Montag, 4. Mai 2015

Dokumentarfilm "Freund oder Feind"

Die Filmemacherin Ruth Stolzewski hat sich durch engagierte Videos zu den Missständen in der Hundezucht anhand der tödlichen, durch die Zucht als Seuche verbreiteten Herzkrankheit DCM beim Dobermann hervorgetan. Sie zählt zu den - leider - sehr wenigen Medien-Leuten, die wirklich ernsthaft für das Wohl unserer Hunde Partei ergreift und nicht lediglich schwülstiges Hundchen-Tata ablässt.

Nun bereitet sie ein neues Filmprojekt vor, für die sie um weitere Unterstützer wirbt. Zu einem auf Youtube veröffentlichten Vorschau-Video schreibt sie:

"Im Dokumentarfilm "Freund oder Feind" geht es um die ambivalente Beziehung zwischen dem Menschen und seinem ältesten Haustier, dem Hund. Der Hund ist der beste Freund des Menschen, aber ist der Mensch auch der beste Freund des Hundes? Oder sein schlimmster Feind?"

Ein ausgesprochen interessantes Thema!
Christoph Jung

Samstag, 25. April 2015

Der besondere Hundeblick

Der Blick unseres Hundes kann das Herz von Herrchen und Frauchen zum schmelzen bringen. Auch Hunde scheinen den Blick vertrauter Menschen zu mögen. Dabei vermeiden Hunde untereinander meistens, sich in die Augen zu schauen. Es gilt häufig als Provokation, als eher aggressiver denn emotional entspannender Akt. Auch bei Menschen untereinander hat das "in die Augen schauen" zwei Bedeutungen. Es kann eine Geste der Dominanz, der Ermahnung sein. Unter vertrauten Menschen ist es zumeist eine Geste der Zuneigung, des Vertrauens und Mittel zur Stärkung der Bindung. Dabei wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet.

Oxytocin nicht nur zum "kuscheln"

Oxytocin, 1906 von Henry Dale entdeckt, wird gemeinhin als "Kuschelhormon" bezeichnet. Tatsächlich ist es ein neurobiologisches Steuerungselement zur Stärkung der Bindung von Menschen und anderen Säugetier-Spezies untereinander, innerhalb ihrer jeweiligen Spezies. Es spielt für die Mutter-Baby-Bindung eine grundlegende Rolle, wie etwa von der schwedischen Physiologie-Professorin Kerstin Uvnäs-Moberg nachgewiesen wurde, die zugleich deren stressreduzierende Wirkung beschrieb. Oxytocin als Steuerungselement hat seine verbindende Bedeutung aber nur bei individualisierten Beziehungen von Menschen untereinander bis hin zur Größenordnung einer Kleingruppe. Bei einer großen Anzahl von Individuen wirkt es zugleich als innere Abgrenzung der eigenen Kleingruppe gegenüber Außenstehenden.
Foto: Christoph Jung
Mensch und Hund verbindet Besonderes. Für die meisten Hundehalter ist diese Feststellung nichts Neues, eine Selbstverständlichkeit. Sie entspricht der täglichen, langjährig erlebten Erfahrung, oft über Generationen hinweg. Die Wissenschaft ist da etwas vorsichtiger mit ihren Aussagen. Da müssen erst einmal belastbare Belege her. Lange Zeit haben es Wissenschaftler als melancholische Verklärung angetan, dem Hund eine besondere Stellung einzuräumen. Seit einigen Jahren wird die Mensch-Hund-Beziehung von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen systematisch erforscht. Schritt für Schritt werden die Erfahrungen aus der Praxis des Zusammenlebens mit Hund bestätigt und wissenschaftlich untermauert.

Erfahrungen der Hundefreunde werden wissenschaftlich bestätigt

Dabei wurde nachgewiesen, dass in der Beziehung Mensch - Hund ebenfalls Oxytocin aktiv ist. So lässt das Streicheln des Hundes vermehrt Oxytocin ausschütten wie Untersuchungen in Italien und Südafrika zeigten. Das gilt besonders im Zusammenhang mit der Begrüßung des Hundes durch den Halter, wie Therese Rehn von der Uni Uppsala in Schweden erst kürzlich belegen konnte. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die eine entspannende, stressreduzierende Wirkung des Kontaktes von Mensch und Hund neurobiologisch nachweisen.
Foto: Christoph Jung
Japanische Forscher um Miho Nagasawa haben jetzt aktuell eine Studie veröffentlicht, die noch einen Schritt weitergeht. Erstmals wurde ein selbsterhaltender Oxytocin-basierter Regelkreis zwischen Mensch und Hund nachgewiesen. Wenn sich Hund und Halter, also vertraute Individuen, gegenseitig in die Augen schauen, so fördert das bei Beiden die Ausschüttung von Oxytocin. Die Forscher konnten nachweisen, dass eine oxytocinvermittelte Gefühls-Rückkopplung aktiv ist, die es ansonsten nur innerhalb einer Spezies, etwa unter vertrauten Menschen gibt. Hier wirkt zwischen Halter und Hund, also Vertretern zweier unterschiedlicher Spezies. Bei Wölfen, auch wenn sie vom Menschen handaufgezogen wurden, diesem also sehr vertraut sind, zeigt sich kein Oxytocinanstieg beim Blickkontakt. Zudem vermeiden selbst zahme Wölfe solchen Blickkontakt eher. Die Studie aus Japan ist der erste wissenschaftliche Nachweis eines zwischenartlichen selbsterhaltenden Oxytocin-Regelkreises überhaupt.
Foto: Christoph Jung
Die Wirkung von Mensch und Hund aufeinander ist einzigartig

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist eine besondere. Sie hat sich in über 30.000 Jahren gemeinsamen Kampfs ums Überleben herausgebildet. Es ist eine Partnerschaft, die schon seit und mit ihrer Entstehung in der Altsteinzeit half, Stress abzubauen und zwar für Mensch und Hund resp. Wolf. Gemeinsam war man in den eiszeitlichen Mammutsteppen ein starkes Team. Weniger Stress im alltäglich Überlebenskampf bedeutete mehr Potential für die kreativen und kulturellen Fähigkeiten der Menschen, für deren Fähigkeit, größere soziale Strukturen mit Handel und Arbeitsteilung zu entwickeln. Auch die einzigartige Fähigkeit der Hundes, vielfältigste Aufgaben für den Menschen und in teils engster Teamwork mit dem Menschen zu übernehmen, hat hier ihre Wurzel.

29.000 Jahre alter Hundeschädel, dem man einen Mammutknochen ins Maul gelegt hat: "Dank an einen verdienten Jagdpartner?" fragen die Archäologen
(Anthropos Museum, Brno, mit freundlicher Genehmigung Mietje Germonpré)

Mehr als nur Selektion auf Zahmheit

Hormone wie Oxytocin, Serotonin oder Dopamin zeigen die tiefgehende Bedeutung der Bindung Mensch Hund bis auf neurobiologische Ebene an. Deren Wirkung wirft auch ein neues Licht auf die Entstehung und das Verstehen des Hundes. Sie erzählt uns viel mehr über den Menschen als bisher gedacht wurde. Und sie zeigt, dass die Entstehung des Hundes nicht allein aus genetischer Selektion zu erklären ist. Ein spannendes, bisher kaum erforschtes Kapitel auch der Menschheitsgeschichte. Zusammen mit der Neurologin Daniela Pörtl hat der Autor dieser Zeilen hierzu 2012 das Modell der aktiven sozialen Domestikation des Hundes vorgestellt.

Ein Beitrag von Christoph Jung, Diplom-Psychologe



Montag, 12. Januar 2015

Quo vadis Dobermann?

Unter diesem Titel hat Ruth Stolzewski ein Video zur Lage beim Dobermann veröffentlicht - knapp zwei Jahre nach ihrem ersten Video zum Dobermann. Auf Petwatch hatten wir mit einer kleinen Serie von vier Artikeln über den DCM-Skandal (dilatative Kardiomyopathie) im Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) berichtet. Geändert hat sich leider (noch immer) nichts.

Tierschutzskandal

Der für die Zucht des Dobermanns verantwortliche Mitgliedsverein des VDH verweigert seit nunmehr Jahrzehnten die Realisierung eines Zuchtprogramms zur Zurückdrängung dieser tödlichen, erblich bedingten Herzkrankheit, die mittlerweile mehr als 50% der Zuchtpopulation erfasst hat. Es handelt sich um eine zuchtbedingte Seuche, die wissenschaftlich gut beschrieben und zudem unstrittig ist. Das widerspricht nicht nur diametral den Zuchtrichtlinien des VDH (Papier ist geduldig in der "einzig kontrollierten" Hundezucht), es ist vielmehr ein handfester Tierschutzskandal. Es zeigt, was von der realen Tierschutzsituation in Deutschland zu halten ist, wenn hier keine Institution eingreift und solche systematischen Taten zulasten des Wohls und der Gesundheit der Hunde ohne zivil- und strafrechtliche Konsequenzen bleiben.

Artikelserie bei Petwatch:

Skandal beim Dobermann - nur eine Spitze des Eisbergs

Zucht mit schwersten Erbkrankheiten, Zucht mit Merkmalen, die nur das Urteil "Qualzucht" erlauben, sind leider keineswegs ein Einzelfall mitten in Deutschland. Auf Petwatch wurden bereits zahlreiche Berichte veröffentlicht und - leider - hat sich dort genauso wenig zum Positiven verändert wie oben beschrieben beim Dobermann. Ganz im Gegenteil. So ist es gängige Praxis in der Hundeszene, dass Menschen, die auf Missstände in der Zucht hinweisen, nicht selten auf das Übelste diffamiert und verleumdet, teils sogar mit Gewalt bedroht werden. Positive Ausnahmen, wie etwa beim Leonberger, gibt es nur wenige. Unzählige einschlägige Berichte zu den verschiedensten Hunderassen erreichten und erreichen Petwatch. Die allermeisten Absender wollen - verständlicherweise aber leider - allerdings nicht an die Öffentlichkeit treten. Auch deshalb nochmal meinen Dank an alle Autorinnen und Autoren, die Artikel auf Petwatch veröffentlicht haben.

Der Shitstorm kommt so sicher wie die fehlende Antwort der Zuchtvereine/-verbände zur Sache.

Hier einige Beispiele von auf Petwatch öffentlich gemachten Missständen in der Zucht spezieller Hunderassen:

Ein Beitrag von Christoph Jung



Montag, 11. August 2014

The Active social Domestication of the Dog

Really: dogs are mens best friends and positive effects of dog facilitated therapy are well known in medical an pedagogic treatment today. But whats the reason?

Searching for an answer we - Daniela Pörtl and Christoph Jung - have got involved in biology, neurology, psychology, archaeology and epigenetics and developed the model of active social domestication from the wolf to the dog. In our model we will try to explain why.

Our statements are:
  • Genetic selection is a necessary prediction of but not a sufficient explanation for changes from the wolf to the dog.
  • Domestication is essentially an epigenetic based process of modulation of CNS neurotransmitter activities.
  • Dogs dispose of new qualities, which are:
    - increased prefrontal inhibition / empathy concerning to humans (basic ToM) and
    - increased learning ability regarding to human behavior
  • Eventually dogs became multipurpose and active working and social partners to humans.
Dogs are multipurpose and active working partners to humans for more than 10.000 years. (Photo: Christoph Jung)
Hence dogs had become true mutual bonding partners to human and could have been integrated in human social behavior structures.
A fragment of a large bone, probably from a mammoth, Pat Shipman reports, was placed in this dog's mouth shortly after death. This finding suggests the animal was according special mortuary treatment, perhaps acknowledging its role in mammoth hunting. The fossil comes from the site of Predmosti, in the Czech republic, and is about 27,000 years B.P. old. This object is one of three canid skulls from Predmosti that were identified as dogs based on analysis of their morphology. (Text: PennState Science Photo: Anthropos Museum, Brno, the Czech Republic, courtesy of Mietje Germonpre.) look at Petwatch June 2014
In the paleolithic period humans and wolves were living in same structured family associations hunting the same big mammals using very similar nonverbal communication and very similar hunting strategy as well. Due to evolutionary continuity of mammal brains mirror neuron mechanism enabled them to understand each other (Buccino 2004/ Senju 2008). This mutual empathy reduced stress and helped to become confident. Behavioral cultures between wolf and human clans were formed, individual bonding started, genetic isolation of those wolfclans began. We consider domestication is essentially an epigenetic based process of changing the activties of HPA stress axis and serotonin system.

Thus domestication process started.

Domestication means among others decreased flight distance and decreased sensory threshold chiefly concerning to humans, so we have to focus on limbic brain regions which play a key role in mood control. Sensitive to glucocorticoids and innerved by serotonergic projections the (HPA)stress axis and the serotonin system are closely cross-regulated under physiological conditions.
Epigenetics: High-nurturing mothers raise high-nurturing offspring, and low-nurturing mothers raise low-nurturing offspring. This may look like a genetic pattern, but it's not. Whether a pup grows up to be anxious or relaxed depends on the mother that raises it - not the mother that gives birth to it. © 2014 University of Utah
Reffering to Michael Meaneys work (Montreal/ McGill University) there is evidence that the activity of genes implicated in mammal brain development and function are regulated epigenetically by social environment. Social factors like licking and grooming  decrease stress levels via increased serotonin which induces hippocampal glucocorticoidreceptor expression. When cortisol interact with these hippocampal glococorticoidreceptors, they exert a negative feedback signal which inhibits synthesis of cortisol. That renders to subsequently modest stress. Hippocampal glococorticoidreceptor density and thereby the activity of the stress axis are determined epigenticly in childhood but stay variable during lifespan.
(Photo: Christoph Jung)
This epigenetical regulation effected decreased cortisol levels, cross regulated prosocial neurotransmitter activity increased, maternal care improved. Hence from generation to generation the stress level of human associated wolves decreased. That means flight distance and sensory threshold concerning to humans decreased as well. Eventually the wild wolf became a tame wolf.

But a tame wolf is not yet a dog.

High cortisol levels hinder neural structures which are important for learning. But tame wolves were used to human presence, hence epigenetic decreased cortisol levels enabled them to learn better from humans. Due to similar social behaviour and similar mirrow neuron mechanism empathy and ToM could increase amomg both specimen. Thus, the tame wolf could grow into a domesticated social dog getting able to work together with humans in an active form of partnership.

Dogs are told to be man's best friends. But why?

Today social interaction between humans and dogs is still reducing the activity of HPA stress axis in both specimen as explained in the model of active social domestication. Reducing stress and invigorate therefore social and learning ability might be the reason of the benefit of dog facilitated therapy in medical and social treatment.
Dogs don't just substitute human partners. Communicating with dogs is mostly a non-verbal emotional based kind of communication. Mainly it is not focused on cognitive forebrain activity, but on limbic and social brain systems decreasing stress activity. Hence individual plans and intentions are not in center of communication but the social relationship itself. The meaning of dog-human bonding is not thinking and planning. The meaning of dog-human bonding is to relax and to be happy every shared moment. Being relaxed helps staying healthy and enhances learning ability.


by Daniela Pörtl and Christoph Jung


 
Petwatch Blog