Donnerstag, 27. März 2014

Bulldoggen: CT statt Show

Die Initiative Gesunde Bulldoggen und seine fleißigen Unterstützer und Befürworter haben in den letzten Jahren genug Bildmaterial anhand von Röntgenbildern und CT-Auswertungen gesammelt und möchte sich hier bei allen willigen Bullybesitzern und Züchtern herzlich für die Unterstützung bedanken.

Es ist erschreckend, wie wenige befundarme und stabile Bulldoggen es tatsächlich gibt und wie verwirrend manche ausgestellten Gutachten eine gute Bullygesundheit vortäuschen. Dies ist kein Phänomen unkontrollierter Vermehrerzuchten, hinter vielen kranken Hunden steht „hochrangiges“ Pedigree aus namenhaften FCI-Zwingern. Man muss ganz klar die Definition Gesundheit in Bezug auf die Französische Bulldogge und „zuchttauglich ohne Auflagen“ in Frage stellen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Bully ohne große Einschränkungen alt werden kann, dies kann er auch mit mittlerer HD, verlegten Atemwegen und deformierten Wirbeln. Ihn nur, weil er kein tierärztlicher Dauerpatient war, mangels umfangreicher Diagnostik als gesund darzustellen ist sehr irreführend und stützt nur die oberflächigen Untersuchungen, die einige Vereine fordern.

Betrachten wir das Problem der Keilwirbel:

Bisher war es üblich ein Röntgenbild in Seitenlage von Brust- und /oder Lendenwirbelsäule anzufertigen und dieses durch Tierärzte begutachten zu lassen. Hier sehen wir nur eine Außenseite der Wirbelkörper und können maximal erkennen, wo die Hemivertebrae, wo die Keilwirbel sitzen.

Viele Hemivertebrae werden in der Regel nicht berücksichtigt, Keilwirbel werden ab einer gewissen Abweichung vom gesunden Wirbelkörper als leicht verändert oder ausgeprägt eingestuft. Lage, Ausbildung und Anzahl dieser Wirbel entscheiden über Graduierung und Zuchttauglichkeit. Spondyliosen, arthrotische Zubildungen, Kissing Spines, verkalkte Bandscheiben werden je nach Verein berücksichtigt oder ignoriert.
Gutachter diagnostizieren nicht alle Anomalien und nicht alle Formen von Hemivertebrae. Eindeutige Keile werden gutachterlich berücksichtigt, viele weitere Anomalien, die ebenso in die Gruppe der Hemivertebrae fallen, nicht. Eine Anomalie liegt vor, auch bei einseitigen Veränderungen und Verkürzungen. Diagnostizierte Keilwirbel zeigen beidseitige Verkürzungen des Wirbelkörpers. Die Anlagen aller Hemivertebrae sollten für jeden Züchter interessant sein, da sich durch den autosomal rezessiven Erbgang die vorhersehbare Gesundheit der Nachkommen positiv wie negativ beeinflussen lässt.

Hier finden Sie die fachmedizinische Definition der Hemivertebrae.

Darstellung einzelner Wirbelkörper inkl. Durchfluss des Rückenmarks
Anhand der folgenden Röntgenbildern eines Bullys können Sie erkennen, dass ein einziger, diagnostizierter, leichter Keilwirbel keine sichere Aussage über die Gesundheit und Stabilität der Wirbelsäule sein kann. Eine Beurteilung nutzt überhaupt nichts, wenn man nicht den gesamten Wirbel inkl. Durchfluss des Rückenmarks erkennen kann.

Es sind in den letzten Jahren viele Bullys mit berühmten Pedigrees und unauffälligen Wirbelkörpern aufgrund von multiplen Bandscheibenvorfällen aufwändig saniert und in vielen Fällen tragischerweise euthanasiert worden. CT-Untersuchungen zeigen, dass sich Wirbel oftmals nicht ausbilden, es fehlt teilweise der gesamte Umschluss um den Wirbelkanal, es brechen Fragmente aus oder Teile des Wirbels sind erst gar nicht ausgebildet. Dies kann in seltenen Fällen sogar bei keilwirbelfrei begutachteten Wirbelkörpern aus seitlicher Aufnahme der Fall sein. Die Folgen für den Hund und vor allem für seinen möglichen Nachwuchs können verheerend sein.

Daher sollte jedem Züchter eine komplette, einmalige dreidimensionale Diagnostik per Computer-Tomografie am Herzen liegen, wenn er ein wirklicher Freund der Hunde und der Rasse ist!

Betrachten wir das Problem der Atemwege:


Das Unwort der Bullyzucht ist Freiatmung! 

Man brüstet sich mit dieser Floskel als Prädikat für sensationellen Zuchterfolg. Sollte eine ungehinderte Atmung nicht für jedes Säugetier selbstverständlich sein? Eine komplikationsfreie Atmung in jeder Lebenslage ist nur gewährleistet, wenn das Zusammenspiel von Nasenloch, Nasengängen, Rachen, Stimmtaschen, Kehlkopf, Gaumensegel und Trachea harmonisch und ohne Deformationen zusammenpasst. Dies muss individuell bei jedem Hund per CT-Untersuchung festgestellt werden. Ein alleiniger Blick per Endoskopie in den Rachen, meistens noch bei einem nicht annähernd ausgewachsenen Bully gibt hierüber überhaupt keinen Aufschluss. Es ist immer wieder erstaunlich zu welchen Ergebnissen man hier kommen kann. Komplett verlegte Hunde, die nie ein schwerwiegendes Symptom in der Atmung zeigten, geräuschvolle Schnorchler, bei denen keinerlei Behinderungen feststellbar waren. Sicher ist, dass weder Nasenloch-Index, Nasenlänge oder Geräusche sicheres Indiz für die Gesundheit der Atemwege sein kann. Hiermit ist der Unsinn diverser Belastungstest in bekannter Form ziemlich sicher. Und da wir uns ja alle einig sind, dass wir nicht vermehren, sondern durch gezielte Selektion in der Zucht negative Merkmale der Rasse zurückdrängen und positive Eigenschaften verbessern wollen, sollte sich jeder ehrliche und aufrichtige Züchter mit der möglichen, umfassenden Diagnostik der Atemwege beschäftigen wollen.

Darstellung eines Bullykopfes mit gesunden Nasengängen:


Darstellung eines Bullykopfes mit verlegten Nasengängen:

Wir haben in den letzten Jahren zu viele „freiatmende“ Hunde aus „freiatmenden“ Eltern nach Leipzig überweisen müssen, als dass wir an das Märchen der Selbstdiagnostik per Bällchenschmeißen und 10 Minuten Spaziergang als Belastungstest diverser Züchter glauben können!

Warum CT statt Show?

Eine CT-Untersuchung ist eine einmalige, kostenaufwändige Diagnostik eines Zuchthundes, der mehrere Dutzend Nachkommen zeugen kann. Dies wird er nicht ohne finanziellen Verdienst tun. Wer sich für die Zucht der Rasse Französische Bulldogge entscheidet, weiß um die vielen möglichen genetischen Defekte, die dieser liebenswerte Geselle mittlerweile leider in sich hat. Wenn wir so sehen mit welchem Aufwand, je nach Vereinszugehörigkeit, hinter Pokalen und Beurteilungen und Championaten nachgestellt wird, wie wichtig scheinbar die fragwürdige Beurteilung durch Dritte vielen Züchtern ist, die den Hund besonders „wertvoll“ machen, möchten wir gerne vorschlagen, ein bisschen weniger in Show und äußerliche Bewertungen und ein bisschen mehr in Zuchtprophylaxe zu investieren. Angesichts des riesigen Aufwandes von Züchtern auf zahlreichen Weltsieger-, Universums- und anderen Siegerschauen mit zu erreichenden fragwürdigen Titeln, kommen wir zu dem Schluss, sobald das Argument der teuren CT-Untersuchung fällt: Sparen Sie sich im Sinne der Rassegesundheit ein paar Ausstellungen und investieren sie lieber in umfang- und aufschlussreiche Bilddiagnostik.

Trennen Sie strikt Zucht von Show! 

Wobei man leider erwähnen muss, dass in Österreich beispielsweise die Zucht nur mit Tieren erlaubt ist, die mindestens zwei V-Platzierungen und eine SG-Platzierung auf einer österreichischen internationalen Clubausstellung erwerben haben.

Die heutigen Show-Gewinner zeigen nur in Ausnahmefällen gesunde anatomische Merkmale, die der Weitervererbung dienlich wären. Und diese bedauernswerte Entwicklung zieht sich leider durch viele Rassen.

Fahren Sie mit den potentiellen Topvererbern aus FCI-Ahnen nicht nach Birmingham zur Crufts, sondern in die nächste Universitätsklinik ins CT, wenn sie wirklich etwas Sinnvolles für die Rasse beitragen wollen! Selektieren Sie potentielle Hunde mit Defekten vor dem Zuchteinsatz aus und ersparen dem Nachwuchs und deren Besitzern Schmerz und Leid.

Angesichts der nach wie vor massiven Einschränkungen der Bulldoggen muss man sich eingestehen, dass all die bisherigen Zuchtuntersuchungen und Zuchtzulassungsprüfungen der Rasse keine ausreichende gesundheitliche Stabilität verschafft haben. Daher sollte hier schnellstens ein Umdenken stattfinden, wenn man der Französischen Bulldogge tatsächlich noch helfen möchte wieder zur stabilen Hundeform zurückzufinden.

Liebe Züchter, zeigen Sie Mut, Fachkunde und Rückgrat, wenn sie sich dieser anspruchsvollen Rasse annehmen wollen.

Das Risiko der Sedierung ist gering und kalkulierbar. Dieses Argument des Ablehnens der CT-Untersuchung ist unhaltbar, denn jeder Züchter der Französischen Bulldogge nimmt mit dem relativ hohem Risiko einer Kaiserschnittgeburt bei jeder Belegung das Wohlergehen von Hündin und Welpen bewusst in Kauf.

Zumal man mit solcher Diagnostik bei nicht so erfreulichen Ergebnissen den Hunden frühzeitig schwerwiegende Folgen von entdeckten Deformationen ersparen kann. Durch eine Pektinektomie bei mittlerer und schwerer HD lassen sich schmerzhafte Coxarthrosen vermeiden bzw. hinauszögern. Entdeckte auffällige Wirbelmissbildungen lassen sich durch frühzeitige Infiltration positiv beeinflussen und beugen Bandscheibenvorfällen vor. Rechtzeitig korrigierte Atemwege minimieren das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen als Folge behinderter Sauerstoffzufuhr.

Wir arbeiten eng mit Fachtierärzten und Rassekennern zusammen, bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Ein Artikel von
Claudia Fuhrmann – Gesunde Bulldoggen.de

(Die Abbildungen wurden von der Autorin zur Verfügung gestellt)

Informationen zum English Bulldog auch auf www.bulldogge.de
(Christoph Jung)


Dienstag, 11. Februar 2014

Trauer um Werner Freund

Werner Freund ist am 9.Februar 2014 im Alter von 80 Jahren verstorben.
Er gilt - mit Recht - weithin als einer der großen Wolfsforscher unserer Zeit. Aus meiner Sicht war er aber auch ein großer Menschenkenner. Er verstand und lebte wie kaum ein anderer Mensch unserer Zeit die besondere Beziehung, die Wolf und Mensch verband, ein Verständnis, das den heutigen Menschen leider weitestgehend verloren gegangen ist.

Wir trauern um einen großen Menschen.

Christoph Jung

Montag, 16. Dezember 2013

Soziales Lernen - Wölfe und Menschen

Wölfen sind die Fähigkeit und das Interesse bereits angeboren, Artgenossen aber auch Menschen zu beobachten und von ihnen zu lernen. Die Verhaltensforscherinnen Friederike Range und Zsófia Virányi von der Uni Wien und dem "Wolf Science Center" haben am 3.12.2013 eine Untersuchung veröffentlicht, die das Verhalten von Wolfswelpen und Hunden in Bezug auf Menschen beobachtet.

Wölfe lernen vom Menschen

Dass Hunde hervorragende Beobachter des Menschen sind und solche Beobachtungen auch für ihr Verhalten nutzen, kennt jeder aufmerksame Hundehalter. Dieses Verhalten des Hundes ist inzwischen auch wissenschaftlich umfangreich nachgewiesen. Es ist ihnen bereits in die Wiege gelegt. Range und Virányi zeigen nun, dass auch bei Wolfswelpen eine solche Anlage ausgeprägt ist. Sie weisen nach, dass Wolfswelpen einen Menschen (wie auch Artgenossen) beim Verstecken von Futter aufmerksam beobachten. Und nicht nur das: Sie lassen sich dann von dieser Erkenntnis bei der eigenen Suche nach Futter leiten. Statt der eigenen, bekanntlich ganz hervorragenden Nase nachzugehen, vertrauen sie auf ihre Erkenntnisse durch Beobachtung des Menschen. Dort wo ein Mensch Futter versteckt, wird zuerst gesucht - und zwar mit doppelter bis vierfacher Wahrscheinlichkeit als bei einer eigenständigen Suche ohne vorher einen Menschen beobachtet zu haben. Ein ähnlicher Effekt war bei der Beobachtung eines Hundes festzustellen, wenn auch abgeschwächt. Interessierte sich ein Hund für ein Versteck, so auch die beobachtenden Wolfswelpen und umgekehrt. Diese und weitere Ergebnisse sind in der bei "Frontiers in Psychology" veröffentlichten Studie "Social learning from humans or conspecifics: differences and similarities between wolves and dogs" nachzulesen.
Bereits nachgewiesen: Hunde verstehen Fingerzeige des Menschen sofort.
Hier eine Studie beim MPI in Leipzig, Foto © MPI für evolutionäre Anthropologie
Der Nachweis des sozialen Lernens vom Menschen auch bei Wölfen durch die beiden Verhaltensforscherinnen hat weitreichende Bedeutung für das Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung. Range und Virányi deuten dies selbst an. Haben Wölfe die Fähigkeit und das Interesse, Menschen zu beobachten und daraus für das eigene Verhalten zu lernen, so kann das als Hinweis auf eine Domestikation des Wolfes zum Hund als gegenseitiger Prozess von Wolf und Mensch gewertet werden. Domestikation als interaktiver Prozess und nicht primär oder alleine durch menschliche Selektion.

Ein grundlegend neues Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung ist gefragt!

Die Vorstellung vom Menschen als alleinigem Schöpfer des Hundes, als demjenigen, der den wilden Wolf bändigte, wird immer mehr infrage gestellt. Das anthropozentrische Bild des Homo sapiens, der sich eines armen Wolfswelpen erbarmte oder das Bild des Hundes als kommesialistischer Müllverwerters, der per menschlicher Selektion zahm wurde, lässt sich kaum mehr aufrecht erhalten. Es stellt sich sowieso die Frage, Wie und Warum ein direkter Nahrungskonkurrent und zumal einer, der dem Steinzeitmenschen gefährlich werden konnte, zum ersten Haustier und zugleich zu dem Tier werden konnte, das die engste und innigste Verbindung zum Menschen entwickelt und vice versa. Diese Entwicklung lässt eine tiefergehende Beziehung vermuten. Die Wirkung auf den Wolf ist bekannt und leicht erkennbar. Aus ihm wurde der Hund. Aber der Autor unterstellt zugleich eine noch nicht erforschte aber wahrscheinliche Wirkung auf die Evolution des Menschen und diese weitergehend als nur durch die bekannten Funktionen des Hundes zum Beispiel als Jagdhelfer.

Co-Evolution von Mensch und Hund?

Auf Petwatch wurde kürzlich eine Studie vorgestellt, die die ersten Anfänge des Hundes auf vor 33.000 Jahren datiert. Das war noch in der Altsteinzeit und sogar noch vor dem letzten eiszeitlichen Maximum (LGM). Erst mehr als 20.000 (!) Jahre später wurde das nächste Tier domestiziert, Schaf und Ziege. Der Autor hat bereits im "Schwarzbuch Hund" darauf hingewiesen, dass die Hundwerdung ein gegenseitiger Prozess von Mensch und Wolf resp. Hund gewesen sein MUSS. "Wir müssen uns jedenfalls von der selbstgefälligen Sicht des den Hund erschaffenden Menschen verabschieden. Der Mensch war nicht der Schöpfer des Hundes. Nicht der Mensch alleine hat den Wolf zum Hund gemacht. Wir sollten uns ebenso mit dem Gedanken vertraut machen, dass wir dem Hund einiges hinsichtlich unserer eigenen Erschaffung zu verdanken haben. Es ist wert, dem Gedanken einmal ganz nüchtern und bescheiden nachzugehen, ob und wenn ja wie weit der Hund Anteil am Siegeszug unserer Vorfahren hatte." (Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund, 2009)
Partnerschaft leben

Zusammen mit der Neurologin Daniela Pörtl hat der Autor 2012 ein neurobiologisch begründetes Modell entwickelt, das die Entstehung und Wirkungsweise der Mensch-Hund-Beziehung erklären kann. Die experimentell fundierten Erkenntnisse von Range und Virányi bestätigen den Ansatz, dass die Hundwerdung ein wechselseitiger Prozess gewesen sein könnte. Wir sollten davon ausgehen, dass wir dem Hund viel mehr zu verdanken haben. Wir sollten den Hund viel mehr als Partner sehen und behandeln und vor allem respektieren, statt lediglich als Objekt, sei es für Konsum und Profit, als Sportgerät oder armes Geschöpf, dem sich der (selbstgerechte, deutsche Tierschutz-) Mensch erbarmen muss.

Ein Artikel von Christoph Jung




Montag, 9. Dezember 2013

Stiftung Warentest: Tierschutz - Geschäft mit der Not der Tiere

Stiftung Warentest untersucht in der Ausgabe 12/2013 das Geschäftsgebaren von Tierschutz- sowie anderen Organisationen im Bereich Umwelt. Zusammen mit dem "TÜV" für Charity-Unternehmen, dem DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen) wurden 46 Anbieter angeschaut. Die gute Nachricht: Bei sechs Organisationen wurde ein positives wirtschaftliches Arbeiten im Interesse der Tiere festgestellt. Bei BUND, Greenpeace, Provieh, WWF, Atmosfair und Deutschem Tierschutzbund fließen mindestens 65% ihrer Einnahmen auch tatsächlich in die meist werbeträchtig vermarkteten Projekte.

Die ernüchternde Seite: Die breite Mehrheit schneidet nicht gut ab. 21 Organisationen wurden als wenig transparent oder unwirtschaftlich arbeitend eingestuft. 19 Organisationen verweigern der Stiftung Warentest sogar jegliche Auskunft, darunter listet die Zeitschrift test auch in der Hundeszene bekannte Organisationen wie "Europäischer Tier- und Naturschutz" (ETN) oder "Retriever in Not" auf. Diese 19 "Tierschutzorganisationen" geben Stiftung Warentest trotz Nachfragen keine Auskunft über ihre Strukturen und ihren Umgang mit den Geldern der vielen Spender.
Stiftung Warentest untersucht in test Dezember 2013 das
Geschäftsgebahren von Tierschutzorganisationen (Screenshot 8.12.13 www.test.de)
"Spendengelder: Geschäfte mit dem Tierschutz" ...

...titelt ein Artikel bei Spiegel-Online vom 9.12.2013. "Der Tierschutz ist eine Gelddruckmaschine", wird Stefan Loipfinger zitiert. Die Charity-Industrie ist ein Milliarden-trächtiger Wirtschaftszweig mit eigenen "Fund-Raising"-Agenturen und zuweilen auch Drücker-Kolonnen. Und gerade zur Weihnachtszeit boomt der Spendenmarkt.

Im Bereich der Tiere und hier speziell der Hunde werden besonders aggressiv und oft lediglich per aufgepeitschter Emotion Spenden und ganze Erbschaften akquiriert. Nebenbei wird bei manchen Unternehmen des so genannten Auslandstierschutzes auch noch gutes Geld mit der Vermarktung importierter Hunde realisiert. Laut Spiegel soll der jährliche Spendentopf im Tierschutz 200 Millionen Euro groß sein. Dabei werden nicht selten Millionen Euro in private Taschen geleitet, fürstliche Gehälter und Spesen an Führungsleute gezahlt, Spendengelder per Scheinaufträge privatisiert. Der rechtskräftig verurteilte Vorsitzende vom Deutschen Tierhilfswerk, Wolfgang U., hat binnen von nur 5 Jahren 25 Millionen Euro auf private Konten geleitet.

200 Millionen Euro Markt

Nicht wenige Organisationen des so genannten Auslandstierschutzes sind darüber hinaus eng verwoben mit international agierenden Hundehändler-Ringen, Vermehrern innerhalb Deutschlands und ganzen Zuchtvereinen. So werden Rassehunde, die unter elenden Bedingungen in Osteuropa produziert werden, systematisch in Deutschland mit Papieren ausgestattet und von "Züchtern" als eigene Produkte vermarktet. Gerne werden in Deutschland gefallene Würfe mit importierten Welpen vergrößert und diese dann als "aus bester Zucht in Deutschland" stammend arglosen Käufern angeboten. Das ist besonders bei teuren Moderassen wie Bulldoggen gängige Praxis. Kuckuckswelpen nennt man diese in der Fachsprache. Bis zu 1.000 Euro lassen sich so pro Welpen an zusätzlichem Gewinn realisieren. Immer wieder fallen den Behörden tierschutz- und rechtswidrige Transporte besonders aus Südost-Europa auf, wo Rassehundewelpen und Nothunde in einem Transport vom selben Absender an denselben Adressaten in Deutschland - "Tierschutzorganisationen" - gekarrt werden. Ähnliches passiert Richtung Spanien.

Hinter der Nebelwand des Tierschutzes werden riesige Profite auf Kosten der Hunde realisiert.

Da lässt man sich nicht gerne über die Schulter schauen, insbesondere dann nicht, wenn es ums Eingemachte, die Finanzen geht. Noch unangenehmer ist ein kritischer Blick auf das ganze Geschäftsmodell. Initiativen wie Charitywatch, die Stefan Loipfinger unter dem Druck der Charity-Industrie schließen musste, Blogger wie Karin Burger oder andere Autoren, die ein wenig Licht hinter diese Nebelwand der Tierliebe zu bringen versuchen, werden verleumdet, mit Gewalt bedroht, öffentlich diffamiert. Aktiv betrieben von mehr als nur einer, der von Stiftung-Warentest im Dezember 2013 namentlich angeführten Organisation auf der Liste der Auskunftsverweigerer.

Kritisches Hinterfragen unerwünscht

Kritische Stimmen versucht man, mit (fast) allen Mitteln zum Schweigen zu bringen. Ehrliche Argumente haben die schwarzen Schafe der Tierschutz-Branche nicht, wie auch? Daher wird zu Mitteln weit unterhalb der Gürtellinie gegriffen. Die Journalistin und frühere Mitarbeiterin von Charitywatch, Karin Burger, die mit erstaunlichem Mut den wohl einzigen tierschutzkritischen Blog Deutschlands betreibt, steht besonders im Fadenkreuz solcher "Tierschützer". Auf Facebook wurde dazu aufgerufen, das Haus von Karin Burger in Brand zu stecken und zu weiteren Gewaltakten. Gewaltaufrufe, anonyme Drohanrufe bei ihr stehen seit Jahren auf der Tages- (besser Nacht-)Ordnung. Verunglimpfungen in Wort und Bild, offen erkennbar weit jenseits der Menschenwürde samt evidenten und offen erklärten Verstößen gegen elementare Persönlichkeitsrechte werden per Facebook und Internet verbreitet. Selbst wenn Karin Burger mit ihren Artikeln voll daneben liegen würde, wären solche Auswüchse jenseits der Menschenwürde nicht zu entschuldigen. Und Tatsache ist: Vor Gericht obsiegte Karin Burger in der Sache regelmäßig, selbst wenn manche "Tierschutzorganisation" mit den Spendengeldern die teuersten Rechtsanwälte engagiert hatten, um ihr den Mund zu verbieten.

Geht es wirklich um den Schutz der Tiere?

Bemerkenswert: Teile der deutschen Tierschutzszene beklatschen solche menschenunwürdigen, jeglichen Respekt vermissenden Aktivitäten gegen missliebige Personen ganz offen, geifern zuweilen gar wie ein Lynchmob - alles gut dokumentiert bei Facebook. Man liebt offenbar einfache Schuldige und einfache Lösungen. Kritische Meinungen, basales Nachdenken, langfristige Lösungen sind da nur Spielverderber, die den schönen Dünkel des Welttierretters stören. Es scheint ein Prinzip des Geschäftsmodells des unseriösen Teiles des "Tierschutzes" zu sein, möglichst das Nachdenken über die Zusammenhänge und echte Lösungen zu verhindern, vielmehr Emotionen anzuheizen. Das scheint die optimale Grundlage zur Vernebelung des eigentlichen Geschäftszwecks: Das Aquirieren möglichst großer Summen an Spendengeldern, Erbschaften und Vermittlungsgebühren für den privaten Benefit einiger Führungskräfte.

Notwendig wäre ein Ethik-Codex speziell für Tierschutzorganisationen.

Dieser müsste neben den Kriterien für einen seriösen wirtschaftlichen Umgang mit den Spendengeldern auch Regeln für den Umgang mit den Tieren enthalten. Tiere müssen vor Geschäftemachern, Stümpern und Aktionisten im Gewand des Tierschutzes geschützt werden, eigene, nachprüfbare Rechte erhalten. Die Einhaltung dieses Ethikcodes müsste öffentlich transparent gemacht und im Detail von einer unabhängigen Instanz, einer Art TÜV regelmäßig kontrolliert werden. Mein Rat: Keinen Cent für Tierschutzorganisationen, die nicht wirklich transparent und offen mit ihren Einnahmen und Ausgaben umgehen. Tierschutz braucht keine Nebelwand! Der seriöse Tierschutz sollte sich viel offensiver von den zahlreichen Geschäftemachern und Aktionisten auf Kosten der Tiere abgrenzen.

Tiere brauchen heute mehr denn je eine menschliche Lobby, Tiere brauchen unser Engagement FÜR sie, ehrliches Engagement mit Sinn und Verstand.


Mittwoch, 27. November 2013

Die Französische Bulldogge - Wo züchten wir hin? (Teil 2/2)

Gerne wird auch hier die Verantwortung auf das Phänomen Vermehrerzucht und Modehund gelenkt. Auch dies ist so nicht richtig, da schon vor mehreren Jahrzehnten Fachzeitschriften diverser Bulldoggenclubs sowie Züchter, wie z. B. Mulin und Watkins davor gewarnt haben, die Hunde nicht zu kurz zu züchten, um Deformation zu vermeiden bzw. nicht zu verstärken. Kein wahrer Tierfreund belastet seine Hündin hier mit Trächtigkeit und Geburt möchte man meinen, die Realität sieht anders aus.

Wo sind die Rasseliebhaber, die hier miteinander arbeiten?

Die gleiche biologische Fehlentwicklung findet man in der Selektion auf zu kurze, zu breite Köpfe im Zusammenhang mit der Kieferstellung und Anzahl der Zähne. Wo sollen die Anlagen eines kompletten Gebisses sich auch entwickeln, wenn man ihnen keinen Platz mehr bietet? Folglich sind Missbildungen, Verkürzungen, Verdrehungen etc. nur eine logische Konsequenz der Natur, die in eine Schablone gepresst wird, die nicht funktionieren kann. Ein langjähriger Züchter und Richter der Französischen Bulldoggen
schließt sogar auf einen Zusammenhang zwischen Zahn- und Kieferfehlstellung und Deformationen des Skelettes! Diese Erkenntnis ist nicht neu und wurde in der Praxis an durchuntersuchten Hunden oft bestätigt. Und immer noch wird in vielen Zuchten auf Zahnstellung und Anzahl nicht geachtet, Deformationen beim Bully werden als normal "rassetypisch" hingenommen, die Konsequenzen daraus nicht bedacht.

Hüftgelenkdysplasie

Die Hüftgelenkdysplasie ist beim Bulldog erschreckend weit verbreitet, es wird selten darauf hin untersucht, weil dies von den meisten Vereinen für die Zuchtzulassung nicht gefordert wird. Der Grund hierfür liegt vermutlich darin, dass ein Bully auch mit einer mittleren HD im zuchtfähigen Alter oftmals nur sehr schwer zu erkennende Symptome im Gangwerk zeigt. Es ist indiskutabel, Erbkrankheiten zu ignorieren, weil der kurze, gut bemuskelte Hund die Deformationen relativ gut kompensieren kann. Aber: Eine HD in Verbund mit Schwachstellen in der Wirbelsäule kann bereits im Jugendalter verheerende Folgen haben. Immer wieder werden Tiere im jungen Alter aufgrund von nicht therapierbaren, multiplen Bandscheibenvorfällen eingeschläfert. Auch hier lässt sich das Problem züchterisch verbessern, wenn man dies denn auch möchte.



Umdenken notwendig!

Es muss im Sinne der Hunde ein Umdenken stattfinden, das angenommene Schönheitsideal, welches viel zu oft auf Ausstellungen belohnt wird vom kurzen, breiten, rutenlosen Bully muss aufgeweicht werden. Hier ist es dringend notwendig das Ideal der "Show-Schönheit" von Zucht zu trennen. Aufgrund der gewünschten Übertypisierung gewinnt ein solide gezogener und stabiler Bully selten bessere Bewertungen als ein "sehr gut". Züchter sollten lernen, dies als Kompliment zu sehen, wenn sie denn unbedingt Zuchthunde in den Shows zeigen wollen.
Es ist nicht richtig Hunde zu züchten, die aufgrund von kurzer Steifigkeit des Körpers nicht mehr in der Lage sind sich selbst zu reinigen, die kein freies, schwungvolles Gangwerk eines kleinen Caniden mehr zeigen, die aufgrund von Blockaden und Deformationen nicht in der Lage sind, die Beine weit unter den Körper zu setzen, von unkomplizierten natürlichen Deckakten und Geburten einmal ganz abgesehen. Hier würde die Natur der Rasse selber einen Einhalt setzen, wenn man sie ließe. Unter anderem aufgrund von eingewachsenen Ruten, die sicher zuchtausschließend behandelt werden sollten, sind Kaiserschnittgeburten einkalkuliert. Fordert man hingegen CT-Untersuchungen der Zuchttiere sind die Kosten zu hoch und das Narkoserisiko zu groß. Welch irrsinniger und bodenlos stupider Gegenspruch!

Der Bully muss ein Bully bleiben, das darf und kann er auch...


Mit kurzem Stupsnäschen und kleiner, frei getragener, beweglicher Rute ist das gewünschte Kindchenschema immer noch vorhanden. Auf dem Weg zu einem stabilen, gesunden Hund muss man aber auch die Scheuklappen des im weit auszulegenden Rassestandards verankerten Ideals einmal öffnen und auch den nicht perfekten Bully in die Zucht mit einbeziehen, der vielleicht eine sehr lange Nase und Rute zeigt, aber mit diesen gesunden Merkmalen seinen Nachfolgern maximale Lebensqualität spenden kann. Die Reihenfolge muss Gesundheit, Wesen, Schönheit sein, wenn wir wieder belastbare, kleine, molossoide Begleithunde wünschen, die von ihrem Wesen und ihrer anpassungsfähigen, humorvollen Art so perfekt in unser heutiges Leben passen.

...denn ein gesunder, wesenstypischer Bully passt hervorragend ins heutige Leben.

Ich danke den mutigen Züchtern, die neugierig und aufgeklärt die Rasse erhalten und verbessern wollen und wünsche Ihnen viel Herz, Verstand und Rückgrat für Ihren Weg. Es ist traurig vielversprechende Hunde aufgrund von Krankheiten auszuscheiden, aber der Genpool kann es noch verkraften, der Wunsch nach stabilen Hunden sollte groß genug sein, dies mit Überzeugung zu tun. Die Rasse ist es wert, auf einem gesunden Niveau erhalten zu werden. Einfach mal im Sinne von Freund Hund darüber nachdenken...


Ein Artikel von Claudia Fuhrmann (Teil 2 von 2) 

Quellen:


 
Petwatch Blog