Freitag, 15. September 2017

Dog domestication and human cultural evolution

In Jena fand vom 13. bis 15. September die Inaugural Cultural Evolution Society Conference statt, die vom Max Planck Institute for the Science of Human History veranstaltet wurde. Dort stellten Daniela Pörtl und Christoph Jung Aspekte ihres Models von der Activen Sozialen Domestikation des Hundes mit einem Poster vor. Hier den kurzen Vortrag, den Daniela Pörtl als Teilnehmerin der Konferenz hielt:

Dog domestication and human cultural evolution – co-evolution of cognitive abilities favoured by epigenetic modulations in limbic brain regions

Dogs are the first domesticated animals living together with humans at least 25.000 years - assisting humans until today with hunting, protecting, herding. But primarily dogs have always been important social bonding partners to humans. Recent scientific research proves mutual empathy between humans and dogs. Domestication evoked tameness, that means decreased flightdistance chiefly concerning to humans. And in fact, in the Siberian farm-fox experiment, demonstrating a domestication process, first changes have been found in a decreased activity of HPA stress axis promoting domestication syndrome. Now I will go on to present the hypothesis of the

Active Social Domestication (ASD) – an epigenetic based model of a self-domestication process due to interspecific emotional attachment

During the Palaeolithic period humans and wolves lived as cooperative hunters in similar family clans in the same ecological niche. Similar social skills and the evolutionary continuity of mammalian brains allowed both of them initial interspecific (pro)social communication achieving an evolutionary benefit for both. Knowing each other reduced stress and helped becoming confident. Behavioural cultures between wolf clans and human clans were formed, individual bonding, genetic isolation and domestication processes began.

Epigenetic modulation of stress axis caused by social behaviour

Scientific studies prove, that prosocial care enhances via epigenetic modulations glucocorticoid negative feedback loop in brain, thus decreasing the activity of stress axis and therefore increasing the activity of cross-regulated calming system. This suggests a direct relationship between variations in prosocial behaviour and development of HPA responses to stress. (These mechanisms are explained in more detail on the poster).
In the Palaeolithic period described epigenetic modulations induced lower cortisol levels in all individuals within the attached wolf-human clan, prosocial behaviour improved enhancing mutual empathy and interspecific in-group behaviour. Eventually the wild wolf became a tame wolf regarding known individual humans as his pack mates.
(Photo: Christoph Jung)
But a tame wolf is not yet a dog.

Permanent high cortisol levels impair learning and executive functions. But epigenetically decreased cortisol levels improve social learning capabilities and enabled tame wolves to develop increased emotional and cognitive empathy concerning to humans. Thus first dogs have learned to use human communicative cues and eventually dogs integrated themselves into human social structures, accepting humans as their preferred social binding partner.

But what about ancient humans? Did dogs domesticate humans as well?

During the dog domestication process all individuals of the attached human-wolf clan experienced the same epigenetic modulation of stress axis due to increased interspecific prosocial contacts. Hence it is reasonable to proclaim that the dog domestication had probably influenced human social and cognitive development as well. And in fact, within a narrow time frame of dog domestication, archaeologists describe a sudden further stage of human cultural development in the Aurignacien; first flutes, sculptures, cave paintings and javelin spins occurred. Thus it is reasonable to assume that dogs have influenced human cultural development not only with assisting humans, but also we provide that dogs improved human cognitive capabilities additionally in the sense of a human self domestication process, thus we can think about co-evolution.

And even today social interaction between humans and dogs still reduce stress in both of them and invigorate therefore social and learning abilities, which is known to be the reason of dog facilitated therapy in medical treatment.

Daniela Pörtl, MD Ärztin

References
  • Pörtl D, Jung C. Dog domestication and human cultural evolution – co-evolution of cognitive abilities favoured by epigenetic modulations in limbic brain regions. Poster at Jena, Conference: Inaugural Cultural Evolution Society Conference, Affiliation: Max Planck Institute for the Science of Human History, DOI: 10.13140/RG.2.2.21759.71842
  • Pörtl D, Jung C. Is dog domestication due to epigenetic modulation in brain? Dog behaviour Vol 3, No 2, 2017 (accepted 2017-08-14) DOI: http://doi.org/10.4454/db.v2i3
  • Jung C, Pörtl D. The domestication from the wolf to the dog is based on coevolution. Dog behavior Vol 2, No 3 (2016) DOI: http://dx.doi.org/10.4454/db.v2i3.44
  • Poertl D, Epigenetic regulation of the hypothalamic-pituitary-adrenal stress axis and its effects on social behaviour Exp Clin Endocrinol Diabetes 2013; 121 - OP5_29 DOI: 10.1055/s-0033-1336637
  • Jung C, Pörtl D. Tierisch beste Freunde. Stuttgart: Schattauer 2015, ISBN 978-3-7945-3132-5
  • Jung C, Pörtl D. Die aktive soziale Domestikation des Hundes. Norderstedt: Bod 2014,ISBN 978-3735718389


Dienstag, 27. Juni 2017

Herzkrankheit DCM bei der Deutschen Dogge - alles ok oder?

Stellungnahme zur Auswertung des DDC 1888 e.V. zur Häufigkeit der erblichen Herzkrankheit DCM bei der Deutschen Dogge von Ruth Stolzewski, BSc Umweltplanung, Doggen vom Irschener Winkel, Juni 2017

Vom 01.01.2014 bis 31.12.2016 fand im Deutschen Doggen Club 1888 e.V. eine Datensammlung von Herzultraschallbefunden in Zusammenarbeit mit dem Collegium Cardiologicum (CC) statt. Diese Daten wurden in der Vereinszeitschrift "unsere Deutsche Dogge" (uDD) und auf der Homepage des Vereins www.doggen.de im April 2017 ausgewertet und veröffentlicht. Da die Daten nicht aussagekräftig sind, da vor allem junge Hunde vor dem ersten Zuchteinsatz untersucht wurden, und weil die Auswertung vom DDC irreführend ist und aus ihr die falschen Schlussfolgerungen gezogen werden soll an dieser Stelle ein zweiter, gründlicher Blick auf die Datensammlung geworfen werden.
1. Datenmaterial

Die Daten wurden vom 01.01.2014 bis 31.12.2016 erhoben mithilfe von standardisierten Herzultraschallbefunden (HUS) des Collegium Cardiologicum, der Vereinigung von Tierkardiologen. In diesem Zeitraum bestand eine Untersuchungspflicht für Doggen im DDC vor dem Zuchteinsatz, die alle zwei Jahre wiederholt werden musste, wenn ein weiterer Zuchteinsatz erfolgen sollte. Manche Hunde wurden also zwei oder sogar drei Mal geschallt. Leider geht aus der Auswertung des DDC nicht hervor, ob jeweils nur der aktuellste HUS pro Hund berücksichtigt wurde oder jeder eingereichte HUS-Befund. Es wird lediglich von "637 Hunden" gesprochen. Auf der Homepage des DDC ist eine Liste der Doggen zu finden, die an der Studie teilgenommen haben. Dort sind 642 Eintragungen zu finden, wobei zahlreiche Hunde mehrmals auftauchen. Wenn jede geschallte Dogge nur einmal gerechnet wird verbleiben 565 Hunde. Wenn ein Hund mit 2 Jahren als gesund eingestuft wurde und mit 4 Jahren als DCM krank, dann ergibt sich ein verfälschtes Ergebnis, wenn beide Befunde in die Auswertung mit einfließen. Es sollte jeweils nur der aktuellste Befund berücksichtigt werden. Hier liegt ein schwerer methodischer Fehler in der Auswertung vor. Eine weitere Verzerrung der Datenlage ergibt sich daraus, dass an DCM verstorbene und vorher ohne Befund geschallte Hunde nicht berücksichtigt werden. Außerdem bestand die Möglichkeit, dass Hunde, die Symptome zeigten oder bei einem Kardiologen außerhalb des CC mit Befund vorgeschallt wurden nicht mehr erneut für die Studie untersucht wurden. Da das originale Datenmaterial nicht vor liegt muss im Folgenden aber mit dem fehlerhaften Material, das vom DDC veröffentlicht wurde, weiter gearbeitet werden.

2. Die Altersstruktur

"Der Auswertung lagen nur Befunde von Hunden zugrunde, für die eine Zuchtuntersuchung gemacht wurde". Im DDC dürfen Hunde ab dem 18. Lebensmonat in der Zucht eingesetzt werden, und so ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Hunde, die Herz geschallt wurden, sehr jung sind. Die Altersstruktur zeigt folgende Verteilung: 22,61% der Hunde waren bei der Untersuchung unter 2 Jahre alt, 44,43% unter 3 Jahre, 61,86% unter 4 Jahre, 77,72% unter 5 Jahre, 89,65% unter 6 Jahre, 95,3% unter 7 Jahre und 98,44% der Hunde unter 8 Jahre. Nur 1,56% der untersuchten Hunde waren über 8 Jahre alt.
Bitte anklicken, um die Tabelle besser lesen zu können.
Die DCM (Dilatative Kardiomyopathie) ist eine Herzkrankheit, die meist erst zwischen dem 4. bis 6. Lebensjahr auftritt. Sie ist genetisch bedingt, entwickelt sich aber erst im Laufe des Lebens. Darum gibt die Prävalenz - also die Befallsrate - bei einem niedrigen Durchschnitts- alter der untersuchten Hunde nicht die tatsächliche Befallsrate der Population wieder. Ein Hund kann erst als mit großer Sicherheit gesund eingestuft werden, wenn er mit über 6 Jahren ohne Befund Herz geschallt wurde. D.h. lediglich bei 10,35% der im DDC untersuchten Hunde kann überhaupt mit Sicherheit gesagt werden, ob sie gesund oder krank sind. Alle Hunde die unter 6 Jahren geschallt wurden können noch an DCM erkranken! Diese Tatsache wird bei der Auswertung durch den DDC verschwiegen, stattdessen wird behauptet: "Wir denken, dass die Zahlen aussagekräftig sind, um die aktuelle Situation rund um die DCM-Erkrankung bei DDC-Hunden darzustellen."

Es wird wohlweislich auch nicht das Durchschnittsalter der untersuchten Hunde erwähnt. Dieses liegt bei etwa 3,6 Jahren. Trotz dieses niedrigen Durchschnittsalters der 637 untersuchten Doggen liegt bereits eine Prävalenz von 4,39% an DCM-kranken Hunde (DCM 2 und 3) und 8,79% an Hunden in einer Übergangsphase, die als DCM 1 bezeichnet wird, vor. D.h. insgesamt haben 13,18% der untersuchten Doggen einen auffälligen Herzbefund!

3. Befallsrate/Prävalenz nach Alter

Wie bereits erwähnt wurde ist die DCM eine Krankheit, die sich im Laufe des Lebens entwickelt. Somit steigt die Prävalenz mit zunehmendem Alter an. Genau dies zeigt sich auch in der Datensammlung des DDC. Leider wurde in der vom DDC veröffentlichten Auswertung die Befallsrate nach Alter fälschlicherweise nicht mit der Anzahl der Hunde der jeweiligen Altersklasse in Relation gesetzt sondern mit der Gesamtzahl der insgesamt untersuchten Hunde. So ergibt sich ein falsches und irreführendes Bild. Um die Prävalenz nach Altersklasse zu berechnen müssen die erkrankten Hunde mit der Gesamtzahl der Hunde der jeweiligen Altersklasse verglichen werden!!!

Daraus ergibt sich folgende Verteilung:
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Während die Prävalenz der DCM-kranken Hunde bei unter 2 Jahren noch bei 0,7 % liegt steigt sie bis zum Alter von 7 bis 8 Jahren auf 20% an. Berücksichtigt man alle Doggen mit Herzbefund steigt die Prävalenz sogar auf 30% im Alter von 7 bis 8 Jahren an. Danach sinkt sie wieder, was aber auf die viel zu geringe Datenzahl zurückzuführen ist. Wir erinnern uns: Nur 10 von 637 Doggen, also 1,56% der untersuchten Hunde waren über 8 Jahre alt.
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4. Vergleich mit anderen Studien und Datensammlungen

Trotz der verzerrten Datenlage ergibt sich aber ein Bild, das sich mit anderen Studien zur DCM bei der Dogge - aber auch beim Dobermann - deckt. So hat Dr. Kresken (Vorsitzender des CC) in Zusammenarbeit mit seiner Kollegin Dr. Roggon insgesamt 397 Doggen über einen Zeitraum von mehreren Jahren untersucht, wovon 31% einen Herzbefund hatten. Die Ergebnisse seiner Datensammlung stellte er auf dem Kongress "Experten Erklären" in Düsseldorf im Jahr 2012 vor.

Im selben Jahr wurde in England im Journal for Vet.Intern.Med eine Studie veröffentlicht von Stephenson et al. (2012). Für diese Studie wurden 103 Doggen von 2008-2011 ab 4 Jahren untersucht, die von ihren Besitzern als augenscheinlich gesund eingestuft wurden. Nur 27% der untersuchten Hunde waren jünger als 6 Jahre und die Prävalenz der DCM lag bei 35,9%!
Beim Dobermann wurde nach Phase I des VDH-Untersuchungs- programms eine Befallsrate von nur 6 Prozent festgestellt. "Es wurden 315 Hunde zwischen 2,5 und 5 Jahren untersucht. Lediglich 6% der untersuchten Hunde wurden nicht zur Zucht zugelassen (Hatten also DCM 2 und 3, Anm.d.Verf.). Daraufhin wurde der Antrag zur Fortführung der Herzuntersuchungen abgelehnt" (Auszug aus der HV des Dobermann-Vereins am 21.05.2009). Laut Dr.Wess, dem Leiter der Tierkardiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied des CC, der in den letzten 10 Jahren über 2800 Untersuchungen an Dobermännern durchgeführt hat, liegt die tatsächliche Prävalenz weit höher: "Wenn man unsere Ergebnisse auf das komplette Dobermannleben umrechnet kamen wir darauf, dass die Prävalenz beim Dobermann bei 58 Prozent liegt. D.h. jeder 2. Dobermann wird im Laufe seines Lebens diese Krankheit entwickeln. Und diese Zahlen sind identisch mit denen in den USA oder in Kanada." Dabei liegt die Befallsrate bei den 2-4 Jahre alten Dobermännern "nur" bei 9,9%, bei den 6-8 Jahre alten schon bei 43,6%, (Studie aus dem Jahr 2010, die im Journal for Veterinary Medicine veröffentlicht wurde).

Wir erinnern uns: bei den Doggen liegt die Befallsrate von DCM 1,2 und 3 zwischen 2 und 4 Jahren bei 10,4% und zwischen 6 und 8 Jahren bei 21,4%. Lägen mehr Befunde von Doggen über 6 Jahre vor und wäre von jedem Hund nur der aktuellste Befunde berücksichtigt  ist also mit einer weit höheren tatsächlichen Prävalenz in der Gesamtpopulation zu rechnen.
Zum Abbruch der HUS-Pflicht beim Dobermann äußerte sich auch Dr. Kresken, Leiter des Collegium Cardiologicum und Leiter der damaligen Dobermann-Studie in der VDH-Zeitschrift "Der Rassehund" kritisch: "In Deutschland wurde von 2006-2008 die Dobermänner untersucht, die neu zur Zucht zugelassen werden sollten. Die untersuchten Hunde waren zwar noch relativ jung, aber trotzdem konnten schon Hunde mit subklinischer und einige mit klinischer DKM erfasst werden. Da das Durchschnittsalter dieser deutschen Population bei unter zwei Jahren lag sind die Werte der Prävalenz der DKM in der gesamten Dobermannpopulation nicht repräsentativ und wirken geschönt". Mittlerweile sind so viele Dobermänner von der DCM betroffen, dass viele Halter und Züchter sich von der Rasse abwenden und sich die Welpeneintragungszahlen in den letzten 5 Jahren fast halbiert haben. Auch die Welpenzahlen der Deutschen Dogge im VDH sind in den letzten 10 Jahren um gut ein Drittel zurückgegangen!

Auch sämtliche Studien und Datensammlungen weltweit zu den häufigsten Todesursachen der Deutschen Dogge zeigen ganz klar, dass Herzerkrankungen zusammen mit Krebs und Magendrehung an oberster Stelle liegen. Dazu habe ich im Januar 2016 einen ausführlichen Artikel veröffentlicht:
Lebenserwartung-und-häufige-Todesursachen-der-Deutschen-Dogge.pdf

Selbst das Gesundheitsmonitoring des DDC aus dem Jahr 2008 ergab folgendes Bild: "Bei den Krankheiten fällt auf, dass sehr häufig Gelenkkrankheiten und Augenprobleme genannt werden. Aber das Hauptproblem dürfte bei den Krebserkrankungen, der Magen- drehung und den Herzerkrankungen liegen." (Zuchtleiter des DDC Herr Fischbach im Almanach 2004-2008) Aus einer Grafik aus dem Almanach geht hervor, dass die häufigsten bekannten Todesursachen (also ohne "unbekannt" und "Altersschwäche") Krebs (80 Fälle - 28,4%), Magendrehung (63 Fälle - 22,3%) und Herzerkrankungen (57 Fälle - 20,2%) sind.

5. Zusammenfassung

13,18% der untersuchten Doggen mit einem Durchschnitts- alter von nur 3,6 Jahren haben also einen auffälligen Herzbefund, davon sind 4,39% an okkulter und klinischer DCM erkrankt. Nur 10,35% der im DDC untersuchten Hunde sind über dem aussagekräftigen Alter von 6 Jahren, in dem sie erst mit Sicherheit als krank oder gesund eingestuft werden können. Die Auswertung des DDC weist aufgrund der Berücksichtigung mehrerer Befunde pro Hund außerdem methodische Fehler auf!

Trotz dieser Zahlen und der Erkenntnisse aus anderen Datensamm- lungen und Studien wird die Problematik der Herzerkrankungen bei der Dogge von Teilen des DDC-Vorstandes und einiger Mitglieder verharmlost und eine verpflichtende Herzuntersuchung nicht für notwendig erachtet. Diese Einschätzung ist völlig unverständlich, vor allem angesichts der Tatsache, dass am HD-Röntgen weiterhin festgehalten wird, obwohl seit Jahrzehnten weniger als 5% der Doggen HD-D oder E aufweisen. Auch am Zuchtausschluss von Hunden mit fehlenden P1 im Oberkiefer wird weiterhin festgehalten, obwohl sogar die FCI das Fehlen dieser Zähne folgendermaßen einschätzt: "Wissenschaftlich ist bewiesen, dass es sich bei fehlenden PM1 und PM3 um Variabilitäten und nicht um vererbbare Merkmale handelt. Sie sollten deshalb nicht als disqualifizierende Fehler betrachtet werden." (siehe FCI Modellstandard http://fci.be/medias/FCI-REG-RGT-MOD-ANN-002-de-1722.doc)

Wieso wird auf verpflichtende Untersuchungen für seltene, durchselektierte Krankheiten wie die HD weiterhin bestanden und auf den Zuchtausschluss von gesunden Hunden mit fehlenden Reliktzähnen, während auf eine bei der Dogge häufige, tödliche und erblich bedingte Krankheit wie die DCM nicht untersucht werden muss? Wo ist da die Logik?

Stattdessen wird lediglich eine freiwillige Untersuchung empfohlen und auf den guten Willen und die Ehrlichkeit der Züchter gesetzt. Angesichts der Tatsache, dass eben erst eine Hündin in der Zucht eingesetzt wurde (Daphne von den Borkener Türmen), von der nachweislich 4 Vollgeschwister und 2 Halbgeschwister herzkrank sind (davon bereits drei unter 3 Jahren verstorben) und eine Hündin belegt wurde mit DCM-Befund 1 (Quinta vom Solling im Zwinger vom Hospodar) ist es verheerend, nur auf die Einsicht der Züchter zu setzen und darauf zu hoffen, dass sich das Problem von selbst löst, wenn man nur fest genug die Augen verschließt und daran glaubt. Außerdem werden so wieder einmal die Züchter benachteiligt, die verantwortungsbewusst sind und bereits seit vielen Jahren freiwillig schallen, denn für den Welpenkäufer ist ein Unterschied zwischen "guten" und "schlechten" Züchtern kaum ersichtlich. Es sollte zumindest ein Prädikat für Züchter eingeführt werden, die besonders auf die Gesundheit achten,  um deren Engagement von Seiten des Vereins endlich einmal öffentlich Wert zu schätzen und Welpenkäufern die Möglichkeit zu geben, eine Auswahl zu treffen.
Über die nationale und internationale Außenwirkung einer solchen verharmlosenden Einschätzung der DCM von Seiten des standardführenden Vereins für die Deutsche Dogge brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. Es ist bedauerlich, dass so viele DDC-Mitglieder die Datenauswertung nicht hinterfragen und keiner es für nötig erachtet hat, einen Antrag für die Wiedereinführung der HUS-Pflicht für die nächste Hauptversammlung des DDC im Herbst 2017 zu stellen. (Angesichts des undemokratischen Delegiertenwahlsystems im DDC ist eine "Politikverdrossenheit" aber auch nachvollziehbar.)
Ich habe einen solchen Antrag gestellt (ebenso wie drei weitere Anträge zu P1, Höchstalter von Rüden und Farbverpaarungen), die aber nicht berücksichtigt werden, da ich mich an die Anweisungen der Geschäftsführerin des DDC im Vorwort der uDD März 2017 gehalten habe und diese falsch waren: "Anträge einreichen können jede Landesgruppe und Ortsgruppe, aber auch Einzelpersonen. Bitte senden Sie Ihre Anträge als Word-Dokument an service@doggen.de und gleichzeitig per Post an unsere Geschäftsstelle (...). Dieser "doppelte Weg" soll keine Schikane sein - er dient vielmehr der Kontrolle, dass der Text, den Sie als Word-Dokument geschickt haben, nicht verändert wird." Elke Baltzer, uDD März 2017. Dass die Anträge auch noch an die entsprechende Landesgruppe geschickt werden müssen laut Satzung wurde nicht erwähnt.

Im Phasenprogramm des VDH ist nicht definiert, ab welcher Prävalenz eine Hunderasse als häufig betroffen gilt. Sind es 10%, 20% oder 30%? (Beim Menschen liegt die Häufigkeit der DCM bei 36 pro 100.000 Einwohner, also bei 0,036%. Quelle: Doktorarbeit der Freien Universität Berlin). Der Interpretationsspielraum ist also groß und letztendlich liegt es in der Verantwortung aller Vereinsfunktionäre und Züchter, die weitere Ausbreitung dieser erblich bedingten und unheilbaren Herzkrankheit in der Population der Deutschen Dogge zu verhindern. Eine Herzultraschallpflicht bringt erst dann aussagekräftige Ergebnisse, wenn Hunde bis an ihr Lebensende geschallt werden und mehrere Generationen geschallt wurden. Dabei muss die Veröffentlichung der Befunde - egal ob positiv oder negativ - verpflichtend sein. Eine Aussetzung des Herzultraschalls wäre grob fahrlässig und würde auch gegen die Satzung und die Zuchtordnung des DDC verstoßen. "Die ZO dient der Förderung planmäßiger Zucht funktional erbgesunder, verhaltenssicherer Rassehunde. Erbgesund ist ein Rassehund dann, wenn er Standardmerkmal, Rassetyp und rassetypisches Wesen vererbt, jedoch keine erheblichen erblichen Defekte, die die funktionale Gesundheit seiner Nachkommen beeinträchtigen könnten.(...) Mit dieser ZO verpflichtet sich der DDC zur Verhinderung einer Ausbeutung der Zuchttiere und zur methodischen Bekämpfung erblicher Defekte." (Zuchtordnung I.Allgemeines)

Dem Vorsitzenden des Collegium Cardiologicum war die frühzeitige Veröffentlichung der Daten, die entgegen der Vereinbarungen vom Doggenverein vorgenommen wurde, nicht bekannt. Eigentlich war eine wissenschaftlich fundierte Veröffentlichung von Seiten des Kardiologenverbandes geplant. Diese wird hoffentlich bald folgen und einige Dinge in das rechte Licht rücken!

Ein Gastbeitrag von Ruth Stolzewski

Sonntag, 4. Juni 2017

Hundezucht vor 8000 Jahren

Die renommierte Wissenschaftszeitung Science berichtet vorab von einer Studie, die in der August Ausgabe des "Journal of Archaeological Science" veröffentlicht wird. Russische Forscher haben die bisher ältesten Hinweise auf eine gezielte Hundezucht gefunden, 8.000 Jahre alt. Fundort ist eine kleine Insel weitab in der Ostsibirischen See, die erst 1914 entdeckt worden ist: die Schochow-Insel (engl. Zhokhov Island). Diese Insel war in der Steinzeit mit dem Festland verbunden und zeigt sich heute als Paradies für Archäologen. Hier lebte vor 8.000 und mehr Jahren ein hochentwickeltes Jägervolk. Es machte sogar aktiv Jagd auf Eisbären, das größte Landraubtier der Welt. Diese Paläo-Eskimos, deren Hauptbeute Rentiere waren, sind die einzigen Jäger, die je ohne Schusswaffen Eisbären jagten. Das ist seit längerem bekannt. Die Forscher um Wladimir Pitulko und Aleksej Kasparow von der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg fanden nun weitere Spuren dieses geheimnisvollen Volkes: Reste von Schlitten und Reste von insgesamt 11 Hunden.

8.000 Jahre alte Reste von Schlitten und Schlittenhunden

Bei der Untersuchung der Hundefossilien, die zum Teil sehr gut erhalten sind, konnten 10 der 11 Hunde einem recht einheitlichen Typ zugeordnet werden. Von Gewicht und Konstitution her sollen es Schlittenhunde gewesen sein, einem heutigen Sibirian Husky vergleichbar, so die Forscher. Der elfte Hund war deutlich größer und schwerer und würde als Schlittenhund viel zu schnell überhitzen. Hier wird angenommen, dass dieser noch sehr wolfsnahe Hundetyp bei der Jagd auf Eisbären geholfen hat. Im Vorabbericht von Science Redakteur David Grimm wird vermutet, dass die Hunde der Schochow-Insel jeweils gezielt für ihre Arbeitsaufgaben herausgezüchtet worden sind.
Hundeschädel von der Schochow-Insel (Foto: Elena Pawlowa)
Dieser Fund der russischen Archäologen ist ein wichtiger Beleg für das bereits 2009 beschriebene und in "Tierisch beste Freunde" umfassend begründete Modell der "Aktiven sozialen Domestikation des Hundes". Der Wolf wurde nicht als "geretteter", handaufgezogener Welpe zum Hund. Der Wolf wurde auch nicht auf einer vermeintlich existierenden ökologischen Nische "Müllplatz des Menschen" zum Hund. Er mutierte in einer solchen Nische auch nicht vom Jäger zum Müll- und Aasfresser, wie es Ray und Lorna Coppinger sowie die Wiener Verhaltensbiologinnen Friederike Range, Sarah Marshall-Pescini und Zsófia Virányi unterstellen. Eine solche Nische gab es schlicht nicht. Wie auf Petwatch bereits ausgeführt, kennen Archäologen aus der Steinzeit keine Müllkippen, die ein solches Biotop hätten abgeben können. Hierfür gibt es keinerlei Belege. Es gab bestenfalls solche aus Resten der Steinwerkzeugproduktion, Muscheln oder viel später aus zu Bruch gegangenem Steingut. Die Menschen verwerteten noch bis in die frühe Neuzeit hinein alles Essbare. Da wurde nichts weggeschmissen oder zurückgelassen - vielleicht einmal als Ausnahme. In der Steinzeit wurden aus Knochen Werkzeuge, aus Fellen Kleidung und Zelte, aus Sehnen Garn und Spannmaterial. Da blieb - zumindest in der Regel - nichts über, was eine ganze Population von "ansonsten nutzlosen" Hunden auch nur annähernd hätte am Leben erhalten können.
Schlittengespann in Sibirien, Illustration von 1856 (Quelle: Science)
Domestizierung des Hundes als Arbeitspartner

Der Hund verband sich aktiv und über seine nützliche Rolle im Überlebenskampf mit den Menschen. Er jagte, wachte, beschützte die Gemeinschaft und - wie jetzt belegt wurde - er machte sich auch schon sehr früh als Transporthelfer nützlich. Gemeinsam war (und ist) man stärker. Mit der Rolle als Arbeitspartner des Menschen wurden die erstaunlichen, einzigartigen Eigenschaften des Hundes in Bezug auf den Menschen herausgebildet. Der Hund denkt, fühlt und arbeitet mit dem Menschen. Die Schlittenhunde von Schochow sind ein weiterer Beleg für dieses Modell. Sie mussten nicht nur spezielle körperliche Eigenschaften haben, um für diese Arbeit zu taugen, wie es die Archäologen anhand der Fossilien belegen können. Sie mussten darüber hinaus auch über spezielle mentale Eigenschaften verfügen. Wer schon einmal Musher war und einen Schlitten mit mehreren Hunden geführt hat, weiß wovon ich spreche.

Mehr hierzu am
17. Juni 2017
auf dem
Wissenschaft trifft Hund - Der Wolf. Der Hund. Der Mensch."


Ein Artikel von Christoph Jung

Sonntag, 21. Mai 2017

3. Rostocker Vierbeinersymposium

A17.Juni 2017, 09:00 - 17:00 Uhr findet das 3. Rostocker Vierbeinersymposium statt. Das Motto lautet:
Wissenschaft trifft Hund
Der Wolf. Der Hund. Der Mensch.

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir laden Sie recht herzlich zum 3. Rostocker Vierbeinersymposium ein. Im Mittelpunkt des diesjährigen Symposiums stehen Domestikation, Sozialverhalten und Bindung.

Veranstalter:
Universität Rostock, Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Kathrin Richter, Privatinitiative "Pfotenpenne"
Heike Rudnik, Tierklinik Rostock

Veranstaltungsort:
Hörsaal JLW8-HSL
Justus-von-Liebig-Weg 8, 18059 Rostock
Referenten:
Dr. Marie Nitzschner, Christoph Jung, Daniela Pörtl

Links:






Montag, 1. Mai 2017

Rezension: What is a Dog? von Ray and Lorna Coppinger

Im April 2016 erschien das neue Buch von Raymond Coppinger und Lorna Coppinger "What is a Dog?", das jetzt als Taschenbuch (in Englisch) verfügbar ist. Es enthält die Weiterführung ihrer bereits 2001 mit "Hunde" veröffentlichten Hypothese, dass der Hund auf und durch den Müllplatz zu einem domestizierten Tier wurde und der Müllplatz die natürliche ökologische Nische des Hundes sei.

Domestikation des Hundes erst vor 8.000 Jahren

Vor 7.000 bis 8.000 Jahren seien die ersten Hunde auf den Müllplätzen der Dörfer und Städte unserer ersten Ackerbauerkulturen entstanden. Die heutigen Straßenhunde oder "Village Dogs" seien die ursprünglichen und zugleich die natürlichen Hunde. Unsere bekannten Jagd-, Arbeits- und Begleithunde seien hingegen lediglich das Produkt "eugenischer" (!) Zuchtprogramme im Europa der letzten 200 Jahre. Überhaupt, so die Coppingers, gäbe es keine belastbaren Hinweise für Hundezucht älter als 2.000 Jahre. Dazu genügen ihnen Verweise auf die Bibel und Homer.

Kein bester Freund des Menschen

Für Ray Coppinger ist es, so wörtlich, ein hohles Statement, vom "besten Freund des Menschen" zu sprechen. Hunde seien nicht anders als Tauben, Hühner oder Ratten, alles "domestic animals" auf derselben Ebene. Der Hund habe lediglich den - so wörtlich Coppinger - Trick heraus, einen Menschen als Wirt für die Aufzucht seiner Welpen zu instrumentalisieren, um damit seinen Fortpflanzungserfolg zu erhöhen. Coppingers vergleichen dieses Verhalten ausdrücklich und wiederholt mit dem des Kuckucks. Sie stellen ferner die Behauptung auf, ein Hund würde wie eine Gans in seinen Lebenswochen 4 bis 14 auf ein beliebiges Objekt als Sozialpartner geprägt und - so wörtlich - sei es auch nur eine Milchkanne (diese Behauptung wird sogar im Summary wiederholt und durch vermeintliche Beobachtungen belegt). Es gäbe keinen genetischen Faktor für Zahmheit. Der ganze Tenor des Buchs unterstellt einen caniden Vierbeiner, dem jegliche emotionale oder kognitive Fähigkeit oder gar Verbindung zum Menschen abgesprochen wird - außer den hier dargestellten. Vielmehr wird ausführlich aufgelistet, welche Schäden der Hund anrichtet, dass zum Beispiel 70.000 Menschen im Jahr nicht an Tollwut sterben müssten und die Menschen besser schlafen könnten, würden Hunde von der Erde verschwinden (Seite 133).

Darcy Morey´s Idee von der ökologischen Nische Mensch

Nur wenigen Aussagen der Autoren von "What is a Dog?" kann der Rezensent zustimmen. Eine ist, dass sich der Hund selbst domestiziert habe. Dass der Hund sich die neue ökologische Nische, die durch den Menschen entstand, erschlossen habe, ist hingegen kein originärer Gedanke von Coppinger. Bereits 1994 hat der Archäologe Dracy F. Morey dieses Konzept der Erschließung der ökologischen Nische Mensch durch den Hund ausgeführt (1). Allerdings eben nicht mit dem zentralen und einzigen Element "menschlicher Abfall", wie es Ray und Lorna Coppinger tun, und eben ausgehend von einer Abstammung vom Wolf. Der emeritierte Biologie Professor Ray Coppinger behauptet zudem allen Ernstes, dass der Hund nicht vom Wolf abstamme, viel mehr dass dies angeblich "für alle Wissenschaftler unter uns" eine offene Frage sei.

Skurrile Ignoranz

Freilich lässt er offen, wer dann Stammvater und -mutter der Hunde seien. Hier deutet er diffus einen Prozess der Hybridisierung mit einer unbekannten Canis-(Sub-)Spezies als inneren Motor zur Erschließung der Nische menschlicher Müll an. Als biologische Funktionen der Evolution werden daneben lediglich Mutation, Founder Effekt und schließlich "postzygotic selection" angeführt, sprich, dass der Mensch aus den bereits geworfenen Welpen selektiert, welcher Welpe getötet und welcher weiterleben darf. Die Erkenntnisse der modernen Genetik etwa zur Epigenetik oder Paläogenetik werden vollständig ignoriert. Vielmehr werden alle wissenschaftlichen Disziplinen, die Erkenntnisse liefern, die dem Müll-Konzept zuwiderlaufen schlicht ignoriert oder als nicht relevant abgekanzelt.
Das spiegelt sich in den Quellenangaben im Buch wieder. Von 188 Quellen stammen ganze 8 aus den letzten 5 Jahren, nur wenige mehr aus den letzen 10 Jahren. Dabei haben gerade die letzten Jahre eine Menge handfester, wissenschaftlich solide begründeter Belege gebracht, was die Abstammung des Hundes und seine Fähigkeiten in Bezug auf uns Menschen angehen. Die ernsthafte Wissenschaft ist sich über die verschiedenen beteiligten Disziplinen (Archäologie, Biologie, Paläogenetik, Paläontologie, etc) hinweg längst einig, dass der Hund einzig vom Wolf abstammt. Man ist sich ebenfalls einig, dass die Trennung der beiden Linien erstmals vor 15.000 oder mehr Jahren stattgefunden haben muss. Man hat Gräber aus der Steinzeit, teils aus Epochen lange vor der Sesshaftwerdung, gefunden, in denen Menschen mit Hunden gemeinsam bestattet wurden. Es waren Hunde und keine Wölfe, Füchse oder Schakale. Soviel Ehre für einen Paria vom vermeintlich existierenden Müllplatz? Paläogenetiker wie ein Svante Pääbo vom MPI Leipzig können anhand der DNA sogar Unterformen fossiler Wölfe samt deren Alter sowie entsprechend fossile Hunde sicher bestimmen. Auch kann man immer genauer anhand der DNA rezenter Hunde und Wölfe den Stammbaum der Entwicklung nachzeichnen. Ein Schakal oder ein Fuchs kann als Ahne sicher ausgeschlossen werden. Das schert die Coppingers nicht.

Wo waren die Müllkippen der Steinzeit?

Die Coppingers machen sich nicht einmal die Mühe, auf die von ihnen unterstellten Müllberge der Jungsteinzeit vor 8.000 Jahren zu schauen. Die Archäologie liefert keinerlei Hinweise, dass die Menschen vor 7.000 oder gar 10.000 Jahren massenhaft Lebensmittel auf irgendeinen Müllplatz geworfen hätten. Ganz im Gegenteil, wurde Nahrung noch bis in die Neuzeit hinein sehr sorgfältig genutzt und kaum etwas Essbares - wie es heute leider üblich ist - einfach weggeschmissen. Was die sesshaften Menschen der Ackerbaukulturen nicht mehr selber aßen, bekamen die Schweine und Hühner - und eben auch die Jagd-, Wach- oder Schäferhunde. Die Sammler- und Jägerkulturen, die den Entwicklungsstand der Menschheit noch vor wenigen tausend Jahren in den meisten Gebieten der Erde repräsentierten, waren Meister in der Verwertung schlicht von allem, was die Beute hergab. Hier wurden selbst Knochen und Sehnen praktisch restlos verwertet. Knochen, die als Werkzeug, Rohling für Schnitzereien oder Baumaterial nicht taugten, wurden noch in der ausgehenden Eiszeit als Brennmaterial verwendet. Wie sollte sich da eine neue ökologische Nische auftun, die zumal so ergiebig sein musste, dass eine neue Subspezies entstehen und sich ganze Populationen dieser neuen Subspezies - woher auch immer kommend - bilden konnten? Coppingers legen detaillierte Berechnungen vor - aber welche? Ihr Ergebnis, dass 15 Menschen mit ihrem Müll einen Hund ernähren, basiert auf ihren Beobachtungen der Müllproduktion des heutigen Menschen, konkret von Megacities wie Mexiko, Städten wie Tijuana oder ostafrikanischen Dörfern auf Pemba. Von achtlos weggeworfenem Müll eines Jäger- und Sammler-Clans oder einer steinzeitlichen Ackerbauersiedlung konnte demgegenüber kein Hund je satt werden.

Wenn es diese Nische nicht war, dann eben eine andere...

Das Schlusswort dieser Rezension überlasse ich Ray and Lorna Coppinger selber: "Where there dogs before the age of agriculture? Probably not, but if there were, they adaptet to a different niche." (Seite 43)


Eine Rezension von Christoph Jung

(1) Morey, D.F. 1994. The Early Evolution of the Domestic Dog. American Scientist 82:336-347.


 
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