der menschlichen Psyche, zum Nutztier für seine Erholung und Erheiterung, zu einem Stück Anker in der Natur.

Aber wie passt die Rolle des Hundes in das Zeitalter des selbstgerechten Konsum- und Profitdenkens des Menschen, der sich die Erde ohne Respekt vor der natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen untertan machen will? Ein Denkanstoß für alle Menschen, ob Hundeliebhaber oder Gegner. Wir können Herrn Jung dankbar sein für dieses Buch und hoffen, dass es viele Menschen lesen!


Sybilla Wunderlich in der aktuellen Ausgabe des Wolf Magazin (3/2009); Veröffentlichung hier mit freundlicher Genehmigung der Chefredakteurin Elli H. Radinger

weitere Rezensionen:

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Keine Haftung für kranke Zuchtprodukte

Viele Hunderassen sind durch jahrzehnte lange Versäumnisse der Zucht mit ernsthaften Erbkrankheiten belastet. Bei manchen Rassen finden sich kaum noch genetisch gesunde Hunde und viele Rassen sind sogar durch ein ganzes Bündel von Erbkrankheiten belastet; alles Versäumnisse der Zucht.

Wird ein Welpe verkauft, so handelt es sich um ein ganz normales Geschäft nach dem BGB. Der Welpe ist juristisch die Ware für die dann selbstverständlich auch die für Waren üblichen gesetzlichen Gewährleistungsrechte und-pflichten gelten. Das heisst, erhält ein Welpenkäufer einen Hund, der zum Verkaufszeitpunkt bereits krank war, so muss der Verkäufer, bzw. Züchter als Produzent der Ware Hund, dafür gerade stehen.

Kranke Hunde züchten - aber bitte ohne Gewähr

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit und zumindest eine Frage des Anstands sein, dass ein Verkäufer auch für die Mängel an dem verkauften Gut gerade steht. Nicht so beim Hund. Mit verschiedenen Methoden versuchen sich insbesondere solche Züchter aus der Verantwortung zu stehlen, die die krankesten Hunde züchten. Und dieser Haftungsausschluss hat System, wird sogar von ganzen Zuchtvereinen und Dachverbänden bewusst organisiert. Alles natürlich nur aus "Liebe zum Hund" und auf den bunten Webpages werden genau diese Krankheiten verheimlicht oder schön geredet.

So erklärt die Justiziarin und Mitglied der Satzungskommission des VDH, Rechtsanwältin Claudia Marienfeldt, ganz offen:

"Gebrauchen Sie Allgemeine Geschäftsbedingungen, also sog. Musterverträge, so ist z.B. beim Verkauf eines Welpen, also einer neu hergestellten Sache (nach einem Gerichtsurteil ist ein 9 Wochen alter Welpe eine neu hergestellte Sache) der Ausschluss der Gewährleistungsrechte des Käufers nicht möglich ! ...
Die an sich in Deutschland bestehende Vertragsfreiheit wird beim Hundekauf nicht nur durch die neuen Regelungen zum sogenannten Verbrauchsgüterkauf (falls der Züchter ein Unternehmer i.S. des BGB ist) sondern auch bei Verwendung von sog. Allgemeinen Geschäftsbedingungen eingeschränkt.
Der Züchter kann zumindest die letzte Einschränkung selbst vermeiden, in dem er immer individuell den Kaufvertrag mit seinem Käufer aushandelt.

Dies ist allein der Grund dafür, dass der VDH keine sog. Musterverträge verfasst und seinen Mitglieder zu Verfügung stellt."

( VDH-Website , Hervorhebung durch den Autor, siehe auch hier )

Alleine im VDH werden täglich etwa 250 Welpen vermarktet. Für Autos bietet der ADAC selbstverständlich Musterverträge, um seriöse, den Interessenausgleich respektierende Käufe und Verkäufe zu ermöglichen - bei Autos. Der VDH, immerhin als Interessenvertretung aller Hundehalter firmierend, lehnt eine solche Hilfestellung bewusst ab - beim Hundewelpen.

Screenshot vom 13.10.09 vom offiziellen Forum des Verbandes Deutscher Kleinhundezüchter im VDH

Es gibt auch "Tricks", sich der Gewährleistung für die eigenen Zuchtprodukte zu entziehen wie z.B.:
  • in den Kaufvertrag direkt reinschreiben, dass es sich um ein möglicherweise krankes Tier handelt (meist etwas verklausuliert)
  • Rückgabeverpflichtung bei Krankheit gegen Ersatzwelpen; hier wird darauf spekuliert, dass der Käufer sein Tier liebgewonnen hat und es nie zurückgibt (zumal manche Züchter durchblicken lassen, den kranken Welpen zu euthanasieren) und dann eben keine Kosten oder Schadensersatz einklagen kann
  • in den Kaufvertrag den Verweis auf haustierärztliches (Gefälligkeits-) Gutachten reinschreiben, dass das Tier 100% gesund übergeben wurde; durch ein solches Gutachten wird dem geschädigten Welpenkäufer eine Inhaftungnahme erschwert
Verführer beim Welpenkauf

Das Ganze basiert zudem auf dem Effekt, dass die Leute ob der Ausstrahlung des Welpens, den sie kaufen wollen und vielleicht gerade im Arm haben, nicht so genau ein mehrseitiges Vertragswerk durchlesen, in dem o.g. steht, und einfach unterschreiben. Eurasier-Züchter Johann Bucher hat bereits auf diesen nicht zu unterschätzenden psychologischen Aspekt beim Geschäft mit dem Hund aufmerksam gemacht.

Züchter, die nicht zu der Gesundheit der von ihnen verkauften Welpen stehen, demonstrieren neben fragwürdiger Geschäftspraxis auch nur, was sie und ihr Zuchtverein wirklich praktisch für die Gesundheit ihrer Hunde tun.

Mehr zum Thema im "Schwarzbuch Hund: Die Menschen und ihr bester Freund"

p.s.:
Viele Züchter lehnen die oben beschriebenen Tricks und Methoden ab. Ich selbst haben im Frühjahr 2008 einen Welpen bei einem VDH-Züchter gekauft. Der Kaufvertrag bestand dabei aus nur einer Seite, die wiederum im wesentlichen aus den Daten von Hund, Käufer und Verkäufer bestand. Auch gibt es Züchter, die den Kaufvertrag vorher zuschicken oder auf ihrer Webseite veröffentlichen, damit man ihn sich vorher in Ruhe durchlesen kann.

Dienstag, 29. September 2009

Do-Khyi - Anschauungsmodell heutiger Zucht

Nachdenkliches von Ruth Reheuser

Solange ich denken kann begleiten mich Hunde durch mein Leben. In der Zwischenzeit sind das fast 45 Jahre. Wir, meine Familie und ich, haben ausgebildet und auch ab und zu ausgestellt, uns engagiert, sowie kurze Zeit gezüchtet. Die Zucht haben wir bald eingestellt. Es lag uns nicht Sporthunde, welche für eine Zwingerhaltung tauglich erklärt werden, abzugeben. Um unserer heutigen Rasse etwas, von dem was wir noch erhalten haben, zurückzugeben hatten wir uns ausführlich auf einen Wurf zum Erhalt einer alten Seitenzuchtlinie vorbereitet. Dieses haben wir inzwischen eingestellt.

Gerade in der Zeitschrift Der Spiegel, Nr.36/31.08.09, gelesen in dem Artikel "Schlechtes Blut" über arrangierte Ehen zwischen Verwandten beim Menschen:
"Laut einer Erhebung aus der Praxis für Pränataldiagnostik von Prof. Dr. Rolf Becker und Prof. Dr. Dieter Wegner in Berlin waren von 500 geborenen Kindern aus Ehen unter Verwandten 35 Kinder schwerstgeschädigt…. Bei Verwandten-Ehen über mehrere Generationen steige das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, im Einzelfall mitunter auf 25%...
Selbst bei "konsanguin" (blutsverwandt) bezeichneten Beziehungen dritten Grades (z.b. Nichte x Neffe), kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Manche leiden an seltenen Erbkrankheiten, an Schwerhörigkeit, Epilepsie oder Muskelschwund, oder die Lebenserwartung sinkt…
"

Seuche Inzucht

Soweit zum Menschen. Es ist ja nicht so, dass keine ausreichenden Kenntnisse über die Auswirkungen von Inzest vorhanden wären!
Vor diesem Hintergrund müssen wir auch unsere Hundezucht betrachten!
Der Do-Khyi

Noch vor 20 Jahren haben mich solche Gedanken nicht beschäftigt. Dann habe ich den Do-Khyi kennen gelernt. Eine ursprüngliche noch gesunde Rasse, so kann man es auch heute immer noch unverändert lesen. Ich liebe diese Hunderasse, deren Wesen, ihre Art sich mit ihrem Halter geistig zu messen …ihn herauszufordern und in Frage zu stellen!

Gesunde Hunde in einen "Standard" gezwängt

Nur: War diese jemals gesund; bei dem Start in Engzuchtpraxis war man sofort bemüht, den Standard auf kürzestem Weg zu erreichen. Der Rasseaufbau ab 1979 in Geschwister- und Eltern zu Kindern-Verbindungen. Früh waren die ersten Champion-Titel erreicht. Mit diesen Linien wurde eng, in Engzucht oft in 2. Generation (Großeltern zu Enkeln), weiter gezüchtet. Darf man es zulassen, dass manche Züchter die Zucht einer Rasse nur als eine Art "kreativen Schöpfungsakt" betrachten? Kreativität im Sinn eines Gemäldes, beschäftigt nur mit gut zu vermarktenden, als schön empfundenen Äußerlichkeiten und Rassebeschreibungen? Schönheit liegt in der Ansicht des Betrachters.

Gigantismus und Übertreibungen

All dessen ungeachtet geht meine Rasse heute den Weg in den Gigantismus, wird die übermäßige Faltenbildung bei tief liegendem Auge, Lefzenbildung, übermäßige Behaarung und mangelnde Winkelung der Hinterhand erzielt, auch wenn der Standard erst vor 3 Jahren etwas "genauer definiert" wurde…
Die Verantwortlichkeit für den Erhalt dieser und vieler Rassen, den Erhalt von Gesundheit und Vitalität jedes gezüchteten Einzeltieres, lediglich von oben bis nach unten zum Züchter durchgereicht? Die Verantwortung für das unversehrte Wohlergehen in Gesundheit und Fähigkeiten der einzelnen Tiere, der Rassehunde allein der "Zulassung durch seinen Züchter" überlassend?
Ein Mehr an Offenheit und Zusammenarbeit beim Mangel derselben ist, vor dem Hintergrund der Einzelschicksale der 25 -50% Hunde aus Verwandtschaftszucht ersten Grades, welche (wie beim Menschen) behindert oder schwerstgeschädigt auch beim Hund geboren werden, zwischen Züchtern nicht immer möglich.

Die Kultur nicht ehrlich und engagiert zusammen an der Lösung von Zuchtproblemen arbeiten zu können liegt wahrscheinlich darin begründet.
Kann das überhaupt funktionieren auf diesem Weg Hunderassen "zu erhalten"?
Darf dieses System der Zucht die Möglichkeiten seiner Züchter - ein Ausweichen ins Ausland nach z.B. Ungarn oder wie im Fall des Do-Khyi nach China - hinnehmen, um nicht zur Zucht taugliche Tiere doch noch in der Zucht zu halten? In und aus Staaten, welche nicht einmal ein Tierschutzgesetz kennen…(?) Deutschland ist in der Hundezucht keine Insel und so wird mit solchen Nachkommen, auch hier bei uns, weiter gezüchtet.
Ruth Reheuser mit Acky, der mit nur 19 Monaten eingeschläfert werden musste - nach über 250 fokalen und generalisierten Epilepsieanfällen alleine innerhalb seiner letzten 10 Lebensmonate


Tierschutz in der Zucht?

Offenes Nennen von Erkrankungen, bei einzelnen Rassevertretern durch deren Halter, als eine Art der Nestbeschmutzung empfindend, fehlt die Einsicht der Verantwortlichen in Notwendigkeiten, offen mit Problemen die in der Zucht auftauchen können umzugehen und eine Lösung, die auf der Höhe der Zeit ist, herbeizuführen. Leider sind einige Züchter nicht immer ehrlich im Umgang mit Schwächen ihrer Rassen und so kommt es, dass wirkliche Bemühungen um Fortschritt, bei der Identifikation, Einschätzung und Erkennung in der Erblichkeit von Krankheiten, von anderen Menschen endlich engagiert vertreten werden müssen!

Lebenslange Pflegefälle


Unserem gesellschaftlichen System auf wirtschaftliches Wachstum entsprechend werden, nach Bedarf, heute für betroffene Hunde künstliche Gelenke, Linsenoperationen und Medikationen angeboten. Ist es noch vertretbar in unserer globalen Gesellschaft, in welcher 20 € für lebenserhaltende Medikamente für Menschen fehlen, auf die doch vorliegenden guten Behandlungsmöglichkeiten, solcher Art vermeidbarer Erkrankungen, beim Hund hinzuweisen?
Es ist nicht dem Rassehundezuchtgedanken in seinem Grundsatz entsprechend, dass Halter nach Kauf eines Rassehundes eine Art Dauerpflege an diesem, als Familienmitglied empfundenen Lebewesen, vornehmen müssen. Der Einsatzzweck, die Lebensfunktionalität des Rassehundes, muss in jedem einzelnen Fall erhalten bleiben.
Wie am Beispiel eines Do-Khyi, welcher an Epilepsie erkrankt war, darf eine Zucht nicht billigend in Kauf nehmen, Hund und Halter im Glauben allein nur an medizinische Möglichkeiten, in der gesamten Lebensgestaltung zu einer Geisel der Erkrankung und des kreativen Schöpfergefühles seiner Zucht werden zu lassen!
Kreativität und Visionen in der Zucht von Hunden müssen einer, dem Tier gerecht werdenden und von der Zucht unabhängigen, Kontrolle zugeführt werden!

Einen weiteren, wichtigen Punkt stellt die Vermarktung und Bewerbung unserer Hunde dar. Diese ist eine der Hauptursachen für die zunehmende Unsicherheit, Angst und Verärgerung gegenüber Hunden und Haltern in der Öffentlichkeit. Hier muss die Sachkunde eines jeden Züchters, Hunde ihrer Art entsprechend, nur in kundig zu machende Hände zu geben, hinterfragt werden. Das nicht nur, sondern auch gerade bei *spezialisierten* und auf Arbeitseigenschaften gezüchteten Rassen! Der Versuch Halter von Rassehunden über Zuchtverbände- oder Vereine in organisierter Sachkunde und Kenntnis ihrer Rasse zu beschulen erreicht, unbesehen vom tatsächlichen Erfolg derselben für die Gesellschaft, nicht einmal annähernd die Masse der Hundehalter.

Unsere Hunde brauchen eine Vertretung ohne absatztechnische Interessenskonflikte! Hundehalter brauchen zutreffende Informationen und Sachkunde über den Hund und dessen grundsätzlichen Bedürfnisse welche ohne Absatzverlustgedanken vermittelt werden!
Aus diesem Grund unterstütze ich auch den Dortmunder Appell und hoffe auf eine grundlegende Wende in der Hundezucht!

Ruth Reheuser

Links

Montag, 21. September 2009

Hundefutter das krank macht

In jedem Supermarkt, bei allen Discountern oder Drogeriemärkten, hat Hundefutter heute seinen festen Platz in den Regalen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass man damit gutes Geld machen kann, selbst gemessen an den Ansprüchen von Konzernen wie Aldi, Lidl oder Rewe. Auch bei den Herstellern, der Nahrungsmitteldindustrie, hat sich längst herumgesprochen, dass die Nahrung auch für Hunde ein sehr profitables Geschäft ist. Nestlé und Mars, weltweit führend bei der Herstellung von Fertigfutter für Menschen, sind mit Pedigree, Royal Canin, Purina &Co, auch die führenden Hersteller von Fastfood für Hunde. Der Erfinder des Schokoriegels Mars ließ es sich allein 1,5 Milliarden US-Dollar kosten, die Marke Royal Canin zu kaufen, die größte Konzerninvestition bis dato. Alleine mit Futter und Zubehör setzt die Branche weltweit mehr als 50 Milliarden Euro um.

Der Hund spült 1,2 Milliarden Euro im Jahr alleine in Deutschland für Fastfood ein, so die göttingener Wirtschaftswissenschaftler Ohr und Zeddies (2006). Weitere 600 Millionen werden aber noch am Fertigfutter vorbei für Hundenahrung ausgegeben, oft relativ naturnahes Futter. Um diesen Topf streiten sich die Fastfood-Hersteller und Discounter erbittert. Um diese noch unerschlossenen Marktanteile zu kontrollieren, wird auch immer wieder das Gerücht gestreut, natürliche Nahrung sei ungesund für unsere Hunde. Den Multis verbundene Tierärzte und Hundeprofis gibt es für solche "fachkundigen" Statements freilich genug, sponsorn doch Mars &Co praktisch jede Veranstaltung der Szene, fast alle Hunde-Magazine und TV-Sendungen wie auch etliche Lehrstühle der Veterinäre.

Mitte September erscheint nun ein Artikel im Spiegel mit dem Titel "Hungeranregendes Haustierfutter - Fett dank Zusatzstoffen". Der Spiegel führt aus: "Dass von denen (den Heimtieren) aber so manches eine ganz und gar artfremde Fressgier entwickelt, liegt womöglich daran, dass viele Tierfutter es locker mit so mancher Menschennahrung aufnehmen können, was die Zusatzstoffe angeht. So will die Tierfutterindustrie neue Zusatzstoffe gefunden haben, mit denen sich der Appetit von Hunden und Katzen künstlich steigern lässt, berichtet der SPIEGEL. Die Enzyme der dänischen Firma Novozymes etwa verdoppeln offenbar den Hunger von Testhunden und Testkatzen auf das ihnen angebotene Fressen. Zum Einsatz kommen Enzyme mit sperrigen Namen wie Protamex oder Novo Pro D."

Und die Realität ist wirklich haarsträubend. Kristina Peter weist darauf hin, dass zahlreiche, auch bedenkliche Inhaltsstoffe laut EU-Verordnung erst gar nicht ausgewiesen werden dürften. Dies wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium damit begründet, dass soviele Zusatzstoffe im Futter sein könnten, dass eine Kennzeichnungspflicht nicht praktikabel sei. Auch Professor Winfried Drochner vom Institut für Tierernährung der Uni Stuttgart-Hohenheim kritisiert die zahlreichen Zusatzstoffe in Futtermitteln. So werde etwa der Geschmacksverstärker Glutamat gezielt eingesetzt, um die Akzeptanz der Hunde zu erhöhen. Damit legen Hunde ganz im Sinne der Hersteller Präferenzen an. Veterinärkritiker Klaus Dieter Kammerer schlussfolgert in "Schwarzbuch Hundefutter": "So schaffen sich die Tierfutterhersteller ganz innovativ selbst den Markt für ihre neuen Produkte und liefern der von ihnen umworbenen Tierärzteschaft auch gleich die Patienten mit."

Die Hersteller bieten zwar regelmäßig ausführliche Tabellen über die im Grunde chemische Zusammensetzung ihrer Produkte, was aber nur ansatzweise etwas zur tatsächlichen Qualität aussagt. Die eigentliche Herkunft der Lebensmittel, deren konkrete Ausgangsprodukte und Herstellungsverfahren sind ebenso regelmäßig intransparent gehalten und werden hinter glatten Marketingfloskeln versteckt. Der meist viel zu hohe Weizenanteil ist den Entsorgungsbedürfnissen der Humansparte geschuldet. Positive Ausnahmen meist kleinerer Hersteller bestätigen die Regel.

Wollten wir uns selbst ein Leben lang nur mit Fastfood ernähren?


Es ist auch die Frage, warum wir bei der Ernährung unseres Hundes auf die Konzerne vertrauen sollen, die uns schon beim Menschen denaturierte, mit Zucker, billigen Fetten und Glutamat vollgepumpte und möglichst auch per Gentechnik oder Imitate "veredelte" industrielle Produkte als gesund verkaufen will. Auch wenn es genug Wissenschaftler gibt, die uns weis machen wollen, Fleisch, Knochen, Innereien seien ungesund für den Hund, so sollte sich doch jeder die Frage stellen, ob er sich selber und seine Kinder ausschließlich und ein Leben lang mit Fastfood aus dem Hause Nestlé, Mars und Co ernähren würde.

Mehr zu diesem Thema in:
 
Petwatch Blog