Dienstag, 10. Juli 2012

Bolonka - Nein zur Einzucht von Defektgenen!

Wenn jemand einen Menschen primär nach seiner Haarfarbe beurteilt, so werfen wir ihm im günstigsten Fall Dummheit vor. Bei Hunden ist das leider anders. Hier scheint die Fellfarbe nicht wenigen Haltern und Züchtern das entscheidende Kriterium zu sein. In vielen Rassestandards wird der Beschreibung von Fellfarben deutlich mehr Raum gewidmet als etwa dem Wesen des Hundes. Ob das eine tragfähige Grundlage echter Partnerschaft ist, mag jeder selbst beurteilen.

Anders ist es, wenn eine exotische Fellfarbe durch Defektgene erzeugt wird, die zulasten der Gesundheit der Hunde gehen. Dieses Risiko birgt das Defektgen Merle. Und dieses Risiko soll der bis heute noch erfreulich gesunden Hunderasse Bolonka Zwetna aufgebürdet werden, hier und heute.
Bolonka Zwetna, gerade erst vom VDH anerkannte Hunderasse aus Russland
Der Merle-Faktor ist ein Gendefekt, durch den das Eumelanin, das die schwarze und braune Fellfarbe bewirkt, gestört ist und in dessen Folge bestimmte Aufhellungen und unregelmäßige weiße Flecken in Fell entstehen. Auch die Augen können betroffen sein und erscheinen dann hellblau oder auch farblos.
Das sind aber nur die sichtbare Folgen. Die unsichtbaren kommen besonders dann in Erscheinung, wenn beide Eltern dieses Defektgen tragen und es im Nachwuchs zu homozygoten Merle-Trägern kommt. Diese sind nicht selten taub, blind, kränklich und sterben oft noch im Jugendalter.

Ein Gendefekt wird seit 150 Jahren kultiviert

Merle ist eine Mutation, die schon sehr lange bei Hunden beobachtet wird. Bereits der römische Schriftsteller und Naturwissenschaftler Columella erwähnt sie. Auf zahlreichen historischen Gemälden werden Hunde mit Merle-Farben abgebildet. Aber erst mit dem Aufkommen der modernen Rassehundezucht im 19. Jahrhundert wurde Merle gezielt züchterisch vermehrt, insbesondere bei Collies, Deutschen Doggen oder auch Dackeln. Heute verzichtet man glücklicherweise weitgehend auf die Zucht so genannten Tiger-Dackel (siehe Foto). In einigen Rassestandards ist Merle ausdrücklich als eine Farbvariante erlaubt.
So genannter Tiger-Dackel (Merle), Zeichnung von 1894
Die Befürworter der Merlezucht behaupten, dass mischerbiges Merle keine Gesundheitsrisiken berge. Das ist ein frommer Wunsch, der leider keinen wissenschaftlichen Beleg hat. Vielmehr bestätigt eine neuere Untersuchung den Verdacht, dass auch heterozygotes Merle gesundheitliche Risiken bergen kann (Strain 2009). Aber auch diese Untersuchung ist noch kein abschließender Beleg. Tatsache ist, dass die Wissenschaft das Feld der Fellfarben bisher kaum erschöpfend untersucht hat. Das Thema Fellfarben ist wesentlich komplexer, als man vermuten könnte. Der Artikel auf Wikipedia gibt hier einen ersten Eindruck (http://de.wikipedia.org/wiki/Fellfarben_der_Hunde). Erst 2006 wurde das Merle-Gen überhaupt lokalisiert und damit erst die Grundlage fundierter Untersuchungen gelegt. Klar ist aber, dass die Mutationen, die besondere Farbvarianten erzeugen, in vielen Fällen auch andere, zunächst nicht sichtbare Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Und klar ist ebenfalls, dass derselbe Gendefekt bei verschiedenen Hunderassen unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass wir uns beim Thema Farben auf einem Feld bewegen, das in weiten Teilen ein weißer Fleck auf der Landkarte der Forschung ist.

Züchter sollten genug zu tun haben, mental und körperlich gesunde Hunde zu züchten...

Gerade deshalb sollte seriöse Zucht, die das Wohl und die Gesundheit der Hunde respektiert, sehr zurückhaltend agieren und keine unnötigen Risiken eingehen. Züchter und Zuchtvereine, die bewusst mit Defektgenen arbeiten, sollten erst einmal den Nachweis erbringen, dass keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen möglich sind. Ansonsten sollte man im Interesse des Wohls seiner Hunderasse darauf verzichten. Ein weiterer Aspekt ist die Einschränkung der Zuchtauswahl in Verbindung mit Defektgenen. Da reinerbige Träger von Defektgenen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Schäden haben werden, achtet man mindestens auf eine Verpaarung von Carrier mit Nicht-Carrier. In den meisten Rasse-Populationen ist zum einen ein schon bedenklich hoher Inzuchtgrad erreicht und zudem mehrere Erbkrankheiten gehäuft vorhanden. Da hat man eh Probleme, geeignete Partner zu finden. Diese Probleme werden nun lediglich wegen einer Farbvariante ohne Not weiter verschärft. Das sollte im Interesse der Population vermieden werden.

Nicht wenige Hundehalter wollen mit ihren Hunden auffallen, wollen etwas Besonderes, das exotische Seltene präsentieren. Der Markt der Hundezucht hat zur Bedienung solcher Bedürfnisse gerade in den letzten Jahren extreme Übertreibungen, ja Verkrüppelungen hervorgebracht, bis hin zu Qualzucht. Seltene Farben lassen Züchter von umso höheren Welpenpreisen träumen, die zweifelhafte Hundefreunde auch zahlen. So wird Merle in Hunderassen eingezüchtet, die historisch nie von diesem Defektgen belastet waren. Es ist in den letzten Jahren geradezu eine Mode in der profitorientierten Hundeproduktion geworden, Hunde in neuen Farbkreationen zu präsentieren wie Merle oder Dilutations-Farben wie grau oder schoko. Und es gibt leider Käufer hierfür. Es wird von Tierschutz geredet, in der Praxis aber anders gehandelt.

... und nicht auch noch zusätzliche Probleme in die Hunderassen holen

So geschieht es aktuell beim Bolonka Zwetna. Das Merle-Defektgen wurde extra von einer anderen Hunderasse in den Bolonka eingekreuzt. Was die zahlreichen Erbkrankheiten aus der Chihuahua-Population beim Bolonka anrichten können und welche Auswirkungen die Einkreuzung auf das Wesen des Bolonkas hat, spielt dabei keine Rolle, Hauptsache das Defektgen wird in die Population geholt. Merle soll über einen Chihuahua eingekreuzt worden sein, natürlich ganz seriös. Dabei wird unterschlagen, dass Merle beim Chihuahua vom FCI-Standard ausdrücklich verboten ist. Seriöse Zuchtvereine und Züchter haben sich schon immer daran gehalten. Der Merle-Chihuahua kann also nicht aus seriöser Zucht stammen! Es gibt zudem keinerlei Erfahrungen, wie der Merle-Faktor beim Bolonka Zwetna auf Dauer wirkt. Ein zusätzliches gesundheitliches Risiko für Population und Individuum wird so in Kauf genommen für einen zweifelhaften optischen Effekt oder klarer gesagt für den Profit. Das ist aus Tierschutzgründen abzulehnen, wie es einer aus Liebe zum Hund motivierten, seriösen Zucht allemal widerspricht.


Ein Artikel von Christoph Jung, zuerst erschienen bei "Stop! Gegen Merle beim Bolonka"
Fotos: Ina Stühmer

Sonntag, 1. Juli 2012

Die Geschichte von Mary, einer Siberian Husky Hündin

Hallo, mein Name ist Mary und ich bin eine reinrassige VDH Siegel Siberian Husky Hündin. Da ich Eure Menschensprache nicht beherrsche - was aber nicht heißt, dass ich nicht ausgiebig mit meiner Musherin kommunizieren könnte - habe ich eben diese Musherin gebeten, meine Geschichte zu erzählen:

Ich wurde am 13.09.2007 bei meiner VDH Züchterin als reinrassiger Siberian Husky in einem Kennel für Rennhuskies geboren. Die ersten Zeit durfte ich mit meinen Geschwistern und meiner Mutter verbringen. Dann, mit 12 Wochen, wurde ich an einen berenteten sportlichen Herrn nach Bayern verkauft. Jetzt wurde es plötzlich sehr aufregend für mich  - ich zog in eine Wohnung, wurde viel gestreichelt und liebevoll umsorgt und habe es wirklich genossen.

Ich wuchs zu einer sehr lebhaften Junghündin heran - und nun wurde mein Leben plötzlich schwieriger. Ich war "wild wie eine Wölfin", sagte mein erster Besitzer. Da er keinen Garten hatte, konnte ich mich nur an der Leine bewegen und mich nie so richtig austoben. Weil ich aber so wild war, gab es auch wenig Ausflüge zu belebten Orten. Somit ergab sich für mich eigentlich kein Kontakt zu fremden Menschen oder gar Hunden, d.h. zweimal hatte ich Hundekontakt - und wurde gebissen!! Daraus lernte ich sehr vorsichtig zu sein und ggf. auch abwehrbereit.

Bewegung bekam ich zwar ausreichend beim Joggen mit meinem Besitzer - nur war diese gleichförmige Bewegung für meine jugendlichen Gelenke nicht so vorteilhaft wie die wechselnden Bewegungen des Spiels - und natürlich auch nicht so lustig. Daher gelang es mir häufig, mich mit meinem wilden Verhalten  aus dem Gurt zu befreien - ich rannte zwar nie auf und davon, denn ich  wollte eigentlich ja nur spielen - aber mein Besitzer hatte noch nie einen Hund gehabt und verstand das alles nicht. Aus meiner Hundesicht - denn wir Huskies reagieren sehr deutlich auf Körpersprache - ging er immer gleich zum Angriff über: Er sah mich direkt an, beugte den Oberkörper vor, sprang auf mich zu und knurrte laut so etwas wie: "Hier!" Ich bekam jetzt richtig Angst und rannte noch schneller davon... so ging das eine ganze Weile, bis er mich dann irgendwann doch fing.
Mary entspannt im Freilauf
Noch heute kann ich aus Hundesicht unfreundliche Menschen nicht leiden. Das sind Menschen, die mich direkt ansehen, sich vorbeugen und vielleicht noch nach mir greifen wollen - da verbelle ich sofort!! Meine Rute klemmme ich aber ängstlich ein - man weiß ja nie, was diese Menschen vorhaben! Gerade Männer, besonders ältere Herren, müssen sich mir auf Hundeart galant nähern, wollen sie bei mir eine Chance bekommen: Wenn sie seitlich an mir vorbei sehen, sich abschnüffeln lassen - und mich dann vorsichtig an der Schulter berühren - dann bin auch ich freundlich. So wurde ich in meiner Jugend zwar sehr geliebt, sicher wollte mein Besitzer nur das Beste für mich - aber er hat mich halt einfach nicht verstanden - leider!

Als ich ein halbes Jahr alt war, erkrankte mein Besitzer ernsthaft. Seine Familie wollte mich nicht behalten, da ich so wild war und es schon einen Unfall durch mein starkes Ziehen mit schweren Verletzungen auf menschlicher Seite gegeben hatte. Ich mußte also wieder weg - ein schlechter Zeitpunkt, so mitten in der Pubertät! Aber da mein Besitzer mich so liebte war zum Glück klar - ins Tierheim nicht! So durfte ich wieder zurück zu meiner Züchterin. Da hier aber immer mehrere Hunde im Zwinger zusammenleben und ich doch vor Hunden durchs Gebissenwerden solche Angst bekommen hatte, war es für mich nicht einfach. Auch bekam ich den Eindruck, dass die anderen Huskies irgendwie leichter miteinander "Sprechen" konnten - ich hatte ja keine Möglichkeit gehabt, meine Hundesprache weiter zu verfeinern. Daher kam ich leicht in Stress und zeigte ängstliches Abwehrverhalten insbesondere anderen Hündinnen gegenüber. Gesteigert wurde meine Angst noch durch eine Schreckschussanlage einer benachbarten Gärtnerei. Daher wurde schnell klar, dass ich auch bei meiner Züchterin nicht mein endgültiges Zuhause finden würde.
Scootertraining in Lead

Mit knapp 1 Jahr holte mich dann ein Mitteldistanzmusher aus Norditalien in sein Team.

Ich durfte meine erste Saison mit noch kürzeren Strecken vor Wagen und Schlitten laufen. Ich lebte mit ca. 10 weiteren Huskies  in einem großen Rudel im Gehege. Da ich neu und jung war, versuchte ich mich einzufügen, was auch erstmal gelang. Aber ich war ständig gestresst durch den Druck des großen Rudels, was sich auch darin äußerte, dass ich trotz gutem und ausreichendem Futter seht dürr war... Im nächsten Winter wurde ich dann für`s Mitteldistanzteam trainiert, dass heißt Strecken zwischen 40-60 km pro run. Das habe ich nie geschafft, ich war zu dünn und zu groß, - nach 30km war ich so überhitzt und fertig, dass mein Musher mich immer in den Schlittensack setzen mußte... er war zwar nie richtig sauer, aber als sein Liebling hab ich mich auch nicht gefühlt und dann noch der Druck im Gehege mit meinen Rudelmitgliedern.... als ich dann zweieinhalb und erwachsen war wurde mir alles zu viel... denn mittlerweile war ich eine große, ja sogar zu große (darum wurde mir beim Rennen immer so heiß) Hündin und bemerkte meine Kraft. Um Ruhe zu haben, begann ich alle anderen Huskies wegzubeißen. Schon nach kürzester Zeit mußte ich dann allerdings in eine Flugbox umziehen und konnte diese nur zum Lösen kurz verlassen. Das ist natürlich furchtbar für eine junge Huskyhündin, die laufen und arbeiten will...das fand mein Musher auch und versuchte mich wieder kurzfristig in Deutschland bei meiner Züchterin unterzubringen. Denn in Italien befürchtete er, dass der nächste Musher, wenn ich wieder schwierig würde oder zu wenig Leistung brächte, mich einschläfern lassen könnte. Nur ergab sich diesmal bei meiner Züchterin kein Platz für mich ...da brachte mein Musher mich kurzerhand nach Deutschland in einen befreundeten Kennel.
selbstsicher, auch wenn`s schwierig wird
An die deutsche Sprache konnte ich mich zwar noch erinnern - aber als ich dann dort mit einem zwar charmanten aber doch fremden Rüden die erste Nacht in unbekannter Umgebung im Zwinger saß und rundherum andere Huskyzwinger - da bekam ich wieder Panik!! Erst heulte ich, doch dann ging ich zur Tat über - ich versuchte auszubrechen! Da es eine professionelle Zwingeranlage war, gelang es mir nicht, aber ich hörte am nächsten Morgen den menschlichen Chef sagen: "Zwingerstäbe verbogen, dass hat bisher noch kein Hund geschafft!" Nun ich wurde auch noch läufig, der Rüde mußte mich verlassen, andere Hündinnen oder Kastraten biß ich lieber gleich raus... ich war also wieder allein, nur die Menschen versuchten mich bestmöglich zu bespaßen... so ging es einige Wochen... bis, ja bis meine jetzige Musherin auftauchte, aber jetzt kann sie ja selber weitererzählen:

*****

Im September 2010 fuhren wir zu einem  bekannten Husky-Kennel Nähe Regensburg, auf den ich über das Buch "Der Siberian Husky" aufmerksam geworden war. Zuvor war ich schon fast ein Jahr auf der Suche nach einem verantwortlich züchtenden Huskykennel, um einen Welpen erwerben zu können. Leider sagten mir bis dato trotz VDH Siegel und Leistungsnachweis die besuchten Kennel nicht zu, da ich den Eindruck bekam, dass hier "Sportgeräte" produziert, aber nicht Siberian Huskies mit all ihren Facetten gezüchtet wurden.

Die Züchterin schrieb mir zuvor schon von dem "Nothund" Mary und das diese ein kleines Rudel, keine Mitteldistanzrennen und wenn möglich Hauszugang bräuchte - wir könnten ihr das bieten und waren auf dem Weg sie kennenzulernen. Als sie aus dem Zwinger in den Auslauf kam, rannte sie wie wild, beachtete uns erst nicht und zeigte sich eher ängstlich. Ein in die Hocke gehen meinerseits  ermöglichte ihr dann die Kontaktaufnahme. Wir machten einen Probespaziergang , unser Hound war natürlich auch dabei...und es schien zu passen. Mary entspannte sich und ein tiefer Blick in ihre Augen (den sie von mir ertrug) besiegelte meine Entscheidung...

Mary fuhr mit uns heim.
Mary und ihr neuer Freund
Nein, unproblematisch war unsere erste gemeinsame Zeit nicht. Schon am zweiten Tag viel Mary über den kastrierten Bearded Collie einer Bekannten her, wir waren vorbereitet, so dass kein ernster Schaden entstand. Ab dem 3. Tag versuchte sie  nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung" unseren Hound zu unterdrücken, sie drängte ihn in eine Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Nun, hier war ich als Rudelchef gefragt, der Hound zog aufs Sofa zu meinem Mann und nun war ich diejenige , die Mary den Rest des Tages stark territorial begrenzte - und siehe da, irgendwann rollte sie sich vor meine Beine und gab ihr Verhalten innerhalb unseres Rudels auf. Damit war die Basis für die weitere Arbeit geschaffen.

Wir trainierten täglich den "Hundknigge: Sitz, Platz,Fuß, Hier und Freilauf", wobei der Schlüssel zum Erfolg in einer vom Timing korrekt eingesetzten menschlichen Körpersprache lag. Nebenbei begannen wir das Training vor dem Huskyscooter in LEAD (Position vorne, Hund muß Richtungen, Überholmanöver etc. lernen)... es war harte Arbeit, die uns aber allen Freude bereitet und Mary lernte schnell... mittlerweile ist sie meine Musterschülerin und schon fast beängstigend lieb.

Auch emotional stabilisierte sie sich mit der Zeit... viel Zeit. Sie braucht über 4 Wochen, bis sie das erste Mal auf der Seite schlief, in den ersten Monaten hatte sie regelmäßig Angstträume, in denen sie fast schrie, zog sich im ersten Jahr sehr oft zurück, wollte nur ihre Ruhe, spielte kaum, nahm nur zögerlich an Gewicht zu. Es hat eineinhalb Jahre gedauert, bis sie Streicheleinheiten von meinem Mann genießen konnte und ein dreiviertel Jahr bis sich Besucher in unserem Haus bewegen konnte, ohne dass sie von Mary ständig kontrolliert wurden (die Hausleine gab ihr in solchen Situationen durch die Verbundenheit mit mir zunehmend Sicherheit) ...diese sind nur wenige Beispiele, die die Situation verdeutlichen sollen.
freies Spiel
Aber wir haben es geschafft, unser gegenseitiges Vertrauen wuchs, Mary ist nun ein auch alltagstauglicher Hund: Städte, Restaurants und Hotels, fremde Menschen, schwierige Gebirgspfade und sogar Hängebrücken - kein Problem mehr, nur von fremden Hunden hält Mary lieber noch Abstand , canidentypisches Bogengehen halt -  und im Gespann ist sie meine Verlaßleaderin. Letzten Winter im Schneesturm vertraute ich ihr blind (meine Brille war vereist)... und sie führte uns sicher zurück!

Verlaßleaderin

Warum ich diese Geschichte erzähle?

Weil Mary beide Schicksale, das als Husky eines überforderten Haushundebesitzers und das als Husky des enttäuschten Mushers, erleben mußte. Sie hatte Glück im Unglück, weil sie immer auch auf Menschen stieß, die versuchten  ihrer moralischen Verantwortung innerhalb ihrer Möglichkeiten nachzukommen. Aber das Unglück begann, weil ihre Züchterin ihre moralische Verantwortung nicht ernst genug nahm.

Denn im persönlichem Gespräch mit der Züchterin stellte sich heraus, dass diese weder wußte (also auch nicht danach gefragt hatte), dass der Erstbesitzer keinerlei Hundeerfahrung hatte und auch nicht, dass der Zweitbesitzer seine Huskies im großen Rudel hielt. Denn wäre sie hier ihrer züchterischen Verantwortung in Form der kompetenten Vermittlung nachgekommen (und es hätte sie je nur eine Frage gekostet), wäre schnell klar gewesen, dass der berentete Herr ohne Hundeerfahrung mit einem jungen Husky aus einer Arbeitslinie überfordert sein wird.Da hätte man zB als Laufbegleitung zu einem Labrador  o.ä.raten müssen, oder zumindest zu einem gut sozialisiertem älteren Husky.Der Käufers selbst hatte sich informiert, sich sogar ein Buch über Huskies angeschafft - aber wenn man keine Ahnung von Hunden hat, ist natürlich die manchmal schwierige Erziehung des Huskies nicht vorstellbar. Hier wäre Aufklärung und Erfahrung  des Züchters, der Rasse und Hunde kennt, gefragt gewesen.

Auch fiel der Züchterin nach Marys Rücknahme auf, dass Mary ängstlich-aggressives Verhalten, insbesondere anderen Hunden gegenüber, zeigte. Das Mary damit dem Druck einens großen Rudels nicht gewachsen ist und sich die Angstaggression verstärken würde, wäre vorhersehbar gewesen. Darüberhinaus ist es ein züchterischer Fehler, Huskies wegen einem vermeindlichen Gewinn an Schnelligkeit zu groß zu züchten, gerade im Mitteldistanzbereich war auch hier mit Distanzlimitierung auf Grund von Hyperthermie zu rechnen (s. Offener Brief VDH/ Working Siberian Husky).
Diese Geschichte zeigt eindrücklich, wie viel Verantwortung beim einzelnen Züchter liegt und wie stark dieser das Schicksal des einzelnen Hundes und auch der Rasse beeinflussen kann.Und all das kann passieren, weil es keine Kontrollinstanzen gibt und keine Institution, die die Interessen der Hundekäufer-/Besitzer vertritt. Der Hund ist keine Ware sondern ein hochsoziales Lebewesen, welches wir von uns abhängig machten. Daher sind wir alle, ob Züchter, Hundehalter oder Hundefreund hier in der moralischen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Zucht und Haltung zum Wohl des Hundes geschieht.

Aber selbst wenn wir die Geschichte nur unter geschäftlichem Aspekt betrachten fehlt es an Moral - auch dem Menschen gegenüber. Denn der VDH wirbt mit dem "Gütesiegelversprechen" bezüglich Welpengesundheit und Vermittlung. Der Erstbesitzer als hundeunerfahrener Mensch hat sich hierauf verlassen, hat dafür auch den teuereren Welpenpreis bezahlt - und wurde nicht aufrichtig beraten, bekam ohne Hinweis darauf, dass es vielleicht schwierig werden könnte, den Welpen. Diese Fehlberatung führte durch das für den Besitzer nicht beherrschbare Ziehen der Hündin zum Sturz eines Familienmitglieds mit schlimmsten Verletzungen im Kopfbereich.
einfach nur zum Liebhaben
Und auch der Zweitkäufer zahlte den "Gütesiegelpreis", wurde aber nicht über die angstaggressive Tendenz der Hündin informiert, die später dazu führte, dass der Musher die Hündin abgeben mußte.
Außerhalb des VDH nennt man so etwas, glaube ich, betrügerisches Gebahren. Damit beantwortet sich doch die Frage, was vielen Züchter und dem VDH eher am Herzen liegt, das Wohl des Hundes oder der wirtschaftliche Erfolg, eigentlich von selbst. Dieser Zustand ist nicht weiter tragbar - wir brauchen eine neue züchterische Ethik und gesetzliche objektive Kontrollen - zum Wohle der Gesundheit und des Erhalts unserer Rassehunde!

Daniela Pörtl


mehr zum Thema:
     
     

Sonntag, 24. Juni 2012

UK - Offensive gegen Show- und Qualzucht

Unter dem Motto "Born to suffer" und "Bred for looks - born to suffer" organisiert die britische Tierschutzorganisation RSPCA eine Offensive gegen Show- und Qualzucht. "Die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals" (RSPCA ) ist die älteste und größte Tierschutzorganisation der Welt. Schon um 1830 hat sie sich um das Wohl der Hunde verdient gemacht, als sie maßgeblich an der Durchsetzung des Verbotes der Hundekämpfe in England und Wales beteiligt war.
Anders als in Deutschland formiert sich im Mutterland der Rassehundezucht eine wachsende, breite Öffentlichkeit zum Schutz der Hunde vor Qualzucht und Show-Wesen. Sie fordert eine grundlegende Wende in der Rassehundezucht, wie es auch der "Dortmunder Appell" tut. In Deutschland schauen die Organisationen des Tierschutzes weg, ignorieren diesen Skandal systematischer Tierquälerei mit erstaunlicher Konsequenz. Behörden und Staat schauen ebenfalls weg. Als die Novelle des Tierschutzgesetzes ein Verbot des Ausstellens von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen vorsah, empörte sich sogleich der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) dagegen.
Es wäre nur zu wünschen, dass auch in Deutschland etwas Substanzielles für den Schutz der Hunde getan und dem Unwesen der Show- und Qualzucht ein Ende bereitet würde. Von Tierschutz geredet wird ja viel, besonders wenn es um Tierschutz im Ausland geht - was auch immer darunter verstanden wird.


(Artikel Christoph Jung)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Trittbrettfahrer des Tierschutzes


Die Deutschen sind stolz auf ihr "hohes Tierschutzniveau", mit dem auch gleich die ganze Welt beglückt werden soll. Da wird gerne darüber hinweg geschaut, dass Deutschland der mit Abstand größte Markt für den (legalen wie illegalen) internationalen Hundehandel ist. Qualzucht grassiert im Tierschutz-Deutschland praktisch ungehemmt. Plattnasen, die kaum Luft bekommen, erobern die Spitzenplätze der Beliebtheit (lt. Agila-Haustierversicherung AG sind Mops, Bully und Bulldog 2011 zu den 10 beliebtesten Hunderassen in D aufgestiegen). Hier realisiert der internationale Hundehandel märchenhafte Profite. Zum Lebendpreis von 250,- Euro werden Bulldog-Welpen bei deutschen "Züchtern" angeliefert, die sie dann für 1200,- Euro und mehr vermarkten - in der Regel brutto für netto. Da sind Skrupel fehl am Platze.

Der Schatten hinterm Heiligenschein der Tierliebe ...

Aber nein, Hundehandel gibt`s doch nicht, das sind alles Tierschutzorganisationen, die sich um arme Nothunde aus Osteuropa kümmern. Und Qualzucht gibt`s gleich gar nicht, das ist nur böses Gerede, wir sind alle Gesund-Züchter, die nur aus Liebe zur Hunderasse züchten und dabei noch viel Geld drauflegen. Wenn man ein wenig hinter den Glanz des Heiligenscheins unseres heilen Tierschutzidylls schaut, öffnet sich ein Abgrund menschlicher Schattenseiten. Tierschutz erweist sich als wunderbarer Schafspelz zur Tarnung zwielichtiger Interessen auf Kosten der Tiere.

Wer ehrlich für Tierschutz eintritt, hat keine Furcht vor Kritik. Aber nicht wenige "Tierschützer" fürchten nichts mehr als eben den ernsthaften Tierschützer. Solche Erfahrungen mussten und müssen Stefan Loipfinger und Karin Burger von der inzwischen eingestellten Initiative Charitywatch machen und solche Erfahrungen macht auch, wer ernsthaft dem Thema Qualzucht auf den Zahn fühlt.

... menschliche Abgründe und Gewalt

Derzeit hat Karin Burger das besondere Missfallen dieser "Tierschutz"-Szene auf sich gezogen. Denn sie lässt auch nach dem Ende von Charitywatch nicht locker. Sie berichtet über Veruntreuung riesiger Geldsummen, die eigentlich für den Tierschutz gedacht sind. Sie beleuchtet die Verwicklung des (Not-) Hundehandels mit der organisierten Kriminalität. Sie kritisiert Verletzungen der Menschenwürde (Art 1 GG) im Namen des "Tierschutzes".

"Macht die Sau fertig! Macht sie hin!"

Das ist nicht der Ruf eines Landfleischers beim Schlachten, vielmehr der Ruf vermeintlicher Tierfreunde gegenüber einem Menschen! Dass Frau Burger Recht hat, beweist die Szene selbst mit solchen Verleumdungen und unverhohlenen Drohungen, hier eine Kostprobe von Mitte 2012 von Facebook, alle 3 Beispiele aus dem unmittelbaren Umfeld der Leitungen von "Tierschutz"organisationen:
"...den Finalschuss verpasse ich den Bastarden." (im Namen des Tierschutzes!)

Ja, der "Taunus-Rocker", Viola und Karl-Heinz, wahre Helden des "Tierschützes". Einer Dame 50+ Angst machen: Glückwunsch an die Rocker-Gemeinde zu solchen Helden, deren Mut jedem gestandenen Manne zur Ehre gereicht. Glückwunsch an die einschlägige "Tierschutz"-Gemeinde (die hinter diesem Lynchmob stehenden "Tierschutz"-Organisationen sind bekannt), die jubelt ob solcher Manneskraft.

Zum Aufheizen einer Hass- und Progromstimmung wird der Kampf gegen Zoophilie instrumentalisiert. Zoophile mit ihrem denkbar schlechten gesellschaftlichen Ansehen eignen sich hervorragend zur progromhaften Stigmatisierung jeder missliebigen Kritik am Treiben solcher "Tierschützer". So wird auch Karin Burger gleich zur Zoophilen erklärt wie auch jede andere kritische oder missliebige Stimme. Wer so inflationär mit dem Begriff "zoophil" um sich wirft, wer diese Kennzeichnung als Waffe zum Rufmord an kritischen Stimmen einsetzt, kann das Thema nicht wirklich ernst nehmen.*

Offener Rechtsbruch wird gebilligt

Die Szene hat offenbar keinerlei Probleme mit Gewalt gegenüber Menschen und der Nähe zu erklärten Rechtsbrechern im Auftrag internationaler (Qual-)Züchter - was in dankenswerter Offenheit demonstriert wird. In auffälliger Nähe zum gewaltbereiten "Hassprediger der Qualzucht" bedient sie sich ungeniert dessen menschenunwürdiger Diktion, goutiert offen das Rufmorden an Kritikern von Qualzucht und Hundehandel (Rechtswidrigkeiten, die selbst Lieschen Müller auf Anhieb auffallen und bereits ausdrücklich von verschiedenen Gerichten als solche und Straftaten erkannt sind).
"Bulldogs in Geschichte und Gegenwart" aus dem Kynos-Verlag enthält eine
fundierte Abrechnung mit der seit über 30 Jahren grassierenden Qualzucht.
Wer ernsthaft für den Schutz der Tiere eintritt, wer ein ehrliches Ansinnen zum Wohl der Tiere verfolgt, hat zum einen menschenunwürdiges Vorgehen und Fäkalsprache nicht nötig, und würde zudem zweifelsfrei erkennen, dass oben beschriebenes Verhalten dem Wohl der Tiere nur Schaden zufügt. Wer soll noch Tiere vor Übergriffen von Menschen schützen, wenn selbst elementare Menschenrechte bewusst und fortlaufend mit Füßen getreten werden? Nicht ohne Grund schrieben die Väter des Grundgesetzes nach den Gräuel des Hitler-Faschismus  als aller erstes den Grundsatz fest:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." (Art 1 GG).

Und dieser Grundsatz ist unteilbar und gilt selbst für verurteilte Verbrecher, auch wenn einem persönlich das zuweilen schwerfallen mag.

Mahatma Gandhi sagte uns: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln." Ich möchte es konkretisieren: Anhand ihrer Moral im Umgang mit Menschen kann man messen, wie ernst es Menschen mit Tierschutz meinen.

Der ernsthafte Tierschutz tut gut daran, einen klaren Trennungsstrich zu solchen Trittbrettfahren zu ziehen.

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* Der Autor dieses Beitrags setzt sich bereits seit Jahren für ein ausdrückliches gesetzliches Verbot von Sodomie ein. So wurde ein diesbezüglicher Vorschlag auch bei verschiedenen Beratungen zum neuen Tierschutzgesetz in Berlin eingebracht. Dieser fand leider kein ausreichendes Gehör mit der Begründung, das Zufügen von Leid an Tieren sei eh verboten. Aber wie einen solchen Nachweis im Einzelfall führen? Das Durchsetzen eines ausdrücklichen gesetzlichen Verbotes bedarf also noch einer gewissen (demokratischen) Überzeugungsarbeit. Die oben angedeutete Vorgehensweise der vorgeblichen "Anti-Zoos" bringt dieses Ansinnen nur in Verruf und steht jedem ernsthaften Engagement zum Schutz der Tiere vor menschlichen Übergriffen diametral entgegen.




Montag, 11. Juni 2012

Working Siberian Husky

Wir berichten hier regelmäßig über Fehlentwicklungen und Missstände in der Rassehundezucht. Abgesehen vom Deutschen Schäferhund betrifft es dabei durchweg Hunderassen, die heute vorwiegend oder ausschließlich eine Rolle als Begleiter haben. Leistung und Leistungsfähigkeit fehlen hier allzu oft als ein Kriterium der Zuchttauglichkeit. Aber auch bei den - neben dem Jagdbereich - wenigen Hunderassen, die auch heute noch auf Leistung gezüchtet werden, liegt zuweilen manches im Argen.


Freunde des Working Siberian Husky machen sich Sorgen um die Richtung, in der sich die Zucht ihrer Hunderasse entwickelt. Zu Beginn wollen wir hier einen "Offenen Brief an den VDH" von Daniela Pörtl veröffentlichen:


Offener Brief an den VDH

Sehr geehrter Herr Prof. Friedrich,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im VDH,

mit großem Interesse verfolge ich die Bemühungen des VDH das Zuchtwesen zu reformieren. Die  Ansicht, dass eine Wende in der Hundezucht zum Erhalt des Rassehundes notwendig ist, teile ich uneingeschränkt. Insbesondere die Änderung der Zuchtordnungen mit Schwerpunkt auf Gesundheit und Wesen des Rassehundes sowie die Umsetzung einer objektiven, gesetzlich legitimierten Zuchtkontrolle erscheinen mir dringlich!

Jetzt möchte ich Ihnen meine Erfahrungen und Beobachtungen bezüglich Zucht des Working Siberian Huskys schilder, der als Arbeitshund  trotz gefordertem Leistungsnachweis für Zuchttiere in seiner Rassespezifität bedroht ist - überwiegend aus sportlichem Ehrgeiz der Züchter... ich schreibe Ihnen, in der Hoffnung auf eine Wende - auch für den Working Siberian Husky!

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema "Hund" und teile auch mein Leben seit diesem Zeitpunkt mit Hunden. Als Humanmedizinerin verfolgte ich auch immer mit Interesse die rassespezifische Hundezucht mit ihren (zunehmenden) Problemen und Erkrankungen.

Bis in die 90er Jahre erwarb ich immer Welpen von VDH-Züchtern. Das Gütesiegelversprechen hatte sich bis dahin immer bestätigt, die Züchter "fragten mich aus", legten mir ihre Zuchtstrategien offen und ich erhielt einen gesunden Welpen mit welchem ich mit Freude einen Abschnitt meines Lebens teilen durfte.

Im Jahre 2006 übernahm ich einen Hound aus dem Tierschutz und stieg mit diesem in den Schlittenhundesport ein. Zur Teamverstärkung wollte ich dann 2010 einen  Working  Siberian Husky dazunehmen und machte mich bei VDH-Züchtern auf die Suche nach einem passenden Welpen - und mußte leider feststellen, dass das Güteversprechen nun keine Selbstverständlichkeit mehr ist - und schlimmer noch - die Zuchtstrategien dem eigentlichen Wesen des Siberian Husky als mental starken, im Team arbeitenden Marathonläufer entgegenwirken.

Als einfacher Liebhaber dieser Rasse mit all ihren Facetten - ich züchte nicht, ich bin und war in keinem Rasseclub Mitglied und ich fahre keine Rennen, nur Touren - möchte ich Ihnen berichten:

Auf der Suche nach einem Welpen hatte ich Kontakt mit verschiedenen VDH - Züchtern, die natürlich auf Grund des geforderten Arbeitsnachweises für den Working Siberian Husky auch alle selbst aktive Musher sind. Ich führte Gespräche und informierte mich über Zuchtlinien. Dabei fiel mir auf, dass der Siberian Husky zunehmend größer gezüchtet wird. Im Rahmen der auch von Ihnen  geforderten, weniger auf äußere Merkmale gerichteten Zucht, denkt man jetzt im ersten Moment:

"Was machen hier einige Zemtimter mehr oder weniger denn aus?"


Ziel der Zucht von großen Working Siberian Huskys ist es, durch die Beinlängenzunahme die Schrittlänge und damit die Geschwindigkeit zu erhöhen. Erstmal durchaus nachvollziehbar, für einen arbeitenden Hund, der Rennen laufen soll. Nur erkauft man sich die zunehmende Größe mit zunehmenden Gewicht, was den Siberian Husky - als den Marathonläufer unter den Hunden -  durch die eher einsetzende Hyperthermie in der Distanz limitiert und  er letzten Endes  damit dem Zuchtstandard immer weniger gerecht wird. Denn wie Ihnen bekannt ist, nimmt die Oberfläche der Hundezunge/-nase im Vergleich zur Körpermasse natürlich deutlich weniger zu, so daß die Gehirnkühlung weniger effektiv erfolgt (kritische Grenze ca 25 kg). Dazu kommt noch, dass die Zucht auf Beinverlängerung den ganzen Hundetyp verändert, denn die Beinlänge wird mit der Becken- und Schädelform gekoppelt vererbt.

Aus dem Marathonläufer unter den Hunden wird zunehmend ein distanzlimitierter Hund mit Sprintereigenschaft.

Dies zeigt sich auch deutlich an der fast jährlichen Kürzung der deutschen Mitteldistanzstrecken von ehemals über 40 km auf z.Z. 25 km innerhalb weniger Jahre!

Um die Geschwindigkeit und "Führbarkeit" des Working Siberian Husky zu erhöhen gibt es auch den Trend, geschickt Alaskan Huskys o.ä. einzukreuzen. Auch dies erscheint im Rahmen der Genpoolöffnung erstmal vielleicht unbedenklich. Doch verliert der Working Siberian Husky dadurch seine typischen mentalen Eigenschaften  was ihn wiederrum auch in der Ausdauer begerenzt. Wie Ihnen aber bekannt ist: Der Phänotyp bleibt recht stabil (man muß schon sehr genau hinschauen...), aber das Wesen verändert sich nachhaltig!

Es gilt zu bedenken, dass diese "Zuchtstrategien" nicht der Verbesserung der Rassegesundheit an sich dienen, sondern lediglich das "Merkmal Geschwindigkeit" erhöhen sollen, was aber den Rassetyp nachhaltig zerstört!

Das heißt, der gute Ansatz des SHC Hunde nur mit Leistungsprüfung zur Zucht zuzulassen wird durch die auf sportlichen Gewinn orientierte Zucht ad absurdum geführt... hier gilt wieder frei nach Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Mit Sorge um den Erhalt dieser einmaligen Hunderasse,die unglaubliches zu leisten im Stande ist, nehme ich diese Zuchtentwicklung zur Kenntnis. Schlimmer aber noch ist, dass an der Rasse und nicht nur am sportlichen Erfolg interessierte Züchter seit Jahren versucht haben, für einen gesunden rassetypischen Working Siberian Husky zu kämpfen. Initiativen über Erkrankungs- und Todestatistiken, Hinweise auf Hybridisierungen und nachweislich zu große Hunde mit Zuchtzulassung wurden nicht nur abgeschmettert, sondern viele der an gesunder, rassetypischer Zucht  interessierten Züchter wurden buchstäblich aus dem Verein gemobbt!!! Der VDH wurde über die Erschleichung der Zuchtzulassung zu großer Hunde sowie der Ausstattung von Hybriden mit VDH Papieren und Registrierung von Schwarzwürfen  Mitte 2010 informiert... bis heute ohne Reaktion!!!

Auch wird mit an Diabetes, Epilepsie und Hypothyreose leidenden Hunden bzw mit solchen erkrankter Linien gezüchtet, zT sogar als enge Linienzucht und Hunde mit Patellaluxation dürfen zur Zucht verwendet werden. Der Gesundheit und Typerhaltung der Rasse sind diese unter das Qualzuchtgesetz fallenden Praktiken sicherlich nicht dienlich!

Ich denke, eines der Hauptprobleme in der derzeitigen Praxis der Rassehundezucht ist, dass bei den Rassen ausschließlich auf ein spezifisches Merkmal hin selektiert wird, sei es das "Kindchenschema", der Phänotyp oder wie hier die isolierte Geschwindigkeit. Wir schaffen uns dadurch die genetische Isolation eines "Ein-Generationen-Hundes", der Facettenreichtum einer Rasse und damit die genetische Vielfalt - auch für die folgenden Generationen - bleibt auf der Strecke! Schon Eibl-Eibesfeldt schrieb: "Vielseitigkeit erhöht die Chance, im Strom des Lebens zu überdauern. Demnach sollte nicht die beste gegenwärtige Anpassung sondern Vielseitigkeit ein Leitwort jeder Planung sein."

Zur gängigen Zuchtpraxis schreiben R. und L. Coppinger in ihrem Buch "Hunde": "Reinrassigkeit ist aber ein künstliches Konstrukt von Zuchtklubs, bei dem es letzten Endes nur um Geld und Ruhm geht... Die Betonung auf Reinrassigkeit (Anm.: Zucht auf ein Merkmal) in unserer heutigen Zeit hat die Rassen in die genetische Isolation getrieben. Ich wünsche mir, dass unsere reinrassigen Hunde aus diesem Gefängnis ausbrechen können. ... Es heißt nur, dass vor allem darauf Wert gelegt werden sollte, was ein Hund leisten kann, wie gesund er ist und wie gut es ihm geht."

Natürlich gibt es sicherlich noch viele Züchter, die mit Hingabe zur Rasse züchten und bei denen wirtschaftliche oder sportliche Interessen nicht den Schwerpunkt setzen, aber auch diese könnten von einer transparenten Zuchtstatistik und objektiven Kontrolle profitieren. Daher fordere ich für jeden Hund mit Zuchtzulassung eine Meldpflicht für auftretende Erbkrankheiten und für die Todesursache, damit kranke Hunde konsequent von der Zucht ausgeschlossen, Linien sinnvoll verpaart werden können und wir für alle Züchter zugängliche Transparenz schaffen.

Das A und O einer guten Zucht sind doch gesunde Hunde und gute Kenntnis über die Anlagen der Elterntiere um sinnvoll verpaaren und damit das Risiko von Krankheiten minimieren zu können.

Das Interesse des VDH sollte doch sein, den Zuchtstandard mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, um so wieder echte Qualität versprechen zu können, anstatt die Augen vor dem zunehmenden Trend des Qualitätsverlustes in der Hundezucht zu schließen.


Ich selbst habe im Jahre 2010 keinen Welpen erworben sondern mich auf Grund o.g. Sachverhalte für eine Working Siberian Husky quasi aus der Nothilfe entschieden:  Eine Hündin aus VDH Zucht, 3 Jahre, ich bin der 4. Besitzer! Die ersten Male ist die Hündin vom Züchter vermittelt worden. Zuerst an einen sicherlich sehr bemühten älteren Herrn ohne Hunderfahrung. Dieser Herr war völlig überfordert, der Hund sozial bis auf den Kontakt zur Besitzerfamilie isoliert. Diese Vermittlung führte zu schweren Verletzungen auf menschlicher Seite  - sicherlich eine Hundevermittlung zum Schaden von Hund und Halter! Mit 6 Monaten kam die Hündin deshalb zurück zum Züchter, dann wurde sie - mittlerweile mit angstaggressiver Tendenz nach der frühen Isolation -  mit knapp 1 Jahr in ein großes Rudel weitervermittelt. Auch hier ergaben sich mit der Zeit fast erwartungsgemäß  größere Probleme (die Hündin war so angstaggressiv, dass sie jeden Hund biss), über einen anderen Kennel, der sich engagierte kam die Hündin dann zu uns - und hat sich prächtig entwickelt! Auch diese Geschichte ist völlig konträr zum VDH-Gütesiegelversprechen der kompetenten Welpenvermittlung!!!

Wir haben unser Rudel nun nochmals um einen Siberian Husky erweitert und  um eine harmonische Rudelerweiterung soweit wie möglich zu gewährleisten sollte es diesmal ein Welpe sein - ich habe mich bewußt für einen Kennel mit langjähriger Zuchterfahrung entschieden, der aus o.g. Gründen seit kurzem aber  nicht mehr unter VDH-Siegel züchtet, der eine transparente und wohldurchdachte Zuchtpolitik betreibt und wo ich sicher bin einen gesunden und arbeitfähigen Siberian Husky zu bekommen (wenn auch ohne Papiere).Das kann ja nicht das Ziel des VDH sein, daß sich verantwortungsbewußte Züchter und Hundekäufer vom Verband Deutsches Hundewesen abwenden müssen um noch ein glaubhaftes Güteversprechen geben und einhalten zu können bzw mit Vertrauen einen Hund erwerben zu können.

Obwohl ich dem Rassehund und seinem Erhalt sehr positiv gegenüberstehe und früher überwiegend gute Erfahrungen mit VDH-Welpen machen durfte, ist nun mein Vertrauen in die "Marke" VDH zerstört... und ich frage mich, gibt es im VDH überhaupt noch eine Zukunft für den "echten" Working Siberian Husky als mental starken, teamfähigen "multi purpose" Marathonläufer, oder soll die Rasse in der VDH Zucht zu zweitrangingen "Hounds" verkommen (damit möchte ich die Hounds nicht abwerten,die ihre Stärke im Sprint haben).

Deshalb frage ich Sie: 
  • Was kann man tun, dass der echte Working Siberian Husky wieder eine Chance im VDH bekommt, jetzt wo viele verantwortungsbewußte Züchter dem VDH breits den Rücken kehren mußten und nach Alternativen suchen... gibt es noch eine Chance? 
  • Ist der VDH Willens die eingegangenen Meldungen bzügl. Verstößen im SHC zum Wohle des Working Siberian Huskys und der Qualitätsicherung in der Rassehundezucht zu bearbeiten? Kann sich der VDH noch mehr Vertrauensverlust leisten?

In dem Moment, wo der natürliche Selektionsdruck der Umwelt und der Arbeit für den ursprünglichen Hund wegfiel und wir Menschen begannen zu züchten, haben wir Verantwortung übernommen - für den einzelnen Hund und für die Rasseentwicklung - wir machten und machen den Hund zu dem was er ist - hoffentlich ein gesunder hundlicher Sozialpatner, der viel Freude schenkt - ein ganzes Hundeleben lang!

Dieses Schreiben möchte ich mit einem Zitat von Mark Rowlands, Prof. der Philosophie, beschließen: "Daraus (Anm: aus der machiavellistischen Intelligenz-Hypothese) ergibt sich naturgemäß der Gedanke, dass das unverwechselbar menschlich Böse durch bewusste Arglist entsteht... argumentiere ich jedoch, dass der größte Teil des von Menschen bewirkten Bösen nicht von Heimtücke, sondern von dem Unwillen herrührt, seine moralische und epistemische Pflicht zu erfüllen."

Es wird immer Menschen geben, die ihre moralische Verantwortung nicht ernst nehmen, daher brauchen wir objektive und unabhängige Kontrollinstanzen für die Hundezucht im VDH. Der VDH-Vorstand  aber sollte in der Lage und Willens sein, seine moralischen und epistemischen Pflichten (auch im Einzelfall!) zu erfüllen und damit Fehlentwicklungen zu verhindern!

Über eine Antwort bzw die Möglichkeit zum Dialog sowie Bearbeitung der o.g. Mißstände würde ich mich im Sinne und zum Wohle unserer Hunde sehr freuen, denn, um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen:

Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden;
Es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.

mit freundlichem Gruß

Daniela Pörtl

...dieser Brief blieb seit über zwei Monaten ohne Antwort vom VDH...


(Anmerkung Christoph Jung: Leider scheint das Nicht-Beantworten solcher sachlichen, ernst gemeinten Schreiben kein Einzelfall, vielmehr Standard zu sein - entgegen den Sonntagsreden des VDH)

Fotos: Daniela Pörtl, Roppelt
Hervorhebungen im Offenen Brief: Christoph Jung
 
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