Dienstag, 15. Dezember 2009

Augen auf beim Welpenkauf

Gisa Kämpfer, 1. Vorsitzende des Bordeauxdoggen Club Deutschland e.V., schickte diesen Beitrag: Ja, es gibt sie, die verantwortungsbewußten Züchter/ Deckrüdenhalter und wir können nur jedem ans Herz legen, macht die Augen auf beim Welpenkauf.

Dass die Verpackung=Phänotyp eines Hundes nicht alles ist, sollte eigentlich inzwischen bis in dem kleinsten Winkel angekommen sein.

Schaut Euch den Züchter genau an; seht Ihr in der Zuchtstätte oder ausserhalb der Zuchtstätte (nicht jeder Züchter hält seine Hunde auf seinem privatem Grundstück) Zwingeranlagen, macht Euch dazu Eure Gedanken, inwieweit das der Züchter Eures Vertauens werden könnte.

Lasst Euch die Wurfabnahmeprotokolle der gefallenen Würfe zeigen, darin könnt Ihr die Welpensterblichkeit und Mängel und vieles mehr nachlesen.

Jeder Züchter/Deckrüdenhalter muss ein Zwingerbuch führen. Ein Züchter, der nichts zu verbergen hat, läßt den Welpeninteressenten Einsicht in das Zwingerbuch nehmen. Im Zwingerbuch könnte Ihr u.a. nachlesen, wie oft wurde die Zuchthündin in jeder Hitze belegt (2 Hitzen hintereinander, 3 Hitzen hintereinander oder sogar 5 Hitzen hintereinander), Ihr könnt darin nachlesen, wieviel Kaiserschnittgeburten hatte die Hündin (nach dem 2. Kaiserschnitt muss die Hündin aus der Zucht genommen werden, aber wo kein Kläger, da kein Richter).

Wenn ein Züchter/Deckrüdenhalter auf seiner Homepage mit ED III Hunden wirbt, macht Euch dazu Eure Gedanken, ob das der Züchter Eures Vertrauens werden könnte.

Vertraut nicht dem Wort, sondern lasst Euch folgende Unterlagen zeigen:

  1. HD-Auswertung der Mutterhündin und des Deckrüden ( die Werte dürfen max. HD-A, HD-B, HD-C anzeigen ) Bekommt Ihr diese HD-Auswertung nur von der Mutterhündin zu Gesicht oder gar nicht zu sehen, verabschiedet Euch von diesem Züchter !
  2. ED-Auswertung der Mutterhündin und des Deckrüden ( die Werte dürfen max. ED 0/0, ED 0/1, ED 1/0, ED 1/1 anzeigen. Bei ED II sollte ein genehmigtes Zuchtgrpgramm vorliegen ) Bekommt Ihr diese v.g. ED-Auswertungen von der Mutterhündin und dem Deckrüden nicht vorgelegt, unser Rat, verabschiedet Euch von diesem Züchter !
  3. Herz-Ultraschall-Untersuchung der Mutterhündin und des Deckrüden (Hier seht Ihr wie so eine Untersuchung aussehen sollte.) Bekommt Ihr dieses Herz-Ultraschall-Ergebnis von der Mutterhündin und dem Deckrüden nicht vorgelegt, wieder unser Rat, verabschiedet Euch von diesem Züchter !

Auch ein Großteil der ausländischen Züchter hat inzwischen die Zuchthündinnen/Deckrüden HD/ED + Herz untersucht ( s. Schweiz, Dänemark und teilweise Holland + Italien ).


Der Anblick eines Welpen verzaubert jeden Hundefreund - trotzdem, Welpenkauf auch mit Verstand!

Jedes Hundebaby ist natürlich süß, aber nur süß sein reicht nicht; macht Euch im Interesse Eures zukünftigen Welpen und auch in Eurem eigenen Interesse im Vorfeld kundig und wie schon geschrieben, schaut nicht nur nach der Verpackung = Phänotyp.

Kauft NIEMALS aus Mitleid einen Welpen aus katastrophalen Verhältnissen raus!
Benachrichtigt den Tierschutz + Amtsveterinär + den Tierschutzbeauftragen des Vereins, das ist viel effektiver.

Für jeden Welpen, den Ihr dort rausholt, kommen drei nach. Das lehrte uns die Erfahrung.

Und bei aller Vorsicht beim Welpenkauf, vergesst bitte Eines nicht:
Welpen sind keine standardisierten Tiefziehbecher für Joghurt!
Auch bei größtmöglicher Sorgfalt und gesundheitlicher Überprüfung gibt es keine 100% Garantie.


Wir möchten, dass Züchter und Welpenkäufer ein optimales Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen können und jeder sich auf den anderen verlassen kann.


Ihr
Bordeauxdoggen Club Deutschland e.V.
www.bordeauxdoggen-deutschland.de

Mittwoch, 4. November 2009

A Healthier Future for Pedigree Dogs

Ende 2008 hat das britische Parlament seinen Ausschuss für Tierschutz damit beauftragt, die gesundheitliche Perspektive in der Rassehundezucht zu untersuchen. Anfang November legte dieser nun seinen Bericht vor: A Healthier Future for Pedigree Dogs report.

Die Times schreibt:
"Der Bericht des nach dem Crufts Skandal eingesetzten Ausschusses fordert Gesundheitszeugnisse für Welpen.

Welpen sollen nur mit einer vollständigen medizinischen Anamnese ihrer Vorfahren verkauft werden können, damit neue Eigentümer vor dem Risiko genetisch bedingter Erkrankungen gewarnt werden.

Die Abgeordneten werden empfehlen, dass alle zukünftigen Verkäufe von einem Vertrag begleitet sein müssen, in dem festgehalten wird, dass die Eltern des Hundes vor dem Zuchteinsatz Gesundheitskontrollen unterzogen wurden, um sicher zu stellen, dass die Welpen frei von genetisch bedingten Erkrankungen geboren werden.

Die Mitglieder des parlamentarischen Ausschusses für Tierschutz befürworten, dass die Züchter durch eine tierärztliche Bescheinigung belegen, dass die Eltern des Hundes vor der Verpaarung auf Gesundheitsprobleme untersucht wurden.

Weitere Empfehlungen schließen ein:
  • ein gesetzliches Limit für die Zahl der Deckeinsätze eines Rüden, um Inzucht zu verhindern;
  • stichprobenartige Kontrollen bei Züchtern;
  • Mikrochip-Kennzeichnung aller Rassehunde;
  • Gesundheitstests von Championhunden vor Zuerkennung der Titel;
  • Leitlinien zur Information der Käufer, worauf bei der Suche nach einem gesunden Hund zu achten ist.
Die neuen Regeln sollten für alle Welpen gelten, die als Haustiere verkauft werden, egal ob sie von einem im Kennel Club registrierten Züchter, einem gewerbsmäßigen Züchter oder jemandem stammen, der die Hundezucht als Hobby zu Hause betreibt."

(Danke für den Hinweis und die Übersetzung an Elke Grabhorn.)

Wenn man sich demgegenüber die Praktiken selbst im VDH organisierter Züchter anschaut, so gibt es in dieser Frage in Deutschland noch viel zu tun.

Dienstag, 3. November 2009

Ein Buch, das endlich eine Lücke füllt

Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund - Aktuelle Rezension von Sybilla Wunderlich, Wolf Magazin:

Der Autor Christoph Jung studierte Biologie und Psychologie und hat nach eigenen Angaben 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet. Herausgekommen ist ein Buch, das endlich eine Lücke füllt. Ein hervorragend recherchiertes Buch, das dem Hundeliebhaber die aussagekräftigen Argumente und Fakten liefert, um einem Hundehasser die Augen über das Verhältnis Mensch zum Hund zu öffnen.

Christoph Jung nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt Ross und Reiter! Er durchleuchtet die Beziehung des Menschen zum Hund von seinem Beginn bis heute.

Er prangert die Bedingungen der heutigen Hundezucht an und zeigt auf, dass selbst die Qualität eines Staubsaugers oder MP3-Players schärferen Kontrollen unterliegen, als die Kontrollen und Qualitätsmanagement bei der Zucht und Gesundheit des Rassehundes. Aufklärung zu haarsträubenden Verhaltensweisen bei FCI und VDH folgen.

Er macht dem Leser bewusst, was für riesige Geschäfte mit der Ware "Hund" - nämlich gut fünf Milliarden(!) - getätigt werden von den Nahrungsmittelmultis, Tierärzteschaft, Pharmakonzerne, Züchterlobby etc. Dass das Wohl der Hunde dabei erschreckend oft keine Berücksichtigung findet, erschüttert den Leser. Es gibt keine Institution im Hundemarkt Deutschland, die originär ein vitales Interesse an einem gesunden Hund hat. Der Staat lässt die Akteure gewähren, und die Politiker nehmen den Hund ins Visier, um Reglementierungen, Verordnungen und Gesetze zur Verschärfung der Lebensbedingungen der Hunde zu erlassen.

Es wird die Rolle des Hundes in der heutigen Gesellschaft aufgezeigt, die sich veränderte vom Nutztier des Jägers, Bauern, Händlers und Handwerkers zum Nutztier der menschlichen Psyche, zum Nutztier für seine Erholung und Erheiterung, zu einem Stück Anker in der Natur.

Aber wie passt die Rolle des Hundes in das Zeitalter des selbstgerechten Konsum- und Profitdenkens des Menschen, der sich die Erde ohne Respekt vor der natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen untertan machen will? Ein Denkanstoß für alle Menschen, ob Hundeliebhaber oder Gegner. Wir können Herrn Jung dankbar sein für dieses Buch und hoffen, dass es viele Menschen lesen!


Sybilla Wunderlich in der aktuellen Ausgabe des Wolf Magazin (3/2009); Veröffentlichung hier mit freundlicher Genehmigung der Chefredakteurin Elli H. Radinger

weitere Rezensionen:

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Keine Haftung für kranke Zuchtprodukte

Viele Hunderassen sind durch jahrzehnte lange Versäumnisse der Zucht mit ernsthaften Erbkrankheiten belastet. Bei manchen Rassen finden sich kaum noch genetisch gesunde Hunde und viele Rassen sind sogar durch ein ganzes Bündel von Erbkrankheiten belastet; alles Versäumnisse der Zucht.

Wird ein Welpe verkauft, so handelt es sich um ein ganz normales Geschäft nach dem BGB. Der Welpe ist juristisch die Ware für die dann selbstverständlich auch die für Waren üblichen gesetzlichen Gewährleistungsrechte und-pflichten gelten. Das heisst, erhält ein Welpenkäufer einen Hund, der zum Verkaufszeitpunkt bereits krank war, so muss der Verkäufer, bzw. Züchter als Produzent der Ware Hund, dafür gerade stehen.

Kranke Hunde züchten - aber bitte ohne Gewähr

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit und zumindest eine Frage des Anstands sein, dass ein Verkäufer auch für die Mängel an dem verkauften Gut gerade steht. Nicht so beim Hund. Mit verschiedenen Methoden versuchen sich insbesondere solche Züchter aus der Verantwortung zu stehlen, die die krankesten Hunde züchten. Und dieser Haftungsausschluss hat System, wird sogar von ganzen Zuchtvereinen und Dachverbänden bewusst organisiert. Alles natürlich nur aus "Liebe zum Hund" und auf den bunten Webpages werden genau diese Krankheiten verheimlicht oder schön geredet.

So erklärt die Justiziarin und Mitglied der Satzungskommission des VDH, Rechtsanwältin Claudia Marienfeldt, ganz offen:

"Gebrauchen Sie Allgemeine Geschäftsbedingungen, also sog. Musterverträge, so ist z.B. beim Verkauf eines Welpen, also einer neu hergestellten Sache (nach einem Gerichtsurteil ist ein 9 Wochen alter Welpe eine neu hergestellte Sache) der Ausschluss der Gewährleistungsrechte des Käufers nicht möglich ! ...
Die an sich in Deutschland bestehende Vertragsfreiheit wird beim Hundekauf nicht nur durch die neuen Regelungen zum sogenannten Verbrauchsgüterkauf (falls der Züchter ein Unternehmer i.S. des BGB ist) sondern auch bei Verwendung von sog. Allgemeinen Geschäftsbedingungen eingeschränkt.
Der Züchter kann zumindest die letzte Einschränkung selbst vermeiden, in dem er immer individuell den Kaufvertrag mit seinem Käufer aushandelt.

Dies ist allein der Grund dafür, dass der VDH keine sog. Musterverträge verfasst und seinen Mitglieder zu Verfügung stellt."

( VDH-Website , Hervorhebung durch den Autor, siehe auch hier )

Alleine im VDH werden täglich etwa 250 Welpen vermarktet. Für Autos bietet der ADAC selbstverständlich Musterverträge, um seriöse, den Interessenausgleich respektierende Käufe und Verkäufe zu ermöglichen - bei Autos. Der VDH, immerhin als Interessenvertretung aller Hundehalter firmierend, lehnt eine solche Hilfestellung bewusst ab - beim Hundewelpen.

Screenshot vom 13.10.09 vom offiziellen Forum des Verbandes Deutscher Kleinhundezüchter im VDH

Es gibt auch "Tricks", sich der Gewährleistung für die eigenen Zuchtprodukte zu entziehen wie z.B.:
  • in den Kaufvertrag direkt reinschreiben, dass es sich um ein möglicherweise krankes Tier handelt (meist etwas verklausuliert)
  • Rückgabeverpflichtung bei Krankheit gegen Ersatzwelpen; hier wird darauf spekuliert, dass der Käufer sein Tier liebgewonnen hat und es nie zurückgibt (zumal manche Züchter durchblicken lassen, den kranken Welpen zu euthanasieren) und dann eben keine Kosten oder Schadensersatz einklagen kann
  • in den Kaufvertrag den Verweis auf haustierärztliches (Gefälligkeits-) Gutachten reinschreiben, dass das Tier 100% gesund übergeben wurde; durch ein solches Gutachten wird dem geschädigten Welpenkäufer eine Inhaftungnahme erschwert
Verführer beim Welpenkauf

Das Ganze basiert zudem auf dem Effekt, dass die Leute ob der Ausstrahlung des Welpens, den sie kaufen wollen und vielleicht gerade im Arm haben, nicht so genau ein mehrseitiges Vertragswerk durchlesen, in dem o.g. steht, und einfach unterschreiben. Eurasier-Züchter Johann Bucher hat bereits auf diesen nicht zu unterschätzenden psychologischen Aspekt beim Geschäft mit dem Hund aufmerksam gemacht.

Züchter, die nicht zu der Gesundheit der von ihnen verkauften Welpen stehen, demonstrieren neben fragwürdiger Geschäftspraxis auch nur, was sie und ihr Zuchtverein wirklich praktisch für die Gesundheit ihrer Hunde tun.

Mehr zum Thema im "Schwarzbuch Hund: Die Menschen und ihr bester Freund"

p.s.:
Viele Züchter lehnen die oben beschriebenen Tricks und Methoden ab. Ich selbst haben im Frühjahr 2008 einen Welpen bei einem VDH-Züchter gekauft. Der Kaufvertrag bestand dabei aus nur einer Seite, die wiederum im wesentlichen aus den Daten von Hund, Käufer und Verkäufer bestand. Auch gibt es Züchter, die den Kaufvertrag vorher zuschicken oder auf ihrer Webseite veröffentlichen, damit man ihn sich vorher in Ruhe durchlesen kann.

Dienstag, 29. September 2009

Do-Khyi - Anschauungsmodell heutiger Zucht

Nachdenkliches von Ruth Reheuser

Solange ich denken kann begleiten mich Hunde durch mein Leben. In der Zwischenzeit sind das fast 45 Jahre. Wir, meine Familie und ich, haben ausgebildet und auch ab und zu ausgestellt, uns engagiert, sowie kurze Zeit gezüchtet. Die Zucht haben wir bald eingestellt. Es lag uns nicht Sporthunde, welche für eine Zwingerhaltung tauglich erklärt werden, abzugeben. Um unserer heutigen Rasse etwas, von dem was wir noch erhalten haben, zurückzugeben hatten wir uns ausführlich auf einen Wurf zum Erhalt einer alten Seitenzuchtlinie vorbereitet. Dieses haben wir inzwischen eingestellt.

Gerade in der Zeitschrift Der Spiegel, Nr.36/31.08.09, gelesen in dem Artikel "Schlechtes Blut" über arrangierte Ehen zwischen Verwandten beim Menschen:
"Laut einer Erhebung aus der Praxis für Pränataldiagnostik von Prof. Dr. Rolf Becker und Prof. Dr. Dieter Wegner in Berlin waren von 500 geborenen Kindern aus Ehen unter Verwandten 35 Kinder schwerstgeschädigt…. Bei Verwandten-Ehen über mehrere Generationen steige das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, im Einzelfall mitunter auf 25%...
Selbst bei "konsanguin" (blutsverwandt) bezeichneten Beziehungen dritten Grades (z.b. Nichte x Neffe), kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Manche leiden an seltenen Erbkrankheiten, an Schwerhörigkeit, Epilepsie oder Muskelschwund, oder die Lebenserwartung sinkt…
"

Seuche Inzucht

Soweit zum Menschen. Es ist ja nicht so, dass keine ausreichenden Kenntnisse über die Auswirkungen von Inzest vorhanden wären!
Vor diesem Hintergrund müssen wir auch unsere Hundezucht betrachten!
Der Do-Khyi

Noch vor 20 Jahren haben mich solche Gedanken nicht beschäftigt. Dann habe ich den Do-Khyi kennen gelernt. Eine ursprüngliche noch gesunde Rasse, so kann man es auch heute immer noch unverändert lesen. Ich liebe diese Hunderasse, deren Wesen, ihre Art sich mit ihrem Halter geistig zu messen …ihn herauszufordern und in Frage zu stellen!

Gesunde Hunde in einen "Standard" gezwängt

Nur: War diese jemals gesund; bei dem Start in Engzuchtpraxis war man sofort bemüht, den Standard auf kürzestem Weg zu erreichen. Der Rasseaufbau ab 1979 in Geschwister- und Eltern zu Kindern-Verbindungen. Früh waren die ersten Champion-Titel erreicht. Mit diesen Linien wurde eng, in Engzucht oft in 2. Generation (Großeltern zu Enkeln), weiter gezüchtet. Darf man es zulassen, dass manche Züchter die Zucht einer Rasse nur als eine Art "kreativen Schöpfungsakt" betrachten? Kreativität im Sinn eines Gemäldes, beschäftigt nur mit gut zu vermarktenden, als schön empfundenen Äußerlichkeiten und Rassebeschreibungen? Schönheit liegt in der Ansicht des Betrachters.

Gigantismus und Übertreibungen

All dessen ungeachtet geht meine Rasse heute den Weg in den Gigantismus, wird die übermäßige Faltenbildung bei tief liegendem Auge, Lefzenbildung, übermäßige Behaarung und mangelnde Winkelung der Hinterhand erzielt, auch wenn der Standard erst vor 3 Jahren etwas "genauer definiert" wurde…
Die Verantwortlichkeit für den Erhalt dieser und vieler Rassen, den Erhalt von Gesundheit und Vitalität jedes gezüchteten Einzeltieres, lediglich von oben bis nach unten zum Züchter durchgereicht? Die Verantwortung für das unversehrte Wohlergehen in Gesundheit und Fähigkeiten der einzelnen Tiere, der Rassehunde allein der "Zulassung durch seinen Züchter" überlassend?
Ein Mehr an Offenheit und Zusammenarbeit beim Mangel derselben ist, vor dem Hintergrund der Einzelschicksale der 25 -50% Hunde aus Verwandtschaftszucht ersten Grades, welche (wie beim Menschen) behindert oder schwerstgeschädigt auch beim Hund geboren werden, zwischen Züchtern nicht immer möglich.

Die Kultur nicht ehrlich und engagiert zusammen an der Lösung von Zuchtproblemen arbeiten zu können liegt wahrscheinlich darin begründet.
Kann das überhaupt funktionieren auf diesem Weg Hunderassen "zu erhalten"?
Darf dieses System der Zucht die Möglichkeiten seiner Züchter - ein Ausweichen ins Ausland nach z.B. Ungarn oder wie im Fall des Do-Khyi nach China - hinnehmen, um nicht zur Zucht taugliche Tiere doch noch in der Zucht zu halten? In und aus Staaten, welche nicht einmal ein Tierschutzgesetz kennen…(?) Deutschland ist in der Hundezucht keine Insel und so wird mit solchen Nachkommen, auch hier bei uns, weiter gezüchtet.
Ruth Reheuser mit Acky, der mit nur 19 Monaten eingeschläfert werden musste - nach über 250 fokalen und generalisierten Epilepsieanfällen alleine innerhalb seiner letzten 10 Lebensmonate


Tierschutz in der Zucht?

Offenes Nennen von Erkrankungen, bei einzelnen Rassevertretern durch deren Halter, als eine Art der Nestbeschmutzung empfindend, fehlt die Einsicht der Verantwortlichen in Notwendigkeiten, offen mit Problemen die in der Zucht auftauchen können umzugehen und eine Lösung, die auf der Höhe der Zeit ist, herbeizuführen. Leider sind einige Züchter nicht immer ehrlich im Umgang mit Schwächen ihrer Rassen und so kommt es, dass wirkliche Bemühungen um Fortschritt, bei der Identifikation, Einschätzung und Erkennung in der Erblichkeit von Krankheiten, von anderen Menschen endlich engagiert vertreten werden müssen!

Lebenslange Pflegefälle


Unserem gesellschaftlichen System auf wirtschaftliches Wachstum entsprechend werden, nach Bedarf, heute für betroffene Hunde künstliche Gelenke, Linsenoperationen und Medikationen angeboten. Ist es noch vertretbar in unserer globalen Gesellschaft, in welcher 20 € für lebenserhaltende Medikamente für Menschen fehlen, auf die doch vorliegenden guten Behandlungsmöglichkeiten, solcher Art vermeidbarer Erkrankungen, beim Hund hinzuweisen?
Es ist nicht dem Rassehundezuchtgedanken in seinem Grundsatz entsprechend, dass Halter nach Kauf eines Rassehundes eine Art Dauerpflege an diesem, als Familienmitglied empfundenen Lebewesen, vornehmen müssen. Der Einsatzzweck, die Lebensfunktionalität des Rassehundes, muss in jedem einzelnen Fall erhalten bleiben.
Wie am Beispiel eines Do-Khyi, welcher an Epilepsie erkrankt war, darf eine Zucht nicht billigend in Kauf nehmen, Hund und Halter im Glauben allein nur an medizinische Möglichkeiten, in der gesamten Lebensgestaltung zu einer Geisel der Erkrankung und des kreativen Schöpfergefühles seiner Zucht werden zu lassen!
Kreativität und Visionen in der Zucht von Hunden müssen einer, dem Tier gerecht werdenden und von der Zucht unabhängigen, Kontrolle zugeführt werden!

Einen weiteren, wichtigen Punkt stellt die Vermarktung und Bewerbung unserer Hunde dar. Diese ist eine der Hauptursachen für die zunehmende Unsicherheit, Angst und Verärgerung gegenüber Hunden und Haltern in der Öffentlichkeit. Hier muss die Sachkunde eines jeden Züchters, Hunde ihrer Art entsprechend, nur in kundig zu machende Hände zu geben, hinterfragt werden. Das nicht nur, sondern auch gerade bei *spezialisierten* und auf Arbeitseigenschaften gezüchteten Rassen! Der Versuch Halter von Rassehunden über Zuchtverbände- oder Vereine in organisierter Sachkunde und Kenntnis ihrer Rasse zu beschulen erreicht, unbesehen vom tatsächlichen Erfolg derselben für die Gesellschaft, nicht einmal annähernd die Masse der Hundehalter.

Unsere Hunde brauchen eine Vertretung ohne absatztechnische Interessenskonflikte! Hundehalter brauchen zutreffende Informationen und Sachkunde über den Hund und dessen grundsätzlichen Bedürfnisse welche ohne Absatzverlustgedanken vermittelt werden!
Aus diesem Grund unterstütze ich auch den Dortmunder Appell und hoffe auf eine grundlegende Wende in der Hundezucht!

Ruth Reheuser

Links

Montag, 21. September 2009

Hundefutter das krank macht

In jedem Supermarkt, bei allen Discountern oder Drogeriemärkten, hat Hundefutter heute seinen festen Platz in den Regalen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass man damit gutes Geld machen kann, selbst gemessen an den Ansprüchen von Konzernen wie Aldi, Lidl oder Rewe. Auch bei den Herstellern, der Nahrungsmitteldindustrie, hat sich längst herumgesprochen, dass die Nahrung auch für Hunde ein sehr profitables Geschäft ist. Nestlé und Mars, weltweit führend bei der Herstellung von Fertigfutter für Menschen, sind mit Pedigree, Royal Canin, Purina &Co, auch die führenden Hersteller von Fastfood für Hunde. Der Erfinder des Schokoriegels Mars ließ es sich allein 1,5 Milliarden US-Dollar kosten, die Marke Royal Canin zu kaufen, die größte Konzerninvestition bis dato. Alleine mit Futter und Zubehör setzt die Branche weltweit mehr als 50 Milliarden Euro um.

Der Hund spült 1,2 Milliarden Euro im Jahr alleine in Deutschland für Fastfood ein, so die göttingener Wirtschaftswissenschaftler Ohr und Zeddies (2006). Weitere 600 Millionen werden aber noch am Fertigfutter vorbei für Hundenahrung ausgegeben, oft relativ naturnahes Futter. Um diesen Topf streiten sich die Fastfood-Hersteller und Discounter erbittert. Um diese noch unerschlossenen Marktanteile zu kontrollieren, wird auch immer wieder das Gerücht gestreut, natürliche Nahrung sei ungesund für unsere Hunde. Den Multis verbundene Tierärzte und Hundeprofis gibt es für solche "fachkundigen" Statements freilich genug, sponsorn doch Mars &Co praktisch jede Veranstaltung der Szene, fast alle Hunde-Magazine und TV-Sendungen wie auch etliche Lehrstühle der Veterinäre.

Mitte September erscheint nun ein Artikel im Spiegel mit dem Titel "Hungeranregendes Haustierfutter - Fett dank Zusatzstoffen". Der Spiegel führt aus: "Dass von denen (den Heimtieren) aber so manches eine ganz und gar artfremde Fressgier entwickelt, liegt womöglich daran, dass viele Tierfutter es locker mit so mancher Menschennahrung aufnehmen können, was die Zusatzstoffe angeht. So will die Tierfutterindustrie neue Zusatzstoffe gefunden haben, mit denen sich der Appetit von Hunden und Katzen künstlich steigern lässt, berichtet der SPIEGEL. Die Enzyme der dänischen Firma Novozymes etwa verdoppeln offenbar den Hunger von Testhunden und Testkatzen auf das ihnen angebotene Fressen. Zum Einsatz kommen Enzyme mit sperrigen Namen wie Protamex oder Novo Pro D."

Und die Realität ist wirklich haarsträubend. Kristina Peter weist darauf hin, dass zahlreiche, auch bedenkliche Inhaltsstoffe laut EU-Verordnung erst gar nicht ausgewiesen werden dürften. Dies wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium damit begründet, dass soviele Zusatzstoffe im Futter sein könnten, dass eine Kennzeichnungspflicht nicht praktikabel sei. Auch Professor Winfried Drochner vom Institut für Tierernährung der Uni Stuttgart-Hohenheim kritisiert die zahlreichen Zusatzstoffe in Futtermitteln. So werde etwa der Geschmacksverstärker Glutamat gezielt eingesetzt, um die Akzeptanz der Hunde zu erhöhen. Damit legen Hunde ganz im Sinne der Hersteller Präferenzen an. Veterinärkritiker Klaus Dieter Kammerer schlussfolgert in "Schwarzbuch Hundefutter": "So schaffen sich die Tierfutterhersteller ganz innovativ selbst den Markt für ihre neuen Produkte und liefern der von ihnen umworbenen Tierärzteschaft auch gleich die Patienten mit."

Die Hersteller bieten zwar regelmäßig ausführliche Tabellen über die im Grunde chemische Zusammensetzung ihrer Produkte, was aber nur ansatzweise etwas zur tatsächlichen Qualität aussagt. Die eigentliche Herkunft der Lebensmittel, deren konkrete Ausgangsprodukte und Herstellungsverfahren sind ebenso regelmäßig intransparent gehalten und werden hinter glatten Marketingfloskeln versteckt. Der meist viel zu hohe Weizenanteil ist den Entsorgungsbedürfnissen der Humansparte geschuldet. Positive Ausnahmen meist kleinerer Hersteller bestätigen die Regel.

Wollten wir uns selbst ein Leben lang nur mit Fastfood ernähren?


Es ist auch die Frage, warum wir bei der Ernährung unseres Hundes auf die Konzerne vertrauen sollen, die uns schon beim Menschen denaturierte, mit Zucker, billigen Fetten und Glutamat vollgepumpte und möglichst auch per Gentechnik oder Imitate "veredelte" industrielle Produkte als gesund verkaufen will. Auch wenn es genug Wissenschaftler gibt, die uns weis machen wollen, Fleisch, Knochen, Innereien seien ungesund für den Hund, so sollte sich doch jeder die Frage stellen, ob er sich selber und seine Kinder ausschließlich und ein Leben lang mit Fastfood aus dem Hause Nestlé, Mars und Co ernähren würde.

Mehr zu diesem Thema in:

Mittwoch, 16. September 2009

Tierheime brauchen die Hilfe des Bundes

Von Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag, erhielt ich heute eine Pressemitteilung samt Dokumenten. Es geht um unsere Tierheime. Die Lage in den Tierheimen spitzt sich als eine Folge der Wirtschaftskrise derzeit dramatisch zu. Einerseits brechen große Teile der Einnahmen weg, da die Leute weniger spenden. Andererseits werden wesentlich mehr Tiere, insbesondere Hunde abgegeben. Leute die in Hartz 4 fallen sehen es oft als einzigen Ausweg an, den Hund abzugeben, da die Hundehaltung nicht in den Sätzen berücksichtigt wird. Immerhin eine Abgabe im Tierheim ist besser als ein Aussetzen oder Erschlagen des treuen Begleiters Hund oder dessen zu Tode Folterung wie auf dem Foto aus Bünde.


Hunde, traurige Opfer der Krise

Undine Kurth bat nun das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, tätig zu werden. Doch Bundesministerin Ilse Aigner lehnt die Idee eines "Runden Tisches Tierheime", an dem Vertreter des Bundes, der Länder und der Kommunen gemeinsam über Lösungen der derzeitigen Notlage der Tierheime beraten sollten, ab. Aigner lehnt finanzielle Hilfen wie überhaupt eine Zuständigkeit ab. Dabei ist ihr Ministerium eindeutig für den Tierschutz in Deutschland zuständig! Ein fader Beigeschmack ob der Ministeriumsworte von wegen "Für das BMELV ist das Wohlergehen der Tiere ein wichtiges Anliegen" entsteht schon angesichts dieser Haltung.

Es ist beschähmend, dass die unschuldigsten Opfer der Krise, die vom Menschen entsorgten Heimtiere, keinerlei Hilfe erhalten, während anderen Ortes unmittelbar Verantwortliche des Desasters mit üppigen Fallschirmen belohnt werden.

Dortmunder Appell und Parteien

Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort zur Wahl und den Parteien. Der Dortmunder Appell wie auch mein Blog sind in keiner Weise parteipolitisch gebunden und überparteilich. Als Sprecher des Dortmunder Appells habe ich u.a. auch alle Tierschutzbeauftragten der im Bundestag vertretenen Parteien SPD, CDU, CSU, Linke, FDP und Grüne mit gleichlautenden Schreiben auf den Appell aufmerksam gemacht. Geantwortet haben die Grünen und die FDP. Undine Kurth hat sofort und ohne Vorbehalt ihre Unterstützung zum Dortmunder Appell erklärt. Darüberhinaus hat sie mich eingeladen, an einer Novelle des Tierschutzgesetzes mitzuwirken. Es kam auch bereits die Rückmeldung, dass Forderungen des Dortmunder Appells für eine Wende in der Hundezucht in das Gesetz aufgenommen werden sollen.

Tierschutz für Hunde, kein Thema für die Parteien?

Es ist sehr zu Bedauern, dass die anderen Fraktionen im Bundestag den Tierschutzgedanken bei unseren Hunden bisher nicht aufgenommen haben, aber das kann sich ja noch ändern. Das Engagement von Undine Kurth ist nicht nur deshalb besonders erfreulich und zu begrüßen; auch wenn in ihrer Partei mit Bärbel Höhn die Politikerin ihre politische Heimat hat, die den Hunden in der Geschichte der Bundesrepublik bisher am meisten Schaden zugefügt hat.

Donnerstag, 3. September 2009

Woher kommt der Hund?

Der bekannte schwedische Molekularbiologe Peter Savolainen und Kollegen aus China veröffentlichten jetzt eine Untersuchung zur Herkunft unserer Hunde. Nach dieser Studie sei der Hund vor 16.000 Jahren südlich des Jangtse-Flusses in China von Menschen aus wilden Wölfen gezüchtet worden. Nach der Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal "Molecular Biology and Evolution" stammt der erste Hundestamm von einigen hundert gezähmten Wölfen dieser Region ab.

Dies haben die Biologen anhand der genetischen Feinanalyse des mitochondrialen Erbmaterials von über 1.500 Hunden in Europa, Afrika und Asien geschlussfolgert. Dieses spezielle Erbmaterial aus den Kraftwerken der Zellen (mtDNA) wird nur von weiblichen Tieren weitergegeben, lässt sich aber über sehr lange Zeiträume gut nachverfolgen.

Savolainen und Kollegen leiten noch eine weitere, noch viel gewagtere These aus ihren Untersuchungen ab: die ersten Wölfe seien von Menschen als Nahrungsquelle und nicht etwa als Begleiter der Jagd oder als Wächter gezüchtet worden.

Der Autor möchte einige Zweifel an den Schussfolgerungen dieser jüngsten Veröffentlichung Savolainens anmelden.

1. Alleine aus einer Untersuchung der Mitochondrien solch weitgehende Schlussfolgerungen abzuleiten, erscheint als sehr gewagt. Mit der gleichen Methode wurde bereits mehrfach versucht, den Zeitraum und Ort der Entstehung des Hundes abzuleiten, auch von Savolainen selbst. Heraus kamen Spannen von vor 135.000 Jahren bis eben vor 16.000 Jahren wie in der vorliegenen Untersuchung.

Gerade erst im Juni 2009 ist eine Untersuchung von Adam Boyko und Heidi Parker, die 2004 die erste genetische Karte der Hunderassen entwickelte, veröffentlicht worden, in der genau das Gegenteil dessen belegt wurde, was Savolainen berichtet. Parker und Kollegen belegen ebenfalls anhand der mtDNA, dass es keinen eindeutigen Hotspot der Entstehung des Hundes gibt. Anhand der genetischen Diversität von Dorfhunden in Afrika und Amerika weisen sie nach, dass sehr viel weitergehende genetische Untersuchungen nötig seien, um die Geschichte der Domestizierung vom Wolf zum Hund exakt nachzuzeichnen. Das betonen sie ausdrücklich - eine etwas bescheidenere Einschätzung zu der auch der Autor neigt.

Hundeschädel von Goyet - auf 31.000 Jahre datiert (mit freundlicher Genehmigung von Mietje Germonpré)

Erst im Oktober 2008 berichtete ein belgisches Archäologen-Team vom Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften um Mietje Germonpré von einem prähistorischen Hundeschädel, der in der Höhle von Goyet in Belgien, also genau am anderen Ende der euroasiatischen Landmasse, gefunden wurde. Nach den Untersuchungen der belgischen Archäologen sei es das weltweit älteste uns bekannte Fossil eines Hundes. Das Alter dieses Hundeschädels wurde anhand sehr viel zuverlässigerer Methoden auf 31.700 Jahre geschätzt.


2. Die These, Menschen hätten vor 16.000 Jahren Wölfe als Nahrungsquelle gezüchtet, und dies aus einer Untersuchung der mtDNA abzuleiten, erscheint uns als äußerst gewagt. Man möge sich dies einmal praktisch vorstellen. Steinzeitmenschen sollen sich gerade Wölfe ausgesucht haben, um sie als Vieh zur Fleischgewinnung zu halten. Es gibt wohl kaum ein Tier, dass schwerer zu halten wäre als ein so intelligentes und wehrhaftes Raubtier wie der Wolf. Zumal auch der rein ökonomische Sinn kaum darstellbar ist. Um die paar Kilo Wolfsfleisch zu erhalten, hätten die Steinzeitmenschen eine Menge tierische Nahrungsreste oder Fleisch ranschaffen müssen, um dann ihre Wölfe zu mästen. Eine extrem unwirtschaftliche und aufwändige Form der Ernährung. Im allgemeinen gelten Schafe und Ziegen als erstes Vieh der Menschheit und diese Viehhaltung wurde vor etwa 10.000 Jahren erst durch die Mithilfe des Hundes möglich.


Man sollte sich auch die immer wieder behauptete, aber nie belegte stillschweigende Unterstellung anschauen, es sei der Mensch gewesen, der aktiv den Wolf gezähmt habe. Gerne wird das Märchen von dem guten Menschen erzählt, der sich eines verlorenen Wolfsbabys erbarmte.
Um Alter und Herkunft des Hundes zu verstehen, reicht eine mtDNA-Bestimmung keineswegs aus. Neben den biologischen und auch den archäologischen Befunden sollte man die Entwicklung der Menschheit verstehen, um die Entwicklung des Hundes verstehen zu können. Doch dazu später mehr.

Sonntag, 23. August 2009

Schwarzbuch Hund

Soeben ist mein neues Buch erschienen, ein Buch zum Thema Hund: "Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund".

Ich habe an diesem Buch seit 10 Jahren geschrieben. Jetzt habe ich es - etwas früher als zunächst gedacht - veröffentlicht. Hintergrund dieser Terminverschiebung ist der Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht. Er ist ein Teil der praktischen Konsequenzen aus dem Schwarzbuch. Letzteres wiederum ist eine theoretische Untermauerung der Notwendigkeit von Aktionen wie dem Appell und seinen Zielen.

Zunächst hatte ich das Angebot eines namhaften Verlages, Schwarzbuch Hund im Herbst 2010 herauszubringen. Das erschien mir nun als zu spät. Den hier geschilderten Umständen folgend, habe ich es jetzt über BoD Norderstedt kurzfristig veröffentlich.

Ende der 90er Jahre begann ich, mit kritischen Augen durch unsere Hundewelt zu gehen. Es eröffnete sich ein Missstand nach dem anderen, allesamt zu Lasten des Wohls und der Gesundheit der Hunde. Ich wunderte mich immer wieder, warum sich aus den Reihen der Tierärzteschaft, Kynologen und "Hundeprofis" so wenige Stimmen gegen Inzucht, die Erscheinungen von Qualzucht, die angezüchteten Erbkrankheiten, Hundehandel oder Vermehrerunwesen erhoben und erheben. Ich fragte mich, warum sich soviele Züchter mit so wenig inhaltlicher Substanz und zugleich so hartnäckig gegen eine Abwendung von der verbreiteten Inzucht oder von den Übertreibungen der Äußerlichkeiten sträuben, zumal sie doch allesamt angeblich "lediglich aus Gründen der Liebhaberei" züchten. Ich wunderte mich anfangs, dass unsere Behörden, die zahlreichen bunten Hundemagazine und sogar ein Teil der Tierschützer schweigend diesem Elend der Rassehunde mitten in Europa zuschauen.


Ich ging den Dingen weiter nach und nahm zur Kenntnis, dass der Hund das Objekt eines Marktes von nicht weniger als 5 Milliarden Euro im Jahr allein in Deutschland ist. Zumal ein potenter Markt mit stetig wachsendem Volumen, selbst jetzt in der Krise. Ein Milliarden-Markt in dem multinationale Konzerne - die straff organisierten Lobbiisten der Hundeszene -, allen voran Schokoriegel-Multi Mars, Ton und Takt angeben.

Und ich kam zu dem Schluss, dass rein ökonomisch alle Anbieter in diesem Millardenmarkt ein objektives Interesse an einem kranken oder kränkelnden Hund haben. Mit ihm lässt sich einfach viel mehr Geld verdienen als mit dem robusten, vitalen, gesunden und wesensfesten Hund.

Im "Schwarzbuch Hund" bleibe ich aber nicht dabei stehen, die teils skandalösen Zustände und Verquickungen in der Hundewirtschaft darzulegen. Ich versuche auch, deutlich zu machen, dass eine lebenswerte Zukunft der Menschheit auch eine lebenswerte Zukunft der Hunde voraussetzt. Der Hund war ein integraler Teil der gesamten Geschichte des modernen Menschen seit der Cro-Magnon-Zeit und vielleicht sogar noch mehr. Und das war er nicht nur gestern - er ist es auch für unsere Zukunft.


Ab sofort erhältlich im Buchhandel Vorort oder online z.B. bei Buchhandel.de, Libri , BoD oder Amazon.

Schwarzbuch Hund
Die Menschen und ihr bester Freund.
Paperback, kartoniert 280 Seiten
ISBN: 3837030636
EAN: 9783837030631
24,90 Euro

Mittwoch, 19. August 2009

Das ideale Haustier

Die Nachrichtenagentur dpa und N24 verbreiteten am 17.8. folgende Meldung (Auszug):

"Das ideale Haustier Laut einer britischen Umfrage wünschen sich Tierfreunde eine Kreatur mit dem Besten aus Hund, Katze und Co. Der Katzenhundhase sollte es trotz Kaninchenpower aber auch mal ruhig angehen lassen. Es hat die Ohren eines Hasen, den Kopf einer Katze, den Körper eines Hundes und einen Pferdeschwanz....



Das Bild entstand nach einer Befragung von 2000 britischen Tierfreunden, wie Medien berichten.
Demnach muss der Körper der Kreatur das leuchtend weiche Fell eines Golden Retrievers haben. Der Umfrage zufolge verfügt das ideale Haustier über viel Energie, liebt tägliche Spaziergänge und schläft pro Tag neun Stunden und 27 Minuten."

Man muss nicht jedes Umfrageergebnis für bare Münze nehmen. Aber vielleicht wäre ein Umfrage unter Haustieren nicht weniger sinnvoll: Was ist der ideale Mensch? Wahrscheinlich würden Tiere nicht auf die leuchtend weiche Haut ihres Frauchens oder Herrchens abfahren und andere Äußerlichkeiten.
Vielleicht würden sie sich einfach nur wünschen, dass wir ihrem Wesen, Charakter, ihren Wünschen und Bedürfnissen mehr Respekt erweisen würden.

Donnerstag, 6. August 2009

Warum ein Windhund ? - Teil 3

von Dr. Margrit Miekeley - Dritter und letzter Teil

Züchter, die in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Zuchtbüchern Artikel verfassten, warnen bereits eindringlich vor Inzucht und ihren Konsequenzen (heute bekannt als "Inzucht-Depression"). Das waren die praktischen Erfahrungen, die sie mit dieser Zuchtmethode machten. Heute bestätigen Genetiker diese, weil Inzucht auf die Vitalität der Hunde einen nachteiligen Einfluss hat. Ungeachtet dessen wird diese Zuchtmethode auch heute noch im 21. Jahrhundert sehr häufig anwendet, um erwünschte Merkmale zu erhalten und erfolgreiche Hunde zu züchten. Es sind aber meistens die Züchter, die Champion-Titel zählen. Sie schwören auf diese Zuchtmethode, weil sie sich von ihr versprechen, weitere Champions hervor zu bringen (Champion- oder Elitezucht). Dabei wird verschwiegen, dass einige mit ihren Hunden Dauerpatient in Tierkliniken sind. Auch wenn es um die gemäßigtere Form der Linienzucht geht, so schadet sie auf lange Zeit gesehen dem Erbgut der Hunde. Diese Schäden werden durch eine relativ lange Generationsfolge bei Hunden erst spät sichtbar. Prof. Hannes Lohi von der Universität Helsinki warnt auf dem Seminar während des Saluki World Congress, der 2008 in Finnland stattfand, eindringlich vor Inzucht bei Rassehunden. Sie homogenisiert weitere Gene, was im Major Histokompabilitätskomplex (MHC) des Hundegenom dramatische Folgen aufweist, gerade im Hinblick auf die Abwehr von Krankheiten. Dieser Genbereich ist nämlich für das Immunsystem von Lebewesen verantwortlich. Es rühmen sich einige Züchter auch heute noch damit, seit vielen Jahren eine "konsequente Linienzucht" zu betreiben, um einen bestimmten Zwingertyp zu erhalten. Dieses Vorhaben lässt sich aber nicht durch die "Einbahnstraße" einer Verwandtschaftszucht realisieren, sondern eher durch das überlegte Intervall mäßige Verpaaren der Zuchthündinnen mit Fremdrüden, die dem erwünschten Typ entsprechen. Bei einigen Windhundrassen sieht es mittlerweile so aus, dass Hunde aus erfolgreichen Linien oder die selbst besonders viele Championtitel im Ausstellungs- oder Sportwesen errungen haben, in beinahe allen Ahnentafeln vorkommen; es somit kaum noch Hunde gibt, die nicht miteinander verwandt sind. Das fällt besonders auf, wenn man selbst wieder einen Welpen sucht. Sehr erfolgreiche Hunde in Schau und im Sport werden mit eben solchen verpaart (Elitezucht). Der Genpool wird durch solche Maßnahmen in einer Population kleiner. Hinzu kommt noch, dass bei manchen Windhundrassen ein Trend zur Aufteilung in Schau- und Leistungshunde zu erkennen ist. So etwas darf auf keinen Fall sein, weil Form und Funktion gerade bei einem Windhund eine Einheit bilden! Diese Hunderasse wurde einstmals für die Jagd gezüchtet. Eine schwerpunktmäßige Ausrichtung auf ein Betätigungsfeld, wie bspw. auf das Ausstellungswesen, kann einen solchen Hund anatomisch und verhaltensmäßig so verändern, dass er diese ursprüngliche Funktion nur schwer oder gar nicht mehr ausüben kann. Übertriebene Rassemerkmale, wie bspw. Schwanenhals, abfallende Rückenlinie, zu stark gewinkelte Hinterhand, atypisches Gangwerk, können die eigentliche Funktion des Windhundes beeinträchtigen oder verhindern. Auf diese falsch verstandene Auslegung eines Standards sollten Richter zugunsten der Gesundheit von Windhunden vermehrt achten. Jede züchterische Einschränkung, wie bspw. auf Farben oder Muster (hier ist die Diskussion um Weißanteile beim Azawakh oder um die Stromung beim Saluki zu nennen), geht auf Kosten einer Vielfalt der Gene und führt weiterhin zu einer Verarmung notwendiger Gene im Hundegenom.

Barsois

Als Biologin, die sich seit vierzig Jahren schwerpunktmäßig mit Genetik beschäftigt, aber ebenso praktische Zuchterfahrungen mit Wirbeltieren unterschiedlicher Art besitzt, wird man gerade von den Züchtern belächelt, die "praktische Hundezucht" als etwas ganz anderes ansehen, die nämlich ihre "eigenen" genetischen Gesetze haben soll!
Es wird einem vorgeworfen, dass man als "Theoretikerin" nicht mitreden kann und Kritik sei deshalb fehl am Platze. Diese Mutmaßungen werden wiederum von den Leuten geäußert, die sich seit vielen Jahren züchterisch "im Kreise drehen". Somit ist es eine sehr simple Art, unbequeme Leute zum Schweigen zu bringen, um sein eigenes Tun zu rechtfertigen. Jedoch - Unkenntnis schützt vor Torheit nicht!

Aus meinen experimentellen Zuchterfahrungen wahrend meiner Biologie-Studien, besonders an Fischen und Kleinsäugern, bleibe ich auch heute noch bei meiner propagierten Forderung: "Möglichst KEINE Inzucht" und appelliere dafür, dass Halter und Züchter mit Wissenschaftlern zusammen arbeiten und ihnen DNA-Analysen ihrer Hunde zur Verfügung stellen, um gerade bei Zuchthunden die Beschaffenheit ihrer Gene zu ermitteln, um mit dem Ziel verpaaren zu können, eine größere Vielfalt durch langjährige Züchtungen homogen gewordener Gene wieder zu erreichen. Auch so ist es möglich, das körpereigene Abwehrsystem gegen Krankheiten zu stabilisieren. Deshalb reicht es nicht aus, einmal einen Outcross vorzunehmen, auch nicht mit einem Direktimport aus den Heimatländern. Durch eine Studie an der Universität Helsinki konnte bewiesen werden, dass diese Hunde einen höheren Anteil an heterozygoten Genen besitzen als Hunde aus westlichen Linien (s. Seminar SWC; Studie Prof. Hannes Lohi, Universität Helsinki). Deshalb sind stark einschränkende Maßnahmen von Zuchtmöglichkeiten abzulehnen (bspw. keine Imp.0 x Imp.0 Verpaarungen), weil Importhunde aus den Heimatländern als bedeutendes genetisches Potenzial für "Blutauffrischungen" anzusehen sind.

Windhunde sollen etwas Besonderes bleiben. Das geht aber nur, wenn sie gesund sind! Es ist ein unbeschreiblich schöner Anblick, sie in vollem Galopp und in weiten Sprüngen über die Ebene dahin fliegen zu sehen. Ich finde es sehr traurig, wenn einige von ihnen in jungen Jahren aus Gründen von Zuchtfehlern uns verlassen. Genau so gut sollte es jeden Einfluss Nehmenden nachdenklich stimmen, wenn allein im deutschen Windhund-Zucht-und-Rennverband jährlich fast 1500 Welpen geboren werden (es kommen noch Hunde anderer Rassen hinzu), die alle bei Leuten ein gutes Zuhause finden sollen, die genügend Zeit, Kenntnis und Muße haben, einen solchen "Leichtathleten" richtig zu halten. Es ist heutzutage kaum noch möglich, diesem "Leistungssportler" unter den Hunden im freien Gelände gefahrlos ausreichend Bewegung zu verschaffen. Es ist wirklich ein Glück für uns Windhundleute, dass uns im Verband zahlreiche Vereine genügend Möglichkeiten anbieten, an Trainings, Rennen und Coursings ausreichend teilzunehmen. Das alles macht dem Hund sowie dem Menschen großen Spaß und alle sind nach einem solchen aktiven Trainingssonntag wieder zufrieden. Leider gibt es heute immer mehr Menschen, die Hunde, wie eine unbequem gewordene Sache, ins Tierheim abschieben. Dann landen diese "Aristokraten" genau so gut dort, wie andere Hunde auch. Solange die Zahl geborener Welpen höher ist als Welpennachfragen, bleibt die Sorge zurecht bestehen, wo die "Überproduktion" bleibt? Deshalb wäre eine Reduzierung der Zuchtaktivitäten im Interesse aller ungeborenen Windhunde. Menschliche Eitelkeit und Egoismus sollten der Vernunft zum Wohle der Hunde weichen.
Ebenso lehne ich es ab, wenn Windhunde in Käfigen und Zwingern gehalten werden. Die Anzahl der Windhunde im Rudel sollte überschaubar bleiben, weil der Mensch ansonsten dem Einzellebewesen kaum noch gerecht wird.


Irgendwann habe ich mich mal entschieden, nie Hunde züchten zu wollen, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, wie schwierig es ist, sich von den niedlichen Welpen zu trennen, was natürlich sein muss. Inzwischen bin ich froh, dass ich konsequent bei meiner Entscheidung geblieben bin, weil es wirklich genügend Welpen gibt, die alle ein passendes Zuhause suchen. Auf Internetseiten und in Hundemagazinen werden sie inzwischen angeboten. Doch auch Hunde aus Hilfsorganisationen dürfen nicht vergessen werden, die ebenso ein neues Heim bei netten Menschen suchen. Das alles bestätigt letztendlich meinen Entschluss!

fliegender Saluki im Freilauf

Ja, ich liebe Windhunde, das steht seit fast vier Jahrzehnten fest, deshalb begrüße und unterstütze ich die Initiative des DORTMUNDER APPELLS.


Im Juli 2009
Dr. Margrit Miekeley
www.meinewindhunde.de
Text und Fotos © Dr. Margrit Miekeley


Dr. Margrit Miekeley ist Autorin des Buches "Ein Leben mit Windhunden und anderen Tieren. Geschichten und Erfahrungen", das 2005 im Kynos Verlag erschienen ist. Das Buch ist bereits vergriffen, jedoch sind noch ein paar Exemplare bei der Autorin vorhanden. Unter Miekeley@aol.com kann ein Buch zum Preis von € 13,50 (zzgl. Kosten für Porto und Verpackung) bestellt werden.


Montag, 3. August 2009

Warum ein Windhund ? - Teil 2

von Dr. Margrit Miekeley

Menschen, die Windhunde halten, sind äußerst liebenswert, eigensinnig doch auch freiheitsliebend zugleich. Sie lassen sich von nichts und niemandem beirren. Sie sind wie ihre Hunde: Jedes Eingeständnis wird aus reiner Liebe oder Zuneigung gemacht und niemals aus irgendeinem Zwang heraus. Diese Wesen sind sensibel und empfänglich für jedes liebe, ehrliche Wort. Sie besitzen geradezu einen siebten Sinn für Wahrheit und Aufrichtigkeit. So entsteht Schritt für Schritt eine Symbiose zwischen Mensch und Hund, die einmalig auf dieser Welt ist und irgendwann rückt sie immer mehr in den Mittelpunkt aller Dinge und wird zur absoluten Zufriedenheit. Und deshalb sind die meisten Menschen mit Windhunden wirklich glückliche Menschen. Die es nicht sind, haben sich leider die falsche Hunderasse ausgesucht; denn es ist kein Hund zum Renommieren und schon gar nicht zum Flanieren.

Sonderspezies - Windhundmenschen

Seit meiner Kindheit bin ich Liebhaberin von Windhunden und nun seit 38 Jahren Besitzerin dieser Rasse. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals eine andere Rasse besitzen zu wollen, obwohl mir alle Hunde lieb und wert sind. Warum? Der Windhund ist ein Zeitgenosse, den es noch selten gibt. Er hat Charakter. Ein Windhund ist niemals hündisch gehorsam. Wer aber versucht, einem solchen Hund seinen Willen mit Gewalt aufzuzwingen, wird entweder Schiffbruch erleiden oder aber die Eigenart dieses Hundes wird zerstört und übrig bleibt ein bedauernswertes Geschöpf, weil der einstmals frei lebende Windhund in der Wüste den Menschen ernähren konnte. Deshalb können orientalische Windhunde mit den Bedingungen leben, die ihnen geboten werden. Sie arrangieren sich mit Menschen und ihren Lebensbedingungen, weil sie sich angepasst benehmen und ruhig in der Wohnung sind.

Trainingspartner Saluki

Wenn ihnen genügend Auslauf geboten wird, sind sie auch genügsam in ihren Ansprüchen. Ich gehe mit meinem Saluki täglich lange spazieren, deshalb ist er auch mein bester Trainingspartner.

Trainingspartner - Windhund


Morgens wird der Hund in den Garten gelassen. Doch dort wird es für ihn schnell langweilig, weil er alle Duftspuren kennt. Deshalb freut mein Saluki sich den ganzen Tag über auf den täglichen Rundgang durch die Umgebung unseres Wohnortes am Nachmittag. Wir sind zwischen einer Stunde und manchmal auch zwei Stunden unterwegs. Bei uns im Sauerland gibt es zum Glück ein ehemaliges Truppenübungsgebiet, auf dem sich viele Menschen mit ihren verschiedenen Hunderassen treffen und miteinander spazieren gehen. Dort finden nicht nur Hunde, sondern ebenso Menschen viel Kurzweil. Und wenn man gar nicht miteinander plauscht und über Hunde fachsimpelt, dann werden auf diesen Hundespaziergängen gleichzeitig Pilze gesammelt und Beeren gepflückt. Jeder auf der Hundewiese nimmt am Schicksal des anderen teil. Schon junge Hunde lernen den Umgang miteinander und werden auf diese Weise sozialisiert. Mein Windhund ist in der Nachbarschaft und in diesem Gelände so bekannt wie ein "bunter Hund". Deshalb kennt man oft den Menschen nicht bei seinem Namen, dafür aber den Namen seines Hundes. Niemand wundert sich also noch, dass ich meinen Windhund genau so oft von der Leine lassen kann, wie die anderen unterschiedlicher Rassen. Alle Hunde wollen im Grunde eins: Dem Menschen gefallen und mit "ihrem" Menschen hautnah leben. Dabei spielen gemeinsame Unternehmungen, Aufmerksamkeit und Zuwendung, die der Hund vom Menschen erfährt, eine bedeutende Rolle in der Tier-Mensch-Beziehung. Mein Windhund durfte in diesem Gebiet, in dem ich mich gut auskenne, von klein auf von der Leine. Das ist für einen Windhund immer etwas Besonderes! Denn die Schnelligkeit eines solchen Hundes darf nämlich nie unterschätzt werden und jedes Ableinen eines solchen Rassevertreters sollte vorher immer gut überlegt werden. Dort, wo Wild steht, gehört ein solcher Hund an die Leine, um Wildtiere, den Hund selbst und auch Autofahrer zu schützen. Wer allerdings - wie ich - in der Nähe eines großen Auslaufgebietes wohnt oder vielleicht sogar selbst eine große eingezäunte Wiese besitzt, der wird beim Anblick eines frei laufenden Windhundes für all seine Mühe und Geduld, die er vorher bei der Erziehung eines solchen Freundes benötigt, reichlich entlohnt .

Ein Windhund ist ein Geschenk an uns Menschen

und wir haben die Pflicht, dieses verantwortungsvoll und respektvoll zu behandeln. Dass dieses Geschenk aber auch gesund und vital bleibt, dafür müssen wir Windhundliebhaber gemeinschaftlich sorgen. Dabei übernehmen nicht allein Halter Pflichten, um für den notwendigen Auslauf zu sorgen, sondern ebenso die Züchter. Nachfolgend spreche ich ein paar Wünsche aus, die sich auf eine Qualitätsverbesserung bei der Zucht dieser schönen Hunde beziehen. Mir ist klar, dass sich diese Vorstellungen nicht alle von heute auf morgen realisieren lassen, deshalb sind einige davon Visionen, die Gedanken in Bewegung bringen sollen:



Verpaarungen müssen sorgsam geplant werden. Die Zuchttiere dürfen nicht zu jung sein und Rüden wären nur mit einer bestimmten Anzahl von Würfen zur Zucht zugelassen. Der Einsatz von sogenannten "Superrüden" ist auf jeden Fall zu vermeiden, weil durch solche Maßnahmen der Genpool in einer Population verarmt. Es ist unbedingt auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der genetischen Vielfalt im Hundegenom zu achten, das auf Heterozygotie basiert. Diese kann durch Outcross-Verpaarungen bewahrt werden. Aus diesem Grunde ist es geradezu eine Notwendigkeit geworden, dass Züchter zusammenarbeiten, um sich vor Diffamierungen nicht fürchten zu müssen, wenn Krankheiten in einer Linie auftauchen. In diesem speziellen Fall besteht die Möglichkeit, sich Rat und Tat bei Wissenschaftlern zu holen, um neue Forschungsmethoden anzuwenden (bspw. DNA-Tests). Da Krankheiten - wie der Tod auch - zum Leben dazu gehören, können diese nie vollkommen eliminiert werden, jedoch geben sie Anlass, nach gemeinsamen Wegen zu suchen, um eine sinnvolle Prophylaxe zu betreiben. Diese muss im Rahmen einer Gesundheitsfürsorge mit Zuhilfenahme von Wissenschaft und Forschung betrieben werden.


Anschließend müssten Recherchen in Ahnentafeln erfolgen, um Erbgänge von Defektgenen aufzuspüren, zu lokalisieren und um Marker für Krankheiten zu entwickeln. Dadurch werden dem Hundezüchter nach einem erfolgten Gentest neue Möglichkeiten eröffnet, gezielter zu verpaaren. Das bedeutet, eventuell auch Träger eines Defektgens unter bestimmten Voraussetzungen in der Zucht zu belassen, was gerade kleinen Populationen zugute kommt. Nur so kann es gelingen, Krankheiten, wie bspw. Epilepsie, DCM, AIHA, PRA, in bestimmten Linien auf die Spur zu kommen.
Um dieses zu leisten, müssen zuerst Zuchtprogramme erstellt werden, die auf eine Erhebung, Auswertung und Evaluation von wirksamen Interventionen abzielen. Bei einigen Windhundrassen, wie bspw. bei Irish Wolfhounds, Whippets, Greyhounds, Sloughis und Salukis, wurden erste Schritte in diese Richtung auf Rasse-Meetings und beim DWZRV eingeleitet. Jedoch ist noch viel zu tun; denn die Dunkelziffer der Erkrankungen wird mit Sicherheit hoch sein. Kaum ein Halter wird darüber sprechen, wenn sein Windhund zu früh das Zeitliche segnet, auch um den jeweiligen Züchter nicht zu diskreditieren. Kaum ein Züchter wird preisgeben, wie viele Hunde ihm tatsächlich zu früh an einer bestimmten Krankheit gestorben sind, zumal es andere Züchter auch nicht tun. Zuchthygiene und Gesundheitsfürsorge bei Windhunden ist aber eine Notwendigkeit zum Wohle der Hunde, für die der Züchter eine Fürsorgepflicht übernommen hat. Wahrscheinlich ist eine andere Einstellung zu Krankheit und Forschung notwendig, um etwas grundlegend zu ändern. Es kann heute keine Frage mehr sein, ob Windhunde überhaupt Forschung benötigen, oder ob Forschung national oder international betrieben werden soll?

Jeder, der selbst schon mal ernsthaft krank war, dem ist klar, dass Forschungsergebnisse, die zur Ermittlung von Krankheitsursachen führen, internationale Beachtung finden müssen!

Ende der Woche bringen wir den dritten und letzten Teil dieser kleinen Einführung in die Welt der Windhunde

Freitag, 31. Juli 2009

Warum ein Windhund ? - Teil 1

von Dr. Margrit Miekeley

Windhunde werden allgemein in europäische und orientalische Rassen eingeteilt, wobei einige ihrer Rassebezeichnungen schon einen Hinweis auf ihre Herkunft geben. Alle Windhunde vermitteln den Eindruck des Besonderen; denn man sieht sie nicht so oft wie andere Hunderassen. Und tatsächlich bis zum 19. Jahrhundert waren es die Hunde der adligen Herrschaften und fanden bei der Jagd ihre Aufgabe.
Windhunde oder auch Hetzhunde, wie sie nach der Art des Jagens genannt werden, erhielten erst die Aufmerksamkeit des Bürgertums im Zeitalter der Industrialisierung. Dieses dokumentierte mit diesen Hunden, dass es sich nun auch erlauben konnte, eine solche Rasse zu halten. Ein Windhund verlangt von seinem Besitzer täglich viel Auslauf, damit seine Kondition trainiert und sein Aussehen Art typisch bleibt. Windhunde stellen, wie jedes andere Haustier auch, besondere Ansprüche an den Menschen. Ihre eigentliche Funktion, für die sie gezüchtet wurden, ist die Jagd. Da diese aber ausschließlich den Jägern heute vorbehalten ist und viele Wildtiere unter Naturschutz stehen, haben sich Windhundbesitzer einen sinnvollen Ersatz einfallen lassen: Bahn- und Querfeldeinrennen (Coursing) im eingezäunten Gelände. Der Hund läuft instinktiv einem davon flitzenden Plastikfetzen hinterher. Hier handelt es sich um sportliche Wettbewerbe, die Hund und Mensch Spaß bereiten, weil es lediglich um Titel und Pokale geht. Dabei kann der Windhund nach Herzenslust laufen, wofür er gezüchtet wurde und was seine Anatomie zeigt - lange Beine, tiefer Brustkorb, bewegliche Wirbelsäule sowie voluminöses Herz und Lunge. Der Satz stimmt: "Die Seele eines Windhundes will laufen".

Windhunde etwas Besonderes

Wie kam ich also zu einem Windhund? Schon als Kind sollte es immer etwas Besonderes sein. Eines Tages sah ich einen russischen Windhund (Barsoi) in der Nachbarschaft meiner Großmutter, der für mich die Vornehmheit in Vollendung darstellte und durch Eleganz und Grazie in seinen Bewegungen einen immerwährenden Eindruck hinterließ. Damals war ich schon als Kind von einem Windhund und seiner Schönheit so angetan, dass ich mir mit sechs Jahren schwor, solch ein Hund sollte es mal irgendwann sein. Ich beobachtete genau, wie sich dieser Hund bewegte. Er trabte nicht, nein - er schwebte. Er schnappte nicht nach meiner Hand als ich ihm ein Stückchen meines Butterbrotes hinhielt, sondern nahm es mir vorsichtig aus den Fingern. Auch ließ er sich geduldig liebkosen, obwohl er nicht viel größer war als ich. Ein Windhund ist eben durch und durch Aristokrat in seinem Verhalten.

Grazie und Ästhetik in Vollendung (Saluki)

Es vergingen viele Jahre. Als Spätachtundsechzigerin, die gerade ihr Lehrerexamen bestanden hatte, sollte es nicht nur ein Hund sein, der elegant und grazil ist, sondern auch irgendwie extravagant und individualistisch zugleich; denn es war die Zeit der Hippies und von der "Flower-Power-Bewegung". Mein Hund sollte Charakter haben und auch einen eigenen Willen wollte ich ihm selbstverständlich gerne zugestehen. So kam ich mit 25 Jahren zu meinem ersten Windhund, ein völlig pflegeleichter Hund der Rasse Whippet. Diese kleine Windhundrasse zeichnet sich bei einem äußerst liebenswürdigen Charakter durch etwas einfachere Haltungsanforderungen aus. Überall, wo man mit einem solchen, für manchen Geschmack, zu dürren und außergewöhnlichen Hund auftauchte, hatte man erst einmal die Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Manchmal waren aber auch Fragen zu beantworten, warum der Hund so dünn sei, ob er vielleicht doch nicht satt zu essen bekäme. Nein, dieser Hund war von Natur aus so schlank und blieb es auch, wenn er ausreichend Bewegung fand. Ich konnte mit den Fragen gut umgehen und hatte keine Mühe sie passend zu beantworten.

Ich wollte einen Hund, dem kein hündischer Gehorsam zu eigen war, mit dem ich nur im Kommandoton sprechen sollte. Ich wollte einen Hund, der zu mir passte, der als Familienmitglied mit mir in meiner Wohnung lebte, der auch Ansprüche und Vorlieben entwickeln durfte. Dieser Hund war für mich damals Partner zugleich. Was das partnerschaftliche Verhältnis anging, da hatte ich die Rasse Windhund aber tüchtig unterschätzt; denn ich lernte die Orientalen unter den Windhunden kennen.

Eigenarten von Windhunden

Schon mein erster Windhund, ein Vertreter der europäischen Windhundrassen, bereitete mich auf meine spätere Erfahrungswelt mit orientalischen Windhunden vor. Diese sollten mich dann vollends in Beschlag nehmen, weil sie es ausnahmslos gut verstehen, genau dosiert "ihre" Menschen auf ihren "Dienst" vorzubereiten.

Die Ohren des Saluki sind auf Durchzug gestellt

Mein zweiter Hund war ein arabischer Windhund (Sloughi), worauf ein persischer (Saluki) folgte. Diese Hunde erwiesen sich als wahre Seelenräuber, weil sie nämlich dazu imstande sind, langsam und wohldosiert dem Menschen in aller Liebenswürdigkeit beizubringen, dass sie dieses oder jenes nicht fressen oder nicht tun möchten. Irgendwann haben sie es dann doch geschafft, dass man dem Hunde zuliebe den Weg geht, den sie wollen oder das man das in den Futternapf gibt, was sie gerne mögen. Wenn der Mensch nicht höllisch aufpasst, ist ein Windhund schnell verwöhnt. Dann gibt es noch andere Rassen unter den orientalischen Windhunden, nämlich Azawakh und Afghane. Auch sie sind in der Lage, Menschen zu ihrem Dienstpersonal umzufunktionieren, ohne dass sie es bemerken. Und was das Eigenartige ist, dass Windhund-Menschen es sich für ihre Lieblinge gerne gefallen lassen! Wie schaffen es diese "besonderen" Wesen, dass sich "die Krone der Schöpfung" gerne in den Frondienste dieser Seelenfänger stellt? Ganz einfach, indem sie sich dazu herablässt, auf ihre Ansprüche auch nur einmal einzugehen.

Laufen - ein unbedingtes Bedürfnis


Coursings und Bahnrennen sind für einen Windhund eine wunderschöne Beschäftigung. Es gibt nämlich nichts Schöneres, als dass diese Hunderasse nach Herzenslust laufen darf. Dafür reicht auch schon eine große, eingezäunte Wiese. Das ist sein Anspruch, den er jeden Tag einfordert. Wenn ich meinem Saluki dieses Vergnügen gönnet, schaue ich in zwei glückliche Hundeaugen und in ein lachendes Windhundgesicht.

Sein schönstes Metier - das Laufen

Dieser Ausdruck in den Augen eines laufenden Saluki verrät eine Leidenschaft, die nicht unterschätzt werden darf. Ein Windhund ist zum Laufen geboren! Wenn ich als Mensch jedoch diese Liebe mit meinem Hund teile, dann kommt es zu einer Einheit, die auf beiden Seiten zu einem glücklichen Miteinander führt und zu einer langen Freundschaft zwischen Hund und Mensch andauert. Und so kommt es, dass dieser Mensch in den Diensten eines am Laufen Besessenen steht und daraus entwickelt sich zugleich eine Passion. Das ist in dem Fall aber nicht mehr der flüchtende Hase, sondern eher des davon sausenden Plastikteils auf der Rennbahn. Es ist vielleicht auch einfach nur der Spaß an der Bewegung. Wer nun meint, gerade diese Hunderasse sei ein Spiegelbild des Menschen, der diesen Hund hält, der liegt mit dieser Annahme nicht falsch. Windhunde und ihre Menschen stellen nämlich eine besondere Spezies unter den Hundehaltern dar.

Link

Donnerstag, 30. Juli 2009

Dortmunder Appell - Bordeauxdogge und Windhunde

Der Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht ist nun bald einen Monat online. Knapp 300 Züchter und Verantwortliche in Zuchtvereinen haben ihre Unterstützung erklärt. Für mich persönlich viel mehr als ich erwartete, da ich - zumindest aus der Bulldog-Szene - nicht nur einmal erlebt habe, wie "solche Nestbeschmutzer" gemobbt werden und die Mär von des Kaisers neuen Kleidern quasi Vereinsdoktrin ist.

Züchter, die sich beim Dortmunder Appell öffentlich erklären, setzen damit entweder ein Signal der Opposition gegen den aktuellen Kurs ihres Vereins oder aber eines zur Förderung eines bereits beschrittenen Weges. Jedenfalls dokumentiert eine Unterstütztung die Sorge um das Wohl und die Gesundheit der Hunde. Bemerkenswert ist, dass etwa 85% dieser Züchter dem VDH oder ÖKV bzw. wie bei den Windhunden dem DWZRV angeschlossen sind. DWZRV ist der "Deutsche Windhundzucht- und Rennverband e.V." und wiederum dem VDH angeschlossen.



Bereits sehr früh hat sogar der komplette Vorstand des VDH-Vereins "Bordeauxdoggen Club Deutschland e.V." seine Unterstützung erklärt, das bisher stärkste Votum eines Vereins. Die Vorsitzenden Gisa Kämpfer und Angelika Schön haben mir auch einiges von ihren Bemühungen zur Gesundung der Bordeauxdogge berichtet. Dazu später mehr.

Windhunde stark vertreten

Schauen wir weiter auf die von den Unterstützern repräsentierten Rassen, so fällt auf, dass die orientalischen Windhunde sehr stark vertreten sind. Sieht man orientalische Windhunde eher selten, so scheint die Sorge um die Gesundheit der Hunde bei den Windhundefreunden eine besonders große Rolle zu spielen. Auch Gudrun Büxe, immerhin neben dem VDH-Präsidenten Prof. Dr. Peter Friedrich Zuchtkommissionsmitglied für die Rasse Azawakh im DWZRV, steht zum Appell wie durchaus nicht wenige ihrer Züchterkolleginnen in Deutschland und Österreich.


Auch die langjährige Windhundehalterin, die Biologin Dr. Margrit Miekeley, Autorin eines Buchs über Windhunde, engagiert sich seit Jahren für die Gesundheit in der Windhundezucht und hat bereits zahlreiche Artikel besonders zum Thema Inzucht verfasst. Da Windhunde selbst vielen Hundefreunden kaum vertraut sind, bat ich Frau Dr. Miekeley um einen Artikel für meinen Blog. Hieraus sind nun 3 Teile geworden, die einen wunderbaren Einblick in die Welt der orientalischen Windhunde geben. Morgen werden wir mit Teil 1 loslegen.

Fotos: Angelika Schön und Margrit Miekeley

Mittwoch, 1. Juli 2009

Dortmunder Appell - ein Appell an uns alle

Ich möchte jetzt nicht auf den Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht direkt eingehen, dessen Sprecher ich ja zusammen mit Heike Beuse bin. Man kann sich da unter www.dortmunder-appell.de kundig machen.

Vordenker einer Wende in der Hundezucht

Ich möchte als erstes auf zwei der Vordenker dieses Appells hinweisen, die zugleich wesentliche kynologische Grundlagen dafür geben, wohin diese Wende gehen soll. Bereits vor mehr als 20 Jahren forderte Prof.Dr.Wilhelm Wegner in der "Kleinen Kynologie" (Terra Verlag zZt leider vergriffen) eine solche Wende in der Hundezucht. Dr.Hellmuth Wachtel wies bereits 1999 in "Hundezucht 2000" auf die tickende genetische Zeitbombe durch die Versäumnisse der Zucht hin. Im 1998 erschienenen "Fehlentwicklungen in der Haustierzucht" schließen die Autoren Wegner und Bartels mit: "Fehlentwicklungen in der Tierzucht sind die Folge anthropozentrischen Denkens und Handelns... Die Autoren wollen mit dem vorliegendem Band ein Problembewußtsein erzeugen, um den Erfordernissen eines ethischen Tierschutzes mehr Geltung zu verschaffen."

Die 2 Sorgenkinder von Claudia Fuhrmann (Foto C.Fuhrmann)

Vor mehr als 10 Jahren wurde eine Wende in der Hundezucht bereits eindringlich angemahnt. Notwendigkeit und Perspektive einer solchen Wende in der Hundezucht wurden zugleich umfassend, wissenschaftlich, zweifelsfrei begründet, dargestellt und belegt. An Kenntnis der Lage, des Sachverhaltes, an Klarheit über die notwendigen Aufgaben mangelt es seit langem nicht.
Getan hat sich in der züchterischen Praxis seither, etwas provokant gesagt: NICHTS. Und das liegt nicht etwa daran, dass die Erkenntnisse von Wegner oder Wachtel fachlich anzuzweifeln gewesen wären. Der Tierschutz, wir alle, scheinen die Hundezucht zu irgnorieren. Freilich, solche Schattenseiten machen sich nicht gut für das Geschäft im 5 Milliarden-Markt einer heilen, deutschen Hundewelt.

Dorf- oder "Straßen"-Hunde in Argentinien (Foto Sylvia Bosse)

Vor der eigenen Haustüre kehren

Unter dem Label "Tierschutz bei Hunden" wird vielmehr ein eifriger Import von Hunden aus aller Welt betrieben. Das stille Leiden der hochgezüchteten Rassehunde mitten unter uns wird ignoriert. Und selbst bei den importierten Nothunden stellt sich oft die Frage, ob sich diese Hunde hier wohlfühlen. Sicher, an Nahrung und Medizin mangelt es ihnen nicht mehr. Doch ob ein seit Generationen relativ freier Dorf- oder "Straßenhund" mit dem extrem restriktiven Leben in Deutschland glücklich sein kann, wird nicht gefragt.
Elend ist hier vorort freilich mehr als genug vorhanden, wenn man nur hinschauen will. Da braucht man nicht erst nach Spanien zu gehen. Karin Burger zu den Doggen und Jan Demeyere zum Deutschen Schäferhund haben hier beeindruckende wie nachdenklich stimmende Zeugnisse abgelegt, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Hoffnungsvolles erstes Echo auf den Appell

Hoffnung macht mir die erste Reaktion vieler Hundefreunde. "Endlich mal" oder "Wohl und Gesundheit in den Mittelpunkt der Zucht zu stellen, halte ich für dringend erforderlich. Deshalb unterstütze ich diesen Appell ohne Abstriche" und ähnliche Stimmen habe ich in den letzten Tagen gehört. Auch Dr. Hans Mosser, Herausgeber des Hundemagazins WUFF, erklärte sofort und sichtlich erfreut seine Unterstützung.
Mein Dank an die vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Ein erster Anfang ist gemacht. Aber es wird noch ein langer, eher dorniger Weg, um tatsächlich und praktisch wirksam diese Wende zum Wohle der Hunde durchzusetzen. Unsere Hunde sind das allemal wert.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Zur Lage der Doggen

Die Deutsche Dogge ist der Apoll unter den Hunden. Man sieht sie eher selten, doch gehört sie mit knapp 2.000 Welpen im Jahr zu den meistverkauften Hunden im VDH. Karin Burger vom Doggen-Netz kennt die Doggen seit mehr als 20 Jahren. Sie gibt uns Einblicke zur Lage der Doggen in Deutschland.

Christoph Jung: Frau Burger, Sie engagieren sich für die Deutsche Dogge, können Sie uns einen Einblick in Ihre Arbeit geben?

Karin Burger: Bundesweit gibt es - je nachdem, wo man den Seriositätsschnitt setzt - gut fünf oder sechs rassespezifische Tierschutzorgas, die sich nur und ausschließlich mit der Deutschen Dogge beschäftigen. Und alle haben sehr gut zu tun!

Das Hauptgeschäft all dieser Doggen-Schützer besteht zum größten Teil darin, den überbordenden Output der offiziellen Zucht "umzuschichten", wie ich das nenne. Das heißt: Leichtfertig, blauäugig, schlecht oder ohne entsprechende Umsicht von Züchtern verkaufte DDC- oder KyDD-Welpen im dann spätpubertären oder frühadulten Alter, wenn sie "problematisch" werden, zu übernehmen, und neue Plätze zu suchen. Auch alte, hinfällige, kranke Doggen sind beliebte Abschiebeobjekte an den Tierschutz.

Meine Kolleginnen können lange Listen mit Zwinger-Namen der Hunde vorlegen, mit denen sie tagein, tagaus beschäftigt sind. Und nur ein Bruchteil dieser Tierschutz-Doggen entstammen der sogenannten Schwarz-Zucht, also Vermehrern ohne offiziellen Zwinger, Verband etc. Lediglich eine der Kolleginnen hat ihren Aktionsschwerpunkt in Ost-Europa. Und selbst da begegnen uns Zuchthündinnen, die bei eingehender Recherche ihre zweifelhafte Karriere unter einem der beiden deutschen Doggen-Zucht-Verbände begonnen haben.

Ich persönlich habe längst meine Konsequenzen aus der desaströsen Lage der Deutschen Dogge gezogen und bin im operativen Geschäft, also im karitativen Tierschutz, nicht mehr tätig. Mein Schwerpunkt liegt jetzt auf Publikation und Beratung.

Überdies verwalte ich mein persönliches Doggen-Erbe aus der aktiven Zeit: mein Altrüde Marius, einst eine der bekanntesten Tierschutzdoggen bundesweit und in der Schweiz, sowie meine Doggenhündin Patty, die herrenlos, halb irre vor Angst und vollständig abgemagert im Wald bei Rottweil aufgegriffen wurde und sich von den dortigen Tierschützern 5 Tage lang nicht anfassen ließ. Marius ist symptomatisch für die Problematik des Doggen-Schutzes: ein riesiger Rüde, der all den Labels, mit denen diese Rasse von den Züchtern gern vermarktet wird - als da sind "Familienhund", "sanfter Riese" etc. - genau NICHT entspricht. Die besondere und nahezu symbolische Geschichte von Marius kann man auf meiner Homepage nachlesen.

In den vergangenen Jahren zunehmend waren und sind für uns alle im Doggen-Schutz Tätigen Deutsche Doggen, die extreme Verhaltensprobleme zeigen, die sich nicht immer auf defizitäre Sozialisierung oder sogenannte Haltungs- und Erziehungsfehler der Besitzer zurückführen lassen. Aber wen sollte das wundern bei einer Zucht, die sich ausschließlich auf Schönheit konzentriert und sich nur am Phänotyp austobt. Die vor einigen Jahren eingeführten sogenannten Wesenstests haben da nur Alibifunktion.
Doggen-Sonntagsbilder, wie sie der durchschnittliche VHD-Doggen-Züchter liebt: proppere Exemplare vor attraktiver Kulisse. Karin Burger mit ihren Doggen "Marius" und "Patty".


Christoph Jung: Wie beurteilen Sie die Situation in der Doggen-Zucht?

Karin Burger: Desaströs, wie oben schon indiziert! Und das Desaster hat mindestens zwei Dimensionen:

Quantität: Die meisten Hundefreunde sind in der Regel bass erstaunt zu hören, dass die Deutsche Dogge auf Platz 6 der VDH-Welpenstatistik liegt. Das bedeutet: die Deutsche Dogge ist die in der Bundesrepublik unter dem Dachverband VDH am sechsthäufigsten gezüchtete Rasse mit einem jährlichen Output von rd. 1.900 Welpen (VDH-Statistik für 2007). Es werden jährlich mehr Deutsche Doggen als z. B. Rottweiler, Riesenschnauzer oder Hovawarts gezüchtet. Diese Quantität spiegelt sich aber im Alltag nicht wider, wenn jeder mal für sich überlegt, wann er wo wie oft Deutsche Doggen sieht.

Das quantitative Desaster schlägt sich auch in der oben genannten Vielzahl der Doggen-Schutz-Organisationen nieder. Meines Wissens gibt es für keine andere Hunderasse so viele spezifische Tierschutzinitiativen - ein Armutszeugnis für die Züchter einer solchen Rasse!

Qualitativ: Man hat die Deutsche Dogge inzwischen in Grund und Boden gezüchtet. Die statistische Lebenserwartung nach unserem Kenntnisstand liegt so um, eher unter fünf Lebensjahren. Wer will sich denn einen Hund anschaffen, der im Schnitt nur fünf Jahre lebt und bis zu seinem frühen Tode u. U. auch noch das eigene Vermögen vernichtet, das im Sauseschritt an Tierärzte und Kliniken umverteilt wird? Der langen Liste von rassetypischen Krankheiten wie DKM, Magendrehung, Wobbler, ED, HD, Spondylose, Allergien etc. gesellen sich in den letzten Jahren vermehrt untherapierbare Verhaltensprobleme hinzu, die in nicht wenigen Fällen mit der Euthanasie der betroffenen Hunde enden. Meine Hypothese zu diesem auch noch an einen bestimmten Farbschlag gekoppelten Phänomen: idiopathische Aggression. Die Verbände kennen das Problem seit vielen Jahren. Gemacht - oder zumindest erkennbar gemacht - wird nichts!

Zum qualitativen Defizit der Deutschen-Doggen-Zucht gehört es übrigens auch, dass es dem größeren, dem Hauptverband Deutscher-Doggen-Club (DDC) schon vor vielen Jahren gefallen hat, in einem Rundumschlag alle aktiven Doggenschützer der Bundesrepublik aus seinem Verband auszuschließen; darunter Aktive mit fast zwei Jahrzehnten Verbandszugehörigkeit. Das ist eine unmissverständliche Standortbestimmung des Verbandes! Stattdessen sogenannte "Tierschutzbeauftragte" aus den eigenen Reihen zu benennen ist Augenwischerei und ähnlich glaubwürdig wie die viel verhöhnte freiwillige Selbstkontrolle anderer Wirtschaftsbereiche.


Nicht ganz die Regel, aber auch kein völliger Ausnahmefall ist die Zuchthündin "Leva", die 2009 von den Doggen-Schützern Tierfreunde Niederbayern e. V. aufgenommen wurde.


Dieses doppelt gestrickte Defizit der Deutschen-Doggen-Zucht trifft nun auch noch auf sozial und wirtschaftlich äußerst ungünstige aktuelle Verhältnisse. Die Synergie dieses vierfachen Desasters bringt die Doggen-Schutz-Organisationen der BRD an den Rand ihrer finanziellen und infrastrukturellen Möglichkeiten:

Gesellschaft: Die Deutsche Dogge ist, anders als das züchterische Marketing dies gerne möchte, eben kein Familienhund. Wenn am Sonntagnachmittag die Durchschnittsfamilie Müller-Maier mit zwei Kindern und ihrer Deutschen Dogge im Eiscafé in der Fußgängerzone aufschlägt, ist das die schmalere Version des Auszugs aus Ägypten und durchaus geeignet, Volksaufläufe zu generieren, wenn nicht sogar der Eisdielen-Besitzer darauf hinweist, dass Hunde zwar erlaubt, von Pferden aber nicht die Rede gewesen sei (= authentischer Fall). Die Deutsche Dogge ist ein absoluter Extremhund - extrem groß, extrem schwer, mit extremen Ansprüchen. Sie ist ein Hund für Individualisten, für mit bestimmten Qualitäten ausgestattete Fans dieser Rasse. In einer überwiegend hundefeindlichen, wenn nicht gar hundehysterischen Gesellschaft in einem dicht besiedelten Land mit einer erschütternd überschaubaren Anzahl von Großgrundbesitzern ist die Deutsche Dogge ein Auslaufmodell, das dann auch nur in der einem Auslaufmodell zustehenden Quantität gezüchtet werden sollte. Würde man parallel die züchterische Qualität heben, könnte dieser Hund eines Tages einmal wieder seinem früheren megalomanischen Etikett gerecht werden: Apoll der Hunderassen!

Wirtschaft: Zeiten der Wirtschaftkrise, Zeiten mit für berufliches Fortkommen absolut notwendiger Mobilität und Flexibilität vertragen sich schlecht mit einer exotischen Hunderasse, in die man Futter und Medikamente mit der Kohlenschaufel versenken kann und die für ihr Wohlbefinden auf Struktur und Regelmäßigkeit angewiesen ist.


Christoph Jung: Was muss ein Halter bedenken, wenn er/sie eine Dogge halten will?

Karin Burger: Im oben Gesagten steckt das Wichtigste schon drin: die Deutsche Dogge ist ein Extremhund. Und sie ist kein - zumindest nicht als genetischer Automatismus - "sanfter Riese"! Gerade aufgrund von Größe und Gewicht braucht sie einfühlsame Führung und kynologische Kompetenz. Die Deutsche Dogge ist auf gar keinen Fall ein Anfängerhund. Zu bedenken sind auch die extremen Hardware-Bedingungen in der häuslichen Haltung und im Transport. Die Unterhaltskosten sind erheblich! Und das soziale Umfeld reagiert oft rassekonform: extrem! Sitzen die einen der dem Doggen-Führer entgegenkommenden Spaziergänger gleich auf den Bäumen, reagieren andere regelrecht aggressiv oder vollkommen hysterisch. Im Übrigen sind die individuellen Voraussetzungen für die Anschaffung und Haltung einer Deutschen Dogge sehr gründlich zu prüfen. Sehr oft rufen bei mir Menschen an, die sich sehr ernsthaft und seriös mit ihrem Doggen-Anschaffungswunsch auseinandersetzen. Nach meiner Beratung kommen 7 von 10 Anrufern zu der selbst getroffenen Entscheidung, dass diese Rasse doch nichts für sie sei. Und dann freue ich mich sehr: weil ich mit dieser fundierten und kritischen Beratung einen weiteren Doggen-Schutz-Fall verhindert habe!


Christoph Jung: Was würden Sie sich für unsere Doggen wünschen?

Karin Burger: Nun ja, 20 Jahre Tierschutzpraxis haben mich gelehrt, dass meine Wünsche utopisch sind. Aber um die gute Fee nicht zu frustrieren:
  • Eine jährliche Welpenproduktion, die in der Quantität dem Exotenstatus der Rasse entspricht und nur noch eine vornotierte, vorkontrollierte Käufer-Nachfrage bedient. Dazu gehören natürlich dramatische Begrenzungen der Deck- und Wurfzahlen.
  • Züchter mit umfassenden genetischen und verhaltensbiologischen Kenntnissen, die die Orientierung einer am reinen Phänotyp orientierten Zucht zugunsten von Gesundheit und Wesen aufgeben, die ihre Zuchthunde nicht in Zwingern halten und "ausrangierte" Zuchttiere nicht "abstoßen".
  • Eine radikale Sanierung der Blauzucht, aus der alle jene Linien ausgeschlossen werden, für die man nicht stichhaltig widerlegen kann, dass sie die idiopathische Aggression vererben.
  • Ein kategorisches Verbot jeder Inzucht. Im Übrigen muss die Ermittlung des Inzuchtskoeffizienten vorgeschriebener, dokumentierter und publizierter Bestandteil jeder Verpaarung sein.
  • - Eine kleinere, leichte Dogge, die eine Lebenserwartung von zehn Jahren hat, was zum Status quo schon eine Verdopplung wäre!
  • Verbände und Züchter, die mit den verschiedenen Doggen-Schutz-Organisationen kooperieren und sich deren hohe Standards in der Vermittlung aneignen. Dazu gehört selbstverständlich auch ein finanzieller Obolus der Verbände an die Doggen-Schutz-Orgas für deren exzesssive Aufwendungen zum Schutze von Verbandsdoggen.

Christoph Jung: Frau Burger, vielen Dank für diese tiefgreifenden wie bewegenden Informationen.

Links:
  • " Kritische Infos zur Haltung der Deutschen Dogge auf www.doggennetz.de, dort in der Rubrik "Dogge praktisch"
  • " Zu Qualität und Quantität der Deutschen-Dogge-Zucht siehe diverse Artikel auf www.doggennetz.de, dort in der Rubrik "aktuell & kritisch"
Im karitativen Doggen-Schutz und mithin vermittelnd tätige Doggen-Schutz-Organisationen:
 
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