Freitag, 25. Februar 2011

Hund in Deutschland - Ware und Konsumobjekt

In den letzten Wochen gab es leider Anlass genug, das Thema Hund als Ware anzusprechen. In Steuden wollte ein "Hundefabrikant" (O-Ton in der Selbstbeschreibung) den Sortimentswechsel seines Hundewarenbestandes per Versteigerung abwickeln. Knapp 40 Stück Hund, durchweg Jagdhunde, sollten an den Meistbietenden veräußert werden. Platz für neue Produkte muss her. Das ist aber noch harmlos im Vergleich zu dem Hundehandel, den Norbert Zajac in Duisburg, Europas größter Zoohändler, aufziehen will. Tausend Hundewelpen pro Jahr will er ab 2011 in seinen Verkaufsräumen vermarkten.**

Und auch das ist noch gar nichts gegen den internationalen Hundehandel, wo hunderttausende Hundewelpen - meist aus Osteuropa - in Deutschland und Spanien, die beiden Hauptabnehmerländer, vermarktet werden, Jahr für Jahr und ganz legal. Und manche so genannte Tierschutzorganisation meint dann auch noch, es gäbe "seriösen Handel mit Hunden".

Was bitte kann daran seriös sein, mit Hunden Handel zu betreiben?

Kein Gesetz verbietet den Handel mit Hunden und keine einzige Vorschrift beachtet dabei die Sozialisation, die Hunde unbedingt brauchen, um in unserer Gesellschaft einigermaßen zurecht zu kommen. Und die wenigen Vorschriften, die es gibt, sichern auf dem Papier lediglich das nackte Überleben unseres angeblich "besten Freundes". Kein Amtstierarzt wird gegen Massenzuchten und Hundehandel tätig. Alles nach Recht und Gesetz bekam man sogar schriftlich von der Amtsleiterin des Saalekreises Dr. med. vet. Müller angesichts der Versteigerung und der Verhältnisse in Steuden. Ich frage mich, wofür wir überhaupt Amtstierärzte brauchen? Für Hundezucht und -handel wohl kaum, denn dass die Tiere nicht verrecken, dafür sorgen die Händler und Vermehrer aus eigenem finanziellen Interesse schon selbst.

Wofür brauchen Hunde Amtstierärzte?


Aber auch unter dem, was sich "Tierschützer" nennt, gibt es einige bedenkliche Auffassungen. Die US-Organisation PETA schüttet gleich das Kind mit dem Bade aus. Sie gibt dem Rassehund und der Rassehundezucht als solches die Verantwortung für das Elend. Sie hetzt mit Nazivergleichen von "Rassenwahn" gegen die Hunde. Das ist nicht nur dummdreist, vielmehr auch kontraproduktiv und schadet den Tieren kaum weniger als die Vermehrer selbst. Das Problem ist nicht die Rassehundezucht als solches und die Hunde schon erst recht nicht. Das Problem ist der Mensch, der den Hund zu einer Ware und zu einem Konsumobjekt degradiert. Ob Rassehund oder Mischling, mit einer solchen Einstellung wird nur Hundeelend produziert. Und das hat System, das IST System in Deutschland.

Mischling als Mode


Jeder darf ohne irgendwelche Auflagen Hunde vermehren und vermarkten, ob Rassehund, "Nothund" oder Mischling. Ja es ist derzeit sogar Mode, Mischlinge gezielt zu produzieren. Designer Dogs werden solche Kreationen genannt. Da werden sogar Bulldoggen mit Hütehunden gezielt verpaart. Das Stück für 490,- Euro vom "Züchter" im "Zucht"verband VRZ - UCI (* siehe Anmerkung unten). Solche Welpen an Familien zu verkaufen, würde schon fast von einem Touch krimineller Energie zeugen, mindestens aber von Verantwortungslosigkeit. Denn das Wesen einer Bulldogge gepaart mit dem Wesen eines Border Collies oder Collies ist unberechenbar.

Hundezüchter per Arbeitsagentur

Auch hier schauen die Amtstierärzte sehenden Auges zu. Hier regen sich keine der Medien auf, die ansonsten jedes Zähnefletschen eines Hundes zur Schlagzeile aufspielen. Hier meldet sich keiner der drittklassigen Politiker, die ansonsten im Beißreflex schärfere Sanktionen gegen alle Hunde einfordern. Derweil wird die kommerzielle Hundezucht aus unseren Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung auch noch gefördert. Bei der Agentur für Arbeit ist das Berufsbild des Hundezüchters beschrieben und man kann sich die "Gründung einer Existenz" als kommerzieller Hundezüchter fördern lassen. In der ganzen Beschreibung des Berufsbildes kommt das Thema Sozialisation der Hunde übrigens auch nicht vor.

Am deutschen "Tierschutz"-Wesen soll die Welt genesen?

Bei der Versteigerung war es von Seiten der Medien ziehmlich still (vielleicht berichtet Frank Weber bei Vox 12.3.). Das Thema Hundehandel wird nur bei besonders krassen Einzelfällen angesprochen. Die reale, systematische Zucht mit Erbkrankheiten und Qualzucht sind gar ein mediales Tabuthema. Überhaupt spielt sich das Thema Tierschutz für Hunde medial nur auf Mallorca ab, wo dann deutsche Wohlstands-Residenten für tierschützerische Ordnung sorgen - zumindest solange die Kameras laufen.

"Wir lieben Hunde" (solange wir gut daran verdienen)

Mars, Nestlé und die anderen Industriefutter-Konzerne wollen die heile Hundewelt, die nur ja nicht das unkritische Konsumdenken der Hundehalter stören darf. Und viele Hunde, egal welche, bedeuten nur viele Abnehmer für ihre Fastfood. Und leider funktioniert das stumpfe Konsumdenken auch beim Hund. Hunde werden per www.deine-tierwelt.de massenhaft gekauft und Hundehändler wie Norbert Zajac oder Hubert Winkel würden keine Profite machen, gäbe es nicht genug Halter, die einen Welpen bequem und ignorant aus dem Regal erwerben wollten.

Man verzeihe mir den etwas ironischen Unterton.

Im Dortmunder Appell werden die wichtigsten Eckpunkte angesprochen, wie es besser aussehen könnte. Und in meinem Schwarzbuch Hund habe ich das System aufgedeckt, das dahinter steckt. Ein System, bei dem 5 Milliarden Euro im Jahr am Hund verdient werden, ein System, das vom kranken Hund deutlich mehr profitiert, als von einem gesunden. Ein System, das auf Kosten des Hundes lebt.


* Ergänzung 26.02.: Der Vorsitzende des "Vereingte Rassezüchter Verband" VRZ im UCI,  Karl Meier, verteidigt zwar nicht eine solche Mischlingspraxis seiner "Züchterin", bringt aber einen Vergleich mit Eurasier, Kromfohrländer und anderen "Mixrassen". Auch unterstellt er, dass es sich um einen ungewollten Wurf handele. Bei 2 alleine innerhalb eines Jahres öffentlich zum Verkauf angebotenen Würfen ist das kaum glaubhaft. Ein Hohn für den Vereinsnamen und man kann nur erahnen, auf welchem Niveau in einem solchen Verband "gezüchtet" wird und was dessen "Papiere" wert sind.

**Nachtrag 08.03.: Der VDH wendet sich in einer heute verbreiteten Erklärung offen gegen die Pläne von Zajac und den Verkauf von Welpen im Handel.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie ist denn die Lösung des Problems? Viele setzen sich bestimmt gern ein für eine bessere Welt der Hunde, egal woher, welche Rasse oder was auch immer. Wie kann man denn dagegen vorgehen?

MK hat gesagt…

Eine 100ige lösung gibt es Nicht, allein schon wegen der Wertigkeit des hundes in unserer Gesellschaft!
Eindämmen ja, mit Abstrichen.
1. Verfassen eines Gesetzes zur Stellung von heimtieren in Deutschland- und zwar auf Bundesebene. Dies sollte eindeutige Regeln wer mit was in welchen rahmen züchten darf.Ähnlich wie bei manchen Exoten wäre ein Eignungslehrgang mit abschlessender Prüfung verpflichtend festzuschreiben, und zwar jeweils für einen bestimmten Umfang der Zucht. Kostenpflichtiug und nicht zu knapp. Flankierend dazu eine Eignungsprüfung für angehende Halter.
2. Novellierung der Steuergesetzgebung dahingehend das für die ´´Produktion lebender Ware´´ ein erhöhter Steuersatz fällig wird, begründet durch die entsehenden Mehrkosten der Gesellschaft bei Misslingen des Geschäftszwecks.
3. Verpfichtende Festschreibung der Rücknahmepflicht analog dem Verbraucherschutzgesetz.
4. Gewerblich gezüchtete Hunde erhalten spezielle Chipmarkierungen von den örtlichen Vetämtern mit Steuernummer.
5.Jeder züchter der mit mehr als 2 Rassen und / oder mehr als 3 Hündinnen im Jahr mehr als 2 Würfe hervorbringt gilt automatisch als gewerblich.
6. Zerschlagung des VDH als Markt-und Meinungsführer. Verpflichtung der Länder zur Hilfestellung bei der Gründung regionaler Organisationsformen. Diese sind übersichtlicher und leichter zu kontrollieren.
7. Die Länder führen eine Datenbank mit ALLEN bei ihnen genehmigten Zuchten.
8. Bestätigung von Ahnentafeln erfolgt vom örtlichen Ordnungsamt nach Einsichtnahme in Zuchterlaubnis des Halters von Hündin und Rüde. Ohne dies sind AT´s ungültig.
9. Buchführungsplicht der Züchter und Verbände über den Verbleib der Nachzucht. Fürsorgepflicht auch im Weiteren.
10.Meldepflicht für Auslandshunde und Strafsteuer in 3-facher Höhe des Mittelwerts der Rasse auf dem deutschen Markt, bei nach deutschem Recht verbotenen Manipulationen am Tier-kupieren etc- verdoppeln derselben.

Die Einnahmen aus solch drastischen Massnahmen sollten die Behörden, Komunen und Vereine in die Lage versetzen die wirklichen Notfälle adäquat zu versorgen und so nötig auch engagiertes und qualifiziertes Personal einzustellen.
Dies Dinge lösen das Problem wahrscheinlich nicht 100%ig, dürften Handel und Zucht aber recht unlukrativ machen.

Anonym hat gesagt…

bis auf Punkt 10 stimme ich zu. Die meisten Hunde aus dem Ausland, so meine Erfahrung, werden noch vor der Einreise kastriert. Seriöse Vereine tun dies zumindest eben schon vor Ort.
Ein Auslandshund ist kein anderer Hund als ein deutscher Hund, warum dann eine Strafsteuer?
Tierschutz hat für mich keine Grenze.

MK hat gesagt…

Hier geht es Nicht um Tierschutz, sondern um das verhindern des manipulativen Handels von Tieren. Verzichtet man auf Punkt 10, dann erreicht man in Summa das gegenteil. Man reguliert den deutschen Markt und erreicht damit das noch intensiver Hunde importiert werden. Damit verschlimmert man das problem nur in Potenz.
Auslandstierschutz ist eine völlig andere Sache. die vollumfänglich ein Extra-Themen Bereich wäre. Nur soviel, auch da tummeln sich genug Händler die auf den Zug aufgesprungen sind. Auf diesem Gebiet müssen gesonderte regularien geschaffen werden. Eine Festlegung zur Verpflichtung der Orgas einen gewissen prozentualen betrag ihres Verkehrskapitals im Herkunftsland zu investieren wäre z.B. so ein Punkt. Dann eventuell die Kontrolle der Gemeinützigkeit und die Verpflichtung zur Erlangung dersselben bevor es erlaubt wirtd auf diesem Gebiet zu agieren, sprich Hunde einzuführen.
Eine zwingend vorgeschriebene Kontrolle durch Zollveterinäre wäre auch machbar. für vernünftig arbeitende Vereine sind das keine wirklichen Hürden, für die Pseudotierschützer schon. aber wie gesagt, ist ein weites Feld voller Minen ;o)

Anonym hat gesagt…

und wie ist die schnell-lösung für das stierandsche desaster?

 
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