Freitag, 7. Februar 2020

Gutachten zu Plattnasen

Züchten mit kurzschnäuzigen Hunden

Gutachten der Universität Utrecht 
im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Landwirtschaft, Natur und 
Lebensmittelqualität



Passend dazu das
Interview mit der Bully-Züchterin Claudia Fuhrmann:

Mittwoch, 5. Februar 2020

Qualzucht - nur ein Problem der Plattnasen?

Ein Interview: Ich bin Claudia Fuhrmann, wohne mittlerweile im Burgenland in Österreich und besitze seit 2004 Französische Bulldoggen. Der erste Rüde litt unter Atemproblemen und war die Inspiration die Zucht und Rassestandards zu hinterfragen und mich intensiv mit der Rasse zu beschäftigen. Aus meinen Erkenntnissen der Recherchen und vielen Reisen zu Züchtern, Ausstellungen, Fachtierärzten und Genetikern entstand 2010 die Homepage Gesunde Bulldoggen als Aufklärungsseite für interessierte Bullyliebhaber über die phänotypischen Besonderheiten und die Qualzuchtproblematik der Rasse. Wir verfassten etliche Artikel für verschiedene Online- und Printmagazine und kritisierten stets die Fehlentwicklung der Zucht innerhalb der Rasse. (Fortsetzung, unten nach dem Interview)

Fragen von Christoph Jung: Vor 10 Jahren haben wir uns in Berlin zum ersten Mal gesehen. Da waren wir als Experten zur Anhörung für ein neues Tierschutzgesetz im Bundestag eingeladen. Wir waren voller Hoffnung. Doch unsere ganz konkreten Vorschläge für ein Gesetz, das Qualzucht hätte wirksam verhindern können, wurden allesamt ignoriert. Was hat sich in der Praxis seither getan?

(Claudia) Ich sehe viele ignorante Züchter, die sich die Probleme weiterhin schönreden und eher nur Hunde produzieren als die Rasse zu erhalten oder zu verbessern. Ich sehe aber auch engagierte Züchter, die weit über den geforderten Standards der Vereine untersuchen und selektieren und ganz wunderbare Erfolge erzielen. Mein Fazit ist, dass jeder für sich sein eigenes ethisches Tierschutzgesetz zwischen Herz und Hirn erfinden und dieses dann verwirklichen muss. Von politischer Seite oder Verbandsebene kommen allenfalls seichte Forderungen, die man wieder Richtung Qualzucht und Profit wunderbar umgehen kann.
Claudia und Christoph vor der Anhörung im Bundestag zur Lesung der Novelle des Tierschutzgesetzes, 2010
Wenn von Qualzucht gesprochen wird, kann man den Eindruck bekommen, es beträfe nur die sogenannten Plattnasen. Doch es sind genug andere Rassen betroffen, etwa der Dobermann, von dem hier schon oft berichtet wurde. Was kannst du uns dazu sagen?

(Claudia) Mich nervt es mittlerweile, dass das Thema Qualzucht ausschließlich nur um die Plattnasen herum zu existieren scheint. Zu Recht muss man hier vieles kritisieren, was wir auch gerne tun. Aber das Thema ist komplexer. Alleine das Problem der Atmung lässt sich nicht auf wenige cm der sichtbaren Nase reduzieren, wie man es jetzt z.B. in Holland versucht. Man kann keine Atemfunktion gescheit von außen beurteilen!
ohne Worte
Ich kenne Langnasen, die völlig geräuschfrei atmen, aber trotzdem ein maximal zu dickes Gaumensegel haben oder Bullys mit engen und kurzen Nasen mit perfekt ausgebildetem Gaumensegel, die ohne Probleme 10 km am Rad laufen. Will man das Thema von außen angehen, so züchten sie jetzt mit Gewalt 2 cm längere Nasen ran ohne Kenntnis über die inneren Strukturen zu haben, minimieren dadurch den Genpool und ignorieren fleischige Gaumensegel, weil sie nach wie vor nicht gescheit analysieren. Das wird eine Sackgasse werden. Es wäre einfach traurig, wenn diese unbedachten Selektionsversuche nicht den gewünschten Erfolg bringen und dann die Rasse als hoffnungslos verzüchtet verboten wird.

Qualzucht sehe ich bei so vielen Rassen, die Riesen werden riesiger, die Zwerge werden winziger, der Dobermann ist hoffnungslos ingezüchtet, die DCM eine viel schwieriger zu korrigierende Krankheit als unsere Atmung. Die Epilepsierate bei einigen Rassen explodiert, weil auch hier von Züchterseite so herrlich vertuscht werden kann. Qualzucht hat so viele traurige Seiten, in den Medien ist es aber immer nur der keuchende Mops oder Bully.

Zurück zu den Plattnasen, wie ist die Lage dort?

(Claudia) Man kann alles bekommen. Es gibt Trends zu winzigen, verkürzten Qualzuchten, die gerade noch eine unbewegliche Rückenlänge von 12 cm haben, ohne Gesicht, ohne Rute, erschaffen durch künstliche Befruchtungen und Kaiserschnittgeburten. Gerade in den USA sind diese Short Bullys extrem beliebt. Mit Hund hat es nicht mehr viel gemeinsam. Diese Kreationen sollten aus Tierschutzgründen komplett abgelehnt werden.

Dann gibt es eine unglaubliche Entwicklung in der Farbzucht, fast alle Farbschläge sind mittlerweile bei den Bullys vertreten. Einige Farbzüchter achten auf Gesundheit und haben tolle Linien kreiert, die die Bullyzucht durch den erweiterten Genpool sehr bereichern.

Dann gibt es mittlerweile immer mehr Züchter, die wieder mehr Nase und Körperlänge züchten möchten, einen sportlichen Verteter der Rasse bevorzugen. In den sozialen Medien tobt dann immer wieder der Streit darüber, ob diese Tiere denn nun reinrassig sind oder nicht. Ich glaub den Hund im gesunden Körper mit unbändiger Lebensfreude interessiert das wenig.

Der Trend und die Nachfrage gehen aber ganz klar in Richtung sportlicher, leistungsfähiger, kleiner Begleithund für die aktive Familie, die auch wandern will oder sich im Sommer auch mal mit Freund Hund ins Café setzen möchte, ohne Angst haben zu müssen, dass der Hund erstickt. Und das können die gesünder gezüchteten Bullys ohne Probleme auch leisten. Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein, wenn man von der Spezies Hund spricht!

Du züchtest selber Französische Bulldoggen, worauf achtest du ganz besonders?

(Claudia) Einfach nur auf Kondition und Fitness. Meine Hunde sind lebhafte, bewegliche, kleine Begleithunde, die durch einen etwas moderateren Körperbau extrem leistungsfähig sind. Das will ich erhalten. Mich interessieren keine Farben oder der Rassestandard, der Hund muss als Canide funktionieren. Dazu gehört eine uneingeschränkte Atmung, ein freies Gangwerk mit guter Sprungkraft durch gesunde Wirbelsäule, Hüfte, Bänder, Winkelung. Eine wedelnde Rute, die kommunizieren kann gehört genauso dazu wie eine komplikationslose Geburt mit sicheren Instinkten für die Aufzucht.
Das ist für mich entscheidend.

Christoph Jung mit seiner besten Freundin Madame, 1966
Als Jugendlicher war "Madame" meine erste und beste Freundin. Sie war eine Bully-Lady. Und sie war kerngesund. Mit ihr bin ich sogar auf Bäume geklettert. Sie hatte Energie ohne Ende, war voller Liebe und strotzte vor Gesundheit. Sie wurde 14 Jahre ohne je ernsthaft krank gewesen zu sein. Meint, gesunde und zugleich voll rassetypische Bullys sind möglich. Wie ist der Stand in deiner Zucht?

(Claudia) Ich denke schon, dass man solche robusten Bullys wieder züchten kann und ich weiß von anderen Züchtern, die bereits mehrere Generationen durchgezüchtet haben, dass es möglich ist. Bullys, die beschwerdefrei alt geworden sind, gibt es. Meine älteste Hündin wird jetzt 7 Jahre alt, ist immer noch geschmeidig und beweglich wie ein Junghund. Mit ein bißchen Glück kommt uns hier keine gesundheitliche Katastrophe mehr dazwischen.
Bäume klettern ist für uns kein Problem, hier die 10 Monate alte Enkelin meiner Importhündin

Was muss sich verändern, um Qualzucht ein Ende zu bereiten?

(Claudia) Zuerst muss der Käufer und Hundebesitzer begreifen, welche Bedürfnisse ein Hund tatsächlich hat. Wenn sich hier Erkenntnis breit macht, werden die Züchter auf ihren unbeweglichen, schnaufenden, rutenlosen Exemplaren hoffensichtlich sitzen bleiben. Der Käufer muss fordern, dann werden die Züchter auch umdenken. Hier ist Aufklärung wichtig. Züchter müssen zeigen, wie Freund Bully funktionieren kann. Die Nachfrage nach gesunden Hunden aus kontrollierter Zucht ist enorm.

Ideal wäre natürlich ein durchdachtes Netzwerk von Tierärzten und evaluierten Gutachtern, die Zucht und Auswertung kontrollieren und freigeben. Ein einheitliches Bewertungssystem von Röntgenbildern, eine sinnvolle Untersuchungsstrategie der Brachyzephalen inkl. Atemwege und Wirbelsäule würde für mich dazu gehören. Da die Zucht mittlerweile auf unzählige Vereine verstreut ist, halte ich hier ein transparentes und ehrliches Zusammenarbeiten aber leider für nicht ganz umsetzbar.

Liebe Claudia, herzlichen Dank für das Interview und dein Engagement für unsere besten Freunde.


Fortsetzung der Vorstellung von Claudia:

Auf den beiden HP’s www.gesunde-bulldogge.de in deutsch und www.gesunde-bulldoggen.com in englisch versuchen wir Lösungen und Wege aus dem Labyrinth der Fehlzucht aufzuzeigen.

Und da ich das Elend der anderen Zuchten nicht mehr leiden konnte, in der Zwischenzeit meine drei Rüden aus gesundheitlichen Gründen für bessere Lebensqualität operieren lassen musste, entschloss ich mich auf eigene Faust nach einer gesunden Hündin zu suchen und züchte nun im winzigen Rahmen seit 2015 meine eigenen Bullys. Es gibt für mich keine andere Rasse, die dieses lebenslustige, energische, herzliche Wesen ersetzen kann.

Es folgte die Umstrukturierung des Vereins Gesunde Bulldoggen e.V. und die Neugestaltung der üblichen Zuchtstandards. Seit 2014 untersuchen wir die Hunde per CT, um Aufschluß über die Beschaffenheit der Atemwege und des Wirbelkanals zu erlangen. Ärzte benutzen die Analyse der Computertomographie um Operationen und Korrekturen von Wirbelsäule und Atemwege zu planen. Wir haben diese Möglichkeit genutzt, um den gesundheitlichen Zustand der Zuchthunde zu diagnostizieren. Und mit sehr wenigen Ausnahmen sind unsere Nachzuchten wirklich fit und munter und haben keine Einschränkungen.




Montag, 16. September 2019

Talking to a Legend - Wolfgang M. Schleidt

Professor Dr. Wolfgang M. Schleidt studied zoology and anthropology at the University of Vienna, Austria. As assistant and lifelong friend to Nobel laureate Konrad Lorenz, he helped in the creation of the renowned Max-Planck Institute for behavioral physiology at Seewiesen (Bavaria).  In 1998, Schleidt published his hypothesis of a coevolution of humans, wolves, and dogs that had its roots in the association and migration with herds of ungulates on the part of both wolves and humans during the Pleistocene.  In 2018 he published an update of his ideas, incorporating recent insights into Pleistocene climate, ecology, and population genetics.

HundeWelt-author Christoph Jung had the opportunity to discuss these ideas with professor Schleidt.

Why the wolf?

Wolfgang M. Schleidt: I had the luck to grow up with animals and to meet them early on—at eye level, or—at age six—to look up to a friendly horse and cow. My first name, Wolfgang, helped me to feel at ease with animals. At my baptism my older brother asked: “Why is he not named Foxgang?” I will never forget seeing my first wolf—still exactly at eye level—at Vienna’s Schönbrunn Zoo. At that time (around 1933), a single old male wolf was confined to an old-fashioned kennel, originally designed and built in 1781, in which the “beast” relentlessly trotted in a figure-eight pattern. I was a “Golden Sunday Child”, born on the last Sunday before Christmas, and my mother told me about the ancient belief that those born on this day are blessed by the ability to understand the language of animals. I accepted this gift and carefully listened to what animals were saying. This gift became the basis for my scientific career as a pioneer of bioacoustics.

"We are not Predators"
“Why is he not named Foxgang?“ asked his older brother at his baptism. His given name, “Wolfgang”--nomen est omen--may well have been decisive for Professor Schleidt, who from early on was interested in animals.
Photo: © Monty Sloan – Wolf Park. U.S.A. 2018.
Exactly – you were one of the founding fathers of “bioacoustics” as a specific field of science. What is “bioacoustics”?

Wolfgang M. Schleidt:  I was a student at the University of Vienna (in my second year) when I discovered that mice communicate with extremely high-pitched calls. I was able to prove that hearing and vocalizations in a great variety of small mammals reach far into the range of ultrasound, and suggested that the well-known ability of dogs and cats to hear ultrasound allows them to hear the vocalizations of their prey. Thus, early on, I saw the behavior of an individual animal in the wider context of other animals and plants within its environment.

For me, it was always especially important to understand the evolution of a specific adaptation. What were the advantages of a specific adaptation? For example, my discovery of ultrasonic communication among mice was closely related to echolocation used by bats, which had been discovered a few years earlier. To me, it appeared very unlikely that such a complex ability evolved “from scratch”. The ability to hear and produce high-pitched sounds must have been in use among many animals for millennia. Wolves (and dogs and cats) evolved the ability to listen to what mice were talking about, which was important for them to find prey.

Thus, animals are in many ways ahead of us. But this does not fit with our self-chosen role in Creation as an “image of God”.

Wolfgang M. Schleidt: Well, humans are not predators, carnivores, adapted to prey on mice. The basic mistake in traditional considerations of the origin of dogs and other species is our arrogant and unjustified assumption that we were created as the image of god and given dominion over all other creatures from the start. Thus we choose to completely ignore that our ancestors were for millions of years of marginal importance on the earth they shared with other species. As recently as 70,000 years ago, the survival of our ancestors once again hung on a silken thread: throughout the last ice age, when hoofed animals lived in gigantic herds, and wolves and other predators such as cave lions thrived amid plenty, all of humanity was a minute minority, a marginal species, at the edge of extinction.

How did you become interested in the origin of dogs?

Wolfgang M. Schleidt:  I grew up with dogs and had been interested in the origin of dogs, and of humans as well, practically all my life. As an early student of Konrad Lorenz, I found his idea that dogs evolved from golden jackals “the working hypothesis that was best suited to open the way to one that can explain more details” (Lorenz 1973). This hypothesis, that there were two types of breed, the original “jackal-dogs” and dogs that interbred with wolves, the “wolf-dogs” (Lorenz 1950), seemed quite reasonable until Alfred Seitz, at that time director of the Nuremberg Zoo, kept golden jackals in captivity. Their behavior convinced himself, Konrad Lorenz, and his “school” that all dogs are wolves. Half a century later, genetic analysis has proven that all dogs descended from wolves.

“I always was interested especially in wolf-like breeds”
 
Wolfgang Schleidt had been teaching ethology in the U.S.A., first at Duke University, and  from 1965 to 1985 at  the University of Maryland, when he returned to his birthplace, Vienna, Austria as Director of the Konrad Lorenz Institute for Comparative Behavioral Research.
Photo: © Monika B. Schleidt
The ancestors of wolves and dogs separated more than 100,000 years ago (Vilà et al. 1997) or more than 200,000 years ago (Frantz et al. 2016) from the mainstream of wolves, and today’s dogs are more closely related to each other than to today’s wolves. But dogs and wolves are still overlapping, “trading” genes back and forth. Some dog breeds are intentionally hybridized with wolves, and dogs occasionally mate with “wild” wolves. The black coat color seen in numerous American timber wolves is based on a gene introduced by black dogs.

You have a special emotional attachment to wolf-like breeds?

Wolfgang M. Schleidt: I have been fascinated by wolf-like breeds from earliest childhood. I grew up with a German Shepherd (whose common name at that time was “wolf-dog”— Wolfshund). My friendship with Konrad Lorenz’s Susi (the prototypical “Eurasier”, eulogized in the bestseller “Man Meets Dog”) shaped my preference, as did our Norwegian Elkhound Irmin and our Husky Ivan—all unforgettable.

Each of our dogs, who were family members held in high esteem, were individuals with distinct personalities, so different that they could not qualify as a representative sample of “dogkind” for a scientific study. In my experimental studies, dogs were listed only once: In a comparative study of the behaviour of neonate mammals, published in 1950/51, we listed as our subjects: 30 human babies, 19 golden hamsters, 10 kittens, 7 yellow-necked wood mice, and four dog puppies (Prechtl & Schleidt, 1950, 1951). My interest in dogs as subjects of “scientific study” and my familiarizing myself with the vast literature began only after retirement.

You are most critical of the myth of ice age-humans as top-level predators and big game hunters?

Wolfgang M. Schleidt: Based on the nutritional anatomy and physiology of mankind, there is not a shadow of a doubt: Humans were not originally “predators” and carnivores, but frugivores who widened their menu to become omnivores, comparable at best to bears and hogs.

For humans, big-game hunting became a profitable base for subsistence only after the invention of long-range weapons (bow and arrow, an atlatl for spears) that allow human hunters to kill their prey at a distance that does not pose much risk to the hunter. Only toward the end of the “last glacial maximum” (LGM), when the new wave of African immigrants hybridized with the Neanderthals and acquired the skills and genes necessary to survive in the cold north, did big-game hunting become a profitable base for subsistence. But at that time, even with superior killing power, mankind was still a marginal minority compared to the vast number of other predators and posed no threat to the changing ecosystem during the transition from Pleistocene to the current warm phase we call the Holocene.

Our current “natural disaster”, the exponential growth of mankind at the expense of most other species, began only with agriculture, when starch, and a little later, milk became the basis of our subsistence. Meat became a luxury only the rich can afford. In our western affluent consumer and “throw away“ culture, we have forgotten that Catholics were forbidden to consume meat once a week, on Fridays, and that, not so long ago, “plain people”, farmers, and blue collar workers were able to have meat for a meal only on Sunday.

Did we learn big-game hunting from wolves?

Wolfgang M. Schleidt: When our ancestors were still climbing trees in search of fruit and tender foliage, our wolves’ ancestors, the early canids, were carnivores.  While fox-like canids were living on a variety of small game, such as rodents and birds, wolf-like canids evolved in a kind of arms-race with ungulates: the faster or more endurant runner wins.

These ungulates were specialized for feeding on herbs, grasses, and shrubbery of the vast steppes, savannas, and prairies. Some species migrated in seasonal cycles, as, in the present, vast herds of reindeer and caribou do in the Arctic region and wildebeest do in the Serengeti.

While some wolves established territories and hunted whatever lived within or moved through their ranges, Great Plains and tundra, wolves adapted to annual bison/reindeer/caribou migrations by moving with those herds. They functioned as caretakers, shepherds of “their” herds, as Meriwether Lewis, observing bison herds and wolves during his famous expedition with William Clark (1804-1806), described so well:  “…we scarcely see a gang of buffaloe without observing a parsel of those faithful shepherds on their skirts in readiness to take care of the maimed & wounded” (note: this is the original spelling).  Wolves were not regarded by Meriwether Lewis as blood-thirsty beasts that kill for fun, but as “good shepherds” taking care of their herd and living in balance with available resources.

These two quite different ways of living, establishing a territory and hunting resident prey or migrating with a herd they manage like “good shepherds”, lead to an interesting alternative to the common belief that “man the hunter” displaced the wolf as apex predator and, through domestication, made “the beast” his slave and helper.

The alternative scenario:

During the Pleistocene, when vast herds of ungulates lived in the “Mammoth Steppe” (the grassland belt that encircled the polar ice cap), these herds migrated in a seasonal cycle, with “everybody” who was able to move with them—a great number of wolves and a few small groups of humans.  During these migrations, wolves and humans (Homo neanderthalensis as well as sapiens) befriended and supported each other in ways similar to symbioses between wolves and ravens. The upright, bipedal humans had the wider horizon and bigger brain with which to “think ahead” and plot strategies for survival, and friendly wolves provided easier access to meat.

So, first shepherds and later hunters?

Wolfgang M. Schleidt: The myth of “Man the Hunter” is deeply ingrained in Western human culture, founded in the belief that God created Man to “be fruitful, and multiply, and replenish the earth, and subdue it: and have dominion over the fish of the sea, and over the fowl of the air, and over every living thing that moveth upon the earth.” (Genesis 1:28 King James Version).

Translated into a modern evolutionary framework, the first humans, descendants of an ape, were nomadic “foragers”—a way of life that has survived into historical time in marginal groups, such as Aborigines, Bushmen, and native Amazonians. Dogs, as helpers to hunters, were the first animals to be domesticated. During Pleistocene times in northern Eurasia, humans followed reindeer herds and became the first pastoralists; such cultures survive in the present around the Arctic Circle. There, in the context of reindeer herds, the first “working dogs”, helping to herd as well as hunt and pulling sleds, were employed. Subsequently, pastoralism led to the domestication of all our livestock in the Near East.
In our time, Bushmen groups, already close to extinction, became a topic of scientific study, and the 1966 conference: “Man the Hunter”, where those recent results were discussed in a wider context, revealed a misnomer: “Woman the Gatheress” would have been a more accurate title for this conference

Humans are not carnivores, like wolves and dogs, but omnivores, like bears and wild boars. ”Hunter-Gatherer” is a misnomer, because nutritionally, in all such cultures—with a few exceptions—the main contribution to feeding the family comes from the women’s gathering and small-game hunting. Men’s hunting of big game is a time-consuming “luxury”, and it is not only the meat—the game’s protein and fat—that is important for the family. Men’s prey is shared mostly among the hunters, and it is also important as gifts for neighbors and allies to maintain political networks; the family rarely gets a morsel. There is no support for the often-heard claim that the game the father brings home helps the growth and wellbeing of his children.

“Hunter-gatherers”, or “Foragers”, as they are now recognized in less male-dominant terms, had a very different relationship with wolves than initially assumed.  Wolves were their teachers for dealing with ungulates. For early man, ambush-hunting had been the only efficient method to kill big game, as documented in the case of early Neanderthals by the spears found in the lignite mines of Schöningen (Germany).  Observing, learning, and adopting wolves’ group herding-hunting strategies and tactics became the cradle of human pastoralism and started the process of coevolution that led to the cooperation between dogs and humans seen today.

*****

Acknowledgement: We thank Dorothy W. Gracey, MSW, Dr. Michael D Shalter, Mark Derr and Monty Sloan for sharing their interests in wolves and dogs, and specifically DWG and MDS for reading and improving my English translation of this interview. Wolfgang M. Schleidt      

Jung, C., Schleidt, W. M. 2019. Talking to a Living Legend. English translation of an interview in HundeWelt 2019: 4 46-49
Jung, C., Schleidt, W. M. 2019. Im Gespräch mit einer Legende. HundeWelt: 4 46-49.
translation by Wolfgang M. Schleidt

Das Interview mit Prof. Dr. Wolfgang M. Schleidt erschien zuerst in Deutsch in der Zeitschrift HundeWelt 4/19. Die Übersetzung ins Englische besorgte Wolfgang M. Schleidt. Veröffentlichung auf Petwatch in der englischen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Minerva Verlags.

Montag, 12. August 2019

Zur Bedeutung der Gentests in der Hundezucht

Jeder Rassehundezuchtverein wirbt damit, dass seine Rasse eine sehr alte, robuste und gesunde sei. Die Bücher „Schwarzbuch Hund" und "Rassedispositionen bei Hund und Katze“ geben einen Einblick in die Wirklichkeit.

Qualzucht ist kein Merkmal, das nur äußerlich zu sehen ist. Qualzucht bedeutet auch Erkrankungen, die erhebliche Schmerzen und Beeinträchtigungen im Leben eines Hundes sind. Als Beispiel möchte ich hier die DCM beim Dobermann, das Lundehundsyndrom beim Lundehund, die Hüftdisplasie beim Schäferhund nennen. Diese Erkrankungen sind von außen nicht sichtbar, sind meistens irreparabel und führen zu erheblichen Leiden und zum frühen Tod des Tieres.
Lundehund
Der Mensch hat ein Meisterwerk bei der Rasse Cavalier King Charles Spaniel vollbracht. Er hat diesen Hund nach seinen Idealvorstellungen zu Tode verändert.

Genetische Defekte auf dem ersten Blick nicht sichtbar.

Leider sind nicht nur die äußerlichen Erscheinungsmerkmale (Cavalier-King-Charles, Mops, Bulldogge usw.) für die Züchter ein wichtiges Kriterium in der Zucht, sondern auch die Leistung bei gewissen Rassen.
Cavaliere
In welcher Reihenfolge sollten die Prioritäten eines verantwortungsvollen Züchters sein?

Diese Merkmale überwiegen bei der Auswahl der zu verpaarenden Hunde über dem Punkt „Gesundheit“. Gerade bei den Rassen der Kategorie „Arbeitshunde“ fällt mir das sehr stark auf. Die Reihenfolge der Prioritäten, sowohl beim Züchter als auch beim Käufer, sollte wie folgt sein:

1.    Gesundheit (erbliche Dispositionen)

2.    Wesen (leider gibt es zu viele aggressive/bösartige und wesensschwache Hunde in der Zucht)

3.    Fruchtbarkeit (die Würfe werden immer kleiner)

4.    Arbeitsleistung / Exterieur

Ohne Selektion hat auch eine kleine Population keine Chance auf eine gesunde Zukunft.

Zucht heißt konsequentes aussortieren von Tieren, die erkrankt sind, oder in deren Linien Erkrankungen vorkommen, wenn es für diese Disposition keinen Gentest gibt. Viele stehen auf dem Standpunkt, dass erst eine gewisse Größe in einer Population vorhanden sein muss, um die Selektion zu beginnen. Das ist der falsche Weg. Dann hat sich bereits die genetische Disposition auf ein Großteil der Rasse ausgebreitet.                                         
Noch nicht krank verzüchtete, gesunde (=echte) Möpse
Leider informieren sich die meisten Züchter und Halter nicht über die vorhandenen Dispositionen der auserwählten Rasse. Wobei das Unwissen bei den Haltern noch viel gravierender ist. Als Grund wird dann hierzu angegeben: „Mein Hund kommt nicht in die Zucht“; „Ich züchte nicht!“; „Ich bin kein Züchter, um etwas zu unternehmen!
Echte Möpse sind gesund und vital und bräuchten keinen Fitnesstest
Jeder, ob Züchter oder Halter, kann etwas zur Verbesserung des Gesundheitszustandes einer Rasse beitragen.

Wie sieht die Realität in der Zucht aus?

Als Beispiel möchte ich meine Erfahrungen mit einer Züchterin in der Sache Glasknochenkrankheit (OI) schildern.

Vor Jahren wurde bekannt, dass es bei den Teckeln Welpen gab, die an der Glasknochenerkrankung verstarben. Diese Information zog sich durch alle Medien. Der Gentest auf OI stand schnell zur Verfügung und war zu Beginn kostenpflichtig.

Ich habe damals mit einer langjährigen Züchterin über diese Erkrankung gesprochen. Ihre Antwort auf meine Frage, ob sie den Test machen würde, hat mich schockiert: "Wenn ich solche Welpen in der Wurfkiste zu liegen haben, mache ich mir Gedanken darüber!"

Forschungsprojekte und Gentests

Mit der Zeit wurde der Test auf OI kostenlos von den Laboren angeboten. Die meisten Züchter testeten ihre Hunde und warben auf deren Homepage mit der Zucht von OI freien Hunden: "Unsere Hunde sind OI frei getestet". Selbstverständlich zog besagte Züchterin zeitnah nach und ließ ihre Hunde testen.

Ein weiteres Beispiel bei einem Deutsch Drahthaar Besitzer (Jäger). Ich fragte ihn, ob in der Linie seines Welpen vWD Typ2 (Willebrand Erkrankung Typ 2) vorhanden sei. Er fragte mich ernsthaft, was das sei, und sein Züchter habe davon noch nie was gehört. Das gäbe es nicht oft in der Rasse. Da habe ich doch mal gefragt, ob die Langeweile bei der Forschung haben und Gentests nur für ein paar Hunde entwickeln.

Auf der Suche nach einem geeigneten Hund für meine Freunde, habe ich mich im Ausland umgesehen. In einigen Ländern spielen nur die Leistungen auf Prüfungen eine Rolle, jedoch werden dort Jagdhunde nicht auf gesundheitliche Dispositionen untersucht. Für mich gab es niemals die Frage, ob ich meine Hunde, wenn es für genetische Dispositionen einen Test gibt, testen lassen. Jeder Hund in der Forschung zählt. Auch die Rückmeldung an die zuständigen zuchtbuchführenden Vereine ist für mich ein muss.

Jeder Welpe der in einem Rassehundeverein gewölft wurde, muss auf genetische Defekte untersucht werden

Es wäre wünschenswert, wenn jeder gezüchtete Hund eines Rassezuchtvereins alle relevanten Untersuchungen und Tests auf erbliche Dispositionen machen müsste. Im Anschluss sollten die Ergebnisse auf der Homepage mit allen Daten des jeweiligen Hundes veröffentlicht werden. Vorbildlich ist hier der Schwedische Laikaklubben. Des Weiteren müssten Blutproben der Forschung zur Verfügung gestellt werden.
Russisch-Europäiche Laika
Ein Hund der phänotypisch kern gesund ist, kann genotypisch ein absoluter Krüppel sein.

Ein weiteres Beispiel ist hier die Hüftdisplasie. Ich habe erlebt, dass Elterntiere die beide das Ergebnis HD A (frei) hatten, Welpen mit HD C, D und E zum Vorschein brachten. Auf Grund, dass die Elterntiere so gute jagdliche Leistungen hatten, wurde der Wurf nochmals wiederholt. Die Fachsbereitsleiterin Zucht, spielte das ganze Drama runter und sagte: "Die Welpen waren viel zu dick!"

Eine Besitzerin eines Schäferhundes hat mir erklären wollen, dass Hüftdisplasie vom Getreide kommt. Diese Information habe sie von ihrer Züchterin. Hüftdisplasie wird dagegen polygenetisch vererbt und hier spielen viele Mutationen eine Rolle.

Die TiHo Hannover sucht weitere Hunderassen um den Test auf Hüftdisplasie zu erweiteren. "In anderen Hunderassen wird zurzeit überprüft, inwiefern sich die Ergebnisse beim Deutschen Schäferhund in Bezug auf HD übertragen lassen. Um weitere Fortschritte in der molekulargenetischen Aufklärung dieser - für das Tier mit vielen Einschränkungen und für den Besitzer häufig mit hohen Kosten verbundenen - Erkrankung erreichen zu können, benötigen wir Blutproben von im Rahmen der offiziellen HD-Röntgenuntersuchung befundeten Hunden der verschiedenen Rassen. Dabei spielt es für uns keine Rolle, welchen Befund Ihr Tier hat. Jede Probe bringt uns einen Schritt weiter." Bitte unterstützen Sie mit Ihrem Rassehundeverein dieses Forschungsprojekt.

Die Welpenkäufer bestimmen den Markt. Fragen Sie den Züchter, ob er alle relevanten Untersuchungen (Hüftdisplasie, Augenuntersuchungen, OCD usw.) bei den Zuchttieren hat machen lassen. Lassen Sie sich die Ergebnisse zeigen. Bitte nehmen Sie Abstand vom Kauf, wenn der Züchter Ihnen sagt: "Wir untersuchen das nicht, weil es in der Rasse nicht vorkommt!" Wer nicht untersucht, der kann auch keine Aussage über die Erkrankung in der Rasse treffen (ausgenommen sind kleine Hunderassen wie Yorki, Chihuahua usw. auf HD).

Bei meinen Recherchen habe ich auch vorbildliche Beispiele gefunden.

Eine verantwortungsvolle Laikibesitzerin aus den Niederlanden, die in Sachen gesunde Hundezucht an meiner Seite steht, hat mich auf folgendes aufmerksam gemacht und selbstverständlich hat sie das Projekt unterstützt: Der finnische Kennelclub bezahlt jedem Mitglied, welches seine Hunde auf genetische Dispositionen bei einem bestimmten Labor testen lässt, einen Bonus, wenn das Testergebnis dem Club zur Verfügung gestellt wird. Bei diesem umfangreichen Test wird getestet, ob der Hund erbliche Dispositionen seiner eigenen Rasse hat und ob bereits gefundene Mutationen einer anderen Rasse in diesem Hund ebenfalls vorhanden sind.

Bei einem Test auf alle Dispositionen, die bei Hunderassen jeweils in einem wissenschaftlichen Verfahren gefunden worden sind, ist folgendes zu beachten. Die vorhandenen Tests einer Disposition für die Hunderasse sind für jede Rasse zu einem sehr hohen Prozentsatz genau. Die gefundene Mutation ist hier eindeutig bestimmt worden. Die vorhandene Mutation kann bei einer anderen Hunderasse aber auf anderen Allelen liegen. Kann! Aber es kommt auch vor, dass diese Mutation bei mehreren Rassen an derselben Stelle liegt.

Jeder sollte die Aufrufe der Tierärztlichen Hochschulen und Universitäten unterstützen

In einem Labor in Österreich hat man mir gesagt, dass die bereits bei so einem umfangreichen Testverfahren festgestellt haben, dass eine bestimmt Hunderasse nicht nur auf den Gentest für Katarakt seiner eigenen Rasse, sondern auch auf den Gentest für Katarakt einer anderen Rasse positiv reagiert.

Folgendes ist auf jeden Fall noch zu achten:

Gibt es bereits bei einer Rasse einen Gentest für eine gewisse Mutation, und ich lasse meinen Hund, der die gleiche Erkrankung hat, aber eine andere Rasse ist, diesen Test machen, so kann das Ergebnis „negativ“ ausfallen, weil die Mutation auf einem anderen Allel liegen. Hier sind dann der Verein, die Züchter und Besitzer gefragt. Für jede Rasse ist es möglich ein Forschungsprojekt ins Leben zu rufen, mit dem Ziel des Gentestes.

Die langjährige Akita Züchterin, Frau Ilse Wiegand, hat das Blut ihrer an Sebadenitis erkrankten Hündin, ohne Aufforderung, zu Frau Dr. Pfeifer, Universität Kassel, geschickt. Sebadenitis ist ebenfalls eine schwere Erkrankung die sich mittlerweile in vielen Hunderassen ausbreitet.

Ein Beitrag von Nicole Kamphausen


Samstag, 13. Juli 2019

Greyhounds rennen um ihr Leben

Greyhounds rennen um ihr Leben - das ist bitterer Ernst. Jedes Jahr werden alleine im EU-Staat Irland tausende gesunde Greyhounds im besten Alter getötet. Der einzige Grund: sie sind zu langsam. Dazu kommen noch unzählige Welpen und Junghunde, ebenfalls gesund abgeschlachtet. Wer in den Rennen keine Chance hat, auf das Treppchen zu kommen, wird kurzerhand gekillt - meist per Schuss aus der Hand eines Abdeckers.

5987 Greyhounds wurden 2017 getötet, einzig da zu langsam

Nicht weniger als 5.987 Greyhounds wurden alleine 2017 auf diese Art geschlachtet. Wie gesagt, einzig weil sie "versäumt hatten, die Qualifikation zu schaffen oder ihre Leistung zurückgegangen war".  So berichtet es die britische Tageszeitung "The Guardian" unter Bezug auf die Reportage "Greyhounds - Running for Their Lives" des TV-Senders RTÉ Investigates von Conor Ryan.
1000-facher Überschuss wird gezüchtet...

Der Bericht deckt zudem auf, dass die Hunde wohl regelmäßig massiv mit EPO (Erythropoietin) gedopt werden. Das geht zuweilen so weit, dass "ihr Blut wie Sirup sei" - so ein Tierarzt. Zudem sei es üblich, dass ein massiver Überschuss gezüchtet wird. Laut der Doku werden 1.000% mehr Welpen gezüchtet, als die Rennindustrie braucht. So haben diese Profithaie auf dem Rücken der Hunde eine riesige Auswahl, um die erfolgversprechendsten Exemplare auszusieben. Die "restlichen" 999, die für diese Industrie genau wie die "alten" Ausgemusterten keinen Wert darstellen, werden schlicht beseitigt.

Bei dem ganzen Abschlachten sprechen wir noch lange nicht von der artgerechten Qualität des Lebens der nicht getöteten Champions, die es für ein paar Jahre auf das Treppchen geschafft haben. Und wir sprechen noch nicht einmal darüber, wie selbst solche Champions im jungen "Alter" euthanasiert werden. Manche der entsorgten Greyhounds trifft es noch schlimmer. Sie werden als Vieh nach China exportiert, berichtet Conor Ryan.
...um die meisten auszusortieren und abzuschlachten

Das irische Landwirtschaftsministerium fördert dieses systematische Tiermassaker auch noch, indem es dem Irish Greyhound Board in diesem Jahr 16,8 Millionen Euro zur Verfügung stellt, so die Doku. Bereits 2009 hatte ich im "Schwarzbuch Hund" auf solche Praktiken hingewiesen wie darauf, dass die EU die irische Greyhound-Industrie mit unseren Steuergeldern auch noch subventioniert - wissenden Auges. Auch in Großbritannien sollen jedes Jahr tausende Greyhounds abgeschlachtet werden, wenn sie keine Erfolge, sprich Profite im Renn- und Wettbusiness versprechen. Die Politiker und Behörden der EU sowie der betroffenen Mitgliedsländer wissen ganz genau und seit Jahren um diese systematischen Verbrechen. Auch bei meiner Teilnahme als Experte an den Beratungen und Anhörungen zur Novellierung des Tierschutzgesetzes in Berlin habe nicht nur ich dieses Thema explizit angesprochen. Doch bei den sonst so "menschlich" auftretenden Politikern gilt hier das Prinzip der drei Affen.
Von der EU geförderte Tierquälerei

Die EU, die ansonsten von einem Regulierungswahn getrieben ist, jeder Gurke ganze Aktenordner an Bürokratenkauderwelsch widmet, sich in jede Ritze des Lebens einmischen will, hat beim Thema Tierschutz meterdicke Scheuklappen vor den Augen. Dem Wohl unserer Hunde widmet die EU kaum ein Zeile. Dabei wäre es ein leichtes, Verordnungen zu erlassen, die Basics des Zuchtgeschehens regeln und Mindeststandards verbindlich machen. Auch zum Thema Qualzucht wäre dies längst angebracht.

Windhunde, Schlittenhunde, Profitgeräte

Diese Brutalität des Menschen im Umgang mit seinem "besten Freund" betrifft längst nicht nur die Windhunde. Auch bei Schlittenhunden sind im Business-Bereich ähnliche Praktiken üblich. Hunde, die jahrelang treue Dienste beim Ziehen der Schlitten verrichtet haben, werden von erfolgsgeilen Musher zum Ende der Saison kurzerhand erschossen, wenn sie für die kommende keinen Erfolg versprechen. Das betrifft nicht die vielen Amateure dieser so wunderbaren Sportarten wie Hundeschlittenfahren, Coursing oder Windhundrennen. Doch im professionellen Leistungssport, wenn es um viel Geld und die Siege bei den großen Rennen wie dem Iditarot in Alaska geht, sieht das anders aus. Auch manche Anbieter von Schlittenhundeausfahrten für Touristen handeln zuweilen nach diesem abscheulichen Muster. Bekannt wurde der Fall des kanadischen Anbieters "Outdoor Adventures Whistler", der - wie berichtet wurde - seine Mitarbeiter zwang, wegen schleppenden Geschäfts 100 Schlittenhunde mit dem Revolver zu entsorgen.

3.000 bis 4.000 Hunde werden in Deutschland bei Tierversuchen getötet - jedes Jahr

Es ist ein einzige Schande für die Spezies Homo sapiens, wie hier mit unseren treuen, nicht-menschlichen Partnern umgegangen wird. Doch bevor wieder ein deutscher Tierschützer arrogant mit dem langen Finger auf andere Länder zeigt: In Deutschland werden jedes Jahr zwischen drei- und viertausend Hunde bei offiziell zugelassenen Tierversuchen getötet - ganz legal. Diese Zahlen werden von der Bundesregierung schamhaft-dreist unter der Rubrik „Tierschutz“ verwaltet (BMFEL 2018). Diese Hunde werden vielleicht unter Aufsicht eines Veterinärs getötet, aber warum - und mit welchem Recht?

Ein Kommentar von Christoph Jung

Zur Geschichte des Greyhounds und der Koevolution von Mensch und Hund ganz allgemein sehr empfehlenswert: Greyhound Nation von Edmund Russell (leider nur in English):


Die Fotos sind Screenschots aus dem TV-Bericht von "Greyhounds - Running for Their Lives" des TV-Senders RTÉ Investigates





 
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