Sonntag, 23. Dezember 2012

2013 - Petwatch bleibt online!

Petwatch ist wieder online und bleibt es auch! Im August hatte ich die Artikel auf Petwatch und Bulldogge.de offline gestellt. Zu massiv waren die Verleumdungen und Bedrohungen an Leib und Leben gegenüber mir und meiner Familie (einschließlich meiner Hunde) geworden - von so genannten Tierschützern! Mehrere Schergen dieser unter dem Label des "Tierschutzes" agierenden Hundehandelsmafia werden nach zahlreichen zivilrechtlichen Verurteilungen inzwischen auch strafrechtlich verfolgt. Trotzdem: Die Justiz scheint diejenigen zu schützen, die verleumden und Gewalt androhen; man muss wohl erst "mit dem Kopf unterm Arm" ankommen, um von den Staatsanwaltschaften ernst genommen zu werden.

Heimtierindustrie gegen Reformen

Noch ernüchternder ist die Tatsache, dass etablierte TV-Sender, trotz detaillierter positiver Kenntnis solcher widerrechtlichen Aktivitäten, mit führenden Kräften dieser Hundemafia zusammenarbeiten und diese als Tierschützer propagieren. Hier schließt sich der Kreis zu den überaus einflussreichen Werbepartnern, die so manche Tiersendung begleiten. Die großen Agrar- und Tierfutterproduzenten haben ebensowenig ein Interesse an den von Petwatch immer wieder geforderten Tierschutzstandards wie die international agierenden Hundehändleringe. Es geht um einen Markt, der alleine in Deutschland ein Volumen von 5 Mrd Euro pro Jahr hat - die "schwarz" laufenden Geschäfte noch nicht einmal berücksichtigt.

Hauptsache Profit


Im "Schwarzbuch Hund" habe ich nachgewiesen, dass mit dem kranken Hund wesentlich mehr Profit gemacht wird, als mit dem körperlich wie mental gesunden, robusten, langlebigen. Industrie wie auch Veterinäre haben ein objektives Interesse an kranken und zudem möglichst vielen Hunden. Das ist ihr Markt. Dabei ist allerdings entscheidend, dass die Konsumenten in Vertrauen und Convenience Stimmung die industriellen Fastfood-Produkte kaufen, am besten gleich das besondere Rasse-Spezial- oder Diät-Futter. Das heißt natürlich keineswegs, dass nicht der einzelne Züchter, Veterinär oder Futtermittelproduzent wirklich ehrlichen Herzens um gesunde Hunde bemüht ist. Aber es ist eine objektive Gesetzmäßigkeit der Ökonomie, dass der "kranke Hund" mehr Profit abwirft - solange die Halter unkritisch mitmachen. Solche ökonomischen Gesetze wirken elementar und ziehen die entsprechenden Menschen magisch an. Der Profit sprudelt zudem um so leichter, je weniger es Regeln zum Schutz der Hunde gibt. Der Hundemarkt ist vom Gesetzgeber her in der Praxis vollkommen unreguliert. Das so genannte Tierschutzgesetz ist keine Waffe gegen Qualzucht, Inzucht, Zucht mit schweren Erbkrankheiten oder Hundehandel. Es ist totes Recht. Der Profit sprudelt umso besser, je weniger es echte Kontrolle gibt, je intransparenter Hundezucht und Hundhandel agieren können, aber vor allem auch je mehr die Halter, Welpen-Käufer, die Verbraucher wegschauen und im medial propagierten Dünkel hoher deutscher Tierschutzstandards unkritisch konsumieren.

Schon 1978 wies Heiko Gebhardt in seinem Buch "Du armer Hund" auf die Kalkulation der Hundefutterindustrie in Sachen Hundehandel hin: "Auf jeden Versuch, den Hundeboom zu drosseln, wird wütend reagiert. Als der Verband für das Deutsche Hundewesen eine Kampagne gegen den wilden Hundehandel startete, drohten Futtermittelfabrikanten dem Vereinsblatt Unser Rassehund mit Anzeigenstopp."
Die großen Konzerne beobachten ganz genau die Entwicklung des Marktvolumens und sind naturgemäß an einer Ausweitung desselben ständig interessiert. Und so berichten TV-Sendungen wie das von Mars gesponserte HundKatzeMaus jede Woche ausführlich von den guten deutschen Tierschutztaten - Hauptsache der Tatort ist irgendwo anderswo. Begleitet wird dieses Medienmanöver von Promis, Möchtegern-Promis und Show-Tierschützern, getreu dem Motto "Tue Gutes und rede darüber"
. (Zitat aus "Rassehund am Ende?")

Einziges Marktsegment in der EU ohne Regulierung

Der Hunde- / Pet-Markt und speziell die Hundezucht ist das wohl einzige Marktsegment der EU, das praktisch keinerlei Regulierung unterworfen ist. Dieser Verzicht der sonst so eifrigen Brüsseler und Berliner Bürokratie auf Regulierung ist dem Einfluss der Agar-, Nahrungs- und Vet-Lobby geschuldet. Das trifft ebenfalls die Interessen der Show-Züchter, Vermehrer und Hundehändler, die so faktisch ungestört ihrem Treiben auf Kosten der Hunde nachgehen können. Als die Bundesregierung im Januar 2012 den Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes vorstellte, protestierte der "Verband für das deutsche Hundewesen" und die meisten Hundezuchtvereine gegen das darin enthaltene Ausstellungsverbot für Qualzuchten. Und es dauerte gerade bis zum Herbst, als diese Regelung gestrichen war.

Gesetzeslage: Wer angelt braucht mehr Fachkunde

Wer einen Angelschein haben will, muss sich aus gesetzlicher Sicht wesentlich härteren Prüfungen und Kontrollen unterwerfen als jemand, der Hunde handeln, züchten oder gleich einen Hundezuchtverein gründen will. In Deutschland darf JEDE(R) - ohne irgendeinen Nachweis der Fachkunde, ohne irgendeine echte Kontrolle - Hunde züchten und sogar "Weltverbände" der Hundezucht gründen. Solche Hundezuchtvereine dürfen in eigener Regie Zuchtregeln aufstellen, Championate vergeben und "Papiere" ausstellen - ganz legal und wie gesagt ohne irgendeine behördliche Kontrolle. Über eine exotische Spinne muss exakt Buch geführt, Herkunft, Haltung und Verkauf behördlich gemeldet bzw. nachgewiesen werden. Für Hundezucht oder Hundehandel gibt es keinerlei solche Pflichten (Hundesteuer und so genannte Kampfhunde mal außen vor). Das ist eine einzige Schutzzone für sprudelnde Profite und schmutzige Geschäfte auf Kosten der Hunde.

Petwatch - No Surrender!

Ich habe nach Schließung von Petwatch zahlreiche besorgte Mails erhalten, die Verständnis für meine Haltung aber zugleich die Sorge ausdrückten, dass die Hunde eben eine Lobby brauchen, die sich für deren Interessen einsetzt. Ich habe nie mein Engagement für das Wohl der Hunde infrage gestellt. Aber man muss auch die Realitäten und Kräfteverhältnisse anerkennen. Gegen die Macht der Industrie, deren Lobby-Einfluss in Politik und Medien kann man als Einzelperson oder kleine Gruppe nicht bestehen. Entsprechend werde ich versuchen, mit den künftigen Veröffentlichungen auf Petwatch und an anderer Stelle - diesem geschuldet - trotzdem nach besten Kräften weiterhin eine Lobby für unsere Hunde und die besondere Partnerschaft Mensch - Hund zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen Petwatch-Lesern und -Autoren ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2013!

Ihr

Christoph Jung



Dienstag, 21. August 2012

Petwatch in eigener Sache

Seit 2007 war Petwatch nun online mit knapp 200 Artikeln. Spätestens seit Erscheinen von "Schwarzbuch Hund" und dem "Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht" nahmen die Angriffe auf Petwatch zu. Versuche mit juristischen Mitteln, mich und mein Engagement für die Partnerschaft zum Hund mundtot zu machen, scheiterten allesamt. Argumentativ hatten meine Gegner eh niemals einen Stich gemacht, denn für Hundehandel oder Qualzucht gibt es keine ehrlichen Argumente.

Seit nunmehr 2 Jahren massiv verstärkt, wurde daher mit illegalen Mitteln versucht, unliebsame Kritik los zu werden. Verleumdungen auf unterstem Niveau, Beleidigungen auf nicht höherem, und insbesondere Bedrohungen an Leib und Leben nicht nur gegen meine Person, vielmehr auch gegen meine Familie und selbst meine Hunde, sind seither gang und gäbe. Die als "Tierschutz"organisationen agierenden Hundehändlerbanden mit besten Verbindungen in Wirtschaft und Medien, massieren ihre feigen Bedrohungen insbesondere dann, wenn bekannt ist, dass ich auf einem Kongress spreche oder anderweitig von zuhause abwesend bin. Als einzelne Person hat man gegen organisierte Kriminalität und deren Schergen keine Chance. Daher werde ich meine Veröffentlichungen bei Petwatch und an anderer Stelle im Netz bis auf weiteres einstellen bzw. auf ein Minimum beschränken, wie bei Bulldogge.de.

Ich danke von Herzen den vielen Petwatch-Autorinnen und -Autoren, die durch ihre Artikel viel Einblick in die ansonsten von den Medien verborgenen Realitäten der Welt des Hundes gegeben und uns in manche Geheimnisse eher unbekannter Hunderassen eingeweiht haben - wie immer unentgeltlich und allein im Dienste dieser wunderbaren Partnerschaft Mensch - Hund. Es ist schon ernüchternd mit welcher - mir vorher kaum vorstellbaren - Skrupellosigkeit gegen Hundefreunde vorgegangen wird, die es wagen, auf Missstände hier bei uns in Deutschland hinzuweisen und sich für das Wohl ihrer (hier mehr als 50 teils mehrfach besprochenen) Hunderassen zu engagieren. Es ist ernüchternd, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass solche undemokratischen und teils offen rechtswidrigen Praktiken mit Kenntnis und offenbarer Billigung durch TV-Sender grassieren, Sender, die wöchentlich ihre rührenden "Tierschutz"-Sendungen, samt werbender Sponsoren, quotenträchtig ausstrahlen - kritisches Hinterfragen unerwünscht.

Fazit: Wahre Tierliebe hat in unserer Gesellschaft gegen Profitgier keine Chance, gerade wenn diese hinter einem vor Schmalz nur so triefenden Schild des Tierschutzes medienträchtig präsentiert wird.

"Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen", mahnt Bundespräsident Joachim Gauck am  26.08.2012 - vielleicht sollte die Exekutive einmal hierüber nachdenken (ergänzt 26/8).

Christoph Jung im August 2012

(jung @ petwatch.de)

Freitag, 27. Juli 2012

Der Hund als Ware

Eine Ware ist ein Gut, ein Produkt, das erzeugt oder erworben wird, um damit Geld zu verdienen, sei es per Direktvermarktung oder Handel. Unser Hund, unser bester Freund, ist in unserer Gesellschaft von einer Aura der Liebenden umzogen. Man züchte lediglich aus Liebe zum Hund, Petfoodindustrie und Veterinäre wollen auch nur das Beste für seine Gesundheit. So werden 5 Milliarden alleine in Deutschland Jahr für Jahr aus Liebe zum Hund umgesetzt. In dieser Zahl sind noch nicht einmal die Umsätze der besonders Liebenden, mancher international tätigen Tierschutzorganisation enthalten, denn diese werfen meist den Mantel des Schweigens über finanzielle Dinge - dazu später.

Lange Tradition des Hundehandels

Der Hund hat eine lange Tradition als Ware. Bereits in der Antike wurden Hunde gehandelt. Phönizier brachten Hunde, die zur Hälfte von Tigern abstammen würden (wahrscheinlich Vorfahren des Do Khyi), regelmäßig vom Norden Indiens ans Mittelmeer, wo sie Preise wie Pferde erzielten. Die Römer hatten Hundezuchteinrichtungen für die verschiedensten Zwecke und die Provinz Britanniae war berühmt für Hunde als eines ihrer Hauptexportgüter. Erst kürzlich entdeckte man einem Marktplatz aus dem Jahr 800, wo nachweislich Hundehandel stattfand. Im Mittelalter war der Hundehandel fürs Volk meist verbunden mit dem Job des Abdeckers und Hundefängers, während die "edlen" Hunde bis ins 19. Jahrhundert dem Adel vorbehalten waren.
Hundeproduktion 1846, hier Bill George und Bulldogs
Mit den bürgerlichen Revolutionen entstand von England ausgehend ein Boom der gewerbsmäßigen Hundeproduktion und des Hundehandels. Das Design mancher Hunderassen, wie etwa des Leonbergers, wurde zielgerichtet für einen nachfragenden Markt entworfen. Hier war es um 1848 der Hundehändler Heinrich Essig aus Leonberg. Nach dem Verbot der Hundekämpfe 1835 in England, waren es ebenfalls Hundehändler, die das neue Marktpotenzial des Bulldogs erkannten. Das damals bereits legendäre Ansehen, das sich der Bulldog als Kämpfer in den Pits und Arenen erworben hatte, sollte ihn als Begleiter des Londoner Gentleman interessant erscheinen lassen. Bereits 1830 hatte Hundehändler Ben White dieses neue Marketingkonzept entwickelt und 10 Jahre später begann unter Bill George eine fast industrielle Großproduktion der neuen Bulldogs. Bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde die kommerzielle Hundeproduktion ganz offen als solche betrieben, ja sie galt sogar als Markenzeichen für Qualität. Erfolgreiche Hundehändler erwirtschafteten hohe Profite und wurden wohlhabende Bürger.
Anzeige von 1880

Heute soll das alles anders sein.

Heute, in einer Gesellschaft, wo es sich ansonsten immer intensiver und brutaler nur ums Geld und die Gewinne einiger weniger dreht, soll das alles anders sein. Der Hund als letzte Bastion der Selbstlosigkeit. Die Realität stellt sich zugleich als äußerst diffus dar. Der Hundemarkt ist einer der wenigen, der praktisch völlig unreguliert ist. Es gibt nur rudimentäre Meldepflichten bei Züchtern oder Tierärzten. Der Welpenhandel läuft überwiegend in bar und an der Steuer vorbei. Erst 2011 wurde eine Gruppe von Steuerfahndern aktiv, die sogleich beim Deutschen Schäferhund in Dimensionen fündig wurde. Noch undurchsichtiger zeigt sich der ganze Bereich des internationalen Hundehandels. Oft genug unter dem Etikett des "Nothundes" oder der "Tierschutzorganisation" werden Hunde in 6-stelligen Stückzahlen durch ganz Europa verfrachtet. Das wird begleitet von einem schwunghaften Handel mit echten und unechten Papieren, Stammbäumen, EU- bzw. Impfpässen. Die meisten im Hundehandel aktiven "Tierschutz"-Organisationen lassen entsprechend keinerlei Transparenz oder gar kritisches Hinterfragen zu, kontern unterhalb der Gürtellinie. Eine behördliche Aufsicht gibt es nicht, lediglich offensichtliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden in Einzelfällen geahndet und das in der Regel nur mit läppischen Geldstrafen.

Viele Hunde = großer Markt


Dieses Treiben geht zulasten der seriösen Züchter, der Hundehalter aber vor allem zulasten der Hunde. Deshalb muss der Handel mit Hunden verboten werden. Hunde sollten ausschließlich direkt vom registrierten Züchter oder den Tierheimen gegen Entgelt veräußert werden dürfen. Das würde auch im Ausland Hundehändlern und Vermehrern das Wasser abgraben. An einer solchen, einfachen aber wirkungsvollen Regulierung haben die großen Anbieter im Markt allerdings kein Interesse. Ganz im Gegenteil: Viele Hunde heißt ein großer Markt, eine große Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Viele kranke Hunde machen diesen Markt noch interessanter, lassen erst richtig das teure Diätfutter verkaufen, die Vetpharma- und Veterinärbranche erblühen.

Schon 1978 wies Heiko Gebhardt in seinem Buch "Du armer Hund" auf die Kalkulation der Industrie in Sachen Hundehandel hin: "Auf jeden Versuch, den Hundeboom zu drosseln, wird wütend reagiert. Als der Verband für das Deutsche Hundewesen eine Kampagne gegen den wilden Hundehandel startete, drohten Futtermittelfabrikanten dem Vereinsblatt Unser Rassehund mit Anzeigenstopp."

Ein Beitrag von Christoph Jung

Dienstag, 17. Juli 2012

Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?

Am 15.07.2012 schneidet der WDR in einem kurzen Beitrag das Thema Qualzucht an. Tierarzt Dr. Ralf Unna fordert bei einem Rundgang über die VDH-Europasieger-Show in Dortmund unabhängige tierärztliche Kontrollen bei Champions wie es die weltgrößte Hundeshow Crufts im Frühjahr eingeführt hatte. Auf der gleichen Linie liegt die Vorschrift für ein Ausstellungsverbot von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen in der Novelle der Bundesregierung zum Tierschutzgesetz. Beide Maßnahmen werden vom größten Dachverband der deutschen Hundezucht VDH abgelehnt, wozu hier berichtet wurde.
Bildzitat: Screenshot vom WDR Internetportal 17.7.11 zur Sendung
Während die Ablehnung dieser Maßnahmen vom VDH-Präsidenten Friedrich noch u.a. so begründet wird: "Es wäre unserer Auffassung nach nicht richtig, wenn ein Hundehalter mit erheblichen Reisekosten zu einer Ausstellung führe, den Hund vorbereitet und anschließend, ohne dass er die Lage sicher zu beurteilen vermocht hätte, dann doch nicht ausstellen dürfte." Und er zugleich behauptet: "In keinem Land gibt es vergleichbare Regelungen zu einem Ausstellungsverbot ..." ("Unser Rassehund" 3/2012)

... begründet VDH-Sprecher Udo Kopernik die Ablehnung mit den angeblich so hohen Zuchtstandards des VDH. Als Beleg führt er die neuen Richtlinien des VDH für den Bulldog (Englische Bulldogge) an.

Da gab es noch Hoffnung.
Der VDH-Präsident bei der ZTP
November 2011.
Tatsache ist, dass der VDH 2011 den Bulldog-Zuchtverein ACEB ausgeschlossen und nach langen Jahren geduldeter Qualzucht endlich eine Wende in der Zucht des Bulldogs angekündigt hatte. Tatsache ist auch, dass der VDH im Oktober 2011 - unter zeitweiliger Mitwirkung des Autors - Richtlinien für die Zuchttauglichkeitsprüfung beim Bulldog eingeführt hat.

Theorie: Neue Zuchtordnung des VDH für den Bulldog setzt weltweit höchsten Standard.

Die VDH-ZTP für den Bulldog setzt tatsächlich weltweit neue, vorbildliche Maßstäbe und wäre eine tragfähige Grundlage, der Qualzucht einen wirksamen Riegel vorzuschieben und die Zucht des Bulldogs zu gesunden. Es wäre eine Chance zur Rettung dieser so gebeutelten, uralten Hunderasse gewesen. Diese Richtlinien werden von Kopernik auch zutreffend dargelegt.
Aber wie sieht es in der Praxis aus?

Was Kopernik dem Zuschauer unterschlägt, ist eine weitere Tatsache, nämlich schlicht die Realität. Denn der VDH hat bisher keine hinreichenden Anstrengungen unternommen, diese papiernen Vorsätze mit realem züchterischen Leben zu erfüllen. Tatsache ist:
  • Es gibt gerade mal 2 (!) Züchter im VDH, die auf dieser Grundlage arbeiten,
  • noch kein einziger Bulldog-Wurf ist auf dieser Basis gefallen und
  • die Züchter, die sich diesen sehr hohen Anforderungen zum Wohle der Hunde stellen, müssen über fehlende Unterstützung klagen.
Zuckerbrot für die Presse - Entsorgung des Problems durch die Hintertür?

Die breite Masse der Bulldogs, die beim VDH im Ausstellungsring laufen, haben ausländische FCI-Papiere, auch wenn sie nicht selten in Deutschland stehen. In der Praxis haben die von Kopernik angeführten Maßnahmen also keine relevante Auswirkung auf Show-Realität und Zucht-Praxis. Das müsste Kopernik wissen, denn der VDH-Führung liegen mehrere Eingaben vor, die genau darauf hinweisen. Der Autor dieser Zeilen verfasste am 5. Februar 2012 ein Schreiben an Bernhard Meyer, VDH-Geschäftsführer, und Prof.Dr. Peter Friedrich, VDH-Präsident, in dem bereits angemahnt wurde:

"Ich sehe es als Verpflichtung des VDHs, grundsätzlich wie auch aus der jüngeren Historie, einer durch die langjährigen Fehler und Versäumnisse eines VDH-Mitgliedvereins an den Rand der Existenz gebrachten Hunderasse konstruktiv zu helfen, statt diese nun stillschweigend abzuwickeln und sich aus der aktiven Verantwortung für eine Gesundung zu stehlen."
In diesem Buch wird ein Plädoyer für die Rettung dieser charaktervollen, uralten Hunderasse gehalten. Man muss mit der seit über 30 Jahren vorherrschenden Qualzucht abrechnen, um diese Hunderasse retten zu können.
Ob das gelingt, ist fraglicher denn je.
Man muss kein Zuchtkenner sein, um zu sehen, dass man mit zwei Züchtern keine Hunderasse gesund erhalten oder gar retten kann.
  • Ist das Ganze also eine Mogelpackung des VDH, sich der berechtigten Kritik an der Qualzuchtrealität unter Verweis auf eine saubere Richtlinien-Weste zu entziehen? 
  • Geht es hier lediglich um einen Marketingeffekt zur Beruhigung der Öffentlichkeit und Erheischung einer guten Presse, während man in der Praxis auf reales Engagement zur Gesundung der Hunderasse verzichtet, im Show-Ring Hunde anderer FCI-Mitgliedsverbände prämiert und die Zucht stillschweigend aus dem VDH entsorgt? 
Die Ausführungen des VDH-Sprechers unter Berufung auf den Bulldog hinterlassen bei mir genau diesen Eindruck. Würde sich dieser Eindruck weiter erhärten, so wäre es das Ende für die Bulldog-Zucht in Deutschland, zumindest für eine Zucht, die man noch einigermaßen mit dem Tierschutz vereinbaren könnte. Das liegt aber nur zum Teil überhaupt in der Hand des VDH, denn die allermeisten Bulldog-Welpen kaufen "Hundefreunde" eh von Hundehändlern, Hinterhof"züchtern" und Vermehrern.

Die heutige Bulldogszene hat sich als Hunde- und Tierfreund vollkommen disqualifiziert.

Leider hat die Bulldog-Szene in ihrer breiten Mehrheit keinerlei Interesse gezeigt, eine Wende zum Wohle dieser von Atemnot, Unfähigkeit zu natürlicher Geburt, und zahlreichen weiteren angezüchteten Krankheiten und Dysfunktionen gebeutelten Hunderasse herbeizuführen oder auch nur zu befördern. Das Engagement des VDH 2011 für den Bulldog, die Verabschiedung eines neuen, gesundheitsorientierten Standards durch die FCI 2010 wurden von dieser Szene mit Verleumdungen und Rufmordkampagnen beantwortet. Es wurde offen demonstriert, dass man kein Interesse an diesen und anderen Maßnahmen zur Gesundung des Bulldogs habe. Missliebige Stimmen wurden selbst mit offen rechtswidrigen Aktionen, menschenunwürdiger Diktion und offener Gewaltandrohungen bedroht, was von der geifernden Masse beklatscht wurde. Die heutige Bulldogszene in Deutschland hat sich züchterisch wie auch ethisch vollkommen disqualifiziert. An diesem Gesamtbild können leider auch die wenigen seriösen Züchter und gesunden Bulldogs nichts ändern.

Ein Beitrag von Christoph Jung

Dienstag, 10. Juli 2012

Bolonka - Nein zur Einzucht von Defektgenen!

Wenn jemand einen Menschen primär nach seiner Haarfarbe beurteilt, so werfen wir ihm im günstigsten Fall Dummheit vor. Bei Hunden ist das leider anders. Hier scheint die Fellfarbe nicht wenigen Haltern und Züchtern das entscheidende Kriterium zu sein. In vielen Rassestandards wird der Beschreibung von Fellfarben deutlich mehr Raum gewidmet als etwa dem Wesen des Hundes. Ob das eine tragfähige Grundlage echter Partnerschaft ist, mag jeder selbst beurteilen.

Anders ist es, wenn eine exotische Fellfarbe durch Defektgene erzeugt wird, die zulasten der Gesundheit der Hunde gehen. Dieses Risiko birgt das Defektgen Merle. Und dieses Risiko soll der bis heute noch erfreulich gesunden Hunderasse Bolonka Zwetna aufgebürdet werden, hier und heute.
Bolonka Zwetna, gerade erst vom VDH anerkannte Hunderasse aus Russland
Der Merle-Faktor ist ein Gendefekt, durch den das Eumelanin, das die schwarze und braune Fellfarbe bewirkt, gestört ist und in dessen Folge bestimmte Aufhellungen und unregelmäßige weiße Flecken in Fell entstehen. Auch die Augen können betroffen sein und erscheinen dann hellblau oder auch farblos.
Das sind aber nur die sichtbare Folgen. Die unsichtbaren kommen besonders dann in Erscheinung, wenn beide Eltern dieses Defektgen tragen und es im Nachwuchs zu homozygoten Merle-Trägern kommt. Diese sind nicht selten taub, blind, kränklich und sterben oft noch im Jugendalter.

Ein Gendefekt wird seit 150 Jahren kultiviert

Merle ist eine Mutation, die schon sehr lange bei Hunden beobachtet wird. Bereits der römische Schriftsteller und Naturwissenschaftler Columella erwähnt sie. Auf zahlreichen historischen Gemälden werden Hunde mit Merle-Farben abgebildet. Aber erst mit dem Aufkommen der modernen Rassehundezucht im 19. Jahrhundert wurde Merle gezielt züchterisch vermehrt, insbesondere bei Collies, Deutschen Doggen oder auch Dackeln. Heute verzichtet man glücklicherweise weitgehend auf die Zucht so genannten Tiger-Dackel (siehe Foto). In einigen Rassestandards ist Merle ausdrücklich als eine Farbvariante erlaubt.
So genannter Tiger-Dackel (Merle), Zeichnung von 1894
Die Befürworter der Merlezucht behaupten, dass mischerbiges Merle keine Gesundheitsrisiken berge. Das ist ein frommer Wunsch, der leider keinen wissenschaftlichen Beleg hat. Vielmehr bestätigt eine neuere Untersuchung den Verdacht, dass auch heterozygotes Merle gesundheitliche Risiken bergen kann (Strain 2009). Aber auch diese Untersuchung ist noch kein abschließender Beleg. Tatsache ist, dass die Wissenschaft das Feld der Fellfarben bisher kaum erschöpfend untersucht hat. Das Thema Fellfarben ist wesentlich komplexer, als man vermuten könnte. Der Artikel auf Wikipedia gibt hier einen ersten Eindruck (http://de.wikipedia.org/wiki/Fellfarben_der_Hunde). Erst 2006 wurde das Merle-Gen überhaupt lokalisiert und damit erst die Grundlage fundierter Untersuchungen gelegt. Klar ist aber, dass die Mutationen, die besondere Farbvarianten erzeugen, in vielen Fällen auch andere, zunächst nicht sichtbare Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Und klar ist ebenfalls, dass derselbe Gendefekt bei verschiedenen Hunderassen unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass wir uns beim Thema Farben auf einem Feld bewegen, das in weiten Teilen ein weißer Fleck auf der Landkarte der Forschung ist.

Züchter sollten genug zu tun haben, mental und körperlich gesunde Hunde zu züchten...

Gerade deshalb sollte seriöse Zucht, die das Wohl und die Gesundheit der Hunde respektiert, sehr zurückhaltend agieren und keine unnötigen Risiken eingehen. Züchter und Zuchtvereine, die bewusst mit Defektgenen arbeiten, sollten erst einmal den Nachweis erbringen, dass keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen möglich sind. Ansonsten sollte man im Interesse des Wohls seiner Hunderasse darauf verzichten. Ein weiterer Aspekt ist die Einschränkung der Zuchtauswahl in Verbindung mit Defektgenen. Da reinerbige Träger von Defektgenen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Schäden haben werden, achtet man mindestens auf eine Verpaarung von Carrier mit Nicht-Carrier. In den meisten Rasse-Populationen ist zum einen ein schon bedenklich hoher Inzuchtgrad erreicht und zudem mehrere Erbkrankheiten gehäuft vorhanden. Da hat man eh Probleme, geeignete Partner zu finden. Diese Probleme werden nun lediglich wegen einer Farbvariante ohne Not weiter verschärft. Das sollte im Interesse der Population vermieden werden.

Nicht wenige Hundehalter wollen mit ihren Hunden auffallen, wollen etwas Besonderes, das exotische Seltene präsentieren. Der Markt der Hundezucht hat zur Bedienung solcher Bedürfnisse gerade in den letzten Jahren extreme Übertreibungen, ja Verkrüppelungen hervorgebracht, bis hin zu Qualzucht. Seltene Farben lassen Züchter von umso höheren Welpenpreisen träumen, die zweifelhafte Hundefreunde auch zahlen. So wird Merle in Hunderassen eingezüchtet, die historisch nie von diesem Defektgen belastet waren. Es ist in den letzten Jahren geradezu eine Mode in der profitorientierten Hundeproduktion geworden, Hunde in neuen Farbkreationen zu präsentieren wie Merle oder Dilutations-Farben wie grau oder schoko. Und es gibt leider Käufer hierfür. Es wird von Tierschutz geredet, in der Praxis aber anders gehandelt.

... und nicht auch noch zusätzliche Probleme in die Hunderassen holen

So geschieht es aktuell beim Bolonka Zwetna. Das Merle-Defektgen wurde extra von einer anderen Hunderasse in den Bolonka eingekreuzt. Was die zahlreichen Erbkrankheiten aus der Chihuahua-Population beim Bolonka anrichten können und welche Auswirkungen die Einkreuzung auf das Wesen des Bolonkas hat, spielt dabei keine Rolle, Hauptsache das Defektgen wird in die Population geholt. Merle soll über einen Chihuahua eingekreuzt worden sein, natürlich ganz seriös. Dabei wird unterschlagen, dass Merle beim Chihuahua vom FCI-Standard ausdrücklich verboten ist. Seriöse Zuchtvereine und Züchter haben sich schon immer daran gehalten. Der Merle-Chihuahua kann also nicht aus seriöser Zucht stammen! Es gibt zudem keinerlei Erfahrungen, wie der Merle-Faktor beim Bolonka Zwetna auf Dauer wirkt. Ein zusätzliches gesundheitliches Risiko für Population und Individuum wird so in Kauf genommen für einen zweifelhaften optischen Effekt oder klarer gesagt für den Profit. Das ist aus Tierschutzgründen abzulehnen, wie es einer aus Liebe zum Hund motivierten, seriösen Zucht allemal widerspricht.


Ein Artikel von Christoph Jung, zuerst erschienen bei "Stop! Gegen Merle beim Bolonka"
Fotos: Ina Stühmer

Sonntag, 1. Juli 2012

Die Geschichte von Mary, einer Siberian Husky Hündin

Hallo, mein Name ist Mary und ich bin eine reinrassige VDH Siegel Siberian Husky Hündin. Da ich Eure Menschensprache nicht beherrsche - was aber nicht heißt, dass ich nicht ausgiebig mit meiner Musherin kommunizieren könnte - habe ich eben diese Musherin gebeten, meine Geschichte zu erzählen:

Ich wurde am 13.09.2007 bei meiner VDH Züchterin als reinrassiger Siberian Husky in einem Kennel für Rennhuskies geboren. Die ersten Zeit durfte ich mit meinen Geschwistern und meiner Mutter verbringen. Dann, mit 12 Wochen, wurde ich an einen berenteten sportlichen Herrn nach Bayern verkauft. Jetzt wurde es plötzlich sehr aufregend für mich  - ich zog in eine Wohnung, wurde viel gestreichelt und liebevoll umsorgt und habe es wirklich genossen.

Ich wuchs zu einer sehr lebhaften Junghündin heran - und nun wurde mein Leben plötzlich schwieriger. Ich war "wild wie eine Wölfin", sagte mein erster Besitzer. Da er keinen Garten hatte, konnte ich mich nur an der Leine bewegen und mich nie so richtig austoben. Weil ich aber so wild war, gab es auch wenig Ausflüge zu belebten Orten. Somit ergab sich für mich eigentlich kein Kontakt zu fremden Menschen oder gar Hunden, d.h. zweimal hatte ich Hundekontakt - und wurde gebissen!! Daraus lernte ich sehr vorsichtig zu sein und ggf. auch abwehrbereit.

Bewegung bekam ich zwar ausreichend beim Joggen mit meinem Besitzer - nur war diese gleichförmige Bewegung für meine jugendlichen Gelenke nicht so vorteilhaft wie die wechselnden Bewegungen des Spiels - und natürlich auch nicht so lustig. Daher gelang es mir häufig, mich mit meinem wilden Verhalten  aus dem Gurt zu befreien - ich rannte zwar nie auf und davon, denn ich  wollte eigentlich ja nur spielen - aber mein Besitzer hatte noch nie einen Hund gehabt und verstand das alles nicht. Aus meiner Hundesicht - denn wir Huskies reagieren sehr deutlich auf Körpersprache - ging er immer gleich zum Angriff über: Er sah mich direkt an, beugte den Oberkörper vor, sprang auf mich zu und knurrte laut so etwas wie: "Hier!" Ich bekam jetzt richtig Angst und rannte noch schneller davon... so ging das eine ganze Weile, bis er mich dann irgendwann doch fing.
Mary entspannt im Freilauf
Noch heute kann ich aus Hundesicht unfreundliche Menschen nicht leiden. Das sind Menschen, die mich direkt ansehen, sich vorbeugen und vielleicht noch nach mir greifen wollen - da verbelle ich sofort!! Meine Rute klemmme ich aber ängstlich ein - man weiß ja nie, was diese Menschen vorhaben! Gerade Männer, besonders ältere Herren, müssen sich mir auf Hundeart galant nähern, wollen sie bei mir eine Chance bekommen: Wenn sie seitlich an mir vorbei sehen, sich abschnüffeln lassen - und mich dann vorsichtig an der Schulter berühren - dann bin auch ich freundlich. So wurde ich in meiner Jugend zwar sehr geliebt, sicher wollte mein Besitzer nur das Beste für mich - aber er hat mich halt einfach nicht verstanden - leider!

Als ich ein halbes Jahr alt war, erkrankte mein Besitzer ernsthaft. Seine Familie wollte mich nicht behalten, da ich so wild war und es schon einen Unfall durch mein starkes Ziehen mit schweren Verletzungen auf menschlicher Seite gegeben hatte. Ich mußte also wieder weg - ein schlechter Zeitpunkt, so mitten in der Pubertät! Aber da mein Besitzer mich so liebte war zum Glück klar - ins Tierheim nicht! So durfte ich wieder zurück zu meiner Züchterin. Da hier aber immer mehrere Hunde im Zwinger zusammenleben und ich doch vor Hunden durchs Gebissenwerden solche Angst bekommen hatte, war es für mich nicht einfach. Auch bekam ich den Eindruck, dass die anderen Huskies irgendwie leichter miteinander "Sprechen" konnten - ich hatte ja keine Möglichkeit gehabt, meine Hundesprache weiter zu verfeinern. Daher kam ich leicht in Stress und zeigte ängstliches Abwehrverhalten insbesondere anderen Hündinnen gegenüber. Gesteigert wurde meine Angst noch durch eine Schreckschussanlage einer benachbarten Gärtnerei. Daher wurde schnell klar, dass ich auch bei meiner Züchterin nicht mein endgültiges Zuhause finden würde.
Scootertraining in Lead

Mit knapp 1 Jahr holte mich dann ein Mitteldistanzmusher aus Norditalien in sein Team.

Ich durfte meine erste Saison mit noch kürzeren Strecken vor Wagen und Schlitten laufen. Ich lebte mit ca. 10 weiteren Huskies  in einem großen Rudel im Gehege. Da ich neu und jung war, versuchte ich mich einzufügen, was auch erstmal gelang. Aber ich war ständig gestresst durch den Druck des großen Rudels, was sich auch darin äußerte, dass ich trotz gutem und ausreichendem Futter seht dürr war... Im nächsten Winter wurde ich dann für`s Mitteldistanzteam trainiert, dass heißt Strecken zwischen 40-60 km pro run. Das habe ich nie geschafft, ich war zu dünn und zu groß, - nach 30km war ich so überhitzt und fertig, dass mein Musher mich immer in den Schlittensack setzen mußte... er war zwar nie richtig sauer, aber als sein Liebling hab ich mich auch nicht gefühlt und dann noch der Druck im Gehege mit meinen Rudelmitgliedern.... als ich dann zweieinhalb und erwachsen war wurde mir alles zu viel... denn mittlerweile war ich eine große, ja sogar zu große (darum wurde mir beim Rennen immer so heiß) Hündin und bemerkte meine Kraft. Um Ruhe zu haben, begann ich alle anderen Huskies wegzubeißen. Schon nach kürzester Zeit mußte ich dann allerdings in eine Flugbox umziehen und konnte diese nur zum Lösen kurz verlassen. Das ist natürlich furchtbar für eine junge Huskyhündin, die laufen und arbeiten will...das fand mein Musher auch und versuchte mich wieder kurzfristig in Deutschland bei meiner Züchterin unterzubringen. Denn in Italien befürchtete er, dass der nächste Musher, wenn ich wieder schwierig würde oder zu wenig Leistung brächte, mich einschläfern lassen könnte. Nur ergab sich diesmal bei meiner Züchterin kein Platz für mich ...da brachte mein Musher mich kurzerhand nach Deutschland in einen befreundeten Kennel.
selbstsicher, auch wenn`s schwierig wird
An die deutsche Sprache konnte ich mich zwar noch erinnern - aber als ich dann dort mit einem zwar charmanten aber doch fremden Rüden die erste Nacht in unbekannter Umgebung im Zwinger saß und rundherum andere Huskyzwinger - da bekam ich wieder Panik!! Erst heulte ich, doch dann ging ich zur Tat über - ich versuchte auszubrechen! Da es eine professionelle Zwingeranlage war, gelang es mir nicht, aber ich hörte am nächsten Morgen den menschlichen Chef sagen: "Zwingerstäbe verbogen, dass hat bisher noch kein Hund geschafft!" Nun ich wurde auch noch läufig, der Rüde mußte mich verlassen, andere Hündinnen oder Kastraten biß ich lieber gleich raus... ich war also wieder allein, nur die Menschen versuchten mich bestmöglich zu bespaßen... so ging es einige Wochen... bis, ja bis meine jetzige Musherin auftauchte, aber jetzt kann sie ja selber weitererzählen:

*****

Im September 2010 fuhren wir zu einem  bekannten Husky-Kennel Nähe Regensburg, auf den ich über das Buch "Der Siberian Husky" aufmerksam geworden war. Zuvor war ich schon fast ein Jahr auf der Suche nach einem verantwortlich züchtenden Huskykennel, um einen Welpen erwerben zu können. Leider sagten mir bis dato trotz VDH Siegel und Leistungsnachweis die besuchten Kennel nicht zu, da ich den Eindruck bekam, dass hier "Sportgeräte" produziert, aber nicht Siberian Huskies mit all ihren Facetten gezüchtet wurden.

Die Züchterin schrieb mir zuvor schon von dem "Nothund" Mary und das diese ein kleines Rudel, keine Mitteldistanzrennen und wenn möglich Hauszugang bräuchte - wir könnten ihr das bieten und waren auf dem Weg sie kennenzulernen. Als sie aus dem Zwinger in den Auslauf kam, rannte sie wie wild, beachtete uns erst nicht und zeigte sich eher ängstlich. Ein in die Hocke gehen meinerseits  ermöglichte ihr dann die Kontaktaufnahme. Wir machten einen Probespaziergang , unser Hound war natürlich auch dabei...und es schien zu passen. Mary entspannte sich und ein tiefer Blick in ihre Augen (den sie von mir ertrug) besiegelte meine Entscheidung...

Mary fuhr mit uns heim.
Mary und ihr neuer Freund
Nein, unproblematisch war unsere erste gemeinsame Zeit nicht. Schon am zweiten Tag viel Mary über den kastrierten Bearded Collie einer Bekannten her, wir waren vorbereitet, so dass kein ernster Schaden entstand. Ab dem 3. Tag versuchte sie  nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung" unseren Hound zu unterdrücken, sie drängte ihn in eine Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Nun, hier war ich als Rudelchef gefragt, der Hound zog aufs Sofa zu meinem Mann und nun war ich diejenige , die Mary den Rest des Tages stark territorial begrenzte - und siehe da, irgendwann rollte sie sich vor meine Beine und gab ihr Verhalten innerhalb unseres Rudels auf. Damit war die Basis für die weitere Arbeit geschaffen.

Wir trainierten täglich den "Hundknigge: Sitz, Platz,Fuß, Hier und Freilauf", wobei der Schlüssel zum Erfolg in einer vom Timing korrekt eingesetzten menschlichen Körpersprache lag. Nebenbei begannen wir das Training vor dem Huskyscooter in LEAD (Position vorne, Hund muß Richtungen, Überholmanöver etc. lernen)... es war harte Arbeit, die uns aber allen Freude bereitet und Mary lernte schnell... mittlerweile ist sie meine Musterschülerin und schon fast beängstigend lieb.

Auch emotional stabilisierte sie sich mit der Zeit... viel Zeit. Sie braucht über 4 Wochen, bis sie das erste Mal auf der Seite schlief, in den ersten Monaten hatte sie regelmäßig Angstträume, in denen sie fast schrie, zog sich im ersten Jahr sehr oft zurück, wollte nur ihre Ruhe, spielte kaum, nahm nur zögerlich an Gewicht zu. Es hat eineinhalb Jahre gedauert, bis sie Streicheleinheiten von meinem Mann genießen konnte und ein dreiviertel Jahr bis sich Besucher in unserem Haus bewegen konnte, ohne dass sie von Mary ständig kontrolliert wurden (die Hausleine gab ihr in solchen Situationen durch die Verbundenheit mit mir zunehmend Sicherheit) ...diese sind nur wenige Beispiele, die die Situation verdeutlichen sollen.
freies Spiel
Aber wir haben es geschafft, unser gegenseitiges Vertrauen wuchs, Mary ist nun ein auch alltagstauglicher Hund: Städte, Restaurants und Hotels, fremde Menschen, schwierige Gebirgspfade und sogar Hängebrücken - kein Problem mehr, nur von fremden Hunden hält Mary lieber noch Abstand , canidentypisches Bogengehen halt -  und im Gespann ist sie meine Verlaßleaderin. Letzten Winter im Schneesturm vertraute ich ihr blind (meine Brille war vereist)... und sie führte uns sicher zurück!

Verlaßleaderin

Warum ich diese Geschichte erzähle?

Weil Mary beide Schicksale, das als Husky eines überforderten Haushundebesitzers und das als Husky des enttäuschten Mushers, erleben mußte. Sie hatte Glück im Unglück, weil sie immer auch auf Menschen stieß, die versuchten  ihrer moralischen Verantwortung innerhalb ihrer Möglichkeiten nachzukommen. Aber das Unglück begann, weil ihre Züchterin ihre moralische Verantwortung nicht ernst genug nahm.

Denn im persönlichem Gespräch mit der Züchterin stellte sich heraus, dass diese weder wußte (also auch nicht danach gefragt hatte), dass der Erstbesitzer keinerlei Hundeerfahrung hatte und auch nicht, dass der Zweitbesitzer seine Huskies im großen Rudel hielt. Denn wäre sie hier ihrer züchterischen Verantwortung in Form der kompetenten Vermittlung nachgekommen (und es hätte sie je nur eine Frage gekostet), wäre schnell klar gewesen, dass der berentete Herr ohne Hundeerfahrung mit einem jungen Husky aus einer Arbeitslinie überfordert sein wird.Da hätte man zB als Laufbegleitung zu einem Labrador  o.ä.raten müssen, oder zumindest zu einem gut sozialisiertem älteren Husky.Der Käufers selbst hatte sich informiert, sich sogar ein Buch über Huskies angeschafft - aber wenn man keine Ahnung von Hunden hat, ist natürlich die manchmal schwierige Erziehung des Huskies nicht vorstellbar. Hier wäre Aufklärung und Erfahrung  des Züchters, der Rasse und Hunde kennt, gefragt gewesen.

Auch fiel der Züchterin nach Marys Rücknahme auf, dass Mary ängstlich-aggressives Verhalten, insbesondere anderen Hunden gegenüber, zeigte. Das Mary damit dem Druck einens großen Rudels nicht gewachsen ist und sich die Angstaggression verstärken würde, wäre vorhersehbar gewesen. Darüberhinaus ist es ein züchterischer Fehler, Huskies wegen einem vermeindlichen Gewinn an Schnelligkeit zu groß zu züchten, gerade im Mitteldistanzbereich war auch hier mit Distanzlimitierung auf Grund von Hyperthermie zu rechnen (s. Offener Brief VDH/ Working Siberian Husky).
Diese Geschichte zeigt eindrücklich, wie viel Verantwortung beim einzelnen Züchter liegt und wie stark dieser das Schicksal des einzelnen Hundes und auch der Rasse beeinflussen kann.Und all das kann passieren, weil es keine Kontrollinstanzen gibt und keine Institution, die die Interessen der Hundekäufer-/Besitzer vertritt. Der Hund ist keine Ware sondern ein hochsoziales Lebewesen, welches wir von uns abhängig machten. Daher sind wir alle, ob Züchter, Hundehalter oder Hundefreund hier in der moralischen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Zucht und Haltung zum Wohl des Hundes geschieht.

Aber selbst wenn wir die Geschichte nur unter geschäftlichem Aspekt betrachten fehlt es an Moral - auch dem Menschen gegenüber. Denn der VDH wirbt mit dem "Gütesiegelversprechen" bezüglich Welpengesundheit und Vermittlung. Der Erstbesitzer als hundeunerfahrener Mensch hat sich hierauf verlassen, hat dafür auch den teuereren Welpenpreis bezahlt - und wurde nicht aufrichtig beraten, bekam ohne Hinweis darauf, dass es vielleicht schwierig werden könnte, den Welpen. Diese Fehlberatung führte durch das für den Besitzer nicht beherrschbare Ziehen der Hündin zum Sturz eines Familienmitglieds mit schlimmsten Verletzungen im Kopfbereich.
einfach nur zum Liebhaben
Und auch der Zweitkäufer zahlte den "Gütesiegelpreis", wurde aber nicht über die angstaggressive Tendenz der Hündin informiert, die später dazu führte, dass der Musher die Hündin abgeben mußte.
Außerhalb des VDH nennt man so etwas, glaube ich, betrügerisches Gebahren. Damit beantwortet sich doch die Frage, was vielen Züchter und dem VDH eher am Herzen liegt, das Wohl des Hundes oder der wirtschaftliche Erfolg, eigentlich von selbst. Dieser Zustand ist nicht weiter tragbar - wir brauchen eine neue züchterische Ethik und gesetzliche objektive Kontrollen - zum Wohle der Gesundheit und des Erhalts unserer Rassehunde!

Daniela Pörtl


mehr zum Thema:
     
     

Sonntag, 24. Juni 2012

UK - Offensive gegen Show- und Qualzucht

Unter dem Motto "Born to suffer" und "Bred for looks - born to suffer" organisiert die britische Tierschutzorganisation RSPCA eine Offensive gegen Show- und Qualzucht. "Die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals" (RSPCA ) ist die älteste und größte Tierschutzorganisation der Welt. Schon um 1830 hat sie sich um das Wohl der Hunde verdient gemacht, als sie maßgeblich an der Durchsetzung des Verbotes der Hundekämpfe in England und Wales beteiligt war.
Anders als in Deutschland formiert sich im Mutterland der Rassehundezucht eine wachsende, breite Öffentlichkeit zum Schutz der Hunde vor Qualzucht und Show-Wesen. Sie fordert eine grundlegende Wende in der Rassehundezucht, wie es auch der "Dortmunder Appell" tut. In Deutschland schauen die Organisationen des Tierschutzes weg, ignorieren diesen Skandal systematischer Tierquälerei mit erstaunlicher Konsequenz. Behörden und Staat schauen ebenfalls weg. Als die Novelle des Tierschutzgesetzes ein Verbot des Ausstellens von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen vorsah, empörte sich sogleich der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) dagegen.
Es wäre nur zu wünschen, dass auch in Deutschland etwas Substanzielles für den Schutz der Hunde getan und dem Unwesen der Show- und Qualzucht ein Ende bereitet würde. Von Tierschutz geredet wird ja viel, besonders wenn es um Tierschutz im Ausland geht - was auch immer darunter verstanden wird.


(Artikel Christoph Jung)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Trittbrettfahrer des Tierschutzes


Die Deutschen sind stolz auf ihr "hohes Tierschutzniveau", mit dem auch gleich die ganze Welt beglückt werden soll. Da wird gerne darüber hinweg geschaut, dass Deutschland der mit Abstand größte Markt für den (legalen wie illegalen) internationalen Hundehandel ist. Qualzucht grassiert im Tierschutz-Deutschland praktisch ungehemmt. Plattnasen, die kaum Luft bekommen, erobern die Spitzenplätze der Beliebtheit (lt. Agila-Haustierversicherung AG sind Mops, Bully und Bulldog 2011 zu den 10 beliebtesten Hunderassen in D aufgestiegen). Hier realisiert der internationale Hundehandel märchenhafte Profite. Zum Lebendpreis von 250,- Euro werden Bulldog-Welpen bei deutschen "Züchtern" angeliefert, die sie dann für 1200,- Euro und mehr vermarkten - in der Regel brutto für netto. Da sind Skrupel fehl am Platze.

Der Schatten hinterm Heiligenschein der Tierliebe ...

Aber nein, Hundehandel gibt`s doch nicht, das sind alles Tierschutzorganisationen, die sich um arme Nothunde aus Osteuropa kümmern. Und Qualzucht gibt`s gleich gar nicht, das ist nur böses Gerede, wir sind alle Gesund-Züchter, die nur aus Liebe zur Hunderasse züchten und dabei noch viel Geld drauflegen. Wenn man ein wenig hinter den Glanz des Heiligenscheins unseres heilen Tierschutzidylls schaut, öffnet sich ein Abgrund menschlicher Schattenseiten. Tierschutz erweist sich als wunderbarer Schafspelz zur Tarnung zwielichtiger Interessen auf Kosten der Tiere.

Wer ehrlich für Tierschutz eintritt, hat keine Furcht vor Kritik. Aber nicht wenige "Tierschützer" fürchten nichts mehr als eben den ernsthaften Tierschützer. Solche Erfahrungen mussten und müssen Stefan Loipfinger und Karin Burger von der inzwischen eingestellten Initiative Charitywatch machen und solche Erfahrungen macht auch, wer ernsthaft dem Thema Qualzucht auf den Zahn fühlt.

... menschliche Abgründe und Gewalt

Derzeit hat Karin Burger das besondere Missfallen dieser "Tierschutz"-Szene auf sich gezogen. Denn sie lässt auch nach dem Ende von Charitywatch nicht locker. Sie berichtet über Veruntreuung riesiger Geldsummen, die eigentlich für den Tierschutz gedacht sind. Sie beleuchtet die Verwicklung des (Not-) Hundehandels mit der organisierten Kriminalität. Sie kritisiert Verletzungen der Menschenwürde (Art 1 GG) im Namen des "Tierschutzes".

"Macht die Sau fertig! Macht sie hin!"

Das ist nicht der Ruf eines Landfleischers beim Schlachten, vielmehr der Ruf vermeintlicher Tierfreunde gegenüber einem Menschen! Dass Frau Burger Recht hat, beweist die Szene selbst mit solchen Verleumdungen und unverhohlenen Drohungen, hier eine Kostprobe von Mitte 2012 von Facebook, alle 3 Beispiele aus dem unmittelbaren Umfeld der Leitungen von "Tierschutz"organisationen:
"...den Finalschuss verpasse ich den Bastarden." (im Namen des Tierschutzes!)

Ja, der "Taunus-Rocker", Viola und Karl-Heinz, wahre Helden des "Tierschützes". Einer Dame 50+ Angst machen: Glückwunsch an die Rocker-Gemeinde zu solchen Helden, deren Mut jedem gestandenen Manne zur Ehre gereicht. Glückwunsch an die einschlägige "Tierschutz"-Gemeinde (die hinter diesem Lynchmob stehenden "Tierschutz"-Organisationen sind bekannt), die jubelt ob solcher Manneskraft.

Zum Aufheizen einer Hass- und Progromstimmung wird der Kampf gegen Zoophilie instrumentalisiert. Zoophile mit ihrem denkbar schlechten gesellschaftlichen Ansehen eignen sich hervorragend zur progromhaften Stigmatisierung jeder missliebigen Kritik am Treiben solcher "Tierschützer". So wird auch Karin Burger gleich zur Zoophilen erklärt wie auch jede andere kritische oder missliebige Stimme. Wer so inflationär mit dem Begriff "zoophil" um sich wirft, wer diese Kennzeichnung als Waffe zum Rufmord an kritischen Stimmen einsetzt, kann das Thema nicht wirklich ernst nehmen.*

Offener Rechtsbruch wird gebilligt

Die Szene hat offenbar keinerlei Probleme mit Gewalt gegenüber Menschen und der Nähe zu erklärten Rechtsbrechern im Auftrag internationaler (Qual-)Züchter - was in dankenswerter Offenheit demonstriert wird. In auffälliger Nähe zum gewaltbereiten "Hassprediger der Qualzucht" bedient sie sich ungeniert dessen menschenunwürdiger Diktion, goutiert offen das Rufmorden an Kritikern von Qualzucht und Hundehandel (Rechtswidrigkeiten, die selbst Lieschen Müller auf Anhieb auffallen und bereits ausdrücklich von verschiedenen Gerichten als solche und Straftaten erkannt sind).
"Bulldogs in Geschichte und Gegenwart" aus dem Kynos-Verlag enthält eine
fundierte Abrechnung mit der seit über 30 Jahren grassierenden Qualzucht.
Wer ernsthaft für den Schutz der Tiere eintritt, wer ein ehrliches Ansinnen zum Wohl der Tiere verfolgt, hat zum einen menschenunwürdiges Vorgehen und Fäkalsprache nicht nötig, und würde zudem zweifelsfrei erkennen, dass oben beschriebenes Verhalten dem Wohl der Tiere nur Schaden zufügt. Wer soll noch Tiere vor Übergriffen von Menschen schützen, wenn selbst elementare Menschenrechte bewusst und fortlaufend mit Füßen getreten werden? Nicht ohne Grund schrieben die Väter des Grundgesetzes nach den Gräuel des Hitler-Faschismus  als aller erstes den Grundsatz fest:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." (Art 1 GG).

Und dieser Grundsatz ist unteilbar und gilt selbst für verurteilte Verbrecher, auch wenn einem persönlich das zuweilen schwerfallen mag.

Mahatma Gandhi sagte uns: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln." Ich möchte es konkretisieren: Anhand ihrer Moral im Umgang mit Menschen kann man messen, wie ernst es Menschen mit Tierschutz meinen.

Der ernsthafte Tierschutz tut gut daran, einen klaren Trennungsstrich zu solchen Trittbrettfahren zu ziehen.

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* Der Autor dieses Beitrags setzt sich bereits seit Jahren für ein ausdrückliches gesetzliches Verbot von Sodomie ein. So wurde ein diesbezüglicher Vorschlag auch bei verschiedenen Beratungen zum neuen Tierschutzgesetz in Berlin eingebracht. Dieser fand leider kein ausreichendes Gehör mit der Begründung, das Zufügen von Leid an Tieren sei eh verboten. Aber wie einen solchen Nachweis im Einzelfall führen? Das Durchsetzen eines ausdrücklichen gesetzlichen Verbotes bedarf also noch einer gewissen (demokratischen) Überzeugungsarbeit. Die oben angedeutete Vorgehensweise der vorgeblichen "Anti-Zoos" bringt dieses Ansinnen nur in Verruf und steht jedem ernsthaften Engagement zum Schutz der Tiere vor menschlichen Übergriffen diametral entgegen.




Montag, 11. Juni 2012

Working Siberian Husky

Wir berichten hier regelmäßig über Fehlentwicklungen und Missstände in der Rassehundezucht. Abgesehen vom Deutschen Schäferhund betrifft es dabei durchweg Hunderassen, die heute vorwiegend oder ausschließlich eine Rolle als Begleiter haben. Leistung und Leistungsfähigkeit fehlen hier allzu oft als ein Kriterium der Zuchttauglichkeit. Aber auch bei den - neben dem Jagdbereich - wenigen Hunderassen, die auch heute noch auf Leistung gezüchtet werden, liegt zuweilen manches im Argen.


Freunde des Working Siberian Husky machen sich Sorgen um die Richtung, in der sich die Zucht ihrer Hunderasse entwickelt. Zu Beginn wollen wir hier einen "Offenen Brief an den VDH" von Daniela Pörtl veröffentlichen:


Offener Brief an den VDH

Sehr geehrter Herr Prof. Friedrich,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im VDH,

mit großem Interesse verfolge ich die Bemühungen des VDH das Zuchtwesen zu reformieren. Die  Ansicht, dass eine Wende in der Hundezucht zum Erhalt des Rassehundes notwendig ist, teile ich uneingeschränkt. Insbesondere die Änderung der Zuchtordnungen mit Schwerpunkt auf Gesundheit und Wesen des Rassehundes sowie die Umsetzung einer objektiven, gesetzlich legitimierten Zuchtkontrolle erscheinen mir dringlich!

Jetzt möchte ich Ihnen meine Erfahrungen und Beobachtungen bezüglich Zucht des Working Siberian Huskys schilder, der als Arbeitshund  trotz gefordertem Leistungsnachweis für Zuchttiere in seiner Rassespezifität bedroht ist - überwiegend aus sportlichem Ehrgeiz der Züchter... ich schreibe Ihnen, in der Hoffnung auf eine Wende - auch für den Working Siberian Husky!

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema "Hund" und teile auch mein Leben seit diesem Zeitpunkt mit Hunden. Als Humanmedizinerin verfolgte ich auch immer mit Interesse die rassespezifische Hundezucht mit ihren (zunehmenden) Problemen und Erkrankungen.

Bis in die 90er Jahre erwarb ich immer Welpen von VDH-Züchtern. Das Gütesiegelversprechen hatte sich bis dahin immer bestätigt, die Züchter "fragten mich aus", legten mir ihre Zuchtstrategien offen und ich erhielt einen gesunden Welpen mit welchem ich mit Freude einen Abschnitt meines Lebens teilen durfte.

Im Jahre 2006 übernahm ich einen Hound aus dem Tierschutz und stieg mit diesem in den Schlittenhundesport ein. Zur Teamverstärkung wollte ich dann 2010 einen  Working  Siberian Husky dazunehmen und machte mich bei VDH-Züchtern auf die Suche nach einem passenden Welpen - und mußte leider feststellen, dass das Güteversprechen nun keine Selbstverständlichkeit mehr ist - und schlimmer noch - die Zuchtstrategien dem eigentlichen Wesen des Siberian Husky als mental starken, im Team arbeitenden Marathonläufer entgegenwirken.

Als einfacher Liebhaber dieser Rasse mit all ihren Facetten - ich züchte nicht, ich bin und war in keinem Rasseclub Mitglied und ich fahre keine Rennen, nur Touren - möchte ich Ihnen berichten:

Auf der Suche nach einem Welpen hatte ich Kontakt mit verschiedenen VDH - Züchtern, die natürlich auf Grund des geforderten Arbeitsnachweises für den Working Siberian Husky auch alle selbst aktive Musher sind. Ich führte Gespräche und informierte mich über Zuchtlinien. Dabei fiel mir auf, dass der Siberian Husky zunehmend größer gezüchtet wird. Im Rahmen der auch von Ihnen  geforderten, weniger auf äußere Merkmale gerichteten Zucht, denkt man jetzt im ersten Moment:

"Was machen hier einige Zemtimter mehr oder weniger denn aus?"


Ziel der Zucht von großen Working Siberian Huskys ist es, durch die Beinlängenzunahme die Schrittlänge und damit die Geschwindigkeit zu erhöhen. Erstmal durchaus nachvollziehbar, für einen arbeitenden Hund, der Rennen laufen soll. Nur erkauft man sich die zunehmende Größe mit zunehmenden Gewicht, was den Siberian Husky - als den Marathonläufer unter den Hunden -  durch die eher einsetzende Hyperthermie in der Distanz limitiert und  er letzten Endes  damit dem Zuchtstandard immer weniger gerecht wird. Denn wie Ihnen bekannt ist, nimmt die Oberfläche der Hundezunge/-nase im Vergleich zur Körpermasse natürlich deutlich weniger zu, so daß die Gehirnkühlung weniger effektiv erfolgt (kritische Grenze ca 25 kg). Dazu kommt noch, dass die Zucht auf Beinverlängerung den ganzen Hundetyp verändert, denn die Beinlänge wird mit der Becken- und Schädelform gekoppelt vererbt.

Aus dem Marathonläufer unter den Hunden wird zunehmend ein distanzlimitierter Hund mit Sprintereigenschaft.

Dies zeigt sich auch deutlich an der fast jährlichen Kürzung der deutschen Mitteldistanzstrecken von ehemals über 40 km auf z.Z. 25 km innerhalb weniger Jahre!

Um die Geschwindigkeit und "Führbarkeit" des Working Siberian Husky zu erhöhen gibt es auch den Trend, geschickt Alaskan Huskys o.ä. einzukreuzen. Auch dies erscheint im Rahmen der Genpoolöffnung erstmal vielleicht unbedenklich. Doch verliert der Working Siberian Husky dadurch seine typischen mentalen Eigenschaften  was ihn wiederrum auch in der Ausdauer begerenzt. Wie Ihnen aber bekannt ist: Der Phänotyp bleibt recht stabil (man muß schon sehr genau hinschauen...), aber das Wesen verändert sich nachhaltig!

Es gilt zu bedenken, dass diese "Zuchtstrategien" nicht der Verbesserung der Rassegesundheit an sich dienen, sondern lediglich das "Merkmal Geschwindigkeit" erhöhen sollen, was aber den Rassetyp nachhaltig zerstört!

Das heißt, der gute Ansatz des SHC Hunde nur mit Leistungsprüfung zur Zucht zuzulassen wird durch die auf sportlichen Gewinn orientierte Zucht ad absurdum geführt... hier gilt wieder frei nach Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Mit Sorge um den Erhalt dieser einmaligen Hunderasse,die unglaubliches zu leisten im Stande ist, nehme ich diese Zuchtentwicklung zur Kenntnis. Schlimmer aber noch ist, dass an der Rasse und nicht nur am sportlichen Erfolg interessierte Züchter seit Jahren versucht haben, für einen gesunden rassetypischen Working Siberian Husky zu kämpfen. Initiativen über Erkrankungs- und Todestatistiken, Hinweise auf Hybridisierungen und nachweislich zu große Hunde mit Zuchtzulassung wurden nicht nur abgeschmettert, sondern viele der an gesunder, rassetypischer Zucht  interessierten Züchter wurden buchstäblich aus dem Verein gemobbt!!! Der VDH wurde über die Erschleichung der Zuchtzulassung zu großer Hunde sowie der Ausstattung von Hybriden mit VDH Papieren und Registrierung von Schwarzwürfen  Mitte 2010 informiert... bis heute ohne Reaktion!!!

Auch wird mit an Diabetes, Epilepsie und Hypothyreose leidenden Hunden bzw mit solchen erkrankter Linien gezüchtet, zT sogar als enge Linienzucht und Hunde mit Patellaluxation dürfen zur Zucht verwendet werden. Der Gesundheit und Typerhaltung der Rasse sind diese unter das Qualzuchtgesetz fallenden Praktiken sicherlich nicht dienlich!

Ich denke, eines der Hauptprobleme in der derzeitigen Praxis der Rassehundezucht ist, dass bei den Rassen ausschließlich auf ein spezifisches Merkmal hin selektiert wird, sei es das "Kindchenschema", der Phänotyp oder wie hier die isolierte Geschwindigkeit. Wir schaffen uns dadurch die genetische Isolation eines "Ein-Generationen-Hundes", der Facettenreichtum einer Rasse und damit die genetische Vielfalt - auch für die folgenden Generationen - bleibt auf der Strecke! Schon Eibl-Eibesfeldt schrieb: "Vielseitigkeit erhöht die Chance, im Strom des Lebens zu überdauern. Demnach sollte nicht die beste gegenwärtige Anpassung sondern Vielseitigkeit ein Leitwort jeder Planung sein."

Zur gängigen Zuchtpraxis schreiben R. und L. Coppinger in ihrem Buch "Hunde": "Reinrassigkeit ist aber ein künstliches Konstrukt von Zuchtklubs, bei dem es letzten Endes nur um Geld und Ruhm geht... Die Betonung auf Reinrassigkeit (Anm.: Zucht auf ein Merkmal) in unserer heutigen Zeit hat die Rassen in die genetische Isolation getrieben. Ich wünsche mir, dass unsere reinrassigen Hunde aus diesem Gefängnis ausbrechen können. ... Es heißt nur, dass vor allem darauf Wert gelegt werden sollte, was ein Hund leisten kann, wie gesund er ist und wie gut es ihm geht."

Natürlich gibt es sicherlich noch viele Züchter, die mit Hingabe zur Rasse züchten und bei denen wirtschaftliche oder sportliche Interessen nicht den Schwerpunkt setzen, aber auch diese könnten von einer transparenten Zuchtstatistik und objektiven Kontrolle profitieren. Daher fordere ich für jeden Hund mit Zuchtzulassung eine Meldpflicht für auftretende Erbkrankheiten und für die Todesursache, damit kranke Hunde konsequent von der Zucht ausgeschlossen, Linien sinnvoll verpaart werden können und wir für alle Züchter zugängliche Transparenz schaffen.

Das A und O einer guten Zucht sind doch gesunde Hunde und gute Kenntnis über die Anlagen der Elterntiere um sinnvoll verpaaren und damit das Risiko von Krankheiten minimieren zu können.

Das Interesse des VDH sollte doch sein, den Zuchtstandard mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, um so wieder echte Qualität versprechen zu können, anstatt die Augen vor dem zunehmenden Trend des Qualitätsverlustes in der Hundezucht zu schließen.


Ich selbst habe im Jahre 2010 keinen Welpen erworben sondern mich auf Grund o.g. Sachverhalte für eine Working Siberian Husky quasi aus der Nothilfe entschieden:  Eine Hündin aus VDH Zucht, 3 Jahre, ich bin der 4. Besitzer! Die ersten Male ist die Hündin vom Züchter vermittelt worden. Zuerst an einen sicherlich sehr bemühten älteren Herrn ohne Hunderfahrung. Dieser Herr war völlig überfordert, der Hund sozial bis auf den Kontakt zur Besitzerfamilie isoliert. Diese Vermittlung führte zu schweren Verletzungen auf menschlicher Seite  - sicherlich eine Hundevermittlung zum Schaden von Hund und Halter! Mit 6 Monaten kam die Hündin deshalb zurück zum Züchter, dann wurde sie - mittlerweile mit angstaggressiver Tendenz nach der frühen Isolation -  mit knapp 1 Jahr in ein großes Rudel weitervermittelt. Auch hier ergaben sich mit der Zeit fast erwartungsgemäß  größere Probleme (die Hündin war so angstaggressiv, dass sie jeden Hund biss), über einen anderen Kennel, der sich engagierte kam die Hündin dann zu uns - und hat sich prächtig entwickelt! Auch diese Geschichte ist völlig konträr zum VDH-Gütesiegelversprechen der kompetenten Welpenvermittlung!!!

Wir haben unser Rudel nun nochmals um einen Siberian Husky erweitert und  um eine harmonische Rudelerweiterung soweit wie möglich zu gewährleisten sollte es diesmal ein Welpe sein - ich habe mich bewußt für einen Kennel mit langjähriger Zuchterfahrung entschieden, der aus o.g. Gründen seit kurzem aber  nicht mehr unter VDH-Siegel züchtet, der eine transparente und wohldurchdachte Zuchtpolitik betreibt und wo ich sicher bin einen gesunden und arbeitfähigen Siberian Husky zu bekommen (wenn auch ohne Papiere).Das kann ja nicht das Ziel des VDH sein, daß sich verantwortungsbewußte Züchter und Hundekäufer vom Verband Deutsches Hundewesen abwenden müssen um noch ein glaubhaftes Güteversprechen geben und einhalten zu können bzw mit Vertrauen einen Hund erwerben zu können.

Obwohl ich dem Rassehund und seinem Erhalt sehr positiv gegenüberstehe und früher überwiegend gute Erfahrungen mit VDH-Welpen machen durfte, ist nun mein Vertrauen in die "Marke" VDH zerstört... und ich frage mich, gibt es im VDH überhaupt noch eine Zukunft für den "echten" Working Siberian Husky als mental starken, teamfähigen "multi purpose" Marathonläufer, oder soll die Rasse in der VDH Zucht zu zweitrangingen "Hounds" verkommen (damit möchte ich die Hounds nicht abwerten,die ihre Stärke im Sprint haben).

Deshalb frage ich Sie: 
  • Was kann man tun, dass der echte Working Siberian Husky wieder eine Chance im VDH bekommt, jetzt wo viele verantwortungsbewußte Züchter dem VDH breits den Rücken kehren mußten und nach Alternativen suchen... gibt es noch eine Chance? 
  • Ist der VDH Willens die eingegangenen Meldungen bzügl. Verstößen im SHC zum Wohle des Working Siberian Huskys und der Qualitätsicherung in der Rassehundezucht zu bearbeiten? Kann sich der VDH noch mehr Vertrauensverlust leisten?

In dem Moment, wo der natürliche Selektionsdruck der Umwelt und der Arbeit für den ursprünglichen Hund wegfiel und wir Menschen begannen zu züchten, haben wir Verantwortung übernommen - für den einzelnen Hund und für die Rasseentwicklung - wir machten und machen den Hund zu dem was er ist - hoffentlich ein gesunder hundlicher Sozialpatner, der viel Freude schenkt - ein ganzes Hundeleben lang!

Dieses Schreiben möchte ich mit einem Zitat von Mark Rowlands, Prof. der Philosophie, beschließen: "Daraus (Anm: aus der machiavellistischen Intelligenz-Hypothese) ergibt sich naturgemäß der Gedanke, dass das unverwechselbar menschlich Böse durch bewusste Arglist entsteht... argumentiere ich jedoch, dass der größte Teil des von Menschen bewirkten Bösen nicht von Heimtücke, sondern von dem Unwillen herrührt, seine moralische und epistemische Pflicht zu erfüllen."

Es wird immer Menschen geben, die ihre moralische Verantwortung nicht ernst nehmen, daher brauchen wir objektive und unabhängige Kontrollinstanzen für die Hundezucht im VDH. Der VDH-Vorstand  aber sollte in der Lage und Willens sein, seine moralischen und epistemischen Pflichten (auch im Einzelfall!) zu erfüllen und damit Fehlentwicklungen zu verhindern!

Über eine Antwort bzw die Möglichkeit zum Dialog sowie Bearbeitung der o.g. Mißstände würde ich mich im Sinne und zum Wohle unserer Hunde sehr freuen, denn, um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen:

Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden;
Es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.

mit freundlichem Gruß

Daniela Pörtl

...dieser Brief blieb seit über zwei Monaten ohne Antwort vom VDH...


(Anmerkung Christoph Jung: Leider scheint das Nicht-Beantworten solcher sachlichen, ernst gemeinten Schreiben kein Einzelfall, vielmehr Standard zu sein - entgegen den Sonntagsreden des VDH)

Fotos: Daniela Pörtl, Roppelt
Hervorhebungen im Offenen Brief: Christoph Jung

Samstag, 2. Juni 2012

Älteste archäologische Nachweise des Hundehandels

Auf der winzigen Insel Dunnyneil, in der nordirischen Bucht Strangford Lough gelegen, fanden Forscher nun die Reste eines 1.100 Jahre alten Marktplatzes. Mit Russen, Germanen, Galliern und Isländern soll hier über 200 Jahre hinweg internationaler Handel betrieben worden sein. Wein, Pelze, Klingen aber auch Hunde zählten zum Handelsgut. Die Forscher sprechen davon, dass hier bereits im frühen Mittelalter die "berühmten irischen Wolfshunde" gehandelt worden seien.

Ältester archäologischer Nachweis des Hundehandels wie einer rezenten Hunderasse


Der Fund ist der älteste mir bekannte archäologische Nachweis des Hundehandels und wäre zugleich einer der ältesten archäologischen Nachweise einer konkreten heute noch existenten Hunderasse. Bekannt sind zahllose Belege für Hundehandel und konkrete Hunderassen aus der antiken Literatur, wo Rassehunde ebenso als wichtiges Exportgut der Provinz Britanniae dokumentiert sind. Auch gibt uns die Genetik immer mehr Hinweise zur realen Geschichte der Hunde.


Der Fund des Marktplatzes von Dunnyneil belegt, dass die Hunderassen Europas und möglicherweise sogar bis nach Asien (via Russland) bereits seit sehr langer Zeit weitflächig untereinander verbunden sind und mit großer Wahrscheinlichkeit auch so gekreuzt wurden. Es müsste noch genauer hingeschaut werden, wie weit tatsächlich ein Irischer Wolfshund in Dunnyneil nachgewiesen werden kann oder ob es sich beispielsweise um aus Russland importierte Vorfahren der Barsois handeln könnte aus denen erst der Irische Wolfhund hervorging oder vice versa. Ein spannendes Stück Geschichte der Hunde wie unserer selbst.

(Foto Christoph Jung)

Montag, 28. Mai 2012

Rassehund wohin?

Rassehund wohin? Argumente für eine Neuorientierung" - so der Titel des neuen Buches von Dr. Hellmuth Wachtel, das gerade im Kynos Verlag erschienen ist. Ich verfolge nun die Arbeit Wachtels seit vielen Jahren und es war sein Buch "Hundezucht 2000", das mir damals entscheidende Impulse gab, das System Hundezucht zu verstehen. Auch seine weiteren Veröffentlichungen z.B. im Hundemagazin "WUFF" sind wegweisend zum Verständnis des Rassehundes und der aus dem heutigen Zuchtsystem resultierenden Probleme und Aufgaben. Seine Auszeichnung mit dem DOGs-Award ehrt den Autor wie den Preis selbst. Wachtel ist einer der wenigen großen Kynologen unserer Zeit und einer der - leider - noch viel selteneren Fachleute, die die Missstände beim Namen nennen und ein aktiver Anwalt der Hunde sind. Also war klar, dass ich sein neues Buch nicht nur lese, vielmehr auch gründlich studiere.
Dr. Hellmuth Wachtel
Und es hat sich gelohnt. Man wird mit dem Buch arbeiten müssen, nicht nur heute. Manchen seiner Ausführungen kann ich nicht folgen, stoßen gar auf meinen Widerspruch, aber vielleicht hat Wachtel ja doch Recht!? Tatsache ist, dass der Rassehund ohne eine grundlegende Reform seines Zuchtsystems keine Zukunft hat, zumindest keine, die mit einem noch so großzügigen Verständnis von Tierschutz vereinbar wäre. Wachtel zeichnet konsequent, wie mit der Einführung der modernen Schauhundezucht nach 1873 zugleich ein gesundheitlicher Niedergang der Begleithunde aber auch später mancher Arbeitshunderassen, etwa dem Deutschen Schäferhund, einherging. Und er weist nach, dass diese Entwicklung keinen Zufall, vielmehr einen Fehler des Systems als Ursache hat: Inzucht und Verzicht auf Leistung. Durch die genetische Abschirmung verarmten die meisten Hunderassen genetisch soweit, das viele bereits in einer äußerst kritischen Situation sind. Und diese wider jeder biologischen und genetischen Erkenntnis praktizierte züchterische Fehlleistung hat erst in den letzten Jahrzehnten ihren Höhepunkt erreicht. Wachtel erläutert dabei wesentliche Gesetzmäßigkeiten der Populationsgenetik - allein das ist die Lektüre des Buches wert. Wachtel sieht darüber hinaus das Ausstellungssystem und hier insbesondere die Instanz des Einzelrichters im Ring als grundlegende Ursache für den Niedergang des Schaurassehundes.

Wachtel macht eine Fülle von teils kurzfristig und praxisnah umsetzbarer Vorschläge für eine Neuorientierung. Unter anderem zeichnet er die Vorteile bestimmter Designer-Dog Mischlinge wie des Labradoodle (Labrador und Großpudel). Durch den Heterosis-Effekt - nur - in dieser ersten Kreuzungsgeneration (F1) ist die Vitalität dieser Hunde signifikant erhöht. Auch die Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten ist nach den Gesetzen der Genetik niedriger. Wachtel macht zahlreiche Vorschläge, wie die heutigen Hunderassen gerettet werden können, aber er spricht auch aus, was viele bereits ahnen: Manche Rassen wird man in der heutigen Form aufgeben müssen, da sie - platt gesagt - kaputt gezüchtet, genetisch extrem verarmt sind und aus sich selbst nicht mehr gerettet werden können. Er appelliert eindringlich an Züchter, Tierärzte und ebenso auch die Halter, sich für eine Neuorientierung einzusetzen.

Warum ruft niemand "Halt!"?

"Wie ist es möglich, dass ein gerade für den Hund so wichtiger Körperteil, wie die Nase, bei immer mehr Rassen einfach weggezüchtet wurde? Dass eine einst wunderschöne, athletische Rasse, der Bullterrier, zum Zerrbild wurde? Weil ein schweinchenartiger Kopf das Fassen des Gegners im Hundkampf verhindern sollte... Und bei der Bulldogge die Hüften schmal und der Kopf übergroß werden mussten, was bei den meisten Hündinnen heute eine normale Geburt unmöglich macht? Und warum hat bei allen diesen Vorgängen, die ja nicht über Nacht gekommen sind, nie, nie jemand »halt« gerufen?!" (S.183 Hervorhebung CJ) - Eine Frage, die ich mir seit langen ebenfalls immer wieder stelle.

Manche Thesen Wachtels sind durchaus streitbar. Aber es waren immer streitbare Thesen, die letztlich zu großen Fortschritten führten. Es würde der Hundeszene nur gut tun, sich mit Wachtel sachlich und gründlich auseinanderzusetzen. Es ist eine der Ursachen für das Grassieren von Qualzucht und Erbkrankheiten, dass sich die Hundeszene ausgesprochen schwer damit tut, sich auch einmal mit kritischen oder unpässlichen Ansichten respektvoll auseinanderzusetzen. Der Hund hat es verdient, dass man mit Anstand und gegenseitigem Respekt um seine Zukunft streitet. Der Hund und namentlich der Rassehund ist zu 100% von uns abhängig. Wir sollten weniger von Tierschutz reden und mehr danach handeln. Die Lage des Rassehundes mitten unter uns stellt uns da allerdings kein gutes Zeugnis aus. Hellmuth Wachtel bewegt uns zum Nachdenken.


Eine Rezension von Christoph Jung

(Fotos: Archiv Hellmuth Wachtel, Kynos Verlag)

Freitag, 11. Mai 2012

Lundehündin "Lenchen" - ein Hundeleben.

Ein besonderer Nachruf von Theo Schnütgen

BBeim Besuch auf den Lofoten bei unseren Verwandten sahen wir einen Lundehund und waren sofort in ihn verliebt. Unser letzter Hund, ein Schipperke, war gestorben und wir suchten wieder einen Lebensgefährten. Unsere norwegischen Verwandten brachten uns in Verbindung zu einer norwegischen Züchterin. So bekamen wir "Lenchen" unsren Lündi.

"Mit so einem schönen Tier müßt Ihr aber züchten, da es so wenige noch davon gibt". Das wollten wir auch und bereiteten alles vor, um kleine Lündis zu bekommen. Alle Untersuchungen waren positiv abgeschlossen und wir freuten uns auf die Zukunft. Doch dann wurde Lenchen krank. Bauchwassersucht sagte man uns. Eine deutsche Tierärztin, die in Schweden praktiziert, informierte uns über die Wahrheit: "Wissen Sie, dass es ein Lundehund-Syndrom gibt, an dem die meisten Tiere dieser Rasse leiden".

Beim Club für nordische Hunde wich man auf Fragen aus. Die dümmste Erklärung kam von einem Norweger, Herrn G., der uns vorwarf, das Tier falsch gefüttert zu haben. Da wir öfters auf die Lofoten fahren, haben wir dort Trockenfisch in großen Mengen mit nach Hause genommen.

Über 80 mal sind wir mit Lenchen, wenn er krank wurde, zu Fachärzten und Kliniken gefahren. So langsam kam die Wahrheit heraus. Es war das Lundehund-Syndrom. Wir haben immer um das Leben des lieben Tieres gebangt. Die norwegische Züchterin stellte daraufhin die Zucht ein. Deutsche und amerikanische Universitäten berichteten nun über diese Krankheit. Doch die Züchter wollten davon nichts hören. Es werden weiter Lundehunde gezüchtet für den Profit und zum Sterben. Doch nun ist die Wahrheit nicht mehr aufzuhalten.

Unser Lenchen ist nun gestorben, und ich werde alles tun, um der Wahrheit eine Bresche zu schlagen und diese grausame Züchterei zu entlarven.

Theo Schnütgen, Talstr. 7, 56814 Greimersburg   10.5.12

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